Wundbeläge

Wundbeläge

Im Unterschied zu akuten Wunden neigen chronische Wunden häufig dazu, verschiedene – mitunter sehr hartnäckige – Wundbeläge zu bilden. Diese sind als Ablagerung auf dem Wundgrund zu erkennen.

Je länger die Wunde besteht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Wundbelag bildet. Einige dieser Beläge neigen dazu, sich dauerhaft mit dem Wundgrund zu verbinden – die Wundheilung wird verlangsamt.

Was sind Wundbeläge und wie entstehen sie?

Betrachtet man den Heilungsmechanismus, beginnen zunächst die Blutplättchen (Thrombozyten) damit, die Blutgerinnung voranzutreiben. Dies führt zu einem Verschluss der verletzten Gefäße. Bei der Blutgerinnung führt Fibrin dazu, dass Wundflächen verkleben. Die Fibrinausschüttung ist also ein natürlicher und notwendiger Vorgang.

Während die Fibrinbildung ein natürlicher und sofort einsetzender Prozess ist, können sich im Laufe der Zeit weitere Beläge bilden, die die Wundheilung negativ beeinflussen. Diese stellen ein mechanisches Hindernis für den Prozess des Zellaufbaus dar und sind Nährboden für Bakterien. Eine Infektion kann die Folge sein. Zu diesen Belägen zählen Biofilm, Nekrosen, Detritus und Eiter.

Wundbeläge sind zunächst notwendige Produkte der körpereigenen Wundheilung.

Detritus

Durch das Absterben von Zellen oder Mikroorganismen bilden sich Zellreste, die fetthaltig sind und sich untereinander verkleben. Dies ist beispielsweise bei Nekrosen oder Eiter der Fall. Detritus kann in allen Wunden auftreten, in denen Gewebe abstirbt – eine Vorbeugung ist nicht möglich. Die Wundheilung kann sich verzögern

Die Behandlung von Detritus beinhaltet eine regelmäßige Wundreinigung durch Spülen, mechanische Reinigung mittels Kompressen oder durch ein chirurgisches Debridement. In tiefen Wunden kann auch eine Unterdrucktherapie eingesetzt werden. Zum Aufsaugen von Detritus im Wundexsudat sind gut saugende Produkte, wie Saugkompressen, Schaumstoffe oder Superabsorber, einzusetzen. Wenn keine Zellen mehr absterben, entsteht auch kein Detritus neu. Die Heilung der Wunde kann dann wieder schneller erfolgen.

Risikofaktoren, die eine Bildung von Detritus forcieren bzw. unterstützen sind Durchblutungsstörungen (z. B. ) oder der eintretende Zelltod, wie beispielsweise bei bestimmten Karzinomen oder Infektionen, die zu Abszessen führen.

Bei Detritus handelt es sich um zelluläre Abfallprodukte, die vom Körper selbst nicht mehr weiter abgebaut werden können.

Eiter

Eiter gehört neben Biofilm, Fibrin, Nekrose und Detritus zu den gängigsten Wundbelägen. Diese kommen vor allem bei chronischen Wunden häufig vor.

Was ist Eiter?

Eiter ist eine Flüssigkeit, die bei Entzündungen durch eiterbildende Bakterien produziert und vom Körper abgesondert wird. In der Fachsprache wird er auch Pus genannt.

Eiter wird durch bestimmte Bakterien erzeugt. Dazu gehören Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken, Gonokokken, Meningokokken und Pseudomonas aeruginosa. Staphylokokken, Streptokokken und Pseudomonas aeruginosa finden sich häufig im Abstrich bei Wundinfektionen.  Generell können sich eiterbildende Bakterien in jeder Wunde ansiedeln und zu einer Entzündung führen.

Woraus besteht Eiter?

Eiter besteht aus einer Mischung von weißen Blutkörperchen (Leukozyten), etwas Serum und durch körpereigene Enzyme aufgelöstem Gewebe. Dieser Vorgang der Auflösung wird auch Einschmelzung des Gewebes genannt. Je nach Erregertyp erscheint der Eiter dickflüssiger, gelblich bis grünlich. Oftmals ist Eiter durch einen intensiven Geruch erkennbar.

Eitrige Entzündungen, Sonderformen

Bei Abszessen bildet sich durch Einschmelzung von abgestorbenem Gewebe ein Hohlraum, der durch Staphylokokken mit Eiter gefüllt werden kann. Dieser Hohlraum kapselt sich ab und der Eiter verbleibt im Hohlraum. Abszesse werden chirurgisch geöffnet und der Eiter kann abfließen.

Bei Phlegmonen entsteht vor allem durch Streptokokken eine flächenhafte eitrige Entzündung. Anders als bei Abszessen kapselt sich der Entzündungsherd nicht ab. Deshalb ist ein Phlegmon als gefährlicher einzustufen, weil sich die Entzündung schnell im Umgebungsgewebe verbreiten kann. Die Gabe von Antibiotika und Kühlung der entsprechenden Stelle sind notwendig. Wenn möglich auch die chirurgische Öffnung des Gewebes, um den Eiter abzusaugen.

Bei Empyemen siedeln sich eiterbildenden Bakterien in bereits vorhandenen körpereigenen Hohlräumen an. Die Kieferhöhle oder der Pleuraspalt können solche Hohlräume sein. Hier empfiehlt sich dasselbe weitere Vorgehen wir bei Phlegmonen.

Von welchen Faktoren ist die Entstehung von Eiter abhängig?
Ein geschwächtes Immunsystem und das Vorliegen von chronischen Krankheiten wie Diabetes begünstigen die Besiedlung von Wunden auch mit eiterbildenden Erregern. Situationsabhängig kann daraus eine Wundinfektion mit Eiterbildung entstehen.

Was ist zu tun?
Zur Identifikation der Erreger sollte ein Abstrich entnommen werden. Nach Vorliegen des Antibiogramms wird gezielt ein Antibiotikum verordnet. Neben einer intensiven Reinigung der Wunde kann eine antimikrobielle Wundauflage, zum Beispiel DracoFoam Infekt, die Therapie unterstützen. Bei Abszessen sollte der Abfluss des Eiters durch eine Drainage sichergestellt werden. Das betroffene Körperteil wird ruhiggestellt, wenn nötig gekühlt. Klagt der Patient über Schmerzen, wird ein Schmerzmittel verordnet. 

Zu den Sonderformen der eitrigen Entzündungen gehören Abszesse, Phlegmone und Empyeme.

Wie lassen sich Wundbeläge behandeln?

Biofilm: Auswischen, chirurgisches Debridement oder Reinigung mit Wasserstrahl, Ultraschall-Assistierte Wundreinigung (UAW)

(Infekt-)Fibrin: Auswischen, chirurgisches Debridement oder Reinigung mit Wasserstrahl, Ultraschall-Assistierte Wundreinigung (UAW)

Trockene Nekrose: keine Wundreinigung

Feuchte Nekrose: Chirurgisches Debridement oder Reinigung mit Wasserstrahl, Ultraschall-Assistierte Wundreinigung (UAW)

Detritus: Auswischen, chirurgisches Debridement oder Reinigung mit Wasserstrahl, Ultraschall-Assistierte Wundreinigung (UAW)

Eiter: Auswischen, chirurgisches Debridement oder Reinigung mit Wasserstrahl, Ultraschall-Assistierte Wundreinigung (UAW)

Wundbeläge lassen sich durch eine regelmäßige und auf den Wundbelag abgestimmte Wundreinigung behandeln bzw. von Anfang an vermeiden. Ebenfalls reduziert eine idealfeuchte Wundversorgung die Neubildung von Wundbelägen.

Video: Wundreinigung – Beläge entfernen bei chronischen Wunden

Video: Wie entfernt man Wundbeläge?

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So lassen sich Wundbeläge verhindern!

Wie oben beschrieben, sind Wundbeläge zunächst körpereigene Produkte. Die Situation verändert sich bei chronischen Wunden, bei denen das Immunsystem und/oder die Durchblutung des Gewebes (Mikrozirkulation) gestört sind. Dann werden vermehrt Wundbeläge gebildet. Die Verbesserung der Durchblutung, die Bekämpfung von Wundinfektionen und eine idealfeuchte Wundversorgung können die übermäßige Neubildung von Wundbelägen zum größten Teil verhindern.

FAQ Wundbeläge: Häufige Fragen

Was kann man tun, um einer vermehrten Fibrinbildung entgegenzuwirken?

Einer vermehrten Fibrinbildung ist nur durch regelmäßige Wundreinigung, Feuchthalten der Wunden und Infektionsprophylaxe vorzubeugen. Ernährung hat nach jetzigem Stand der Wissenschaft keinen Einfluss auf die Fibrinbildung.

Wie erkenne ich eine Nekrose?

Eine Nekrose ist anhand der Farbe (trocken: bräunlich, gräulich bis schwarz, feucht: gelblich) und der festen Anhaftung auf der Wunde zu erkennen. Trockene Nekrosen fühlen sich ledrig, fest und wie eine Platte an. Feuchte Nekrosen lassen sich eindrücken, fühlen sich schwammig an und können unangenehm riechen.

Wie werden Nekrosen behandelt?

Eine trockene Nekrose wird trocken abgedeckt, am besten mit einer sterilen Kompresse, und beobachtet. Eine feuchte Nekrose muss einem Chirurgen vorgestellt werden. Dieser entscheidet über die Durchführung eines chirurgischen Debridements oder Anwendung von Hydrogelen, Alginaten oder anderen Wundauflagen.

Gibt es bei Nekrosen eine Alternative zum chirurgischen Debridement?

Bei einer trockenen Nekrose ist nichts weiter zu tun. Die Wunde wird mit einer trockenen Mullkompresse abgedeckt und fixiert. Die Wunde sollte dahingehend beobachtet werden, dass darauf keine feuchte Nekrose entsteht.

Bei einer feuchten Nekrose kann die Wunde mit einem antimikrobiellen Schaumstoff abgedeckt werden. Dieser nimmt austretendes Exsudat auf und kann Mikroorganismen abtöten. Dieses Maßnahme ist jedoch nur als kurzfristig und vorübergehend zu betrachten. Die Wunde sollte unter ständiger ärztlicher Beobachtung stehen, da sich aus dieser Art von Nekrosen eitige Entzündungen und sogar eine Sepsis entwickeln können.

Die Autorin Anette Skowronsky
Portrait Anette Skowronsky mit rotem Blazer

Anette Skowronsky ist Apothekerin, Fachbuchautorin und Qualitätsauditorin für Medizinprodukte. Als Geschäftsführerin der MedConCap GmbH ist sie verantwortlich für die Produktentwicklung von Verbandstoffen. Bei Dr. Ausbüttel ist sie seit 2009 im Rahmen der Fortbildungen der modernen Wundversorgung als Moderatorin tätig.