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Notfallmanagement: Notfallplan und -vorbereitung für die Arztpraxis

Inhaltsverzeichnis

Notfälle sind in der Arztpraxis nicht an der Tagesordnung. Sie treten unerwartet auf und verlangen vom gesamten Praxisteam ein zeitnahes „Umschalten” vom Routinebetrieb auf die Notfallversorgung. Lebensrettende Maßnahmen müssen ergriffen werden.

Eine gute Vorbereitung und ein auf die Praxis zugeschnittenes Notfallkonzept mit definierten Zuständigkeiten sowie regelmäßige notfallmedizinische Trainings stellen sicher, dass das Praxisteam im Bedarfsfall kritische Situationen professionell meistern kann.

Ein niedergelassener Arzt muss nicht alle Notfallmaßnahmen bis ins Detail beherrschen. In erster Linie ist es nicht Aufgabe des Arztes und seines Teams, den akut erkrankten Notfallpatienten in der Praxis vollständig zu versorgen. Aufgabe des Teams ist es vielmehr, den Patienten zu stabilisieren und auf die Weiterbehandlung durch einen Notarzt vorzubereiten. Der Arzt und sein Praxisteam haben die Situation nur so lange zu überbrücken, bis der Notarzt bzw. der Rettungswagen eintrifft. Damit dies gelingt, sollten alle Abläufe im Team besprochen, definiert und ausgearbeitet werden.

Notfallmanagement

Wie erkenne ich lebensbedrohliche Zustände?

Ein Notfall liegt vor, wenn eine Patientin oder ein Patient die lebensnotwendigen Funktionen Bewusstsein, Atmung und Kreislauf nicht mehr aufrechthalten kann. Die Ursachen dafür können vielfältig sein, z.B. Atem-Kreislauf-Stillstand, Vergiftung, Schädelverletzung, Unterzuckerung oder Schlaganfall. 

Um das Bewusstsein einer Patientin oder eines Patienten zu kontrollieren, sollte man auf Reaktionen achten, wenn man sie/ihn laut anspricht, an den Schultern schüttelt, am Unterkiefer unterfasst oder leicht auf die Wange schlägt. Bei Bewusstsein reagiert das Gehirn eines Menschen auf Reize und besitzt die Fähigkeit, sich räumlich und zeitlich zu orientieren. Ist eine Person nicht mehr ansprechbar und reagiert sie nicht auf äußere Reizfaktoren, dann wird sie als „bewusstlos“ bezeichnet. In diesem Zustand sind physiologische Schutzreflexe wie der Husten- oder Schluckreflex inaktiv. Es besteht die Gefahr, dass Flüssigkeiten wie Blut oder Erbrochenes in die Atemwege gelangen. Zudem ist die Körpermuskulatur erschlafft, sodass die Zunge die oberen Atemwege verschließen kann. Im schlimmsten Fall droht ein Erstickungstod.

Aus diesem Grund ist es wichtig, die Atmung der betroffenen Person zu kontrollieren. Dafür achtet man zunächst auf ein Heben und Senken des Oberkörpers. Als nächstes legt man ein Ohr über Mund und Nase der bewusstlosen Person, hört, ob Atemgeräusche vorhanden sind, und prüft, ob ein Luftstrom fühlbar ist. Zuletzt sollte man überprüfen, ob sich Fremdkörper im Mundraum befinden. Zur Kontrolle des Kreislaufs tastet man den Puls am Unterarm, am seitlichen Hals oder an der Schläfe. Ist der oder die Betroffene ohne Bewusstsein, sind Kreislauf und Atmung aber vorhanden, sollte die Person in die stabile Seitenlage und zugedeckt werden. Zeitgleich wird der Notarzt unter der Notfallnummer 112 angefordert. Ist bei einer bewusstlosen Person von einem Kreislaufstill- und Atemstillstand auszugehen, sollte der Notarzt informiert und Wiederbelebungsversuche mit Hilfe des Defilibrators und evtl. Medikamentengabe eingeleitet werden.

Wie melde ich einen Notfall?

Die Meldung eines Notrufes sollte schnell und präzise getätigt werden, und folgende Fragen beantworten:

  • Wer meldet?
  • Wo ist der Notfallort?
  • Wie lautet die Praxis-Telefonnummer?
  • Wie äußert sich die Symptomatik? Welche Verletzungen liegen vor?
  • Welches Rettungsmittel wird benötigt?
  • Gibt es Rückfragen?

Idealerweise hängt in der Nähe des Praxistelefons ein Hinweisschild, welches auf die die einzelnen Punkte eingeht. Dadurch werden die Teammitglieder bei der Meldung des Notrufs unterstützt.

 

Notfallmanagement

Wie gehe ich im Falle eines Notfalls vor?

Aufgabenverteilung, wenn möglich:

Jeweils eine Person

  • setzt den Notruf 112 ab
  • informiert anwesenden Arzt/Ärztin
  • kümmert sich um die betroffene Person

 

Im Falle eines Notfalls sollten alle Teammitglieder zunächst Ruhe bewahren und ihren abgesprochenen personengebundenen Aufgaben nachkommen. Je nach Teamgröße bedeutet dies, dass eine Person den Notruf an 112 absetzt,. ein weiteres Mitglied die Ärztin oder den Arzt informiert und ein Mitarbeiter sich um die Patientin oder den Patienten kümmert. Die betroffene Person sollte in einen ruhigen Nebenraum gebracht, zugedeckt und gegebenenfalls in die stabile Seitenlage gebracht werden. Bis zum Eintreffen des Rettungswagens muss sie beaufsichtigt werden. Gegebenenfalls wird der Zustand der betroffenen Person durch Medikamentengabe stabilisiert. Im Falle eines Kreislauf- und Atemstillstands muss das Praxisteam unverzüglich mit den Reanimationsmaßnahmen beginnen.

Was gehört in einen Notfallkoffer?

Bei der Auswahl an Medikamenten und technischen Hilfsmitteln für die Notfallmedizin sollte darauf geachtet werden, dass deren Anwendungen dem Arzt/Ärztin und dem medizinischen Personal vertraut sind. Ebenso sollte die Dosierung und die Neben-  und Wechselwirkungen der in dem Notfallkoffer vorgehaltenen Arzneimittel bekannt sein.

Es bestehen keine allgemeingültigen Vorschriften, was in einen Notfallkoffer gehört, sondern Empfehlungen, die beispielsweise vom Hausärzteverband oder der Kassenärztlichen Vereinigung ausgesprochen werden. Üblicherweise beinhaltet ein Notfallkoffer die für die Basisdiagnostik und -versorgung notwendigen Medikamente und Instrumente. Dazu gehören u.a.:

  • Beatmungsbeutel mit unterschiedlichen Masken
  • Blutdruckmessgerät, ggf. Absaugpumpe, Sauerstoffflasche
  • Blutzuckerteststreifen
  • Für die Hygiene: Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe
  • Für die Notfallbeatmung: Laryngoskop, Larynxtubus oder Larynxmaske sowie Beatmungsbeutel
  • Für den venösen Zugang: Venenverweilkanülen (z.B. Braunüle Gr. 1 bis 3), Infusionsmaterial, Stauschlaufe
  • Kornzange
  • Spritzen (2 ml, 5 ml, 10 ml, 20 ml), Kanülen (Nr. 1, Nr. 12)
  • Stethoskop
  • Verbandmaterial (Heftpflaster, Binden, Schere usw.)

Zusätzlich folgende Notfallmedikamente:

Wirkstoff:  Anwendungsgebiet

  • Adrenalin: Herz-Kreislauf-Stillstand, anaphylaktischer Schock
  • Acetylsalicylsäure: Schmerzen, Fieber
  • Amiodaron: Tachykardien oder Kammerflimmern
  • Atropinsulfat: Bradyarrhythmie, AV-Block, Alkylphosphat, Herzglykosid-Intoxikation
  • Diazepam: Erregungszustände, Krämpfe, Status Epilepticus
  • Metamizol-Natrium: Schmerzen
  • Morphin: Schmerzen
  • Salbutamol-Spray: Atemnnotzustände, Asthma bronchiale, chronische Bronchitis
  • Theophyllin: Atemnnotzustände, Asthma bronchiale, chronische Bronchitis
  • Glyceroltrinitrat: Angina pectoris
  • Clemastin fumarat: Allergien         
  • Cortison: Entzündungen

Zusätzlich zum Notfallkoffer kann ein Notfalldefibrillator oder ein Automatisierter Externer Defibrilator (AED) mitgeführt werden.

Notfallmanagement

Welche Herausforderungen bringt ein Notfall mit sich und wie bereite ich einen Notfall vor?

Glücklicherweise sind Notfälle selten. Den Praxisalltag wirbeln sie aber ziemlich durcheinander. Eine der größten Herausforderungen ist die fehlende Routine: Jetzt heißt es, einen kühlen Kopf bewahren und sich an abgesprochene Notfallpläne und Vorkehrungen halten (siehe Infokasten).

Damit das Praxisteam routiniert auf den Ernstfall reagiert, sollten diese Vorkehrungen im Vorfeld getroffen werden:

1. Regelmäßige Schulungen in Theorie und Praxis vermitteln Sicherheit:

Notfälle sollten in regelmäßigen Abständen, idealerweise in der eigenen Praxis und unter Anwesenheit des gesamten Kollegiums, geübt werden. Am effektivsten kann man das Kollegium auf Notfälle vorbereiten, wenn erfahrene Notfallmediziner direkt in die Praxis kommen und notfallmedizinische Simulationstechniken demonstrieren. Das ganze Team hat somit die Möglichkeit, die wichtigsten Notfallmaßnahmen an Puppen zu üben. Dazu gehören die Herzmassage, künstliche Beatmung mit Sauerstoff und das Anlegen der Elektroden für den Einsatz des Defibrillators. Solche Seminare ermöglichen es auch, individuelle Notfallkonzepte und Checklisten für Ihre Praxis zu erstellen. Diese werden auf den Ausbildungsstand, die Praxisausstattung und die Mitarbeiter zugeschnitten. Fortbildungen und In-House-Seminare werden unter anderem von Wohlfahrtsverbänden und Hilfsorganisationen angeboten.

2. Stellen Sie einen Notfallplan auf:

Kritische Situationen können nur durch eine gute Zusammenarbeit des gesamten Praxisteams gemeistert werden. Deshalb ist es hilfreich einen Notfallplan mit allen Handlungsanweisung, -maßnahmen und Notfallnummern aufzustellen. Aus diesem Plan sollen die Zuständigkeiten der Mitarbeiter klar hervorgehen. Eine Person wird beauftragt, den Rettungsdienst zu informieren und ihm den Weg zu weisen. Ein Mitarbeiter holt den Arzt herbei und eine dritte Person bleibt bei der betroffenen Patientin oder dem betroffenen Patienten. Vertretungen sollten organisiert und ebenfalls schriftlich festgelegt werden. Sinnvoll ist auch eine Liste mit den wichtigsten Medikamenten mit Angaben zu Indikation, Kontraindikation und Dosierung. Diese sollten immer griffbereit in der Praxis bereitliegen.

3. Standort und Wartung des Notfallkoffers:

Der Notfallkoffer muss für alle Teammitglieder jederzeit zugänglich und sein Inhalt bekannt sein. Regelmäßig, idealerweise halbjährig, sollte der Inhalt des Koffers auf Vollständigkeit kontrolliert werden. Dazu gehörten das Aussortieren und Ersetzen von abgelaufenen Arzneimitteln und die Überprüfung der Funktion von medizinischen Geräten.

 

Notfallmanagement: Wie bereite ich mich auf den Ernstfall vor?

  • Definition der Indikationen: Welche Notfalle treten in unserer Praxis mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf?
  • Definition der Ablaufe und Zuständigkeiten: Wer macht was und wer informiert wen?
  • Notfallkoffer: Der Notfallkoffer muss für alle zugänglich sein, alle müssen seinen Standort kennen. Der Inhalt muss regelmäßig kontrolliert werden.
  • Schulung: Regelmäßige theoretische Auffrischung der Notfallabläufe mit dem gesamten Team.
  • Training: Praktische Simulation von Notfällen unter realistischen Bedingungen, möglichst in der eigenen Praxis.

Checklisten helfen!

Im Notfall kann eine gute Organisation lebensrettend sein, da oft keine Zeit bleibt, sich umständlich abzustimmen. Jeder muss seine vorab klar definierten Aufgaben kennen und beherrschen. Am besten listet eine Prozessbeschreibung alle relevanten Fragen und Faktoren auf und benennt die Verantwortlichkeiten im Notfall (siehe Infokasten):

Eine zentral abgelegte, gut lesbare Checkliste sollte vorgeben, wie ein Notruf schnell und vollständig gemeldet wird. Diese Punkte gehören dazu:

  • Notrufnummer
  • Wer meldet?
  • Wo ist der Notfallort (Anschrift)?
  • Praxis-Telefonnummer
  • Notfalldiagnose (Verdacht)
  • Welche Rettung wird ggf. benötigt?

Ablauf einer Notfallrettung

  1. Ruhe bewahren!
  2. Ein Teammitglied sorgt für den Notruf an 112
  3. Ein Teammitglied verständigt den Arzt
  4. Ein Teammitglied bleibt beim Patienten und lagert ihn in stabiler Seitenlage
  5. Der Patient bleibt bis zum Eintreffen des Rettungswagens unter Aufsicht
  6. Geeignete ärztliche Maßnahmen zur Überbrückung einleiten (z. B. venöser Zugang, Notfallmedikation, Reanimation)
  7. Alle Informationen über getroffene Maßnahmen und Medikation an die Rettungsassistenten weitergeben
  8. Nach Möglichkeit wichtige Informationen aus der Patientenakte für den Rettungsdienst kopieren
  9. Alle Ereignisse und Maßnahmen genau dokumentieren und später im Team auswerten
  10. Juristisch angreifbar sind nur das Nichtstun und die Fehlbehandlung jenseits der eigenen Fachgebietsgrenzen!

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