Verbrennungen

Verbrennungen und Verbrühungen entstehen durch den Kontakt mit heißen Flüssigkeiten, Dampf oder anderen heißen Materialien. Des Weiteren können sie durch UV-Strahlen oder ionisierende Strahlung entstehen.



Einteilung

Gradeinteilung

Thermische Verletzungen werden in Grad 1, 2, und 3 eingeteilt. Grad 4 bezeichnet die irreversible Verkohlung des Gewebes bis auf den Knochen.

Grad 1

Grad 2

Grad 3

 
  • Rötung der Haut

  • Schmerzhaft

  • kleine Blasenbildung

 
 
  • Rötung

  • Blasenbildung

  • roter oder weißer Untergrund

 
 
  • Keine Schmerzen, da Gewebe abgestorben ist (schwarze oder weiße Verfärbung)

  • irreversible Schäden des Gewebes

 

Schweregrad

Je größer die Fläche der betroffenen Haut und je stärker die Verletzung, desto lebensbedrohlicher ist eine Verbrennung. Bei kleinen Kindern reichen bereits kleine Flächen für einen bedrohlichen Zustand aus. Verbrennungen bzw. Verbrühungen bei Kindern, die mehr als 5% ihrer Körperoberfläche betreffen, sind schon mittelgradig schwer. Sind mehr als 10% der Körperoberfläche betroffen, sind Verbrennungen bzw. Verbrühungen schwergradig.

Neben den sichtbaren Verletzungen können auch eingeatmete Rauchgase gefährlich sein und einen lebensbedrohlichen Zustand auslösen.


Ursache und Entstehung

Verbrennungswunden entstehen durch Hitzeeinwirkung von Temperaturen über 40-45°C auf den Körper. Sowohl die Temperatur als auch die Einwirkdauer entscheiden über die Schwere der Verletzung. Je höher die Temperatur ist, desto schneller kommt es zu schwerwiegenden Reaktionen. Bei Kindern reicht bereits eine warme Tasse Tee für schwere Verbrühungen aus.

Verbrühungen

Verbrühungen entstehen durch den Kontakt mit heißen Flüssigkeiten, z.B. Tee oder Wasser. Die Gefahr besteht hier in der Flüssigkeit, die weitere Wege zurücklegen kann als eine trockene Hitze. So kann z.B. der heiße Tee, der den ganzen Oberkörper eines Kleinkindes herunterläuft, sämtliche  Stellen verbrühen, während eine Verbrennung am Backofen lokal begrenzt ist. Aus diesem Grund sollte Kleidung nach einer Verbrühung auch umgehend entfernt werden, damit es nicht zu weiteren Verletzungen kommt.

Blasenbildung

Die Hitze führt zum Absterben der Zellen, die ihre enthaltene Flüssigkeit absondern. Zusätzlich wird durch eine erhöhte Durchblutung mehr Flüssigkeit ins Gewebe transportiert. Der Flüssigkeitsdruck führt dazu, dass die Hautschichten sich voneinander ablösen und eine Blase entsteht. Die Blase kann dabei zwischen und in allen Hautschichten entstehen.

Verbrennungen mit Wasserdampf

Da Wasserdampf  heißer ist als kochendes Wasser,  passiert die Verbrennung hier schneller.


Risikofaktoren

Betroffene Personengruppen

Kleine Kinder sind besonders gefährdet, sich zu verbrennen oder verbrühen. Die meisten Unfälle passieren im Haushalt, wo die Kinder in Kontakt mit ungesicherten Töpfen, Bügeleisen oder anderen heißen Gegenständen kommen. Bei Jugendlichen und Männern entstehen häufig Verletzungen beim Experimentieren mit brennbaren Materialien oder beim Grillen.

Gefährdete Körperstellen

Verletzungen tauchen häufig an den Händen und Armen auf, bei Kleinkindern besonders im Hals- und Brustbereich („Latz“).


Behandlung und Therapie

Nach einer Verbrennung sollte die Stelle für ca. 15 Minuten mit lauwarmem oder kaltem Wasser (20°C) gekühlt werden. Das Wasser darf keinesfalls zu kalt sein oder Eis enthalten. Dies würde zu einer zu starken Unterkühlung und weiteren Gewebeschäden führen.

Blasen bei Verbrennungen

Blasen sollten grundsätzlich nicht geöffnet werden. Die Blase schützt das Gewebe darunter und verhindert, dass Bakterien in die Wunde eindringen können. Sollte die Blase sehr groß sein, sich  an Gelenken befinden oder  Schmerzen verursachen, kann sie mit einer sterilen Nadel oder Schere geöffnet werden. Die Flüssigkeit sollte dann mit einer sterilen Kompresse aufgesaugt werden. Die Blasenhaut sollte nicht entfernt werden, da sie einen natürlichen Schutz bildet.

Arzt kontaktieren

Bei größeren und schwereren Verbrennungen im Gesicht, an den Händen oder Genitalien sollten Erwachsene zum Arzt gehen. Bei Kindern sollte der Gang ins Krankenhaus früher erfolgen, da Kinderhaut noch sensibler auf die Hitze reagiert als die von Erwachsenen. Hier können bereits Verbrennungen in der Größenordnung von einem Unterarm lebensbedrohlich sein.

Wurden Rauchgase eingeatmet sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.

Wundversorgung

Wundauflage

Die Wunden sollten mit einer sterilen oder zumindest sauberen, nicht fusselnden Auflage abgedeckt werden. Wichtig ist, keine Fasern in die Wunde zu bringen, die dort verkleben könnten und dann zu einer schmerzhaften Reinigung der Wunde führen würden. Die Auflage sollte locker aufgebracht werden und nicht verkleben.

Eiweiß

Bei Verbrennungen ab Grad 2 ist die Hautoberfläche zerstört und der Körper verliert Flüssigkeit und damit auch Eiweiße.Um  einen hypovolämischen Schock zu verhindern, werden Verbrennungsopfern Flüssigkeit und Eiweiß intravenös verabreicht.


Mögliche Komplikationen

Lebensbedrohliche Verbrennungen

Die Haut ist unser Schutz gegen äußere Einflüsse und wichtig für die Regulation der Körpertemperatur. Bei einer Verbrennung sind diese Funktionen eingeschränkt oder sogar zerstört. Über eine große Fläche kann Flüssigkeit verloren gehen, entweder weil sie aus dem Körper austritt oder in das umliegende Gewebe einläuft. Da die Flüssigkeit nicht mehr dem Blutkreislauf zur Verfügung steht, bewirkt dies ein Abfallen des Blutdrucks und damit eine Mangelversorgung der entfernteren Gewebe, da hier weniger Sauerstoff hin transportiert werden kann. Zudem gibt es ein Ungleichgewicht von Wasser und Eiweißen, wodurch die Durchblutung weiter vermindert wird.

Erstickungsgefahr

Eingeatmete Rauchgase und Hitze greifen die Lunge an. Die folgende Schwellung der Gefäße führt dann zur Erstickungsgefahr und muss medikamentös oder chirurgisch behandelt werden.

Infektionen

Die verbrannte Haut ist ein optimaler Nährboden für Bakterien und birgt damit die Gefahr einer Infektion. Eine Sepsis ist eine häufige Folge bei Verbrennungen.


Heilungsverlauf

Verbrennungen 1. Grades heilen komplikationslos ab. Verletzungen, die die Dermis erreichen, heilen unter Narbenbildung ab. Diese entsprechen Verbrennungen vom Grad 2b und stärker. Gerade bei großflächigen Verbrennungen und Verbrennungen an Kindern ist die Narbenbildung ein Problem, da Narben nicht mitwachsen und die Entwicklung und Bewegung stark einschränken können. Hier sind dann teilweise korrigierende Operationen nötig.
Bei Verbrennungen wird die Kompressionstherapie eingesetzt, um die Narbenbildung zu reduzieren und überschießende Narben zu verhindern. Hierfür werden individuell angefertigte Kompressionskleidungsstücke angefertigt, die permanent für mindestens ein Jahr getragen werden müssen.

Dauer der Heilung

Verbrennungen 1. Grades heilen innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen ab. Stärkere Verbrennungen mit Narbenbildung werden als solche sichtbar bleiben. Narbengewebe benötigt mindestens ein Jahr, um sich final auszubilden. Im Laufe der Zeit kann die Narbe heller und unauffälliger werden, wird aber nicht verschwinden.

Die Dauer der Schmerzen ist abhängig von der Größe, Stelle und Schwere der Verbrennungen.


Vorbeugung

Durch Vorsicht beim Umgang mit Feuer, brennbarem oder heißem Material und heißen Flüssigkeiten.