MFA-Weiterbildungen: VERAH® und NäPa

MFA sollten früher oder später eine Weiterbildung ins Auge fassen, wenn sie ihre Kompetenzen in speziellen Fachgebieten ausbauen möchten.

Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten der Weiterbildung unterschieden. Die Anpassungsweiterbildung und die Aufstiegsweiterbildung. Die Anpassungsweiterbildung hilft das Wissen auf dem aktuellen Stand zu halten. Aufstiegsweiterbildungen ermöglichen eine Qualifikation für Führungspositionen.

MFA Weiterbildung zur nichtärztlichen Versorgungsassistent/in

Das Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten zur nichtärztlichen Versorgungsassistentin ist vielfältig:

Je nach Bundesland variieren die Bezeichnungen, Aufgabenfelder, Anforderungen und Voraussetzungen der Aus- und Weiterbildung. Das Ziel der verschiedenen Qualifikationen ist jedoch stets dasselbe, nämlich eine Entlastung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte durch speziell ausgebildete MFA.

Im Rahmen der delegierbaren ärztlichen Leistungen übernehmen nichtärztliche Versorgungsassistenten und -assistentinnen eigenständig Hausbesuche, sowohl bei den betroffenen Personen zu Hause als auch in Alten- und Pflegeheimen.

Bundesweite Modelle VERAH und NäPa

Beispiele für Anpassungsweiterbildungen sind Versorgungsassistent/in (VERAH®) oder Nichtärztliche/r Praxisassistent/in (NäPa). Sowohl VERAH als auch NäPa übernehmen arztentlastende, delegierte Aufgaben wie Hausbesuche. In den Zuständigkeitsbereich VERAH und NäPa fallen die Wundversorgung und Blutdruckkontrolle. Damit unterstützen sie die Sicherstellung einer umfassenden Patientenbetreuung.

Der Hausärzteverband bietet zusammen mit dem Verband der medizinischen Fachberufe die Fortbildung (VmF) und dem Institut für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IHF) die Fortbildung zur VERAH an. Die Bundesärztekammer (BÄK) organisiert die Fortbildung zur NäPa. In Baden-Württemberg wird diese zusätzlich von der Gesundes Kinzigtal GmbH angeboten.

BÄK und Hausärzteverband haben vereinbart, dass die Qualifikation zur VERAH auch auf die zur NäPA angerechnet werden – und umgekehrt.

VERAH® - Anpassungsweiterbildung

Kenntnisse für eine VERAH®-Qualifikation werden in acht, in sich geschlossenen, Modulen übermittelt.

Die Fortbildungen können als Kompaktseminar oder in einzelnen Modulen gebucht werden. Voraussetzung einer VERAH-Prüfungszulassung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung zur MFA mit Berufserfahrung in der Hausarztpraxis oder einer Facharztpraxis mit anschließender einschlägiger Berufserfahrung im hausärztlichen Bereich. Angehörige anderer medizinischen Fachberufe und mindestens zwei Jahren Berufserfahrung in einer Hausarztpraxis können ebenfalls an der Fortbildung teilnehmen.

Die Fortbildungskosten variieren nach Modul und VERAH®-Mitgliedschaft (siehe Tabelle).
 

VERAH® Preisübersicht 2022

VERAH®-Einzelmodule: Mitglieds- und Nicht-Mitgliedspreise

ModulnameMitgliedspreisNichtmitgliedspreis
Case Management659,98 €745,88 €
Präventionsmanagement344,30 €433,33 €
Notfallmanagement357,99 €446,92 €
Besuchsmanagement222,97 €267,42 €
Technikmanagement238,98 €283,50 €
Wundmanagement238,98 €283,50 €
Praxismanagement498,29 €576,71 €
Gesundheitsmanagement344,38 €433,31 €

 

VERAH® Kompaktseminare, Prüfungen, Anerkennung: Mitglieds- und Nicht-Mitgliedspreise

ModulnameMitgliedspreisNichtmitgliedspreis
VERAH® Kompaktseminar2.470,00 €2.950,00 €
Ergänzungsteil NäPa475,00 €560,00 €
VERAH® Abschlussprüfung179,00 €220,00 €
Anerkennung je Modul15,00 €15,00 €
VERAH®/NäPa Refresher220,00 €295,00 €

(Quelle: https://www.verah.de/was-ist-verah/verah-preisuebersicht)

 

VERAH® (Versorgungsassistent/in in der Hausarztpraxis) übernehmen arztentlastende, delegierte Aufgaben, z.B.:

  • Hausbesuche
  • Wundversorgung 
  • Blutdruckkontrolle 

Damit unterstützen sie die Sicherstellung einer umfassenden Patientenbetreuung.

NäPa - Anpassungsweiterbildung

Besitzende einer VERAH®-Qualifikation können durch die erfolgreiche Teilnahme an weiteren VERAHplus® Modulen die Qualifikation zur NäPa erwerben.

Der Erwerb einer NäPa-Qualifikation ist zeitintensiver als die VERAH®-Fortbildung. Sie kann auf unterschiedlichen Wegen erworben werden. Besitzende einer VERAH-Qualifikation können durch die Teilnahme an weiteren VERAHplus® Modulen die Qualifikation zur NäPa erwerben. Zulassungsvoraussetzungen sind eine mindestens 3-jährige Berufserfahrung inkl. Hausbesuchserfahrung.

MFA können NäPa-Qualifikationen auch unabhängig von VERAH® erlangen. Landesärztekammern und private Anbieter bieten Ausbildungen an. Abhängig von der Dauer der bisherigen Berufstätigkeit umfasst die Fortbildung 190-270 Stunden (siehe Tabelle 3). Die Weiterbildung gliedert sich in drei Abschnitte Theoretische Fortbildung, Praktische Fortbildung und Notfallmanagement.

NäPa-Fortbildung: Dauer und Inhalte der Fortbildungsabschnitte

Abhängig von der Dauer der bisherigen Berufstätigkeit umfasst die Fortbildung 190-270 Stunden.

Sie ist in die Abschnitte Theoretische Fortbildung, Praktische Fortbildung und Notfallmanagement gegliedert.

Der Theorieteil beinhaltet Grundlagen und Rahmenbedingungen beruflichen Handelns, medizinische Kompetenz und Notfallmanagement.

Die Fortbildung ist in einem Zeitraum von fünf Jahren zu absolvieren. Je nach Anbieter finden die Fortbildungen am Wochenende oder in Blockseminaren statt. Nach erfolgreicher Teilnahme an der schriftlichen Abschlussprüfung wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Zertifikat ausgehändigt. Die Kosten für eine NäPa-Qualifikation variieren in Abhängigkeit von Anbieter und Berufserfahrung und liegen zwischen 1.500 und 2.300 €.

Theoretische Fortbildung: Lehrinhalte und Dauer

  • Grundlagen und Rahmenbedingungen beruflichen Handels/ Berufsbild
  • Medizinische Kompetenz, u.a. Krankheitsbilder, Geriatrische Syndrome, Palliativmedizin, Wundpflege
  • Kommunikation und Dokumentation

 

Umfang je nach Dauer der Berufstätigkeit: < 5 Jahre: 200 Stunden, 5-10 Jahre: 170 Stunden, > 10 Jahre: 150 Stunden

Praktische Fortbildung: Lehrinhalte und Dauer

  • Hausbesuche sowohl in der Häuslichkeit als auch in Heimen und beschützenden Einrichtungen

Umfang je nach Dauer der Berufstätigkeit: < 5 Jahre: 50 Stunden, 5-10 Jahre: 30 Stunden, > 10 Jahre: 20 Stunden

Notfallmanagement: Lehrinhalte und Dauer

  • Notfallsituationen
  • Betreuung risikorelevanter und vulnerabler Patientengruppen
  • Notfallmanagement

Unabhängig von der Dauer der Berufstätigkeit: 20 Stunden

Weitere Arztassistentenberufe

Fachkraft für Impfmanagement

Fachkräfte für Impfmanagement besitzen erweiterte Kenntnisse der medizinischen Grundlagen von Schutzimpfungen und können das Impfmanagement in der Praxis weitgehend selbstständig organisieren. Neben der Patientenkommunikation liegt ihr Aufgabengebiet in der Abrechnung von Impfleistungen und dem Bezug sowie die Lagerung von Impfstoffen. Die Fortbildungscurricula variieren ein wenig zwischen den einzelnen Landesärztekammer. Meist umfasst die Fortbildung etwa 40 Unterrichtseinheiten, die größtenteils als Präsenzunterricht stattfinden. Sie endet mit einer Prüfung. Das Zertifikat zur Fachkraft für Impfmanagement wird nach bestandener Prüfung erteilt.

Betriebswirtschaftliche Assistentin in der Hausarztpraxis (BEAH®)

Mit der Zusatzqualifikation zur Betriebswirtschaftlichen Assistentin in der Hausarztpraxis (BEAH®) können MFA in Bayern Hausärztinnen und Hausärzte gezielt im Bereich Abrechnung unterstützen. Der Bayerischer Hausärzteverband (BHÄV) bietet seit dem Jahr 2016 diese Zusatzqualifikation an.

Zulassungsvoraussetzungen sind mindestens fünf Jahre Berufserfahrung als MFA. Interessentinnen und Interessenten müssen zudem bereits eine Schulung zur Abrechnung in der hausarztzentrierten Versorgung besucht haben.

Wie findet man die passenden MFA Fortbildungen?

Um eine passende Fortbildung zu finden, sollten MFA einen gewissen Rechercheaufwand betreiben.

Möchte man kein Risiko in Sachen Anerkennung und Zertifizierung der Fortbildung eingehen, sollte man sich zunächst an die Bundes- oder Landesärztekammer wenden. Die Weiterbildungsberatung der Agentur für Arbeit bietet MFA eine zusätzliche, unabhängige Beratung. Auf Draco.de finden Sie darüber hinaus ein breites Angebot an Online-Seminaren für MFA, Ärzte und Pflegekräfte.

MFA haben eine Vielzahl von Fortbildungsmöglichkeiten, um Aufstiegsqualifikationen zu erlangen. Nur leider ist der Dschungel an Fort- und Weiterbildungen für MFA so undurchdringlich, dass es schwer ist, den Durchblick zu behalten.

Fortbildungsangebote der Ärztekammern

Information der Landesärztekammern

Honorierung von Delegationskräften

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Tätigkeiten einer VERAH® zu honorieren.

Die Leistungen weiterqualifizierter MFA kann über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) budgetiert werden. Das eigentliche zu Hause der VERAH® ist jedoch die Hausarztzentrierte Versorgung (HzV). In den Verträgen zur HzV-Versorgung ist üblicherweise für Praxen, die eine MFA mit einer VERAH®-Qualifikation beschäftigen, ein Zuschlag auf die Chronikerpauschale von fünf bis zehn Euro pro Patientin oder Patient und Quartal vereinbart.

Einige HzV-Verträge bieten die Möglichkeit, den Besuch einer VERAH® bei der Patientin und dem Patienten als Einzelleistung abzurechnen. Mit Erwerb der NäPa Kammerqualifikation kann zusätzlich zur HzV Pauschale über den EBM abgerechnet werden.

NäPA-Leistungen werden durch Pauschalen und durch "ärztlich angeordnete Hilfeleistungen", insbesondere Haus- und Heimbesuche honoriert.
 

NäPa: Besuche werden nun einfach in der Abrechnung

Hausbesuche von nichtärztlichen Praxisassistenten (NäPa), konnten bislang nur berechnet werden,  wenn im selben Quartal auch die Versicherten- bzw. Grundpauschale abgerechnet wurde. Hier sind folgende Änderungen mit Wirkung zum 1.10.2020 gültig: NäPa-Besuche sind nun bereits dann berechnungsfähig, wenn im Vorquartal ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt (APK) oder ein Arzt-Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde  stattgefunden hat und auf der Basis eine Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale berechnet wurde. Die neue Regelung gilt sowohl für NäPa-Besuche nach den EBM-Nrn. 03062 und 03064 als auch für NäPa-Besuche nach den Nrn. 38200 ff. (Quelle: KVN).

Manche Ärztinnen und Ärzte scheuen Fortbildungskosten und Arbeitsaufwand. Bei Zweifeln lohnt sich eine betriebswirtschaftliche Kalkulation. Qualifizierungskosten und monatlicher Aufwand durch Personalkosten, Kfz, Mobiltelefon oder Versicherung werden den Einnahmen durch die Delegationskraft entgegengestellt.

Studien haben gezeigt, dass ca. 44 Prozent der von einer Ärztin oder einem Arzt durchgeführten Hausbesuche delegierbar sind. Durch freiwerdende Stunden können Ärztinnen und Ärzte ihr eigenes Honorarpotential steigern.

Weitere Fortbildungsmöglichkeiten

Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.