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Thermische Verletzungen

Verbrennungen und Verbrühungen

Rund 600 von 100 000 Einwohner erleiden jährlich eine leichte Brandverletzung.

Inhaltsverzeichnis

Verbrennungen und Verbrühungen entstehen durch den Kontakt mit extremer Hitze wie beispielsweise Feuer, heißen Flüssigkeiten oder Dampf. UV-Strahlen oder ionisierende Strahlung können ebenfalls erhebliche Schädigungen hervorrufen.

Je größer die Fläche der betroffenen Haut und je tiefer die Verletzung, desto lebensbedrohlicher ist eine Verbrennung. Neben den sichtbaren Verletzungen können auch eingeatmete Rauchgase gefährlich sein und einen lebensbedrohlichen Zustand auslösen.

Verbrennungen und Verbrühungen

Gradeinteilung

Traditionellerweise werden Brandwunden im deutschsprachigen Raum entsprechend von Gradeinteilungen klassifiziert.

Thermische Verletzungen werden in Grad 1, 2, und 3 eingeteilt. Grad 4 bezeichnet die irreversible Verkohlung des Gewebes bis auf den Knochen.

GradSymptome

1

Hautrötungen (Erytheme), Schwellungen und starken Schmerzen (z.B. Sonnenbrand). Natürliche Barrierefunktion der Haut oder Schleimhaut geht verloren, das Infektionsrisiko steigt.
2a

Blasenbildung, Wundgrund rosig und rekapillarisierend, starker Schmerz, Haare fest verankert.

2bBlasenbildung, Wundgrund blasser und nicht oder schwach kapillarisierend, reduzierter Schmerz, Haare leicht zu entfernen
3Trockener, weißer, lederartiger und harter Wundgrund, keine Schmerzen (Gewebe abgestorben), Nekrosen, keine Haare mehr vorhanden
4Verkohlung von Unterhautfettgewebe, Muskelfaszie, Muskeln oder Knochen

Verbrennungen und Verbrühungen

Ursachen und Entstehung

Entscheidend für den Schweregrad der thermischen Verletzung sind Wärmegrad und die Einwirkungsdauer.

Schon ab einer Temperatur von 40- 44°C beginnt der Gewebeschaden durch die Denaturierung von Proteinen in den Zellen der Haut. Der Zelltod tritt ab 45°C und einer Einwirkzeit von etwa einer Stunde ein. Mit steigenden Temperaturen reduziert sich die Zeitdauer, die zu einem Eintreten von irreversiblen Zellschäden notwendig ist. Beispielsweise entstehen bei einer Temperatur von 70°C innerhalb von ein bis zwei Sekunden Verbrennungen dritten Grades.

Verbrennungskrankheit

Sind größere Körperareale verbrannt, handelt es sich nicht mehr nur um eine primär lokale Schädigung der Haut und dem darunter liegenden Gewebe. Die sogenannte Verbrennungskrankheit kann Kreislaufschwierigkeiten bis hin zum Schock auslösen. Im schwerwiegenden Fällen treten systemische Entzündungsreaktionen oder ein Versagen ganzer Organsysteme auf. Noch Tage bis Wochen nach dem eigentlichen Unfallereignis können lebensbedrohliche Krisen ausgelöst werden.

Verbrühungen

Verbrühungen entstehen durch den Kontakt mit heißen Flüssigkeiten, z.B. Tee oder Wasser. Die Gefahr besteht hier in der Flüssigkeit, die weitere Wege zurücklegen kann als eine trockene Hitze. So kann z.B. der heiße Tee, der den ganzen Oberkörper eines Kleinkindes herunterläuft, sämtliche Stellen verbrühen, während eine Verbrennung am Backofen lokal begrenzt ist. Aus diesem Grund sollte Kleidung nach einer Verbrühung auch umgehend entfernt werden, damit es nicht zu weiteren Verletzungen kommt.

Blasenbildung

Die Hitze führt zum Absterben der Zellen, die ihre enthaltene Flüssigkeit absondern. Zusätzlich wird durch eine erhöhte Durchblutung mehr Flüssigkeit ins Gewebe transportiert. Der Flüssigkeitsdruck führt dazu, dass die Hautschichten sich voneinander ablösen und eine Blase entsteht. Die Blase kann dabei zwischen und in allen Hautschichten entstehen.

Verbrennung mit Wasserdampf

Wasserdampf ist heißer und flüchtiger als kochendes Wasser. Kommt die Haut mit heißem Wasserdampf in Kontakt, entwickeln sich schnell Verletzungen, weil die Epidermis nicht ausreichend vor heißem Dampf schützen kann. Dieser dringt in die tieferen Hautschichten und löst direkt Schädigungen zweiten Grades aus.

Welche Personengruppen sind besonders betroffen?

Kleine Kinder sind besonders gefährdet, sich zu verbrennen oder verbrühen. Die meisten Unfälle passieren im Haushalt, wo die Kinder in Kontakt mit ungesicherten Töpfen, Bügeleisen oder anderen heißen Gegenständen kommen. Bei Kleinkindern sind bereits kleinflächige Verbrennungen lebensbedrohlich. Verbrennungen bzw. Verbrühungen bei Kindern, die mehr als 5% ihrer Körperoberfläche betreffen, werden mittelgradig schwer eingestuft. Sind mehr als 10% der Körperoberfläche betroffen, sind Verbrennungen bzw. Verbrühungen schwergradig. Bei Kleinkindern reicht bereits eine Tasse Tee von ca. 60°C, um schwere Verbrühungen innerhalb von Sekunden verursachen zu können.

Bei Jugendlichen und Männern entstehen häufig Verletzungen beim Experimentieren mit brennbaren Materialien oder beim Grillen.

Welche Körperstellen sind besonders gefährdet?

Verletzungen tauchen häufig an den Händen und Armen auf, bei Kleinkindern besonders im Hals- und Brustbereich („Latz“).

Verbrennungen und Verbrühungen

Behandlung und Therapie

Nach einer Verbrennung sollte die Stelle für ca. 15 Minuten mit lauwarmem oder kaltem Wasser (20°C) gekühlt werden.

Kleinflächige Verbrennungen

Kleinflächige Verbrennungen sind Brandwunden, die nicht größer sind als eine Handfläche mit Fingern. Die Handfläche entspricht 1% der gesamten Hautfläche (dabei wird immer die Größe der Handfläche der Patientin oder des Patienten angenommen). Kleinflächige oberflächliche Verbrennungen sind zwar oft ungefährlich, aber dennoch schmerzhaft. Die betroffene Partie sollte schnell unter fließendem Wasser gekühlt werden, bis die Schmerzen nachlassen (höchstens 15 Minuten). Dabei sollte das Wasser bestenfalls lauwarm, nicht aber eiskalt sein. Auf Eiswürfel oder Kalt-Kompressen sollte verzichtet werden, denn sehr niedrige Temperaturen können dem Gewebe schaden.

Abschätzung der Größe

Bei der Beurteilung der verbrannten Körperoberfläche gibt es zur Orientierung die sogenannte Neuner-Regel nach Wallace. Nach dieser Regel werden die oberen Extremitäten und Kopf mit Hals zu je 9%, der komplette Rumpf mit 4x9 = 36% und die unteren Extremitäten mit je 2x9 = 18% berechnet.

Quelle: S2k Leitlinie „Behandlung thermischer Verletzungen des Erwachsenen“, 2018

Verbrennungen und Verbrühungen

Wundversorgung

Gemäß der S2k Leitlinie ist das Ziel eine schmerzarme Behandlung, eine zügige, zeitgerechte und ungestörte Wundheilung sowie eine narbenarme, möglichst narbenfreie Abheilung.

Je nach Grad der Verbrennung sind unterschiedliche Behandlungsschritte notwendig:

GradBehandlung
1Die Wundheilung läuft üblicherweise spontan und ohne Narbenbildung ab. Eine konservative Behandlung mit pflegenden Salben ist empfohlen. Eine antimikrobielle Versorgung oder ein Verband sind in der Regel nicht notwendig.
2aDie Behandlung einer oberflächlich zweitgradigen Brandwunde sieht eine Wundreinigung (unter aseptischen Bedingungen) und einen adäquaten Wundschutz vor. Ziel des Debridements ist es, Brandblasen, Fremdkörper, Verunreinigungen und Wunddebris zu entfernen, da diese die Wundheilung beeinträchtigen. Es empfiehlt sich eine hydrokolloide Wundauflage, wie beispielsweise DracoHydro, die die feuchte Wundheilung fördert.
2bBei einer tiefen zweitgradigen Brandwunde ist das nekrotische (abgestorbene) Gewebe zu entfernen (tangentiale Nekrektomie), was üblicherweise im Rahmen eines stationären Aufenthalts erfolgt. Hierbei werden tangential zur Körperoberfläche Nekroseschichten abgetragen und anschließend mit einer hydrokolloiden Wundauflage versorgt.
3Je nach Größe und Lokalisation der Brandwunde wird das nekrotische Gewebe chirurgisch entfernt: dabei werden Haut und Fettgewebe bis auf die Faszie abgetragen. Dies ist die Voraussetzung für eine ungestörte Wundheilung. Die Behandlung kann Hauttransplantationen oder temporäre Deckungen mit Hautersatzmaterialien erfordern.
4Eine Operation der verkohlten Körperteile ist unumgänglich, häufig bleibt auch nur die Amputation gerade von Extremitäten.

 

Wundkontrolle

Wundkontrollen sind bis zur Heilung durchzuführen, um Infektionsanzeichen früh zu erkennen. Je mehr Zeit der Wiederaufbau der Haut beansprucht, desto schlechter ist das funktionelle und kosmetische Resultat.

Blasen bei Verbrennungen

Blasen sollten grundsätzlich nicht geöffnet werden. Die Blase schützt das Gewebe darunter und verhindert, dass Bakterien in die Wunde eindringen können. Sollte die Blase sehr groß sein, sich an Gelenken befinden oder Schmerzen verursachen, kann sie mit einer sterilen Nadel oder Schere geöffnet werden. Die Flüssigkeit sollte dann mit einer sterilen Kompresse wie beispielsweise DracoFix Mullkompresse oder DracoFix Vlieskompresse aufgesaugt werden. Die Blasenhaut sollte nicht entfernt werden, da sie einen natürlichen Schutz bildet.

Wann ist eine Ärztin oder Arzt zu rufen?

  • Wenn Kleidungsstücke betroffen und sie mit der Haut verklebt sind.
  • Wenn die Brandwunde so groß wie fünf Handflächen oder größer ist.
  • Wenn Gesicht, Hände, Füße oder Genitalien betroffen sind.
  • Wenn Rauchgase eingeatmet wurden.

Bei Kindern sollte der Gang ins Krankenhaus früher erfolgen, da Kinderhaut noch sensibler auf die Hitze reagiert als die von Erwachsenen. Hier können bereits Verbrennungen in der Größenordnung von einem Unterarm lebensbedrohlich sein. So oder so gilt: Im Zweifel sollte lieber einmal zu viel ein Notruf abgesetzt oder eine Ärztin oder Arzt aufgesucht werden als einmal zu wenig!

Verbrennungen und Verbrühungen

Mögliche Komplikationen

Die Haut ist unser Schutz gegen äußere Einflüsse und wichtig für die Regulation der Körpertemperatur. Bei einer Verbrennung sind diese Funktionen eingeschränkt oder sogar zerstört.

Lebensbedrohliche Verbrennungen

Wenn die Haut durch eine Verbrennung verletzt ist, kann über eine große Fläche Flüssigkeit verloren gehen. Dies geschieht, weil die Flüssigkeit aus dem Körper austritt oder in das umliegende Gewebe einläuft. Da die Flüssigkeit nicht mehr dem Blutkreislauf zur Verfügung steht, bewirkt dies ein Abfallen des Blutdrucks und damit eine Mangelversorgung der entfernteren Gewebe, da hier weniger Sauerstoff hin transportiert werden kann. Zudem gibt es ein Ungleichgewicht von Wasser und Eiweißen, wodurch die Durchblutung weiter vermindert wird.

Erstickungsgefahr

Eingeatmete Rauchgase und Hitze greifen die Lunge an. Die folgende Schwellung der Gefäße führt dann zur Erstickungsgefahr und muss medikamentös oder chirurgisch behandelt werden.

Infektionen

Die verbrannte Haut ist ein optimaler Nährboden für Bakterien und birgt damit die Gefahr einer Infektion. Eine Sepsis ist eine häufige Folge bei Verbrennungen.

Verbrennungen und Verbrühungen

Heilungsverlauf

Manche Verbrennungen heilen problemlos ab, andere hinterlassen Narben. Dabei kommt es vor allem auf den Grad der Verbrennung an.

Dauer der Heilung

Verbrennungen 1. Grades heilen komplikationslos und innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen ab. Verletzungen, die die Dermis erreichen, heilen unter Narbenbildung ab. Diese entsprechen Verbrennungen vom Grad 2b und stärker. Gerade bei großflächigen Verbrennungen und Verbrennungen an Kindern ist die Narbenbildung ein Problem, da Narben nicht mitwachsen und die Entwicklung und Bewegung stark einschränken können. Hier sind dann teilweise korrigierende Operationen nötig.

Narbengewebe benötigt mindestens ein Jahr, um sich final auszubilden. Im Laufe der Zeit kann die Narbe heller und unauffälliger werden, wird aber nicht verschwinden.

Bei Verbrennungen wird die Kompressionstherapie eingesetzt, um die Narbenbildung zu reduzieren und überschießende Narben zu verhindern. Hierfür werden individuell angefertigte Kompressionskleidungsstücke angefertigt, die permanent für mindestens ein Jahr getragen werden müssen.

Die Dauer der Schmerzen ist abhängig von der Größe, Stelle und Schwere der Verbrennungen.

Prognose

Grundsätzlich hängt die Prognose einer Brandverletzung von drei Faktoren ab:

  • Ausmaß und Tiefe der Verbrennung
  • Begleiterkrankung(en) des Patienten
  • Qualität der medizinischen Versorgung

Die Diagnostik von Brandwunden ist komplex und selbst erfahrene Ärzte scheinen die Wunden nur in rund 2/3 der Fälle klinisch exakt beurteilen zu können.

Was können Patienten tun?

Auch der Patient selbst kann zu einer besseren Wundheilung beitragen:

  • Regelmäßige Wundkontrollen einhalten.
  • Feuchte Wundheilung, z. B. durch Hydrokolloid-Technologie, kann die Wundheilung verbessern.
  • Vor einer vollständigen Ausheilung der Narbe sollte direktes Sonnenlicht vermieden werden (ca. 1 Jahr).
  • Oberflächlich heilende Wunden können mit feuchtigkeitsspendenden Cremes oder Salben selbst nachbehandelt werden.
  • Nach der Wundheilung die Narben mit Spezialsalben geschmeidig halten.

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Die Autoren

Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.

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