Platzwunden

Platzwunden, oder auch Riss-Quetsch-Wunden, entstehen durch stumpfe Gewalteinwirkung. Durch das Aufplatzen der Haut sind die Wundränder nicht glatt, sondern eher unregelmäßig.



Symptome

Platzwunden schmerzen oft stark und bluten heftig, besonders am Kopf. Die Wundränder klaffen auseinander.

Schweregrad

Mögliche Gehirnerschütterung

Platzwunden am Kopf und Körper unterscheiden sich wenig in ihren Eigenschaften. Bei Platzwunden am Kopf sollte immer auch die Möglichkeit einer Gehirnerschütterung bedacht werden. Deshalb sollten Betroffene über 48 Std. beobachtet werden und bei Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Apathie oder Bewusstlosigkeit einen Arzt aufsuchen.

Ursache und Entstehung

Platzwunden entstehen meistens als Folge eines Unfalls, z.B. durch das Stoßen des Kopfes, das Einklemmen von Fingern oder durch herabstürzende Gegenstände, also durch absichtliche oder unabsichtliche Gewalteinwirkung von außen.


Risikofaktoren

Betroffene Personengruppen

Jeder kann von einer Platzwunde betroffen sein.

Betroffene Körperstellen

Eine Platzwunde kann an jeder Körperstelle auftreten. Am häufigsten entstehen sie aber an eher dünnen Hautstellen, wo der Knochen direkt unter der Haut liegt und dadurch einen Gegendruck erzeugt, der die Haut zum Aufreißen bringt.


Behandlung und Therapie

Zunächst sollte die Blutung der Wunde gestoppt werden. Dazu sollte ein geeigneter Verband, eventuell ein Druckverband angelegt werden. Je nach Größe und Stelle sollte daraufhin ein Arzt oder sogar direkt ein Krankenhaus zur weiteren Versorgung aufgesucht werden.

Arbeitsunfall

Falls es ein Arbeitsunfall war, kann auch ein Betriebsarzt für die Erstversorgung zuständig sein.

Versorgung der Wunde

Ob eine Platzwunde genäht, geklammert, geklebt oder nur mit Wundnahtstreifen versorgt wird, hängt von der Stelle und der Größe der Wunde ab. Auch das kosmetische Ergebnis kann eine Rolle spielen. So werden z.B. gerade bei Verletzungen im Gesicht möglichst unauffällige Methoden gewählt, um die Narbenbildung so gering wie möglich zu halten. In allen Fällen werden die Wunde gereinigt und die Wundränder so gut es geht aneinandergelegt, um die Wundoberfläche möglichst klein zu halten. Die Wunde kann dann mit einem Pflaster zusätzlich geschützt und abgedeckt werden. Bei der Versorgung sollte auch der Tetanus-Schutz überprüft werden und, falls schon länger als 10 Jahre zurückliegend, aufgefrischt werden.

Frische Wunden sollten nicht mit Salben behandelt werden, um die Wundreinigung und Versorgung nicht zu beeinflussen. Verschlossene Wunden können mit einer Wundheilcreme behandelt werden.

Wasserkontakt

Die versorgte Wunde sollte ca. eine Woche keinen Wasserkontakt haben. Je nach Körperstelle kann aber ein wasserdichtes Pflaster angebracht werden, das die Wunde vor Wasserkontakt, z.B. beim Duschen, schützt.

Entfernen des Klebers

Wurde die Wunde geklebt, löst sich der Kleber  nach einigen Tagen eigenständig auf. Es ist nicht nötig, ihn selber zu entfernen.

Platzwunde nähen

Wunden werden in der Regel bis zu sechs Stunden nach der Verletzung genäht. Danach werden die Wunden häufig offen gelassen, da das Infektionsrisiko der Wunde sonst zu hoch ist. Dies hängt jedoch von der Wunde ab und wird der Arzt im Einzelfall entscheiden.

Beulen

Beulen entstehen häufig zusammen mit der Platzwunde und sind eine Schwellung des Gewebes mit einer Ansammlung von Flüssigkeit. Meistens hilft Kühlen, damit die Beule nach wenigen Tagen  wieder abgeklungen ist.

Verwendung von Sekundenkleber

Sekundenkleber besteht aus den gleichen Stoffen wie Gewebekleber. Allerdings wurden bei normalem Sekundenkleber im Normalfall nicht die notwendigen Testungen durchgeführt, die ein medizinischer Gewebekleber erfüllen muss, um als solcher zugelassen zu werden. Obwohl keine negativen Anwenderberichte existieren, sollte lieber zu einer herkömmlichen Behandlung gegriffen und die Versorgung einem Arzt überlassen werden.

Desinfektion der Platzwunde

Zur direkten Desinfektion einer Wunde kann Betaisodona verwendet werden. Besser sind allerdings farblose Desinfektionssprays, da diese auch eine bessere Gewebeverträglichkeit haben als Jodprodukte.

Zinksalbe

Zinksalbe sollte nicht auf eine akute Platzwunde aufgebracht werden. Die Salbe lässt sich nur schwer aus der tiefen Wunde entfernen und kann zu Problemen führen, wenn die Wunde noch genäht werden muss.

Einnahme anderer Medikamente

Nimmt der Patient gerinnungshemmende Mittel ein, führt dies häufig zu stärkeren und länger anhaltenden Blutungen. Bei größeren Verletzungen sollte hier immer ein Arzt aufgesucht werden, da sich die Blutung eventuell nicht über einen normalen Druckverband stillen lässt.


Mögliche Komplikationen

Wunden können auch nach der Versorgung noch leicht nachbluten. Hier kann über einen weiteren Druckverband nachgeholfen werden, bis die Blutung gestillt ist.
Sind größere Gefäße verletzt oder nimmt der Betroffene gerinnungshemmende Mittel ein, kann die Blutung stärker und länger ausfallen. In diesem Fall sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Taubheitsgefühl oder Fieber

Ein Taubheitsgefühl entsteht, wenn Nerven geschädigt sind. Dies kann z.B. durch die Schwellung geschehen und vergeht wieder, sobald die Schwellung abklingt. Bleibt das Taubheitsgefühl über mehrere Tage bestehen, sollte dies ärztlich abgeklärt werden, um eine größere Schädigung auszuschließen.

Tritt nach einer Verletzung Fieber oder erhöhte Temperatur auf, ist dies oft ein Zeichen für eine Entzündung. Es kann sein, dass die Wunde nicht richtig gesäubert wurde und Keime eindringen konnten, die zu einer Immunreaktion führen. Falls zeitnah keine Besserung eintritt, sich der Zustand verschlechtert oderweitere Symptome auftreten, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Fieber kann eine Begleiterscheinung bei einer Sepsis oder bei Tetanus sein.


Heilungsverlauf

Dauer der Heilung

Die Heilungsdauer hängt grundsätzlich von der Größe und Position der Wunde ab. Stark beanspruchte Stellen, z.B. an Gelenken, brauchen eine längere Heilungsdauer. Die Wunden heilen aber normalerweise innerhalb von zwei bis drei Wochen ab.

Wie lange sollte der Kontakt zu Wasser vermieden werden?

Wasserkontakt sollte für ca. eine Woche vermieden werden. Wenn die Wunde verschlossen ist oder alternativ mit einem wasserfesten Pflaster abgedeckt wurde, spricht nichts gegen Wasserkontakt. Bei größeren Wunden oder auch nach operativen Eingriffen empfiehlt sich eine Rücksprache mit dem Arzt, damit keine Keime in die Wunde gelangen können.

Verlauf der Heilung

Wie lange muss ein Pflaster getragen werden?

Klammerpflaster (Wundnahtstreifen) sollten ca. eine Woche auf der Wunde bleiben bzw. bis sie von selbst abfallen. Die Streifen stabilisieren die Wundränder und reduzieren die Zugkräfte. Werden sie zu früh entfernt, könnte die Wunde wieder aufgehen.

Fäden werden in der Regel frühestens nach vier bis etwa 14 Tagen gezogen. An Gelenken kann es auch bis zu drei Wochen dauern. Dies ist abhängig von der Stelle und der Größe der Wunde.

Sportliche Aktivitäten

Sportliche Aktivitäten sind abhängig von der Größe und Stelle der Wunde. Bei kleineren Verletzungen kann meistens sofort weiter trainiert werden. Bei größeren oder auch genähten Wunden sollte die Belastung der Haut angepasst oder reduziert werden. Anderenfalls kann es passieren, dass die Wunde wieder aufgeht und es zu einer verzögerten Wundheilung kommt.

Vorbeugung

Einer Platzwunde kann durch Vorsicht und Schutzkleidung bei der Arbeit und beim Sport vorgebeugt werden.