Dekubitus - Definition, Versorgung, Prophylaxe

Dekubitus - Definition, Versorgung, Prophylaxe

Dekubitus ist der Fachbegriff für ein Druckgeschwür der Haut und entsteht durch Druck oder Druck kombiniert mit Scherkräften. Die lokale Schädigung der Haut und/oder des darunterliegenden Gewebes entsteht durch langanhaltende Druckbelastung meist über einem Knochenvorsprung. 

Ein andauernder Druck verhindert die reguläre Durchblutung und somit die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen, wodurch das sogenannte Druckgeschwür (Dekubitus) entstehen kann. Diese Minderdurchblutung verursacht eine schlechte und langsame Wundheilung.

Ein Dekubitus ist eine chronische Wunde und benötigt eine professionelle Wundversorgung für eine gute Abheilung. Anhand verschiedener Symptome und Bedingungen wird ein Dekubitus in verschiedene Schweregrade eingeteilt und daran die Therapie mit geeigneter Wundversorgung ausgerichtet.

Symptome eines Dekubitus

Um einen Dekubitus zu erkennen und einstufen zu können, sollte die Haut auf Veränderungen beobachtet werden. Zusätzlich kann ein Frühtest durchgeführt werden.

Äußere Einflüsse auf die Haut

Mit zunehmendem Alter und durch äußere Einflüsse nimmt die Stabilität der Haut allmählich ab. Feuchtigkeit – bspw. durch Inkontinenz oder starkes Schwitzen – kann die Stabilität der Haut schwächen. Trockene und rissige Stellen tragen ebenso dazu bei, dass ein Druckgeschwür schneller entstehen kann. Eine gute Körperpflege ist jetzt besonders wichtig. Auch örtliche und allgemeine Durchblutungsstörungen sind ein Risiko. Erste Anzeichen für einen Gewebeschaden sind an der Haut sichtbare Rötungen. Wenn sich diese nicht wegdrücken lassen, ist äußerste Vorsicht geboten.

Dekubitus Frühtest

Ein Dekubitus ersten Grades kann einfach und ohne besondere Hilfsmittel erkannt werden. Unterstützend kann ein Uhrglas oder ein durchsichtiges Stück Kunststoff benutzt werden.

Zeichnung: Finger drückt auf Bein mit rotem Punkt
Ca. eine Sekunde lang mit einem Finger auf die gerötete Hautstelle drücken. Anschließend die Hautstelle genau betrachten.
Zeichnung: Finger drückte auf Bein mit rotem Punkt
Gesunde Haut verfärbt sich erst weiß, um dann wieder die Ausgangsfarbe anzunehmen. Eine gefährdete Hautstelle bleibt rot und lässt sich nicht wegdrücken.

Hautbeobachtung: Beurteilen der Haut auf Zustand sowie Veränderungen

Für die Versorgung der Wunde ist die Behandlung der Ursache entscheidend. Erst wenn die Ursache behoben ist, kann die Wunde abheilen. Bei einem druckbedingten Dekubitus ist die Druckentlastung enorm wichtig, ansonsten kann die Wunde nicht heilen. Bei einer Feuchtigkeitswunde (Inkontinenz-assoziierte Dermatitis, IAD) muss die Herkunft der Feuchtigkeit festgestellt und behoben werden. Ist Inkontinenz die Ursache, müssen entsprechende Mittel eingesetzt werden, um die Haut trocken zu halten. Schweiß und Urin, aber besonders dünnflüssiger Kot greifen die Hautoberfläche schnell an und führen zur Mazeration (Aufweichen) der obersten Hautschichten. Verbunden mit Reibung durch Kleidung, Inkontinenzprodukte oder Lagerung können dann schnell Wunden entstehen.

Unterscheidungskriterien IAD vs. Dekubitus

 IADDekubitus
UrsacheHarn- und/oder StuhlinkontinenzDruck und/oder Scherkräfte
LokalisationGenital- und AnalbereichÜber Knochenvorsprüngen
FormDiffuse bis unregelmäßige RänderAusgeprägte Ränder und Begrenzung
TiefeOberflächlichOberflächlich bis tief
NekroseKeine NekroseNekrose möglich
FarbeDiffuse RötungAbgegrenzte Rötung

 

Gradeinteilung Dekubitus

Dekubitus, Kategorie 1

Dekubitus Grad 1

  • Nicht wegdrückbare, umschriebene Rötung,
  • Haut ist intakt,
  • Der Bereich kann im Vergleich zur Umgebungshaut schmerzempfindlicher, verhärteter oder weicher, wärmer oder kälter sein
Dekubitus Kategorie 2 – Teilverlust der Haut

Dekubitus Grad 2

  • Teilverlust der Haut,
  • Epidermis (Oberhaut) bis hin zu Anteilen der Dermis (Lederhaut) sind geschädigt,
  • Blase, Hautabschürfung oder flaches, offenes Ulcus mit rot bis rosafarbenem Wundbett,
  • ohne Beläge,
  • kann auch als Bluterguss erscheinen
Dekubitus Kategorie 3 – Tiefenschädigung der Haut

Dekubitus Grad 3

  • Tiefenschädigung von Haut und Gewebe,
  • Verlust aller Hautschichten,
  • Schädigung oder Nekrose des subkutanen (Unterhaut-)Gewebes,
  • keine Beteiligung von Knochen, Sehnen, Muskeln,
  • eventuell mit Belegen,
  • Dekubitus zeigt sich klinisch als tiefes, offenes Geschwür mit oder ohne Unterminierung
Dekubitus Kategorie 4 – Totaler Gewebsverlust

Dekubitus Grad 4

  • Totaler Gewebsverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen und Muskeln,
  • Verlust aller Hautschichten,
  • Ggf. Unterminierungen, Tunnel, Taschen, Beläge und Schorf vorhanden,
  • Gefahren drohen durch Osteomyelitis und Ostitis,
  • Unterstützende Strukturen, wie Knochen und Sehnen, sind tastbar
Dekubitus Grade/Kategorien nach EPUAP

Für die Klassifikation eines Dekubitus sind mehrere Systeme entwickelt worden, die teils verschiedene Einteilungen vornehmen. Separat detailliert erläutert werden Definitionen und Hintergründe zur Verwendung von Dekubitusgraden, Dekubitus-Kategorien und Dekubitusstadien.

Dekubitusgraden, Dekubitus-Kategorien und Dekubitusstadien

Dekubitus uneinstufbar und Dekubitus unbekannter Tiefe

Anstelle von Dekubitusgraden oder Dekubitusstadien werden nach EPUAP vier Kategorien unterschieden, zu denen die vier Grade nach ICD10 weitgehend synonym verwendet werden. Nach EPUAP werden zwei weitere Kategorien verwendet, wenn keine Einstufung vorgenommen werden kann:

Dekubitus uneinstufbar

Dekubitus mit vollständigem Haut- und Gewebeverlust

  • tatsächliche Tiefe ist durch Beläge nicht bestimmbar
  • stabiler Wundschorf an den Fersen dient als "natürlicher biologischer Schutz"
  • Belag oder Wundschorf muss zunächst abgetragen werden, um den Grad zu bestimmen

Dekubitus unbekannte Tiefe

Dekubitus mit vermuteter tiefer Gewebsschädigung

  • violette oder rotbraun verfärbte Haut
  • Bildung einer blutgefüllten Blase möglich
  • das Gewebe kann schmerzhaft, derb, von breiiger oder matschiger Konsistenz sein
  • Temperaturunterschiede zum angrenzenden Gewebe
  • Tiefe der Gewebsschädigung ist nicht erkennbar

Ursache und Entstehung

Wenn auf bestimmten Körperstellen über zu lange Zeit zu viel Gewicht lastet, werden die Haut und das darunter liegende Gewebe „gedrückt“.

Wodurch entsteht ein Dekubitus?

Durch Scherkräfte, das heißt durch das Verschieben der Hautschichten gegeneinander, wird die Durchblutung gestört. Das Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und stirbt langsam ab. Gesunde, bewegliche Menschen bekommen keinen Dekubitus. Normalerweise sendet der Körper über das Nervensystem Schmerzsignale aus, wenn auf einer Körperstelle zu viel Druck lastet. Unser Körper antwortet darauf automatisch mit Bewegung, sogar im Schlaf, und verhindert so ein Wundliegen. Diese wichtigen Bewegungen bleiben bei Patienten, die sich nicht selbständig bewegen können, oft aus. Zu den gefährdeten Personen gehören solche, die unter Lähmungen leiden, komatös sind oder auch längere Zeit in einer Operation verbringen.

Druck in Relation zur Zeit

Entscheidend für die Entstehung eines Dekubitus ist die Einwirkung von Druck in Relation zur Zeit. Neben lang anhaltendem Druck kann nach neuesten Erkenntnissen auch kurzzeitiger hoher Druck einen Dekubitus auslösen (DNQP 2011).

Dabei gilt: Je länger die Liegezeit, desto größer die Gefahr eines Druckgeschwürs. Bei längerer Druckeinwirkung ist die verminderte Durchblutung die Ursache für das Wundliegen.

Zeichnung von einem Gewicht auf einem Haut-Modell
Haut unter längerer Druckeinwirkung.
Zeichnung von einem Gewicht auf einem Haut-Modell
Haut unter kürzerer Druckeinwirkung.

Scherkräfte

Unter Scherung wird im pflegerisch-medizinischen Sprachgebrauch die Verschiebung der verschiedenen Hautschichten gegeneinander verstanden. Sie bewirkt eine Verdrillung der Blutgefäße und unterbindet damit die Blutzirkulation. Scherkräfte haben massive Auswirkungen bei sitzenden Patienten, da der Druck im Sitzen etwa 7-mal höher ist als im Liegen.

Welche Risikofaktoren begünstigen den Dekubitus?

Vor allem Menschen, die sich durch Krankheit oder durch körperliche Einschränkungen nicht ausreichend bewegen oder ernähren können, sind anfällig für die Entstehung eines Dekubitus.

Zu diesen Personen zählen auch Schlaganfall-Patienten mit Lähmungen und/oder Spastiken.

Menschen mit Diabetes mellitus und Rückenmarkverletzungen sind ebenfalls besonders gefährdet, da dort die Nerven nicht mehr richtig arbeiten und dies zu Wahrnehmungsstörungen führen kann.

Mögliche Risikofaktoren
  • Immobilität, Kontrakturen/Paresen
  • Schlechter Allgemeinzustand
  • Mangelernährung/Dehydration
  • Stuhl- und Harninkontinenz
  • verminderte Durchblutung, reduzierte Schmerzwahrnehmung

Dekubitus – Gefährdete Körperstellen

Zu den besonders gefährdeten Körperstellen gehören die Schulterblätter, die Hüften, die Fersen, aber auch das Gesäß. Vor allem sehr dünne und übergewichtige Personen sind stark gefährdet. Bei ersteren fehlt die schützende Fettschicht, bei letzteren verursacht das Körpergewicht zusätzlichen Druck.

Dekubitusgefährdete Körperstellen, schematische Darstellung

Generell sind besonders die Körperstellen gefährdet, an denen die Haut direkt über dem Knochen liegt.

Behandlung und Therapie

Es existieren verschiedene Therapien, um einen Dekubitus unterschiedlicher Ausprägungen zu behandeln.

Kausaltherapie

Neben einer idealfeuchten Wundbehandlung ist bei einem Dekubitus die fachgerechte Lagerung des Patienten in intermittierenden Abständen in Seitenlage oder ggfs. auch Bauchlage unerlässlich. Die Wunde muss frei von weiterem Druck sein, da sonst keine Wundheilung stattfinden kann.

Sogenannte Wechseldruckmatratzen ermöglichen des Weiteren eine ideale Druckverteilung über den ganzen Körper. Prädisponierte Stellen, wie der Sakralbereich und die Fersenregion, werden dabei so gut wie möglich entlastet. Ebenso muss der Flüssigkeits- und Ernährungszustand des einzelnen Patienten optimiert werden, da durch große Wunden viele Nährstoffe verloren gehen. Der Bedarf an Kalorien und Eiweiß ist deutlich erhöht.

Dekubitus an der Ferse
Dekubitus an der Ferse

Druckentlastung

Durch verschiedene große und kleine Lageveränderungen können die  Angehörigen den Patienten bei der Gesundung des Dekubitus gezielt unterstützen. Wenn er sich nicht mehr selbst bewegen kann, sollte jemand anderes ihn spätestens alle 2 Stunden in eine neue Position bringen (umlagern).

Bei der Behandlung eines Dekubitus wird von Mikrolagerung gesprochen, wenn einzelne gefährdete oder betroffene Körperstellen durch Unterlagerung/Polsterung entlastet werden (beispielsweise der Dekubitus an der Ferse). Es wird von einer Dekubitus-Makrolagerung gesprochen, wenn der Patient in regelmäßigen Abständen umgelagert wird, um die dekubitus-gefährdeten Körperstellen keinem langandauernden Druck auszusetzen.

Unterlagerung von Körperteilen des Patienten (Druckentlastung durch Mikrolagerung)

Zeichnung einer gefalteten Unterlage gegen Dekubitus
Druckentlastung durch 3-fach-Faltung: zur Lagerung des Schulterbereichs oder der Gesäßregion
Zeichnung einer Brezel-Faltung einer Unterlage gegen Dekubitus
Druckentlastung durch Brezel-Faltung: zur Lagerung der Extremitäten

Umlagerung des Patienten (Druckentlastung durch Makrolagerung)

Zeichnung einer 30-Grad Dekubitus Lagerung

30-Grad-Lagerung

  • Kissen zwischen Knie, Fersen freilagern, Sakralbereich wird entlastet,
  • Belastung auf der rechten oder linken Körperhälfte,
  • 2 Kissen auf die Hälfte falten,
  • unter den rechten oder linken Teil des Rückens und unter das passende Bein schieben
Zeichnung einer 90-Grad Dekubitus Lagerung

90-Grad-Seitenlagerung

  • Gesamte Belastung liegt auf einer Körperhälfte,
  • die oben liegende Seite von 2 Kissen unterlagern,
  • Positionsänderung des Patienten in Seiten-, Rücken- oder Bauch-Lage
Zeichnung einer 135-Grad Dekubitus Lagerung

135-Grad-Lagerung

  • Vorteil bei vorhandenem Dekubitus auf Steiß-/Kreuzbein,
  • 2 Kissen jeweils unter den Oberkörper und die entsprechende Unterkörperhälfte legen,
  • Patient befindet sich beinahe in Bauchlage

Bei der 30°-Lagerung werden zwei Kissen jeweils auf die Hälfte gefaltet und unter den rechten oder linken Teil des Rückens und unter das passende Bein geschoben.

Bei der 90°-Seitenlagerung liegt der Betroffene auf der Seite. Der oben liegende Arm und das Bein werden jeweils von einem Kissen gestützt.

Die 135°-Lagerung ist ratsam bei einem bereits vorhandenen Steißbeindekubitus. Dabei werden zwei Kissen jeweils unter den Oberkörper und die entsprechende Unterkörperhälfte gelegt. Der Betroffene befindet sich beinahe in Bauchlage.

Abpolstern von harten Stellen

Für alle, die dauerhaft liegen müssen, gilt es „harte Stellen“ wie Katheter oder Sondenschläuche immer gut abzupolstern.

Es ist besonders wichtig darauf zu achten, dass das Bettlaken glatt und faltenfrei ist, damit diese keine Druckstellen verursachen können. Da auch vermeintlich leichte Gegenstände wie Schläuche bei dauerhafter Druckeinwirkung eine Verletzung bewirken können, sollte hier ebenfalls gut abgepolstert werden.

Eine regelmäßige Druckentlastung der gefährdeten Körperstellen ist die beste Form der Dekubitusprophylaxe. Die Druckentlastung verhindert die Entstehung eines Druckgeschwürs und bei einem bereits vorhandenen Dekubitus unterstützt diese Vorgehensweise die Wundheilung.

Antidekubitus-Weichlagerungsmatratzen

Zur Dekubitusprophylaxe kann eine spezielle Antidekubitusmatratze - oder auch Dekubitusmatratze genannt - verwendet werden.

Diese Art von Matratze verteilt das Gewicht der liegenden Person gleichmäßiger und reduziert dadurch die Gefahr der Entstehung eines Dekubitus. Man kann unterscheiden zwischen viskoelastischen Schaumstoffmatratzen und Wechseldrucksystemen. Hier werden Luftkammern unterschiedlich belüftet und erzeugen dadurch eine Druckentlastung.

Die Entscheidung für eines der Systeme sollte individuell anhand des Patienten erfolgen. Je nach Dekubitus Grad, Körpergewicht und Körperwahrnehmung stehen unterschiedliche Matratzen zur Verfügung. Neben der Prophylaxe sind sie auch während der Wundheilung für Dekubitus-Betroffene von Vorteil, da jeder weitere Druck auf die Wunde die Wundheilung verschlechtern kann. Die Antidekubitusmatratzen können aber eine regelmäßige Lagerung der Patienten nicht ersetzen.

Bettklima

Der Raum sollte nicht zu warm und nicht zu feucht temperiert sein.

Bei Schlafzimmern werden Temperaturen zwischen 16 und 18°C bei einer Luftfeuchtigkeit von 40-60% empfohlen. Zu hohe Temperaturen führen zu Schwitzen, was die Haut schädigen kann und sollte vermieden werden. Bei einem Patienten sollte die Temperatur ansonsten seinen Bedürfnissen angepasst werden. Die verwendete Bett- und Nachtwäsche sollte atmungsaktiv, z.B. aus Baumwolle sein. Wichtig ist auch eine gute Durchlüftung der Matratze und regelmäßiges Lüften des ganzen Zimmers.

Dekubitus Expertenstandard: Dekubitusprophylaxe in der Pflege

Der vom DNQP herausgegebene Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege definiert die Prophylaxe von Dekubitus als pflegefachliche Kernaufgabe und formuliert sieben Ziele.

Dekubitus Expertenstandard
Checkliste für die Hautpflege bei Dekubitus
  • regelmäßige Reinigung der gefährdeten Körperstellen mit klarem Wasser
  • Einsatz von pH-neutralen/milden Seifen und Waschmitteln
  • Haut sorgfältig trocknen
  • Verwendung von rückfettenden Cremes
  • Einsatz von Inkontinenzprodukten bei Inkontinenz (z.B. Dauerkatheter, Kunststoffhose mit Einlage)

Passende Downloads zum Thema Dekubitus

Wundkompendium

Video: Wundbeschreibung & Behandlung – Druckentlastung, Mikrolagerung

Video: Dekubitus, Wundbeschreibung und Dokumentation der Wunde

Bitte beachten Sie: Sobald Sie sich das Video ansehen, werden Informationen darüber an Youtube/Google übermittelt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Google Datenschutzerklärung.

Schmerztherapie

Die Ursache der Schmerzen ist dabei individuell verschieden und immer abhängig von Erkrankungen, der Wunde selber und ihrer Versorgung, sowie der Gesamtverfassung des Patienten. Dabei muss zwischen den Schmerzen einer akuten Behandlung, z.B. der Wundreinigung oder dem Verbandwechsel, sowie den grundsätzlich bestehenden Schmerzen eines Dekubitus unterschieden werden.

Starke Schmerzen können einen negativen Einfluss auf die Wundversorgung und die allgemeine Genesung haben, da sie mit einem erhöhten Stresslevel einhergehen. Dies kann zu einer schlechteren Durchblutung und damit zu einer geringeren Sauerstoffversorgung im Gewebe führen. Diese Faktoren können dann die Wundheilung weiter verzögern. Zudem führen Schmerzen zu Angst vor der Behandlung und reduzieren die Lebensqualität der Betroffenen. Detailiertere Informationen finden Sie im Artikel "Wunde und Schmerz". 

Beim Verbandwechsel gibt es durch den Einsatz von modernen Wundauflagen auch die Möglichkeit, diesen möglichst schmerzarm zu gestalten. Besonders bei Druckgeschwüren sollten atraumatische Wundauflagen eingesetzt werden, die nicht mit der Wunde verkleben und auch mehrere Tage am Stück auf der Wunde bleiben können. Dadurch wird die Wundruhe und somit die Heilung gefördert. Sehen Sie dazu auch das Video zum atraumatischen Verbandwechsel.

Bei der Behandlung und Versorgung eines Dekubitus können auch häufig Schmerzen eine Rolle spielen.

Wundreinigung

Wunden befreien von:

Am Beginn der Therapie steht die Wundreinigung. Sie befreit die Wunde von Nekrosen, Belägen, Fremdkörpern, Abfallstoffen und überschüssigem Wundexsudat (Panfil 2009).

Zeichung einer Wundreinigung einer infizierten Wunde
Infizierte Wunden mit Wund-Antiseptika von außen nach innen reinigen (Bitte längere Einwirkzeit beachten; ca. 10 – 15 min.)
Zeichung einer Wundreinigung einer nicht infizierten Wunde
Nicht infizierte Wunden mit NaCl 0,9 % oder Ringerlösung von innen nach außen reinigen

Debridement/Wundtoilette

Das Entfernen von abgestorbenem Gewebe dient der Verbesserung der Wundbedingungen und der Infektionsprophylaxe. Es gibt verschiedene Möglichkeiten ein Debridement durchzuführen:

  • Autolytisch
  • Mechanisch
  • Chirurgisch
  • Biochirurgisch

Die Art ist abhängig von Gewebetyp, Lokalisation, Wundtiefe und anderen Faktoren.
Weitere Informationen zu den verschiedenen Durchführungsmethoden finden Sie hier.

Die Wundtoilette dient der lokalen Sanierung des Wundbettes durch entfernen nekrotischen und fibrinösen Gewebes bis an intakte Strukturen.

Mögliche Komplikationen

Anzeichen einer Wundinfektion

  • Wärme (Calor)
  • Röte (Rubor)
  • Schmerz (Dolor)
  • Schwellung (Tumor)
  • Bewegungseinschränkung (functio laesa)

Komplikationen

  • septische Körpertemperatur
  • Schädigung der Muskulatur
  • Entzündung der Knochenhaut (Periostitis)
  • Entzündung der Knochen (Ostitis)
  • Venenentzündung (Thrombophlebitis)

Die Auswahl der geeigneten Wundauflage ist abhängig von: Wundstadium, Wundheilungsphase, Klinischen Infektionszeichen, Exsudationsmenge, Zustand des Wundrandes und Wundumgebung. Weitere Aspekte sind Wirtschaftlichkeit, leichte Handhabung, Patientenbedürfnisse und die Akzeptanz der Wundauflage durch den Patienten.

Sollten Sie unsicher sein, welche Wundauflage Sie wann verwenden,  nutzen Sie gerne unseren Produktfilter nach Wundeigenschaften.

Heilungsverlauf

Eine Wunde kann nur heilen, wenn sie ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Bei Durchblutungsstörungen ist dies oft nicht der Fall. Deshalb ist die Behandlung der Grunderkrankung essentiell.

Alle Wunden heilen in der gleichen Abfolge, wobei die Dauer der Phasen individuell verschieden sein kann. Am Anfang befinden sich Wunden immer in der Reinigungsphase (Exsudationsphase). In dieser Phase versucht der Körper, durch ein erhöhtes Flüssigkeitsaufkommen, Fremdkörper und Bakterien aus der Wunde zu schwemmen. Chronische Wunden hängen oft in dieser Phase fest und schaffen nicht aus eigener Kraft die Bekämpfung einer möglichen Wundinfektion. Hier kann durch die Verwendung von antiseptischen Spüllösungen und Wundauflagen unterstützt werden (s. Infizierte Wunden).

Ist die Wundreinigung abgeschlossen, bildet sich Granulationsgewebe. In dieser zweiten Phase wird das verloren gegangene Gewebe neu gebildet. Dies geschieht durch die Ausbildung eines Stützgerüstes und der Neubildung von Gefäßen. Fibroblasten wandern aus der Wundumgebung ein und bilden das neue Gewebe. Dieses Gewebe wird später als Narbe sichtbar bleiben. Das Granulationsgewebe füllt die Wunde von unten nach oben und von außen nach innen auf. Dieses kann mehrere Wochen bis Monate dauern, je nach Größe und Tiefe der Wunde. Das Gewebe bildet dann die Grundlage für die sich anschließende Epithelisierungsphase.

In dieser Phase bildet sich die abschließende Haut, die die Wunde endgültig verschließt. Die Zellen wandern von den Wundrändern ein und bedecken die Wunde von außen nach innen. Dieses Narbengewebe wird auch als solches sichtbar bleiben. Das Epithelgewebe verschließt letztlich die Wunde.

Bei der Heilung einer chronischen Wunde, bzw. einer Wunde mit einem größeren Gewebeverlust, entsteht immer eine Abheilung unter Narbenbildung. Der Körper kann das verlorene Gewebe nicht regenerieren, sondern nur ersetzen. Dieses Füll- oder Narbengewebe erreicht aber nicht mehr die Funktionalität oder Stabilität von normaler Haut. Deshalb entstehen an diesen Stellen oft neue Wunden. Eine solche Narbe braucht wenigstens 12 Monate, bis sie sich stabilisiert hat und ausgereift ist. Pflege und Schutz der Narbe sind wichtig, damit hier keine neue Wunde entsteht.

Infografik mit drei Kurven zum zeitlichen Heilungsverlauf
Die Dekubitus-Wundheilungsphasen sind in akuten und chronischen Wunden dieselben. Es können in einer Wunde mehrere Stadien gleichzeitig auftreten, beispielsweise Granulationszellen in der Exsudationsphase. Bei chronischen Wunden stagniert die Wundheilung. Oft passiert das in der Exsudationsphase.

Chronische Wunden entstehen, weil eine gewisse Grunderkrankung vorliegt, die eine Abheilung der Wunde verhindert. Sehr häufig sind Durchblutungsstörungen dafür verantwortlich.

Dekubitus vorbeugen

Prophylaxe

Am häufigsten sind die Körperstellen gefährdet, an denen die Haut direkt über dem Knochen liegt. Stellen mit geringer Weichteildeckung (Fettgewebe oder Muskeln) sind: Fersen, Knöchel, Zehen, Knie, Ellenbogen, Schulterblätter, Beckenknochen, Kreuzbein und Wirbelvorsprünge.

Prophylaktisch sollten die Risikofaktoren Immobilität, Mangelernährung, herabgesetztes Schmerzempfinden und Kontrakuren durch lokale Druckentlastung und therapeutisches Lagern sowie Mobilisation reduziert oder eliminiert werden.

Bewegung

Je mehr sich der Patient bewegt, desto besser. Wenn er sich bewegt, entlastet er die Druckstelle – das ist das A und O, um einem Wundliegen vorzubeugen. Der Patient und seine Angehörigen sollten dazu angehalten werden, regelmäßige Bewegungsübungen durchzuführen. Wenn er das nicht mehr kann, ist ein regelmäßiges „Umlagern“ durch Andere notwendig.

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung verhindert die Entstehung eines Dekubitus nicht, aber die Risikofaktoren, wie z. B. ein schlechter Hautzustand, können damit eingegrenzt werden. Wichtig ist, dass der Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Das erreicht man am besten mit frischen und saisonalen Produkten, besonders mit Obst, Gemüse und wenig magerem Fleisch. Wichtig ist auch, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Körperpflege

Gesunde Haut ist weniger gefährdet für ein Wundliegen. Daher ist eine gute Hautpflege wichtig:

  • Vermeidung von ständig feuchter Haut
  • die Haut immer sorgfältig abtrocknen
  • milde (pH-neutrale) Seifen und Waschmittel verwenden
  • Verwendung von rückfettenden, zum jeweiligen Hauttyp passende Cremes

Abpolstern von harten Stellen

„Harte Stellen“ wie Katheter oder Sondenschläuche sollten immer gut abgepolstert sein, wenn sie dauerhaft liegen müssen! Das Bettlaken sollte glatt und faltenfrei sein, um keine Druckstellen zu verursachen. Auch vermeintlich leichte Gegenstände wie Schläuche können bei dauerhafter Druckeinwirkung eine Verletzung bewirken.

Mit diesen und anderen Maßnahmen werden die gefährdeten Körperstellen regelmäßig druckentlastet. Das verhindert die Entstehung eines Druckgeschwürs und unterstützt die Wundheilung bei einem bereits vorhandenen Dekubitus.

Antidekubitusmatratzen zur Weichlagerung

Zur Dekubitusprophylaxe kann eine spezielle Antidekubitusmatratze - oder auch Dekubitusmatratze genannt - verwendet werden. Diese Art von Matratze verteilt das Gewicht der liegenden Person gleichmäßiger und reduziert dadurch die Gefahr der Entstehung eines Dekubitus. Man kann unterscheiden zwischen viskoelastischen Schaumstoffmatratzen und Wechseldrucksystemen. Hier werden Luftkammern unterschiedlich belüftet und erzeugen dadurch eine Druckentlastung.

Die Entscheidung für eines der Systeme sollte individuell anhand des Patienten erfolgen. Je nach Dekubitus Grad, Körpergewicht und Körperwahrnehmung stehen unterschiedliche Matratzen zur Verfügung. Neben der Prophylaxe sind sie auch während der Wundheilung für Dekubitus-Betroffene von Vorteil, da jeder weitere Druck auf die Wunde die Wundheilung verschlechtern kann. Die Antidekubitusmatratzen können aber eine regelmäßige Lagerung der Patienten nicht ersetzen.

Bettklima

Der Raum sollte nicht zu warm und zu feucht temperiert sein. Bei Schlafzimmern werden Temperaturen zwischen 16 und 18°C bei einer Luftfeuchtigkeit von 40-60% empfohlen. Zu hohe Temperaturen führen zu Schwitzen, was die Haut schädigen kann und sollte vermieden werden. Bei einem Patienten sollte die Temperatur ansonsten seinen Bedürfnissen angepasst werden. Die verwendete Bett- und Nachtwäsche sollte atmungsaktiv, z.B. aus Baumwolle sein. Wichtig ist auch eine gute Durchlüftung der Matratze und regelmäßiges Lüften des ganzen Zimmers.

Checkliste zur Hautpflege

  • regelmäßige Reinigung der gefährdeten Körperstellen mit klarem Wasser
  • Einsatz von pH-neutralen/milden Seifen und Waschmitteln
  • Haut sorgfältig trocknen
  • Verwendung von rückfettenden Cremes
  • Einsatz von Inkontinenzprodukten bei Inkontinenz (z.B. Dauerkatheter, Kunststoffhose mit Einlage)
Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.