Versorgung chronischer Wunden in der ambulanten Pflege

Versorgung chronischer Wunden in der ambulanten Pflege

Die Versorgung chronischer Wunden im häuslichen Umfeld bringt unterschiedliche Herausforderungen mit sich.

Für alle Beteiligten kann die Versorgung chronischer Wunden langwierig und zeitintensiv sein. Teilweise geht sie mit Einschränkungen im Alltag, Wundschmerzen oder auch psychischen Belastungen einher. Darüber hinaus muss die ambulante Pflege weitere Erschwernisse meistern: 

  • Anfahrtswege mit dem Auto und Parkplatzwege vor Ort
  • In der Wohnung der Patientinnen und Patienten sind nicht immer alle benötigten Materialien vorhanden. Selten ist der Wohnort der zu Pflegenden optimal für die Versorgung von Wunden geeignet
  • Schulung der Betroffenen und Angehörigen
  • Einhaltung des DNQP Expertenstandards "Pflege von Menschen mit chronischen Wunden" im häuslichen Umfeld

Umsetzung des Expertenstandards in der ambulanten Pflege

Eine zentrale Aufgabe der Pflege ist gemäß Expertenstandard „…die Förderung und Erhaltung des gesundheitsbezogenen Selbstmanagements und des Wohlbefindens der Betroffenen“.1 Das ist unabhängig davon, ob die Pflege stationär oder ambulant durchgeführt wird.

Der Mensch im Mittelpunkt

Im Vordergrund des pflegerischen Handelns steht der Mensch. Der Expertenstandard berücksichtigt vor allem das Alltagsleben der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Sowohl die chronische Wunde als auch die Therapie verursachen Einschränkungen. Das übergeordnete Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität. Dies soll durch Förderung von Alltagskompetenzen, Fähigkeiten des Selbstmanagements und der Eigenbeobachtung erreicht werden.

Die ambulante Versorgung ermöglicht ein wenig Normalität und Selbstbestimmung, weil Betroffene ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen müssen. In ihrem Zuhause bleibt Betroffenen ein gewisses „Alltagsgefühl“ erhalten. Für Pflegepersonal ist die Situation in der ambulanten Pflege dahingehend herausfordernd, als dass sie sich im Wohnumfeld ihrer Patientinnen und Patienten bewegen.


Die Behandlung der Grunderkrankung

Da chronische Wunden meist durch eine Grunderkrankung bedingt sind, steht auch die ursächliche erfolgreiche Behandlung dieser Erkrankung im Mittelpunkt. Dazu gehört vor allem, dass Betroffene gut über ihr Krankheitsbild informiert sind. Patientinnen und Patienten müssen ihr Krankheitsbild und die Maßnahmen verstehen, damit sie motiviert und zielgerichtet mitarbeiten können. Pflegebedürftige müssen von Pflegenden dahingehend geschult werden, dass sie über die Gesundheitsgefährdungen Bescheid wissen, die von chronischen Wunden ausgehen. Außerdem müssen Betroffene motiviert werden, um ihr Verhalten und ihre Lebensgewohnheiten für eine Förderung der Ausheilung der Wunde zu verändern. Bei chronischen Wunden ist der Weg das Ziel. Jede Verbesserung ist erstrebenswert. Ohne die Mitarbeit Betroffener und deren Angehöriger funktioniert das nur leider nicht. Pflegebedürftige mit chronischen Wunden benötigen meist intensive Unterstützung, die in der häuslichen Pflege praktisch nur mit Hilfe von Angehörigen zu bewerkstelligen ist. Hilfreich in dem Zusammenhang sind Ratgeber mit Informationen für Pflegebedürftige und Angehörige.
 

Zeit

In der Praxis kommen Patientenanleitung und weitere Aspekte im häuslichen Umfeld der pflegebedürftigen Person schnell zu kurz. Denn gerade die Zeit am Menschen ist in der Pflege knapp bemessen. Die fach- und sachgerechte Versorgung ist zeitintensiv und muss mit größter Sorgfalt durchgeführt werden. Dazu kommt, dass auch die Patientenedukation, also die Vermittlung von Informationen noch länger dauert als die eigentliche Wundversorgung.

Ganz besonders in der ambulanten Pflege müssen die zentralen Themen des Expertenstandards sorgsam umgesetzt werden. Menschen, die im häuslichen Umfeld leben und gepflegt werden, sind im Vergleich zu Personen in der stationären Pflege meist weniger eng betreut. Dadurch fällt die Beurteilung schwerer, inwiefern Betroffene ihre individuellen Handlungsempfehlungen (z. B. Ernährung, Bewegung, Körperpflege und -hygiene) umsetzen. Daher ist es umso wichtiger Betroffene in der ambulanten Pflege zu einer disziplinierten Mitwirkung zu motivieren, was nur durch Bildung und Verständnis seitens des Betroffenen gelingen kann.

Eben weil Pflegende zur Patientin oder zum Patienten nach Hause kommen, sind auch Arbeitswege nicht immer zuverlässig kalkulierbar. Lange Fahrtwege oder verstopfte Straßen und Staus führen dazu, dass Fahrzeit einen großen Teil der Arbeitszeit von Beschäftigten im ambulanten Pflegedienst ausmachen kann. Wenn sich dadurch dann der ganze Zeitplan nach hinten schiebt, gerät man schnell in Stress. Dieser Stress kann sich auf die Pflegebedürftigen übertragen.
 

Kommunikation mit allen Beteiligten

Sowohl in der ambulanten als auch der stationären Pflege gehört eine enge Kommunikation auf Augenhöhe mit allen Beteiligten zum Pflegeberuf.

Kommunikation mit Betroffenen erfordert Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsvermögen. Zunächst sollte man Wünsche und Sorgen der Patientinnen und Patienten kennen und so gut wie möglich berücksichtigen. Dazu können besondere Anforderungen an die Körperhygiene oder ein häufiger Wechsel der Bettwäsche gehören. Dies wirkt z.B. der Geruchsbildung durch die chronische Wunde entgegen. Andererseits müssen einige Betroffene mit dem nötigen Nachdruck auf einzuhaltende Verhaltensweisen und Maßnahmen hingewiesen werden, wie z. B. eine ausreichende Aufnahme von Nährstoffen.  

Damit alle notwendigen Maßnahmen für den individuellen Patienten oder die Patientin getroffen werden können, gehört auch Kommunikation auf Augenhöhe mit allen am Versorgungsprozess Beteiligten dazu. Hierfür ist Fachwissen, Organisationstalent und Verständnis füreinander gefragt.

Die Wundversorgung im häuslichen Umfeld

Die ambulante Wundversorgung setzt eine gute Planung voraus. Anders als in der Praxis oder auf der Station haben Patienten meist nur das zu Hause, was ihnen verordnet wurde.

Dementsprechend empfiehlt es sich einen Wundversorgungskoffer mit voraussichtlich benötigten Utensilien wie Handschuhen oder Pinzetten mitzubringen. Die häusliche Umgebung ist aber auch problematisch für den eigentlichen Vorgang der fach- und sachgerechten Wundversorgung.

Wohnungen bieten eher selten einen hygienisch einwandfreien, ergonomischen Arbeitsplatz für Wundversorgende. Eine fach- und sachgerechte Wundversorgung erfordert einen Platz, der mehrere Anforderungen erfüllen muss:

  • Ausreichende Beleuchtung, um die Wunde adäquat beurteilen zu können
  • Möglichkeit für hygienisches Arbeiten damit Infektionskeime während des Verbandwechsels nicht in die Wunde gelangen
  • Sauberer und ausreichender Platz, um die benötigten Materialien griffbereit vorzubereiten. Hier können Betroffene gut eingebunden werden, z.B. wenn sie diese die Reinigung zuvor selbst durchführen
  • Patientin oder Patient sollte eine bequeme sitzende oder liegende Position für den Verbandwechsel einnehmen können

Vor der Wundversorgung sollten Türen und Fenster geschlossen werden. Zum einen aus hygienischen Aspekten und zum anderen zur Vermeidung von Zugluft, die Schmerzen an der Wunde auslösen kann. Schmerz und Wundinfektionen müssen unbedingt verhindert werden. Weiterhin dürfen sich keine (Haus-)Tiere im selben Raum befinden, wo die Wundversorgung stattfinden soll. Im Draco®-Videoblog sind alle wichtigen Tipps für die Wundversorgung noch einmal zusammengefasst. 

Video: Wundheilungsphasen – für jede Phase das richtige Produkt

Geeignete Wundauflagen für die Wundheilungsphasen

Bitte beachten Sie: Sobald Sie sich das Video ansehen, werden Informationen darüber an Youtube/Google übermittelt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Google Datenschutzerklärung.

Video: Infizierte Wunden - DRACO® Wundwissen kompakt

Video: Infizierte Wunden - Wundwissen kompakt

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Literatur

1„Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“, 1. Aktualisierung 2015, Schriftenreihe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege.

Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.