Wundauflagen: Arten und Materialien

Wundauflagen: Arten und Materialien

Eine Wundauflage ist Verbandmaterial, das auf eine äußere Wunde aufgebracht wird, um diese vor Schmutz und Keimen zu schützen, Blut und Wundsekret aufzunehmen oder ein günstiges Wundmilieu zu schaffen. 

Nur in seltenen Fällen, z. B. bei tiefen Wunden wie einer Fistel, ist es angezeigt, eine Wundauflage direkt in die Wunde einzulegen. Eine Wundauflage kann aus verschiedenen Materialien wie u.a. Vliesstoff, Gel, Schaumstoff oder Hydrokolloid bestehen und in verschiedenen Formen wie z. B. Pflaster, Kompresse oder Mullbinde erhältlich sein. 

Von der Wundauflage grenzt sich das Fixierungsmittel ab. Ein Fixierungsmittel kommt nicht direkt mit der Wunde in Kontakt und hat keinen direkten Einfluss auf den Wundheilungsprozess. Es dient dazu, die Wundauflage an der Wunde zu befestigen oder zu stabilisieren.

Dieser Artikel liefert Steckbriefe der wichtigsten Wundauflagen und unterscheidet diese anhand ihrer Funktion und ihres Materials.

Moderne Wundauflagen

Moderne Wundauflagen sind innovative Verbandstoffe, die vor allem zur Behandlung von chronischen oder tiefen Wunden eingesetzt werden. Sie schaffen ein idealfeuchtes Wundmilieu, das die Wundheilung fördert und die Narbenbildung verringert. Moderne Wundauflagen binden überschüssiges Exsudat und Zelltrümmer. Sie bestehen aus hydroaktivem Material, das nicht mit der Wunde verklebt, und besitzen oftmals eine leichte Beschichtung. Im Vergleich zu den klassischen Wundauflagen ermöglichen moderne Wundauflagen längere Tragezeiten und erlauben einen schmerzarmen Verbandswechsel.

Nachfolgend werden die gebräuchlichsten modernen Wundauflagen kurz zusammengefasst.

1. Alginat

Alginat, gezupft - Anwendung von DracoAlgin
Gezupftes Alginat

Alginat ist ein natürliches Polysaccharid, das aus Algen gewonnen wird und eine faserartige Struktur besitzt. Alginatauflagen werden üblicherweise als Kompressen oder Tamponaden angeboten. Die Alginatfasern quellen bei Kontakt mit Blut und Wundexsudat unter Volumenzunahme innerhalb weniger Tage gelartig auf. Keime und Zelltrümmer werden dabei in die Gelstruktur eingeschlossen. Aufgrund ihrer hohen Absorptionskapazität eignet sich eine Alginatauflage für oberflächliche und chronische, mittel bis stark exsudierende Wunden, einsehbare Wundhöhlen/-taschen sowie zur Behandlung von leicht blutenden Wunden wie Schnitt- und Risswunden. Es ist wichtig zu beachten, dass Alginat zwar ein hohes Aufnahmevermögen besitzt, die absorbierte Flüssigkeit unter Druck allerdings wieder abgegeben wird. Dies erhöht die Mazerationsgefahr und kann zu Problemen u.a. bei Kompressionstherapie führen. Aufgrund des Mazerationsrisikos sollten Alginatauflagen nicht über den Wundrand hinaus appliziert werden.

In Abhängigkeit vom Exsudataufkommen könne Alginate bis zu 7 Tage auf der Wunde verbleiben. Alginatauflagen benötigen eine Sekundärabdeckung.

2. Hydrokolloid

Eine Hydrokolloid-Wundauflage besteht aus selbstklebenden, quellfähigen Partikeln wie Carboxymethylcellulose, Gelatine oder Pektin. Diese Masse ist in eine Polyurethanfolie eingearbeitet. Diese ist durchlässig für Gase, nicht aber für Wasser, Schmutz oder Keime. Hydrokolloide fördern die Regeneration der Wunde, das autolytische Débridement und die Granulation. Deshalb eignen sie sich besonders für oberflächliche Wunden und Wunden in der Granulations- und Epithelisierungsphase.

Infizierte Wunden oder Pergamenthaut sollten hingegen nicht mit Hydrokolloiden versorgt werden. Pergamenthaut ist sehr dünn. Bei der Entfernung der selbstklebenden Auflagen besteht die Gefahr des sogenannten „Tape-Strippings“, der Entfernung der obersten Hautschicht. Hydrokolloide lassen sich leichter ablösen, indem sie parallel zur Haut überdehnt werden. Infizierte Wunden sollten aufgrund der schlechten Sauerstoffversorgung unter dem Verband nicht mit Hydrokolloiden versorgt werden.

Je nach Dicke des Verbandes kann er 3 bis 6 Tage auf der Wunde verbleiben.

Ablösen einer Hydrokolloid-Wundauflage
Ablösen eines kleinen Hydrokolloidpflasters durch Überdehnung

Horizontales Überdehnen eines Hydrokolloidpflasters zur schonenden Entfernung

3. Polyurethanschaumstoff

Moderne Wundversorgung eines UCV mit DracoFoam infekt, DracoFixiermull stretch

Polyurethanschaumstoff, kurz PU-Schaum, besteht aus einem porösen, offenzelligen Schaumstoffmaterial, das aus Polyurethan hergestellt wird. Dieses Material zeichnet sich durch seine Flexibilität, Elastizität und hohe Absorptionsfähigkeit aus. PU-Schaum kann große Mengen an Flüssigkeit absorbieren, während es gleichzeitig ein ausreichendes Maß an Feuchtigkeit in der Wunde hält. Dies fördert die Bildung von Granulationsgewebe und unterstützt den Heilungsprozess. Polyurethanschaumstoff bietet zudem eine gute Drainage, um überschüssiges Wundexsudat abzuleiten und das Risiko von Mazeration zu verringern. Darüber hinaus bieten Wundauflagen aus PU-Schaum Schutz vor äußeren Reizen und sind in der Regel weich und anschmiegsam, was eine komfortable Anwendung auf der Haut ermöglicht. Im Gegensatz zu anderen Wundauflagen kann PU-Schaum anatomisch geformt sein.

Je nach Exsudataufkommen sollte PU-Schaum nach 2 bis 7 Tagen gewechselt werden. Manche PU-Schäume haben einen Haftrand, andere müssen zusätzlich fixiert werden. Je nach Körperstelle und medizinischen Gegebenheiten eignen sich hier Fixierbinden oder klebende Fixiervliese.

4. Hydrofaser

DracoHydrofaser - Applikation der Hydrofaser

Hydrofaser (oder englisch Hydrofiber) setzt sich aus einem speziellen Fasermaterial zusammen, das in der Lage ist, große Mengen an Flüssigkeit zu absorbieren und zu speichern. Diese Materialien sind häufig viskose Fasern, die mit speziellen Polymeren wie Carboxymethylcellulose behandelt werden, um ihre Absorptionsfähigkeit zu verbessern.

Hydrofasern sind meist als Kompresse, Faserverband oder Tamponade erhältlich. Auflagen aus Hydrofaser sind weich, gut zuzuschneiden und drapierbar. Bei Kontakt mit Exsudat wandeln sich Hydrofasern in ein weiches, formstabiles Gel um, das nicht mit der Umgebung verklebt. Zelltrümmer und Wundexsudat werden zwischen den Fasern fest eingebunden. Dieser Zustand bleibt so lange stabil, bis die Faser übersättigt ist. Im Gegensatz zu Alginaten kann sich die aufgenommene Flüssigkeit in Hydrofaserverbänden nicht horizontal ausbreiten. Dadurch wird eine Mazeration des Wundrandes verhindert. Außerdem können Hydrofaserauflagen Flüssigkeit deutlich schneller aufsaugen als Alginate. Hydrofasern sind aufgrund der beschriebenen Eigenschaften besonders zur Wundreinigung geeignet und fördern zudem die Granulationsbildung.

Bei schwach exsudierenden Wunden sollten Hydrofasern hingegen nicht verwendet werden. Es besteht die Gefahr eines Austrocknens der Wunde und Nekrosebildung. Ebenfalls sollten Hydrofasern nicht auf Sehnen oder Knochen gelegt werden.

Je nach Exsudataufkommen kann eine Hydrofaserauflage 3 bis 7 Tage auf der Wunde verweilen. Eine Sekundärabdeckung ist notwendig.

5. Superabsorber

Superabsorber: Wundauflage, Anwendung auf Wunddistanzgitter
Superabsorber: Wundauflage, Anwendung auf Wunddistanzgitter

Superabsorber sind Wundauflagen aus Vlies und superabsorbierendem Polymer (SAP). Sie sind in der Lage, ein Vielfaches ihres Eigengewichts an überschüssiger Wundflüssigkeit aufzunehmen. Die Flüssigkeit wird im Inneren der Wundauflage als Gel gebunden. Aufgrund dieser Eigenschaft eignen sich Superabsorber besonders für die Versorgung von stark bis sehr stark exsudierenden Wunden. 

Ein Superabsorber kann sowohl als primäre als auch als sekundäre Wundauflage und unter Kompressionstherapie verwendet werden. Die Tragedauer beträgt mehrere Tage, abhängig vom klinischen Zustand der Wunde und von der aufgenommenen Exsudatmenge.

6. Semipermeable Transparentfolie

Bei der semipermeablen Transparentfolie handelt es sich um eine selbsthaftende, transparente Folie aus Polyurethan. Sie ist sowohl bakterien- und wasserdicht, als auch gleichzeitig durchlässig für Luft und Wasserdampf. Dies ermöglicht das Duschen mit Verband und eine Wundbeurteilung ohne Verbandentfernung. Eine semipermeable Transparentfolie kann kein Exsudat aufnehmen. Es gibt sie sowohl als unsterile Folie für die Fixierung von Verbandmitteln als auch als sterile Primär- oder Sekundärabdeckung. Als Primärabdeckung finden Transparentfolien auf Tattoo-Wunden und exsudatarmen OP-Wunden Verwendung. Die Verweildauer auf der Haut beträgt bis zu 7 Tage.

Dekontaminierende Wundauflagen

Infizierte Wunden können zu einem Gesundheitsrisiko werden und bedürfen einer speziellen Therapie. Dekontaminierende oder antimikrobielle Wundversorgungsprodukte unterstützen den Heilungsprozess, beugen Wundinfektionen vor und bekämpfen diese.

1. Polihexanid (PHMB)

Polihexanid ist eine antiseptisch wirkende Substanz, die zur Behandlung von infizierten Wunden oder als Infektionsprophylaxe angewendet wird. Es hat ein breites Wirkungsspektrum gegen eine Vielzahl von Erregern, einschließlich MRSA. Es wird auch in Kosmetika, Kontaktlinsen-Reinigungsprodukten und Schwimmbadreinigern verwendet. Polihexanid gilt als sehr gut verträglich. Nur in seltenen Fällen kann die Substanz Schmerzen oder Wundheilungsstörungen verursachen.

2. Silber

Silberionen haben antimikrobielle Eigenschaften und können das Wachstum von Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen hemmen. Silberhaltige Wundauflagen können zur Vorbeugung und Behandlung von Wundinfektionen bzw. infektgefährdeten Wunden eingesetzt werden. Silberhaltige Wundauflagen sollten nur während einer Wundinfektion oder bei Wunden mit einem erhöhten Infektionsrisiko eingesetzt werden. Die Anwendungsdauer von 14 Tagen sollte in der Regel nicht überschritten werden bei einer akuten Wundinfektion. Innerhalb dieser Zeit sollte die Infektion deutlich zurückgegangen sein. Ansonsten muss die Behandlung überprüft und angepasst werden.

3. Povidin-Iod (PVP-Iod)

PVP-Iod besitzt ebenfalls antimikrobielle Eigenschaften. Durch den chemischen Vorgang der Oxidation bewirkt PVP-Iod eine Zerstörung von Pilzen, Bakterien und weiteren Mikroorganismen. Der unspezifische Wirkmechanismus führt zu keiner Resistenzentwicklung. Iodhaltige Wundauflagen werden meist in Form von Gazen angeboten. Es ist zu beachten, dass sich die Wirksamkeit von PVP-Iod in Verbindung mit Blut, Eiter und Exsudat schnell verringert (sogenannter Eiweißfehler). Bei Schilddrüsenerkrankungen oder Überempfindlichkeit gegen Iod darf PVP-Iod nicht verwendet werden. 

4. Octenidin

Octenidin wirkt abtötend gegen Bakterien, Hefen und Pilze sowie gegen einige Viren. Als Kation zerstört Octenidin die Zellwand und die Zellmembran der Mikroorganismen durch Interaktionen mit deren negativer Ladung. 

Klassische Wundauflagen

Klassische Wundauflagen sind die traditionellen Verbandmaterialien, die vor allem zum Schutz von akuten Wunden eingesetzt werden. Sie saugen Blut und Wundsekret auf und verhindern das Eindringen von Schmutz und Keimen. Klassische Wundauflagen bestehen meist aus Baumwolle oder synthetischem Material. Ihr Nachteil ist, dass sie bei feuchten Wunden zur Verklebung neigen und die Wunde austrocknen lassen können.

Zu den klassischen Wundauflagen zählen:

1. Wundschnellverband mit Kleberand (Pflaster)

Ein Pflaster besteht aus einem haftenden Trägermaterial, mit einer auf der Innenseite aufgebrachten saugenden Auflage. Die Auflage ist mit einer Folie beschichtet, die das Verkleben mit der Wunde verhindert. Ein Pflaster kann schnell und einfach auf eine Wunde geklebt werden. Dadurch dient es meist der zeitsparenden Erstversorgung kleinerer akuter Wunden oder postoperativer Wunden. Die Wunde ist vor Verschmutzung geschützt und eine flexible Bewegung möglich.

Ein Pflaster sollte bei Verschmutzungen, wenn es sich löst oder bei Infektionsanzeichen täglich gewechselt werden. 

Pflaster steril, DracoPor hautfarben wird aufgebracht
Wundschnellverband: DracoPor soft hautfarben steril

2. Wundgazen und Wunddistanzgitter

Wunddistanzgitter DracoTüll Silikon wird auf eine Wunde aufgebracht

Wundgazen sind grobmaschige Netze. Sie können aus natürlichen Fasern oder Kunstfasern bestehen, die mit einer Fettsalbe oder Öl-in-Wasser-Emulsion beschichtet sind (Fettgaze), um ein Verkleben mit dem Wundgrund zu verhindern. Bei ihrer Anwendung sind tägliche Verbandwechsel erforderlich.

Ein Wunddistanzgitter ist feinmaschiger als Wundgaze. Meist ist es nicht beschichtet oder trägt eine hautfreundliche Beschichtung aus Silikon oder gelbildenden Partikeln. Sowohl Wundgaze als auch Wunddistanzgitter eignen sich zur Versorgung akuter oberflächlicher Schürf- und Risswunden, onkologischer Wunden, Verbrennungswunden oder generell bei fragilen und empfindlichen Wundoberflächen.

Wunddistanzgitter können bis zu 7 Tage oder länger auf der Wunde verweilen und benötigen eine Sekundärabdeckung. 

3. Mull- und Vlieskompressen

Sterile Mull- und Vlieskompressen dienen der Aufnahme von Blut und Wundexsudat sowie der Reinigung von Haut- und Wundoberflächen. Eine Mullkompresse besteht aus gewebten, fusselfreien Baumwollfasern und ist vielfach gefaltet. Eine Vliesstoffkompresse setzt sich aus einer Mischung von ca. 2/3 Viskose und 1/3 Polyester zusammen und ist ebenfalls mehrfach gefaltet. Bezogen auf ihr Eigengewicht können Vlieskompressen mehr Flüssigkeit aufnehmen als Mullkompressen. Das Kunststoffmaterial von Vlieskompressen verklebt nicht so leicht mit Wunde oder Wundrändern wie Mullkompressen.

Für die Versorgung von chronischen Wunden ist die alleinige Verwendung von Mull- und Vlieskompressen nicht geeignet. Hier besteht Verklebungsgefahr.

Mullkompresse DracoFix, Fixierung auf der Schulter, Anwendung
Fixierung einer Mullkompresse auf der Schulter

4. Aktivkohlekompresse

Eine Aktivkohlekompresse ist mehrschichtig aufgebaut. Neben einer geruchsbindenden Aktivkohleschicht verfügt sie, je nach Produktart, u.a. über ein Wunddistanzgitter aus Acrylfaser, einer Schaumkompresse, Hydrofaser, Zellulose oder Vlies. Neben der geruchsbindenden Eigenschaft besitzt die Aktivkohlekompresse aufgrund ihres mehrschichtigen Aufbaus eine hohe Saugkapazität und bindet Proteine sowie Bakterien. Sie eignet sich besonders für die Versorgung von infizierten oder übel riechenden Ulzera. Aktivkohlekompressen dürfen nicht zerschnitten werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Kohlepartikel in die Wunde gelangen. Je nach Wundsituation können Aktivkohlekompressen zwischen ein bis drei Tage auf der Wunde verweilen.

Aktive Wundauflagen

„Aktive Wundauflagen sind Spezialprodukte, bei denen der Schwerpunkt nicht darauf liegt, lediglich ein feucht- warmes Wundmilieu aufrechtzuerhalten, sondern aktiv den physiologischen Heilungsprozess zu unterstützen.“ (Protz 2022) Aktive Wundauflagen enthalten Substanzen bzw. regen die Produktion von Substanzen an, die eine Rolle im Heilungsprozess spielen oder ihn anregen.

Zu den aktiven Wundauflagen zählen:

1. Silberhaltige Wundauflagen

(siehe Abschnitt dekontaminierende Wundauflagen)

2. Kollagen-Wundauflagen

Kollagen ist ein körpereigenes Strukturprotein. Es verleiht Sehnen, Muskeln, Gelenken und Knochen den notwendigen Halt. In der Haut und dem Bindegewebe sorgt Kollagen für ausreichend Elastizität und spielt eine wesentliche Rolle beim Wundverschluss.

Kollagene Wundauflagen bestehen aus tierischen Kollagenen. Zur Herstellung kollagener Wundauflagen werden sogenannte Kollagendispersionen gefriergetrocknet. Dabei entstehen poröse, schwammartige Wundauflagen mit einer hohen Saugkapazität für Exsudat und Zelltrümmer, sowie zusätzlichen blutstillenden Eigenschaften.

Kollagenprodukte eignen sich besonders für die Versorgung von chronischen Wunden in der Granulationsphase, die frei von Entzündungszeichen und Nekrosen sind. In chronischen Wunden liegt eine deutliche Erhöhung an Proteasen (Enzyme, die Proteine und Peptide spalten) vor, welche die Wundheilung in der Granulationsphase stören, da sie Wachstumsfaktoren deaktivieren. Kollagenprodukte sollen überschüssige Proteasen, Radikale und Zytokine in chronischen Wunden binden und dadurch Wachstumsfaktoren schützen und die körpereigene Kollagensynthese anregen. Kollagenwundauflagen werden vom Körper nach etwa 3 Tagen resorbiert. Eine Sekundärabdeckung ist notwendig.

3. Feinporiger Polyurethanschaumverband, Wundgaze oder Hydrofaserverband mit NOSF (Nano-Oligosaccharid-Faktor)

Der Nano-Oligosaccharid-Faktor (NOSF) bildet bei Kontakt mit Wundexsudat ein Gel, das bevorzugt an verletzte Hautbereiche bindet und auf die Mikroumgebung der Wunde einwirkt. Ähnlich wie Kollagen schränkt NOSF die schädliche Wirkung der Proteasen ein und schützt die Wachstumsfaktoren. Somit eignen sich NOSF-haltige Wundauflagen zur Versorgung chronischer, stagnierenden Wunden, die keine Entzündungszeichen aufweisen.

Wundprodukte mit NOSF-Beschichtung gibt es in drei Varianten, als Polyurethanschaumverband, Wundgaze und Hydrofaserverband. Die Verweildauer der Wundauflagen liegt bei 2 bis 4 Tagen, je nach Exsudation und Wundzustand. Wundgazen benötigen einen Sekundärverband.

4. Chitosan-Spray

Chitosan-Spray enthält Chitosan in wässriger, pH-hautneutraler Lösung. Chitosan, auch als Poliglusam, Poly-D-Glucosamin oder Polyglucosamin bezeichnet, ist ein Biopolymer aus der Familie der Polysaccharide. Es besitzt eine blutstillende und wundheilungsfördernde Wirkung, die auf mehreren Eigenschaften beruht. Chitosan ist positiv geladen. Durch eine elektrostatische Wechselwirkung steigert es die Konzentration von wichtigen Biomolekülen wie Blutgerinnungsfaktoren in der Wunde. Dadurch werden Reparaturmechanismen von Zellen und Proteinen gefördert. Zusätzlich wirkt Chitosan granulationsfördernd, unterstützt die Epithelisierung und dient der Schmerzlinderung.

Das Spray bildet einen dünnen Film auf der Wunde. Eine Sekundärabdeckung ist notwendig.

5. Hyaluronsäurehaltige Wundauflagen

Hyaluronsäure ist ein Biopolymer, das im menschlichen Körper einen wichtigen Bestandteil des Bindegewebes darstellt. Während die Hyaluronsäure für Wund- und Kosmetikprodukte in der Vergangenheit überwiegend aus tierischen Materialien (Hahnenkamm-Extrakt) gewonnen wurde, setzt man heutzutage auf die biotechnologische Herstellung mit Hilfe von Bakterien.

Hyaluronsäure unterstützt verschiedene Zellfunktionen, wie das Wachstum von Fibroblasten und Keratinozyten, und fördert die Kollagensynthese. Wundprodukte aus Hyaluronsäure regulieren zudem die Gewebehydratation und haben eine hohe Saugkraft. Sie sind als Wundauflage, Kompresse, Tamponade, Fluid, Granulat oder Spray erhältlich, sowohl als Monopräparat als auch in Kombination mit Wirkstoffen wie Silber, Jod oder Kollagen. Hyaluronsäure wird je nach Produkt absorbiert oder muss beim Verbandwechsel ausgespült werden. Ein Verbandwechsel ist nach 1 bis 3 Tagen erforderlich.

Wundauflagen mit Klebe- bzw. Hafteigenschaft

Grundsätzlich können Wundauflagen mit und ohne Klebeeigenschaften voneinander abgegrenzt werden. Nicht-haftende Wundauflagen benötigen einen Sekundärverband zur Fixierung. Selbsthaftende Wundauflagen kommen ohne Sekundärabdeckung aus.

Beispiele für selbsthaftende Wundauflagen sind

Zu den am häufigsten eingesetzten Klebstoffen in Verbandmaterialen gehört Polyacrylat- oder Silikonkleber.  

Polyacrylatkleber ist hautfreundlich, hypoallergen und bietet eine gute Haftung auf der Haut. Dadurch kann die Wundauflage sicher befestigt werden, ohne die Haut zu reizen oder eine allergische Reaktion hervorzurufen. Da Polyacrylatklebstoff wasserfest ist, kann er auch in feuchter Umgebungen verwendet werden.

Silikonkleber ist besonders hautschonend. Er ist repositionierbar und zeichnet sich durch eine gute Haftung auf der Haut sowie eine schmerzfreie Entfernung aus. Dadurch eignet sich Silikonkleber besonders für empfindliche Haut, sowie für Patientinnen und Patienten, die häufige Verbandwechsel benötigen. 

Silikonkleber mit Perforation, Detail bei Dracofoam haft infekt sensitiv
Repositionierbarer, sanft haftender Silikonkleber mit Perforation
Dracopor-Pflaster entfernen: horizontales Abziehen
Horizontales Abziehen eines Dracopor-Pflasters, Polyacrylat-Kleber

Ungeeignete Wundauflagen

Im Notfall wird manchmal auf Material zurückgegriffen, dass als Wundauflage ungeeignet ist. Dazu gehören Haushaltsgegenstände wie Watte, Küchenpapier oder Taschentücher: Sie können Fasern in der Wunde hinterlassen, die eine Infektion begünstigen oder die Heilung stören. Außerdem können sie mit der Wunde verkleben oder sie zu stark austrocknen lassen und damit die Heilung behindern. Zusätzlich können Wundauflagen, die nicht für den Wundtyp oder das Wundstadium geeignet sind, die Wundheilung verzögern. Verbandstoffe aus Baumwolle wie Mull- oder Vlieskompressen können bei feuchten Wunden zur Verklebung neigen und beim Abziehen neugebildete Epithelzellen abreißen. Außerdem können sie die Wunde zu stark austrocknen lassen und die Granulation hemmen. Folien können bei nässenden oder infizierten Wunden zu einem Hitzestau, einer Ansammlung von Bakterien, einer Austrocknung oder einer Verklebung führen.

Materialien für den Wundverschluss 

Der Begriff Wundverschluss bezeichnet das chirurgische Verschließen einer Wunde. Ein Wundverschluss wird meist bei Wunden mit auseinanderklaffenden Wundrändern angewendet. Zum Einsatz kommen u.a. Wundnähte, Wundklammern oder Gewebekleber.

Die klassische Art des Wundverschlusses ist das Vernähen der Wundränder mit Hilfe einer chirurgischen Nadel und einem speziellen Faden. Bei den Fäden unterscheidet man zwischen mono- und polyfilen sowie resorbierbaren und nicht-resorbierbaren Fäden. Monofile Fäden besitzen eine glatte Oberfläche und schonen das Gewebe. Poylfile Fäden bestehen aus mehreren Einzelfäden. Sie können das Gewebe leichter schädigen, führen aber gleichzeitig zu stabileren Knoten. Resorbierbare Fäden (z. B. aus Polyglykolsäure PGA) lösen sich nach und nach selbstständig auf, wohingegen nicht-resorbierbare Fäden (z. B. aus Metall, Seide, Zwirn oder synthetischen Stoffen) nach einer gewissen Zeit entfernt werden müssen. 

Wundklammern eignen sich zum Verschluss langer, oberflächlicher Verletzungen, bei denen keinerlei kosmetische Ansprüche bestehen. Auch sich im Körperinneren befindende Wunden werden mit dem Verfahren behandelt. Wundklammern können aus Edelstahl, Titan oder Tantal bestehen.

Gewebe- bzw. Wundkleber verschließt glatte, oberflächliche Wunden in mechanisch gering beanspruchten Körperregionen. Im Gegensatz zu Wundklammern oder -nähten verursacht Gewebekleber keine Traumata und weitere Narben, da er lediglich auf die Wunde aufgetragen wird. Wundkleber besteht in der Regel aus einer Mischung von chemischen Verbindungen. Die genaue Zusammensetzung kann je nach Hersteller variieren. Häufig ist die chemische Substanz Cyanoacrylat der Hauptbestandteil von Wundkleber. Wenn Cyanoacrylat mit Wasser in Kontakt kommt, findet eine chemische Bindungsreaktion statt und der Kleber „härtet aus“. Dies ermöglicht eine rasche Versiegelung der Wunde. Manchmal werden Wundklebern Farbstoffe hinzugefügt, um die Sichtbarkeit auf der Haut zu verbessern. Neben dem chemischen Gewebekleber gibt es auch Hautkleber biologischen Ursprungs. Fibrinkleber ist ein Zweikomponentenkleber, der aus menschlichem Blutplasma gewonnen wird. Werden die Komponenten am Wundort zusammengeführt, bilden sie ein Fibrinnetz. Im Verlauf der Wundheilung kann das Fibrin vom Körper abgebaut werden.

Literatur

Risswunde unter der Achsel, genäht
Wundverschluss durch Vernähen der Wundränder, Risswunde Achsel
Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.