Nagelbettentzündung

Nagelbettentzündung

Die Nagelbettentzündung gehört zu den häufigsten Infektionen an Fingern oder Zehen und tritt eher bei Frauen auf. Zum Beispiel kann die selbst durchgeführte Maniküre oder Pediküre zu Verletzungen im Bereich der Nägel führen, durch die dann Bakterien, Pilze oder Viren eindringen und eine Infektion verursachen können.

Behandlung einer Nagelbettentzündung

Die Nagelbettentzündung gehört zu den Erkrankungen, bei denen in der Apotheke oft um Beratung gebeten wird. Wenn die Behandlung rechtzeitig beginnt und es sich nicht um einen chronischen Fall handelt, kann ein Arztbesuch unter Umständen vermieden werden.

Zu unterscheiden sind zwei Formen: Vom Panaritium subunguale spricht man, wenn die Entzündung das Nagelbett selbst befällt und Eiter sich unter dem Nagel bildet. Vergrößert sich die Entzündung auf die Haut rund um das Nagelbett aus, wird dies Panaritium parunguale oder „Umlauf“ oder auch Paronychie genannt.

  • Lauwarmes Hand- oder Fußbad mit aufgelöster Kernseife für ca. 10 Minuten
  • Vorsichtiges Trockentupfen der Nägel
  • Auftragen eines Antiseptikums mit einem Wattestäbchen auf die betroffenen Stellen
  • Finger oder Zehen hochlagern, mit kleinen Schienen ruhigstellen oder kühlende Umschläge auflegen (Achtung: nur einige Minuten auflegen, damit es nicht zu Reizungen oder im schlimmsten Fall zu Durchblutungsstörungen kommt) 
  • Bei stärkeren Schmerzen Analgetika empfehlen z.B. Paracetamol oder Ibuprofen
  • Wunden sollten nach Säuberung immer eine Wundabdeckung erhalten (Schutz vor mechanischer Reizung und Bakterien) 
    -→ befindet sich die Wunde am Zeh, kann eine Zehenkappe und eine Fixierung die Versorgung erleichtern und die Wunde zuverlässig schützen. Wichtig: Bitte beachten Sie beim Tragen von Schuhen, dass die Zehenkappe zusätzlich Platz benötigt und der Schuh ggf. zu eng sein könnte. Zu starker Druck auf die Wunde sollte vermieden werden.
    -→ Bei der Versorgung eines Fingernagels kann mit einem sterilen DracoPor gearbeitet werden.

Achtung: Hält die Entzündung länger als drei Tage an, Arztbesuch empfehlen!

Sind Eiteransammlungen vorhanden, ist eine chirurgische Eröffnung für die Heilung zielführend. Die Entfernung des Eiters verhindert eine Verschleppung der Erreger z.B. in die benachbarten Knochen. Eigenhändige „Badezimmerchirurgie“ sollte nicht durchgeführt werden - ein Arztbesuch ist unbedingt nötig!

Chirurgische Versorgung
Iatrogene Wunde am Nagelbett (Daumen)

Wenn die Nagelbettentzündung doch chirurgisch versorgt werden muss, gibt es einiges zu beachten. Erfahren Sie mehr zur Versorgung iatrogener Wunden.

Versorgung von OP-Wunden

Symptome einer Nagelbettentzündung

Die Haut unter dem Nagel oder um den Nagel herum ist geschwollen, gerötet und schmerzt. Der Schmerz wird als heftig und klopfend beschrieben. In der Anfangsphase der Entzündung wird über massiven Juckreiz berichtet. Häufig tritt Eiter an den seitlichen Nagelbetträndern aus. Auch unterhalb der Nagelplatte sind Eiteransammlungen möglich. Auf Druck kann sich der Eiter spontan entleeren.

Ursachen für eine Nagelbettentzündung

Die Abheilung einer Nagelbettentzündung dauert ca. eine Woche und bildet sich von selbst zurück. Unbehandelt oder durch das Auftreten von Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, atopischem Ekzem oder Hyperhidrose kann die akute Erkrankung jedoch chronisch werden.

Als Ursachen können Bakterien wie Staphylokokken oder Streptokokken in Frage kommen, seltener sind es Pilze oder Viren. Wird das Nagelbett durch zu kurz geschnittene Nägel, Nagelkauen oder eine eingerissene Nagelhaut verletzt, entstehen kleine Wunden, durch die die Erreger in die Haut eindringen können. Bei Zehnnägeln verstärken zu enge und spitze Schuhe die Symptomatik. Bakteriell bedingte Entzündungen entstehen sehr schnell, bei Pilzbefall dauert es mehrere Tage.

Besser meiden:

  • Zu enge Schuhe
  • Kontakt zu Reinigungsmitteln und Chemikalien (Hier immer Handschuhe tragen)
  • Keine eigenmächtige Manipulation am Nagelbett

Nagelbettentzündung mit Eiteransammlung

Prophylaxe - eine Nagelbettentzündung vermeiden

  • Trockene Nagelhaut sollte regelmäßig mit einer O/W-Emulsion gepflegt werden. Geeignet ist u.a. Unguentum emulsificans aquosum (wasserhaltige emulgierende Salbe)
  • Feuchte Nägel und aggressive Mani- oder Pediküre meiden
  • Kein Abschneiden des Nagelhäutchens
  • Nägel kurz halten
  • Fußnägel nicht rund schneiden
  • Bei Verletzungen des Nagelwalls konsequente antiseptische Lokaltherapie 

Literatur

Raab, W. (2012). Bakterielle Infektionen des Nagels. In: Nagelerkrankungen in der dermatologischen Praxis. Springer, Berlin, Heidelberg.

Mills, K., Morton, R., Page, G., Bier, B. (1987). Oberflächliche Infektionen (häufige chirurgische Infektionen). In: Bier, B. (eds) Farbatlas der Unfall- und Notfallmedizin. Springer, Berlin, Heidelberg.

Haneke, E. (2006). Nagelkrankheiten. In: Pädiatrische Dermatologie. Springer, Berlin, Heidelberg.

Die Autorin Anette Skowronsky
Portrait Anette Skowronsky mit rotem Blazer

Anette Skowronsky ist Apothekerin, Fachbuchautorin und Qualitätsauditorin für Medizinprodukte. Als Geschäftsführerin der MedConCap GmbH ist sie verantwortlich für die Produktentwicklung von Verbandstoffen. Bei Dr. Ausbüttel ist sie seit 2009 im Rahmen der Fortbildungen der modernen Wundversorgung als Moderatorin tätig.