Dekubitus

Ein Dekubitus ist ein Bereich lokalisierter Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes über einem Knochenvorsprung.
Wirkt ein andauernder, nicht physiologischer Druck auf diese Haut- und Gewebeschichten, kann sich ein Dekubitalgeschwür entwickeln. Ursache ist die Unterbrechung des Blutflusses durch einen solchen Druck. Als zusätzlich verstärkende Faktoren gelten Reibung und Scherkräfte.

Verschiedene Symptome können auf einen Dekubitus hinweisen. Bei genauer Beobachtung lässt sich diese Wunde außerdem in verschiedene Grade einteilen, sodass die Stärke der Schädigung beurteilt und eine geeignete Wundversorgung durchgeführt werden kann.

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Symptome

Äußere Einflüsse auf die Haut

Mit zunehmendem Alter und durch äußere Einflüsse nimmt die Stabilität der Haut allmählich ab. Feuchtigkeit – bspw. durch Inkontinenz oder starkes Schwitzen – kann die Stabilität der Haut schwächen. Trockene und rissige Stellen tragen ebenso dazu bei, dass ein Druckgeschwür schneller entstehen kann. Eine gute Körperpflege ist jetzt besonders wichtig. Auch örtliche und allgemeine Durchblutungsstörungen sind ein Risiko. Erste Anzeichen für einen Gewebeschaden sind an der Haut sichtbare Rötungen. Wenn sich diese nicht wegdrücken lassen, ist äußerste Vorsicht geboten.

Dekubitus Frühtest

Ein Dekubitus ersten Grades kann einfach und ohne besondere Hilfsmittel erkannt werden. Unterstützend kann ein Uhrglas oder ein durchsichtiges Stück Kunststoff benutzt werden.

 

Hautbeobachtung: Beurteilen der Haut auf Zustand sowie Veränderungen

Für die Versorgung der Wunde ist die Behandlung der Ursache entscheidend. Erst wenn die Ursache behoben ist, kann die Wunde abheilen. Bei einem druckbedingten Dekubitus ist die Druckentlastung enorm wichtig, ansonsten kann die Wunde nicht heilen. Bei einer Feuchtigkeitswunde muss die Herkunft der Feuchtigkeit festgestellt und behoben werden. Ist Inkontinenz die Ursache, müssen entsprechende Mittel eingesetzt werden, um die Haut trocken zu halten.

Unterscheidung zwischen Dekubitus und einer Hautschädigung durch Feuchtigkeit:

Parameter Dekubitus Feuchtigkeitswunde
wichtigste Ursache Druck Feuchtigkeit und Reibung
wichtigste Lokalisation über Knochenvorsrprünge
Kreuzbein (Os sacrum)
in Hautfalten
Steißbein
Aussehen der Wunde schlecht durchblutet
tief/oberflächlich
gut durchblutet
oberflächlich
umgebende Haut nicht direkt betroffen direkt betroffen

Gradeinteilung Dekubitus

Grad 1

Grad 2

Grad 3

Grad 4

 
  • Nicht wegdrückbare, umschriebene Rötung

  • Haut ist intakt

  • Der Bereich kann im Vergleich zur Umgebungshaut schmerzempfindlicher, verhärteter oder weicher, wärmer oder kälter sein

 
 
  • Teilverlust der Haut

  • Epidermis (Oberhaut) bis hin zu Anteilen der Dermis (Lederhaut) sind geschädigt

  • Blase, Hautabschürfung oder flaches, offenes Ulcus mit rot bis rosafarbenem Wundbett

  • ohne Beläge

  • kann auch als Bluterguss erscheinen

 
 
  • Tiefenschädigung von Haut und Gewebe

  • Verlust aller Hautschichten

  • Schädigung oder Nekrose des subkutanen (Unterhaut-)Gewebes

  • keine Beteiligung von Knochen, Sehnen, Muskeln

  • eventuell mit Belegen

  • Dekubitus zeigt sich klinisch als tiefes, offenes Geschwür mit oder ohne Unterminierung

 
 
  • Totaler Gewebsverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen und Muskeln

  • Verlust aller Hautschichten

  • Ggf. Unterminierungen, Tunnel, Taschen, Beläge und Schorf vorhanden

  • Gefahren drohen durch Osteomyelitis und Ostitis

  • Unterstützende Strukturen, wie Knochen und Sehnen, sind tastbar

 

Dekubitus Grad 1

Dekubitus Grad 2

Dekubitus Grad 3

Dekubitus Grad 4

Dekubitus uneinstufbar

Dekubitus mit vollständigem Haut- und Gewebeverlust

  • tatsächliche Tiefe ist durch Beläge nicht bestimmbar

  • stabiler Wundschorf an den Fersen dient als "natürlicher biologischer Schutz"

  • Belag oder Wundschorf muss zunächst abgetragen werden, um den Grad zu bestimmen

Dekubitus unbekannte Tiefe

Dekubitus mit vermuteter tiefer Gewebsschädigung

  • violette oder rotbraun verfärbte Haut

  • Bildung einer blutgefüllten Blase möglich

  • das Gewebe kann schmerzhaft, derb, breiig oder matschiger Konsistenz sein

  • Temperaturunterschiede zum angrenzenden Gewebe

  • Tiefe der Gewebsschädigung ist nicht erkennbar


Ursache und Entstehung

Wodurch entsteht ein Dekubitus?

Wenn auf bestimmten Körperstellen über zu lange Zeit zu viel Gewicht lastet, werden die Haut und das darunter liegende Gewebe „gedrückt“. Auch durch Scherkräfte, das heißt durch das Verschieben der Hautschichten gegeneinander, wird die Durchblutung gestört. Das Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und stirbt langsam ab. Gesunde, bewegliche Menschen bekommen keinen Dekubitus. Normalerweise sendet der Körper über das Nervensystem Schmerzsignale aus, wenn auf einer Körperstelle zu viel Druck lastet. Unser Körper antwortet darauf automatisch mit Bewegung, sogar im Schlaf, und verhindert so ein Wundliegen. Diese wichtigen Bewegungen bleiben bei Patienten, die sich nicht selbständig bewegen können, oft aus. Zu den gefährdeten Personen gehören solche, die unter Lähmungen leiden, komatös sind oder auch längere Zeit in einer Operation verbringen.

Druck in Relation zur Zeit

Entscheidend für die Entstehung eines Dekubitus ist die Einwirkung von Druck in Relation zur Zeit. Neben lang anhaltendem Druck kann nach neuesten Erkenntnissen auch kurzzeitiger hoher Druck einen Dekubitus auslösen (DNQP 2011).

Dabei gilt: Je länger die Liegezeit, desto größer die Gefahr eines Druckgeschwürs.
Bei längerer Druckeinwirkung ist die verminderte Durchblutung die Ursache für das Wundliegen.

Scherkräfte

Unter Scherung wird im pflegerisch-medizinischen Sprachgebrauch die Verschiebung der verschiedenen Hautschichten gegeneinander verstanden. Sie bewirkt eine Verdrillung der Blutgefäße und unterbindet damit die Blutzirkulation. Scherkräfte haben massive Auswirkungen bei sitzenden Patienten, da der Druck im Sitzen etwa 7-mal höher ist als im Liegen.


Risikofaktoren

Mögliche Risikofaktoren

  • Immobilität, Kontrakturen/Paresen

  • reduzierter Allgemeinzustand

  • Mangelernährung/Dehydration

  • Stuhl- und Harninkontinenz

  • verminderte Durchblutung, reduzierte Schmerzwahrnehmung

Betroffene Personen

Vor allem Menschen, die sich durch Krankheit oder durch körperliche Einschränkungen nicht ausreichend bewegen oder ernähren können, sind anfällig für die Entstehung eines Dekubitus. Zu diesen Patienten zählen auch Schlaganfall-Patienten mit Lähmungen und/oder Spastiken.
Menschen mit Diabetes mellitus und Rückenmarkverletzte sind ebenfalls besonders gefährdet, da dort die Nerven nicht mehr richtig arbeiten und dies zu Wahrnehmungsstörungen führen kann.


Gefährdete Körperstellen

Generell sind besonders die Körperstellen gefährdet, an denen die Haut direkt über dem Knochen liegt. Dazu gehören die Schulterblätter, die Hüften, die Fersen, aber auch das Gesäß. Vor allem sehr dünne und übergewichtige Personen sind stark gefährdet. Bei ersteren fehlt die schützende Fettschicht, bei letzteren verursacht das Körpergewicht zusätzlichen Druck.


Behandlung und Therapie

Kausaltherapie

Neben einer idealfeuchten Wundbehandlung ist bei einem Dekubitus die fachgerechte Lagerung des Patienten in intermittierenden Abständen in Seitenlage oder ggfs. auch Bauchlage unerlässlich. Die Wunde muss frei von weiterem Druck sein, da sonst keine Wundheilung stattfinden kann.

Sogenannte Wechseldruckmatratzen ermöglichen des Weiteren eine ideale Druckverteilung über den ganzen Körper. Prädisponierte Stellen, wie der Sakralbereich und die Fersenregion, werden dabei so gut wie möglich entlastet. Ebenso muss der Flüssigkeits- und Ernährungszustand des einzelnen Patienten optimiert werden, da durch große Wunden viele Nährstoffe verloren gehen. Der Bedarf an Kalorien und Eiweiß ist deutlich erhöht.

Druckentlastung

Durch verschiedene große und kleine Lageveränderungen können die  Angehörigen den Patienten bei der Gesundung des Dekubitus gezielt unterstützen. Wenn er sich nicht mehr selbst bewegen kann, sollte jemand anderes ihn spätestens alle 2 Stunden in eine neue Position bringen (umlagern).

Unterlagerung von Körperteilen des Patienten (Mikrolagerung)

Umlagerung des Patienten (Makrolagerung)

30-Grad-Lagerung

90-Grad-Seitenlagerung

135-Grad-Lagerung

 
  • Kissen zwischen Knie, Fersen freilagern, Sakralbereich wird entlastet

  • Belastung auf der rechten oder linken Körperhälfte

  • 2 Kissen auf die Hälfte falten

  • unter den rechten oder linken Teil des Rückens und unter das passende Bein schieben

 
 
  • gesamte Belastung liegt auf einer Körperhälfte

  • die oben liegende Seite von 2 Kissen unterlagern

  • Positionsänderung des Patienten in Seiten-, Rücken- oder Bauch-Lage

 
 
  • Vorteil bei vorhandenem Dekubitus im Sakralbereich

  • 2 Kissen jeweils unter den Oberkörper und die entsprechende Unterkörperhälfte legen

  • Patient befindet sich beinahe in Bauchlage

 

30-Grad-Lagerung

90-Grad-Seitenlagerung

135-Grad-Lagerung

Bei der 30°-Lagerung werden zwei Kissen jeweils auf die Hälfte gefaltet und unter den rechten oder linken Teil des Rückens und unter das passende Bein geschoben.

Bei der 90°-Seitenlagerung liegt der Betroffene auf der Seite. Der oben liegende Arm und das Bein werden jeweils von einem Kissen gestützt.

Die 135°-Lagerung ist ratsam bei einem bereits vorhandenen Steißbeindekubitus. Dabei werden zwei Kissen jeweils unter den Oberkörper und die entsprechende Unterkörperhälfte gelegt. Der Betroffene befindet sich beinahe in Bauchlage.

Abpolstern von harten Stellen

„Harte Stellen“ wie Katheter oder Sondenschläuche sollten immer gut abgepolstert sein, wenn sie dauerhaft liegen müssen! Das Bettlaken sollte glatt und faltenfrei sein, um keine Druckstellen zu verursachen. Auch vermeintlich leichte Gegenstände wie Schläuche können bei dauerhafter Druckeinwirkung eine Verletzung bewirken.
Mit diesen und anderen Maßnahmen werden die gefährdeten Körperstellen regelmäßig druckentlastet. Das verhindert die Entstehung eines Druckgeschwürs und unterstützt die Wundheilung bei einem bereits vorhandenen Dekubitus.

Antidekubitus-Weichlagerungsmatratzen

Spezielle, weiche Matratzen verteilen den Druck großflächiger und entlasten gefährdete oder bereits wundgelegene Körperstellen. Dadurch kann der Dekubitus besser heilen.

Bettklima

Der Raum sollte nicht zu warm und zu feucht temperiert sein. Bei Schlafzimmern werden Temperaturen zwischen 16 und 18°C bei einer Luftfeuchtigkeit von 40-60% empfohlen. Zu hohe Temperaturen führen zu Schwitzen, was die Haut schädigen kann und sollte vermieden werden. Bei einem Patienten sollte die Temperatur ansonsten seinen Bedürfnissen angepasst werden. Die verwendete Bett- und Nachtwäsche sollte atmungsaktiv, z.B. aus Baumwolle sein. Wichtig ist auch eine gute Durchlüftung der Matratze und regelmäßiges Lüften des ganzen Zimmers.

Hautpflege

Checkliste:

  • regelmäßige Reinigung der gefährdeten Körperstellen mit klarem Wasser

  • Einsatz von pH-neutralen/milden Seifen und Waschmitteln

  • Haut sorgfältig trocknen

  • Verwendung von rückfettenden Cremes

  • Einsatz von Inkontinenzprodukten bei Inkontinenz (z.B. Dauerkatheter, Kunststoffhose mit Einlage)

Schmerztherapie

Bei der Behandlung und Versorgung von Wunden können auch häufig Schmerzen eine Rolle spielen. Die Ursache der Schmerzen ist dabei individuell verschieden und immer abhängig von der Grunderkrankung, weiteren Erkrankungen, der Wunde selber und ihrer Versorgung, sowie der Gesamtverfassung des Patienten.

Es muss  zwischen den Schmerzen einer akuten Behandlung, z.B. der Wundreinigung und grundsätzlich bestehenden Schmerzen unterschieden werden.

Nahezu alle Verletzungen, außer starken Brandwunden und Erfrierungen, verursachen mehr oder weniger heftige Schmerzen. Je nach Äußerung des Patienten und Umfang der Verletzung gibt es verschiedene Schmerzmedikationen, die eingesetzt werden können.

Neben lokalen Betäubungsmitteln, die mittels Spritze oder Creme appliziert werden, gibt es auch systemisch, d.h. im ganzen Körper, wirkende Medikamente. Die Behandler entscheiden hier anhand der Verletzung, welches Schmerzmedikament das am besten geeignete ist.

Bei akuten Verletzungen ist oft eine Schmerzbehandlung während der Versorgung und einige Tage danach nötig, bis sich das Gewebe soweit stabilisiert hat, dass auch die Schmerzen nachlassen.

Liegt eine chronische Erkrankung zu Grunde, sind auch die Schmerzen oft ein andauernder Begleiter. Je nach Grunderkrankungen haben Patienten mehr oder weniger starke Schmerzen. Bei einer pAVK ist die Messung der schmerzfreien Gehstrecke ein wichtiges Diagnosemerkmal. Bei Diabetikern tritt häufig eine Polyneuropathie, eine Nervenschädigung, auf. Diese Patienten haben in Bezug auf die Wunde oft ein gestörtes, insbesondere vermindertes Schmerzempfinden.

Starke Schmerzen können einen negativen Einfluss auf die Wundversorgung und die allgemeine Genesung haben, da sie mit einem erhöhten Stresslevel einhergehen. Dies kann zu einer schlechteren Durchblutung und damit zu einer geringeren Sauerstoffversorgung im Gewebe führen. Diese Faktoren können dann die Wundheilung weiter verzögern. Zudem führen Schmerzen zu Angst vor der Behandlung und reduzieren die Lebensqualität der Betroffenen.

Wichtig ist, dass die Schmerzen des Patienten immer ernst genommen und vom Behandler akzeptiert werden. Im nächsten Schritt sollte ihre Herkunft herausgefunden werden, sodass dann eine Behandlung zur Schmerzreduktion eingeleitet werden kann. Bei einer medikamentösen Behandlung ist es wichtig, die Schmerzmittel auf die sonstigen Medikamente abzustimmen, die der Patient einnimmt. Entscheidend ist auch der Einnahmezeitpunkt. Wenn die stärksten Schmerzen während des Verbandwechsels einer chronischen Wunde auftreten, sollte die Medikation rechtzeitig vorher eingenommen werden, damit das Medikament Zeit hat, zu wirken. Viele Schmerzmittel in Tablettenform benötigen mindestens 20 Minuten bis sie ihre Wirkung zeigen, da sie über den Magen-Darm-Trakt ins Blut gelangen müssen. Der Patient kann z.B. die Schmerzmittel bereits zu Hause einnehmen, bevor er in die Praxis zur Behandlung kommt. Der Wirkspiegel ist dann zur Behandlung erreicht und es treten weniger Schmerzen beim Verbandwechsel auf.

Ein elementar wichtiger Punkt ist natürlich die Behandlung der Grunderkrankung. Gerade bei chronischen Wunden sollte die Grunderkrankung immer vorrangig behandelt werden, um die Heilungschance zu verbessern. Die schlechte Durchblutung führt bei Patienten mit pAVK zu starken Schmerzen bei Belastung, später auch im Ruhezustand. Die Durchblutung muss, entweder medikamentös oder operativ, wiederhergestellt werden. Bei Patienten mit einer CVI können Schmerzen durch die Schwellung der Beine auftreten. Die Kompressionstherapie wird auch nicht von allen Betroffenen problemlos akzeptiert.

Beim Verbandwechsel gibt es durch den Einsatz von modernen Wundauflagen auch die Möglichkeit, diesen möglichst schmerzarm zu gestalten. Auch bei kleineren Verletzungen verhindern Wunddistanzgitter, dass z.B. Kompressen mit der Wunde verkleben und dann beim Entfernen schmerzhaft abgerissen werden müssen. Besonders bei chronischen Wunden sollten atraumatische Wundauflagen eingesetzt werden, die nicht mit der Wunde verkleben und auch mehrere Tage am Stück auf der Wunde bleiben können. Dadurch wird die Wundruhe und somit die Heilung gefördert.

Wundreinigung

Wunden befreien von:

  • Nekrosen

  • Fibrin

  • Fremdkörpern

  • Abfallstoffen

  • überschüssigem Exsudat

Am Beginn der Therapie steht die Wundreinigung. Sie befreit die Wunde von Nekrosen, Belägen, Fremdkörpern, Abfallstoffen und überschüssigem Wundexsudat (Panfil 2009).

Debridement/ Wundtoilette

Das Entfernen von abgestorbenem Gewebe dient der Verbesserung der Wundbedingungen und der Infektionsprophylaxe. Es gibt verschiedene Möglichkeiten ein Debridement durchzuführen:

  • Autolytisch

  • Mechanisch

  • Chirurgisch

  • Biochirurgisch

Die Art ist abhängig von Gewebetyp, Lokalisation, Wundtiefe und anderen Faktoren.
Weitere Informationen zu den verschiedenen Durchführungsmethoden finden Sie hier.

Die Wundtoilette dient der lokalen Sanierung des Wundbettes durch entfernen nekrotischen und fibrinösen Gewebes bis an intakte Strukturen.

Wundauflagen

[PRODUKTE HAYSTACK="wound_types" NEEDLE="Dekubitus"]

Für Wunden mit einer gut durchbluteten Umgebung werden moderne beziehungsweise idealfeuchte oder hydroaktive Wundauflagen verwendet. Die Auswahl der geeigneten Wundauflage ist abhängig von:

  • Wundstadium

  • Wundheilungsphase

  • Klinischen Infektionszeichen

  • Exsudationsmenge

  • Zustand des Wundrandes

  • Wundumgebung

Weitere Aspekte sind Wirtschaftlichkeit, leichte Handhabung, Patientenbedürfnisse und die Akzeptanz der Wundauflage durch den Patienten.

Unterstützung für die richtige Wundversorgung

Wundversorgungshilfe

Die geeignete Wundauflage kann über die Wundversorgungshilfe ermittelt werden.

Verbandwechsel

Mehr über das richtige Anbringen einer Wundauflage und den korrekten Verbandwechsel erfahren Sie hier.


Unsere Fortbildungen

Grundlagen zur Versorgung chronischer Wunden
Die Fortbildung vermittelt Grundkenntnisse zu den Wundauflagen und deren Anwendung, die praxisnah geübt werden.
Hier können Sie sich für diese Fortbildung anmelden.


Mögliche Komplikationen

Anzeichen einer Wundinfektion

  • Wärme (Calor)

  • Röte (Rubor)

  • Schmerz (Dolor)

  • Schwellung (Tumor)

  • Bewegungseinschränkung (functio laesa)

Komplikationen

  • septische Körpertemperatur

  • Schädigung der Muskulatur

  • Entzündung der Knochenhaut (Periostitis)

  • Entzündung der Knochen (Ostitis)

  • Venenentzündung (Thrombophlebitis)


Heilungsverlauf

Chronische Wunden entstehen, weil eine gewisse Grunderkrankung vorliegt, die eine Abheilung der Wunde verhindert. Sehr häufig sind Durchblutungsstörungen dafür verantwortlich. Eine Wunde kann nur heilen, wenn sie ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Bei Durchblutungsstörungen ist dies oft nicht der Fall. Deshalb ist die Behandlung der Grunderkrankung essentiell.

Alle Wunden heilen in der gleichen Abfolge, wobei die Dauer der Phasen individuell verschieden sein kann. Am Anfang befinden sich Wunden immer in der Reinigungsphase (Exsudationsphase). In dieser Phase versucht der Körper, durch ein erhöhtes Flüssigkeitsaufkommen, Fremdkörper und Bakterien aus der Wunde zu schwemmen. Chronische Wunden hängen oft in dieser Phase fest und schaffen nicht aus eigener Kraft die Bekämpfung einer möglichen Wundinfektion. Hier kann durch die Verwendung von antiseptischen Spüllösungen und Wundauflagen unterstützt werden (s. Infizierte Wunden).

Ist die Wundreinigung abgeschlossen, bildet sich Granulationsgewebe. In dieser zweiten Phase wird das verloren gegangene Gewebe neu gebildet. Dies geschieht durch die Ausbildung eines Stützgerüstes und der Neubildung von Gefäßen. Fibroblasten wandern aus der Wundumgebung ein und bilden das neue Gewebe. Dieses Gewebe wird später als Narbe sichtbar bleiben. Das Granulationsgewebe füllt die Wunde von unten nach oben und von außen nach innen auf. Dieses kann mehrere Wochen bis Monate dauern, je nach Größe und Tiefe der Wunde. Das Gewebe bildet dann die Grundlage für die sich anschließende Epithelisierungsphase.

In dieser Phase bildet sich die abschließende Haut, die die Wunde endgültig verschließt. Die Zellen wandern von den Wundrändern ein und bedecken die Wunde von außen nach innen. Dieses Narbengewebe wird auch als solches sichtbar bleiben. Das Epithelgewebe verschließt letztlich die Wunde.

Bei der Heilung einer chronischen Wunde, bzw. einer Wunde mit einem größeren Gewebeverlust, entsteht immer eine Abheilung unter Narbenbildung. Der Körper kann das verlorene Gewebe nicht regenerieren, sondern nur ersetzen. Dieses Füll- oder Narbengewebe erreicht aber nicht mehr die Funktionalität oder Stabilität von normaler Haut. Deshalb entstehen an diesen Stellen oft neue Wunden. Eine solche Narbe braucht wenigstens 12 Monate bis sie sich stabilisiert hat und ausgereift ist. Pflege und Schutz der Narbe sind wichtig, damit hier keine neue Wunde entsteht.


Vorbeugung

Prophylaxe

Am häufigsten sind die Körperstellen gefährdet, an denen die Haut direkt über dem Knochen liegt. Stellen mit geringer Weichteildeckung (Fettgewebe oder Muskeln) sind: Fersen, Knöchel, Zehen, Knie, Ellenbogen, Schulterblätter, Beckenknochen, Kreuzbein und Wirbelvorsprünge.

Prophylaktisch sollten die Risikofaktoren Immobilität, Mangelernährung, herabgesetztes Schmerzempfinden und Kontrakuren durch lokale Druckentlastung und therapeutisches Lagern sowie Mobilisation reduziert oder eliminiert werden.

Bewegung

Je mehr  sich der Patient bewegt, desto besser. Wenn er sich bewegt, entlastet er die Druckstelle – das ist das A und O, um einem Wundliegen vorzubeugen. Der Patient und seine Angehörigen sollten dazu angehalten werden, regelmäßige Bewegungsübungen durchzuführen. Wenn er das nicht mehr kann, ist ein regelmäßiges „Umlagern“ durch Andere notwendig.

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung verhindert die Entstehung eines Dekubitus nicht, aber die Risikofaktoren, wie z. B. ein schlechter Hautzustand, können damit eingegrenzt werden. Wichtig ist, dass der Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Das erreicht man am besten mit frischen und saisonalen Produkten, besonders mit Obst, Gemüse und wenig magerem Fleisch. Wichtig ist auch, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Körperpflege

Gesunde Haut ist weniger gefährdet für ein Wundliegen. Daher ist eine gute Hautpflege wichtig:

  • Vermeidung von ständig feuchter Haut

  • die Haut immer sorgfältig abtrocknen

  • milde (pH-neutrale) Seifen und Waschmittel verwenden

  • Verwendung von rückfettenden, zum jeweiligen Hauttyp passende Cremes

Abpolstern von harten Stellen

„Harte Stellen“ wie Katheter oder Sondenschläuche sollten immer gut abgepolstert sein, wenn sie dauerhaft liegen müssen! Das Bettlaken sollte glatt und faltenfrei sein, um keine Druckstellen zu verursachen. Auch vermeintlich leichte Gegenstände wie Schläuche können bei dauerhafter Druckeinwirkung eine Verletzung bewirken.

Mit diesen und anderen Maßnahmen werden die gefährdeten Körperstellen regelmäßig druckentlastet. Das verhindert die Entstehung eines Druckgeschwürs und unterstützt die Wundheilung bei einem bereits vorhandenen Dekubitus.

Antidekubitus-Weichlagerungsmatratzen

Spezielle, weiche Matratzen verteilen den Druck großflächiger und entlasten gefährdete oder bereits wundgelegene Körperstellen. Dadurch kann der Dekubitus besser heilen.

Bettklima

Der Raum sollte nicht zu warm und zu feucht temperiert sein. Bei Schlafzimmern werden Temperaturen zwischen 16 und 18°C bei einer Luftfeuchtigkeit von 40-60% empfohlen. Zu hohe Temperaturen führen zu Schwitzen, was die Haut schädigen kann und sollte vermieden werden. Bei einem Patienten sollte die Temperatur ansonsten seinen Bedürfnissen angepasst werden. Die verwendete Bett- und Nachtwäsche sollte atmungsaktiv, z.B. aus Baumwolle sein. Wichtig ist auch eine gute Durchlüftung der Matratze und regelmäßiges Lüften des ganzen Zimmers.

Hautpflege

Checkliste:

  • regelmäßige Reinigung der gefährdeten Körperstellen mit klarem Wasser

  • Einsatz von pH-neutralen/milden Seifen und Waschmitteln

  • Haut sorgfältig trocknen

  • Verwendung von rückfettenden Cremes

  • Einsatz von Inkontinenzprodukten bei Inkontinenz (z.B. Dauerkatheter, Kunststoffhose mit Einlage)