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Debridement - Definition, Methoden und Einteilungen

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Debridement

Debridement, auch Débridement, Wundreinigung, Wundtoilette genannt, bedeutet die Entfernung von avitalem Gewebe.

Die Wundreinigung erfolgt bei jedem Verbandwechsel wie folgt:

  • infizierte Wunden mit Wund-Antiseptika reinigen
  • nicht infizierte Wunden mit NaCl 0,9% oder Ringerlösung reinigen
  • aseptische Wunden von innen nach außen wischen
  • septische Wunden von außen nach innen wischen

Beläge, Fremdkörper, Abfallstoffe sowie überschüssiges Wundexsudat erschweren eine adäquate Beurteilung des Wundgrundes oder machen diese sogar unmöglich. Zudem besteht das Risiko, dass sich Infektionen unbeobachtet entwickeln oder ausbreiten. Ein Debridement wird durchgeführt, um diesen Störfaktoren vorzubeugen, so die Wundheilung zu fördern und die Einschätzung von Umfang und Zustand der Wunde zu ermöglichen.

Es gibt in der Wundbehandlung verschiedene Möglichkeiten, ein Debridement durchzuführen:

  • Autolytisch
  • Mechanisch
  • Chirurgisch
  • Biochirurgisch

Die Art des Wunddebridements ist abhängig von Gewebetyp, Lokalisation, Wundtiefe und anderen Faktoren.

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Formen des Debridements

Autolytisches Debridement

Das autolytische Debridement ist die schonendste, aber auch zeitintensivste Debridementform in der Wundversorgung.

Beim autolytischen Debridement wird die physikalische Wirkung von Flüssigkeit auf Beläge genutzt, indem Hydrogele, die zu 60% bis 95% aus Wasser bestehen, aufgebracht werden und durch ihre Feuchtigkeit Nekrosen und Beläge aufweichen. Diese Behandlungsmethode nutzt die Wirkung der körpereigenen proteolytischen Enzyme auf abgestorbenes Gewebe, die im eingeschlossenen Wundexsudat vorhanden sind. Die autolytische Wundreinigung fördert durch die zugeführte Feuchtigkeit das Zellwachstum. Nekrosen und Beläge verlieren durch Rehydration ihre innere Festigkeit und lösen sich vom Wundgrund. Danach sind sie leicht aus der Wunde zu spülen.

Autolytisches Debridement
Autolytisches Debridement

Formen des Debridements

Mechanisches Debridement

Mithilfe einer sterilen Kompresse erfolgt das mechanische Debridement mit dem Ziel, überschüssiges Exsudat sowie avitale Gewebeanteile aus der Wunde zu entfernen.

Die mechanische Wundreinigung ist unter Anwendung zweier unterschiedlicher Methoden und Materialien möglich:

  1. Ausspülen der Wunde: Bei dieser Methode werden eine Wundspüllösung sowie eine Spritze oder Knopfkanüle bzw. Spülkatheter benötigt. Empfehlenswert ist die Verwendung von physiologischer Kochsalzlösung (NaCl 0,9%). Bei der Reinigung großflächiger Wunden ist Ringerlösung zu bevorzugen. Bei der Spülung großflächiger Wunden mit physiologischer Kochsatzlösung kann es zu einer Elektrolytverschiebung und damit Wundheilungsverzögerung kommen.
    Bei Fistelgängen oder tieferen Wunden erfolgt die Spülung mittels Knopfkanüle oder einem kurzen Katheter, der auf eine 20-50 ml Spritze aufgesteckt wird. Vor der Spülung muss sondiert werden, ob die Flüssigkeit ungehindert aus der Wunde abfließen kann.
    Da NaCl- und Ringerlösung nicht konserviert sind, sollten nur Gebinde-Größen eingesetzt werden, die innerhalb eines Tages zu verbrauchen sind. Alternativ können konservierte Wundspüllösungen wie Octenilin, Prontosan, Lavanid oder Granudacyn verwendet werden. Abhängig vom Hersteller liegt die Verwendbarkeit nach Anbruch zwischen 6 und 12 Wochen.
    Empfiehlt der Arzt das Ausduschen mit Leitungswasser bei chronischen Wunden, darf nur sterilfiltriertes Leitungswasser eingesetzt werden. Dies ist im häuslichen Umfeld durch Kauf und Aufschrauben eines endständigen Wassersterilfilters auf den Duschschlauch möglich. Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung ist derzeit nicht gegeben. Detaillierte Angaben sind auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts zu finden.
  2. Auswischen der Wunde: Hier werden grobporige Polyurethanschäume oder Reinigungspads bzw. tensidhaltige Reinigungstücher verwendet. Diese sind nach Herstellerangaben zu befeuchten.
Mechanisches Debridement
Mechanisches Débridement mit steriler Kompresse

Formen des Debridements

Chirurgisches Debridement

Das chirurgische Debridement ist die schnellste und effektivste Art der Wundreinigung.

Bei dem chirurgischen Debridement werden Nekrosen und Beläge von der Wundoberfläche entfernt. Dies geschieht mit einem Skalpell und einer Pinzette oder einer Ringkürette. Da eine Wundinfektion zu einer Osteitis führen kann, ist manchmal auch eine Knochenresektion Bestandteil des chirurgischen Debridements.

Je nach Ausmaß und Dicke ist eine Kurznarkose oder eine Lokalanästhesie, z. B. mit EMLA®-Creme, erforderlich. Bei der Behandlung mit EMLA® sollte stets die Einwirkzeit beachtet werden.

Chirurgisches Debridement
Chirurgisches Debridement

Formen des Debridements

Biochirurgisches Debridement

Beim biochirurgischen Debridement (auch Larventherapie, Madentherapie genannt) wird die spezielle Wirkweise der steril gezüchtete Fliegenlarven der Gattung lucilia sericata genutzt.

Bei der Larventherapie tragen die Larven unter Einsatz ihres Speichels, der proteolytische Enzyme enthält, Nekrosen und Beläge durch Verflüssigung ab.
Bei Versuchen in der Petrischale konnte zudem nachgewiesen werden, dass diese Larven auf einem Keimrasen eine bakterienfreie Spur hinterlassen.

Der Einsatz von Maden kann manchmal bei Patienten mit niedriger Ekelhemmschwelle nicht in Frage kommen. Lucilia sericata sorgt für die Reinigung der Wunde, die Keimvernichtung (auch MRSA) und eine Stimulation der Wundheilung.

Biochirurgisches Debridement
Biochirurgisches Debridement

Formen des Debridement

Weitere Debridementformen

Neben dem autolytischen, dem mechanischen, dem chirurgischen und dem biochirurgischen Debridement exisitieren auch weitere Debridementformen.

Enzymatisches Debridement

Bei dieser Debridementart verflüssigen bestimmte Enzyme im Wechselspiel mit körpereigenen Proteinen Nekrosen und Beläge. Enzymverbände haben eine begrenzte Wirkdauer und sind mindestens einmal am Tag zu wechseln. Enzyme benötigen Feuchtigkeit, um ihre Wirkung zu entfalten und sind daher nicht auf trockenen Nekrosen anzuwenden.

Manche Enzyme wirken nur bei bestimmten Proteintypen. Enzymatisches Debridement sollte nur angewandt werden, bis die Wunde frei von Gewebetrümmern ist.

Ultraschall assistierte Wundreinigung (UAW)

Diese Debridementart nutzt niederfrequenten Leistungs-Ultraschall, der in Kombination mit einer Spüllösung Fibrinbeläge, Zelltrümmer und Keime aus der Wunde ausspült. Die Spüllösung gelangt durch den Ultraschall-Impuls bis in die tieferen Wundregionen und tötet dort durch Kavitation Bakterien und Pilze ab. Die Ultraschall assistierte Wundreinigung fördert zudem die Granulation, regt die Proliferation der Fibroblasten an und stimuliert die Kollagensynthese. Einige Patienten empfinden bei dieser schonenden Debridementart Schmerzen, weshalb sich vorab eine Lokalanästhesie mit Emla®-Creme empfiehlt.

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Die Autoren

Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.

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