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Glossar

Nekrose - Wundversorgung nekrotischer Wunden

Inhaltsverzeichnis

Eine Nekrose ist der Oberbegriff dafür, dass in einem lebenden Organismus Zellen in einem bestimmten Gebiet durch Sauerstoffmangel absterben.

Nekrosen sind avitales (totes, abgestorbenes) Gewebe, die den Wundheilungsprozess stören können. Die Versorgung mit Blut und Nährstoffen wird blockiert. Nekrosen fördern das Wachstum von Keimen und verhindern die Bildung von wichtigem Granulationsgewebe. Eine Beurteilung des darunter liegenden Gewebes (Wundgrund) ist nicht möglich.

Nekrose

Definition: Nekrose und Apoptose

Eine Nekrose ist der Oberbegriff dafür, dass in einem lebenden Organismus Zellen in einem bestimmten Gebiet durch Sauerstoffmangel absterben. In den betroffenen Zellen sind zuvor Eiweiße zugrunde gegangen. Diese Eiweiße können auch ins umliegende Gewebe gelangen und eine Entzündungsreaktion auslösen. Dieser Vorgang kann infolge von mechanischen Verletzungen, Infektionen mit Krankheitserregern, Verbrennungen oder Erfrierungen, nach Strahlentherapie und sehr häufig durch eine arterielle Durchblutungsstörung (Ischämie des Gewebes) entstehen.

Eine zweite Form der Nekrose ist die Apoptose. Die Apoptose beschreibt einen geplanten, gesteuerten Zelltod, wie er permanent vorkommt. Es sind Zellen, die nicht mehr einwandfrei funktionieren. Sie sind unerwünscht, damit überflüssig, und gehen so in einem regulierten Prozess zugrunde. Dieser Prozess kann z.B. nach einer überstandenen Infektion auftreten. Der Unterschied zur oben beschriebenen Nekrose ist, dass es bei der Apoptose zu keiner Entzündungsreaktion kommt. Bei der Apoptose bleibt die Zellmembran intakt, bzw. die Zelle zerbricht in Bruchstücke mit intakter Membran. Reste werden von Fresszellen des Körpers beseitigt.

Oftmals treten Nekrose und Apoptose gleichzeitig auf, wie z. B. bei Organschäden.

Hintergrund

Da die Zelle in ihrer Struktur beim Absterben irreversibel geschädigt wird, ist der Zelluntergang nicht aufzuhalten. Nach Absterben von Zellen und Gewebe bildet sich in der Regel ein Hohlraum oder eine Narbe. Möglich ist auch, dass abgestorbenes Gewebe eintrocknet und abfällt.

Kleine Nekrosen können Menschen mit einem intakten Immunsystem problemlos durch funktionsfähiges Gewebe ersetzen. Das betroffene Gewebe erlangt wieder seinen Ausgangszustand.

Nekrosen sind avitales (totes, abgestorbenes) Gewebe, die den Wundheilungsprozess stören können. Die Versorgung mit Blut und Nährstoffen wird blockiert. Nekrosen fördern das Wachstum von Keimen und verhindern die Bildung von wichtigem Granulationsgewebe. Eine Beurteilung des darunter liegenden Gewebes (Wundgrund) ist nicht möglich. 
Die Beschaffenheit von Nekrosen variiert von trocken bis feucht. Nekrosen zeigen sich in einer Farbenvielfalt von schwarz über braun bis hin zu gelb.

Nekrosen sind besonders typisch bei chronischen Wunden wie z.B. DekubitusUlcus cruris und dem diabetischen Fußsyndrom.

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Nekrose

Einteilung von Nekrosen

Risikofaktoren

  • Trockene Nekrosen, entstanden durch eine peripheren Verschlusskrankheit (pAVK), sind erst im Anschluss an eine erfolgreiche Gefäßerweiterung zu entfernen.
  • Trockene Nekrosen dürfen auf gar keinen Fall vor einem solchen Eingriff angeweicht oder feucht behandelt werden. Bis dahin sind nur trockene Verbandwechsel mit einer (z. B. sterilen DracoFix Mullkompresse) zu verbinden. 
  • Zur Entlastung akuter Infektionen können Nekrosen vom Arzt chirurgisch angefrischt werden, bedeutet: die Wunde wird, soweit möglich, durch ein chirurgisches Debridement von nekrotischem Gewebe befreit. 

Im Wundbereich gibt es zwei verschiedene Arten von Nekrosen

  • Trockene Nekrose
  • Feuchte Nekrose

Die beiden verschiedene Formen der Nekrosen entstehen oftmals durch die arterielle periphere Verschlusskrankheit (pAVK), eine Durchblutungsstörung, die gehäuft als Folgeerkrankung bei Menschen mit Diabetes mellitus auftritt.

Minderdurchblutetes Gewebe kann ohne Therapie, z. B. (Dilatation durch Gefäßchirurgen), gefühllos werden und letztendlich absterben. Trocknet das abgestorbene Gewebe ein, fühlt es sich lederartig an. Infiziert sich aber das Gewebe mit Krankheitserregern, bleibt die Nekrose eher feucht, beginnt zu riechen und verflüssigt sich. Verflüssigende Nekrosen sind Gewebeanteile, die vollständig absterben. Dieses geschieht z.B. bei Menschen mit einer schweren (pAVK). Ist das Gewebe vollständig untergegangen, spricht man von einer Gangrän. Damit ist die Gangrän eine Sonderform der Nekrose.

Nekrose

Gefährdete Körperstellen

Die beiden verschiedene Formen der Nekrosen entstehen oftmals durch die (pAVK), eine Durchblutungsstörung, die gehäuft als Folgeerkrankung bei Menschen mit Diabetes mellitus auftritt. Menschen mit einem langjährigen Diabetes mellitus können ein diabetisches Fußsyndrom entwickeln.

Aber auch bei Patienten, die aufgrund verschiedener ungünstiger Faktoren verstärkt zu Dekubitus neigen. Unter einem bestehenden Dekubitalgeschwür können sich ebenfalls Nekrosen entwickeln. Je nachdem, wo Druck auf die Haut einwirkt, kann sich ein Dekubitus an jeder Körperstelle entwickeln. Dies sind Menschen mit:

  • Bewegungsbehinderungen, Chirurgische Eingriffe (Knochenbrüche usw..)
  • Lähmungen, Multiple Sklerose
  • Bewusstlosigkeit (Koma/Narkose), Übergewicht (Adipositas)
  • Kachexie (völliger Kräfteverfall)
  • Katatonie (Bewegungsstarre), Exsikkose
  • Kontrakturen, Anämie
  • Inkontinenz, Medikation
  • Herzinsuffizienz, starke Sedation
  • Im Bereich Dekubitus wird die Kategorie 3 (EPUAP) unter anderem auch als nekrotisches Gewebe klassifiziert. Hier hat sich bereits das Hautgewebe tiefschwarz verfärbt. 

Mehr dazu siehe unter Dekubitus.

Nekrose

Behandlung und Therapie

An erster Stelle der Behandlung einer Nekrose muss die Beseitigung des auslösenden Faktors stehen.

Die Therapie richtet sich unter anderem nach der Ursache, der Ausdehnung und dem Ort der Nekrose. An erster Stelle steht die Beseitigung des auslösenden Faktors. Liegt z. B. eine periphere arterielle Durchblutungsstörung vor, sollte diese verbessert oder gar wiederhergestellt werden. Je nach Beschaffenheit der Nekrose ist es sinnvoll, abgestorbenes Gewebe durch ein Debridement (chirurgischer Eingriff) zu entfernen, damit es zu keinen Schädigungen im umliegenden Gewebe kommt. Liegt ein bakterieller Infekt vor, sollte dieser durch die Gabe eines Antibiotikums bekämpft werden. Primäres Ziel ist es, nekrotisierendes Gewebe in den Status einer frischen Wunde zu versetzen, um die Ausbreitung einer Entzündung zu verhindern.

Bei der Behandlung der Nekrose ist die gute Durchblutungssituation des Gewebes von größter Bedeutung. Nur so kann die Gewebeneubildung angeregt werden. Bei dem diabetischen Fußsyndrom ist u.a. für ein adäquates Schuhwerk (z.B. Diabetes-adaptierter Schuh mit Einlage und gutsitzende, nicht einschnürende Strümpfe) zu sorgen. Bei Patienten mit einer Dekubitalnekrose ist eine völlige Druckentlastung des erkrankten Gewebes notwendig. Häufig verläuft die Abheilung zögernd und langwierig.

Auch sollte auf eine konstante, warme Körpertemperatur geachtet werden, denn bei Kälte kontrahieren sich die Hautgefäße und drosseln so die Kapillardurchblutung.

Mögliche Komplikationen

Nekrosen können verschiedene Komplikationen und Beschwerden aufweisen. Abhängig ist dies allerdings von der Ursache und von der betroffenen Region. Eine allgemeine Voraussage ist somit nicht möglich. Nekrosen entstehen durch Sauerstoffmangel des Gewebes. Auch innere Organe können durch Sauerstoffmangel einer Schädigung ausgesetzt sein. Die Lebensqualität des Patienten wird krankheitsbedingt deutlich verringert. Durch abgestorbene Nekrosen können sich Narben entwickeln und die Ästhetik des betroffenen Patienten negativ beeinflussen.

Bei Menschen mit intakten Immunsystemen und deren Erkrankung kommt es in den meisten Fällen zu keinerlei Komplikationen. Die Nekrosen können in der Regel einfach therapiert werden. Der Körper reagiert mit einer Selbstheilung auf diese Erkrankung. Eine gesunde Lebensweise ist eine gute Voraussetzung, um die Lebensqualität bestmöglich zu erhalten.

Nekrose

Heilungsverlauf

Die Heilungsdauer einer Nekrose hängt sehr stark von der jeweiligen Situation des Patienten und seinen Begleiterkrankungen ab. Wie bereits angesprochen sind oberflächliche Nekrosen bei Menschen mit intaktem Immunsystem und nach Beseitigung der entsprechenden Ursache innerhalb von wenigen Wochen abgeheilt. Bei fortgeschrittenen Nekrosen muss zwingend ein Arztbesuch erfolgen. Der Erfolg der Nekrosenabheilung hängt dann vor allem vom Gesundheitszustand des Patienten ab.

Bei Nekrosen, die durch eine periphere arterielle Durchblutungsstörung entstanden sind, wie z B. bei Rauchern und Diabetikern, hängt die Heilung vor allem davon ab, ob der Patient eine erfolgreiche Wiederherstellung einer optimalen Durchblutung (z.B. Erweiterung der Gefäße beim Gefäßchirurgen) erhalten hat und ob der Patient das Rauchen einstellen kann. Bei Diabetikern ist die Stoffwechseloptimierung (regelmäßige Kontrolle der Blutzuckerwerte, Optimierung der Insulinmenge, Gewichtsreduzierung etc.) eine gute Voraussetzung zur weiteren Erhaltung der peripheren Gefäße.

Nekrose am Fuß oder am Zeh

Nekrosen befinden sich sehr häufig an Füßen und ganz besonders an Zehen. Dadurch, dass der Fuß vom Körperzentrum weit entfernt ist, sind die Arterien hier sehr klein und dünn und schnell anfällig für Durchblutungsstörungen.

Fuß- und Zehennekrosen findet man häufig im Zusammenhang mit dem sogenannten „Raucherbein“ und dem „Diabetischen Fuß“. Die mangelnde Sauerstoffversorgung ist der Hauptgrund für das Zustandekommen der beiden Erkrankungen. Die Zehen sind als erstes betroffen. Bei einer fortschreitenden Erkrankung kann sich die Nekrose bis hin zum Unterschenkel ausbreiten.

Erfrierungen und Unterkühlungen sind weitere Ursachen von Nekrosen an den Zehen. 
Auch hier gilt: Nur eine ausreichende Wiederherstellung der Durchblutung kann ein eine erfolgreiche Therapie ausmachen. Bei zu stark fortgeschrittenen Nekrosen ist meist eine Amputation erforderlich.

Dekubitus-Nekrose

Dekubitalnekrosen können durch konsequente Entlastung und ausreichende Schonung häufig wieder vollständig abheilen. Dieser Heilungsprozess kann mehrere Wochen bis zu Monaten dauern

Nekrose

Vorbeugung und Prophylaxe

Gesunde Lebensweise

  • Vermeidung von Übergewicht, Alkohol, Nikotin, 
  • gesunde Ernährung (Fett- und Kohlehydratreduzierung)
  • körperliche Bewegung

Diabetisches Fußsyndrom

Strahlentherapien

  • Nach Strahlentherapien können entzündungshemmende Medikamente eine Entstehung von Nekrosen verhindern. 

FAQ Nekrose: Häufige Fragen

Eine Nekrose ist anhand der Farbe (trocken: bräunlich, gräulich bis schwarz, feucht: gelblich) und der festen Anhaftung auf der Wunde zu erkennen. Trockene Nekrosen fühlen sich ledrig, fest und wie eine Platte an. Feuchte Nekrosen lassen sich eindrücken, fühlen sich schwammig an und können unangenehm riechen.

Eine trockene Nekrose wird trocken abgedeckt, am besten mit einer sterilen Kompresse, und beobachtet. Eine feuchte Nekrose muss einem Chirurgen vorgestellt werden. Dieser entscheidet über die Durchführung eines chirurgischen Debridements oder Anwendung von Hydrogelen, Alginaten oder anderen Wundauflagen.

Bei einer trockenen Nekrose ist nichts weiter zu tun. Die Wunde wird mit einer trockenen Mullkompresse abgedeckt und fixiert. Die Wunde sollte dahingehend beobachtet werden, dass darauf keine feuchte Nekrose entsteht.

Bei einer feuchten Nekrose kann die Wunde mit einem antimikrobiellen Schaumstoff abgedeckt werden. Dieser nimmt austretendes Exsudat auf und kann Mikroorganismen abtöten. Dieses Maßnahme ist jedoch nur als kurzfristig und vorübergehend zu betrachten. Die Wunde sollte unter ständiger ärztlicher Beobachtung stehen, da sich aus dieser Art von Nekrosen eitrige Entzündungen und sogar eine Sepsis entwickeln können.

Je nach Art des Debridement gibt es unterschiedliche Therapiemöglichkeiten:

  1. Nach dem chirurgischen Debridement blutet die Wunde häufiger. Dann ist eine Tamponade mit Alginat sinnvoll. Die Abdeckung erfolgt mit einer Saugkompresse oder einem transparenten Folienverband.
  2. Nach dem autolytischen Debridement mit Hydrogel wird die Wunde alle 3 Tage neu verbunden. Die Abdeckung kann zum Beispiel mittels Wundgaze erfolgen.
  3. Nach dem mechanischen Debridement wird die Wunde phasengerecht abgedeckt.

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Autorin Anette Skowronsky

Die Autorin

Anette Skowronsky

Anette Skowronsky ist Apothekerin, Fachbuchautorin und Qualitätsauditorin für Medizinprodukte. Als Geschäftsführerin der MedConCap GmbH ist sie verantwortlich für die Produktentwicklung von Verbandstoffen. Bei Dr. Ausbüttel ist sie seit 2009 im Rahmen der Fortbildungen der modernen Wundversorgung als Moderatorin tätig.

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