Fallbeispiel: Kaltplasmatherapie an der Achillessehne

Geschlecht

Frau

Alter

69 Jahre

Führende Wundursache

Trauma

Diabetes mellitus

nein

Risikofaktoren

Arthritis mit Cortisoneinnahme

Lokalisation der Wunde

Achillessehne li.

Infizierte Wunde?

nein

Wundart

chronisch

Wundgrund

Fibrinplatte, Biofilm

Wundumgebung

dünne, trockene, rissige Haut

Wundrand

hart, wulstig und mit kleinen Einrissen

Exsudation

wenig

Abstrichentnahme

ja, als MRSA/MRE-Screening

Wenn Abstrichentnahme = ja, welche nachgewiesenen Bakterien

kein Nachweis von MRSA/MRE

Fallbeispiel:Kaltplasmatherapie an der Achillesferse – Ausgangssituation

Ausgangssituation

Vor etwas über einem Jahr hatte Frau M. sich in ihrer Wohnung im Bereich der Achillessehne gestoßen, sodass eine kleine Wunde entstand. Frau M. schenkte dieser kaum Beachtung und versorgte die Wunde seitdem mit einfachen Pflastern. Da sie sich insgesamt sehr wenig bewegte, bemerkte sie auch keine zusätzlichen Schmerzen in diesem Bereich. Weil sie sich jetzt jedoch mehr auf ihre Gesundheit, die Körperpflege allgemein und soziale Kontakte auch außerhalb der Wohnung konzentriert, wird ihr bewusst, dass sie etwas wegen der Wunde unternehmen muss und sie stellt sich in der Arztpraxis vor. Frau M. hat insgesamt eher dünne Haut, verstärkt durch die entsprechende Medikation (Cortisonhaut). Da die Fibrinbeläge mit einer normalen Wundreinigung nicht zu lösen sind, wird mit der Patientin eine Kaltplasmatherapie und einen ultraschallassistierte Wundreinigung vereinbart.

Anamnese

  • 69 Jahre alte Rentnerin, seit 2 Jahren verwitwet
  • Sie lebt allein in einer Mietwohnung im 1. OG und ist finanziell unabhängig
  • Ihre zwei Kinder leben in der Nähe, der Kontakt ist gut und regelmäßig
  • Seit Jahren ist bei ihr eine Arthritis bekannt, die sie zeitweise in ihrer Mobilität beeinträchtigt
  • Regelmäßig nimmt sie ein Cortisonpräparat ein
  • Nach dem Tod ihres Mannes hat sich Frau M. ziemlich zurückgezogen und entwickelte eine leichte Depression
  • Die eigentlich sehr gepflegte Frau fing an, den Haushalt und auch ihre Gesundheit und Körperpflege teilweise zu vernachlässigen
  • Durch die Intervention und Unterstützung ihrer Kinder und guter Freundinnen, beginnt sie gerade, sich ins Leben zurück zu kämpfen

Diagnose

stagnierende, chronifizierte Wundheilung nach Trauma

Therapie

  • Weil die Fibrinbeläge sich als feste Platte zeigen, wird Frau M. die Möglichkeit der ultraschallassistierten Wundreinigung angeboten, bei der zunächst möglichst viel davon entfernt wird
  • Weil die Wundheilung insgesamt nun schon so lange stagniert, wird ebenfalls die Anwendung von Kaltplasma mit Frau M. vereinbart
  • Es erfolgt eine gründliche Hautpflege der Wundumgebungshaut mit einer Urea haltigen Creme
  • Die Wunde wird im Anschluss mit einem PU-Schaum versorgt, der mit einer Mullbandage fixiert wird
  • Die Versorgung findet zunächst alle 3 Tage statt, das Versorgungsintervall wird später auf 5 Tage erhöht
Kaltplasmatherapie Wunde Debridemant

Sie wollen wissen, wie eine Kaltplasmatherapie abläuft? Dann informieren Sie sich jetzt in unserem Artikel zum Thema! 

Kaltplasma-Behandlung

Dokumentierter Wundverlauf

Die Wunde ist bei der Erstvorstellung 1,1 cm lang, 1.0 cm breit und 0,2 cm tief. Der Wundgrund besteht fast vollständig aus Fibrin und etwas Biofilm, es gibt wenig, klar seröses und geruchsloses Exsudat. Der Wundrand ist hart, leicht wulstig und hat bei 12:00 Uhr ganz leichte Einrisse, die Wundumgebung ist trocken und rissig (Foto 1).

Vier Wochen nach der Behandlung mit Ultraschall und Kaltplasma ist die Wunde deutlich sauberer. An den Wundrändern befinden sich noch einige Fibrinreste, ansonsten kann man Granulationsgewebe erkennen. Die Wunde hat sich wie zu erwarten zunächst vergrößert auf eine Länge von 1,4 cm, Breite von 0,9 cm und Tiefe von 0,5 cm. Die Exsudation hat etwas zugenommen, ist aber weiterhin klar, serös und geruchlos. Die Wundumgebung ist etwas schuppig, aber weicher und elastischer geworden (Foto 2). Die gründliche mechanische Wundreinigung wird nun mit einer Wundspüllösung durchgeführt, eine weitere Kaltplasmaanwendung ist nicht mehr notwendig. Hautpflege und lokale Wundversorgung werden ebenso wie das Versorgungsintervall nicht geändert. 14 Tage später hat sich die Wunde vor allem in der Tiefe deutlich verkleinert (Foto 3). Sie ist 1,2 cm lang, 0,7 cm breit und nur noch 0,1 cm tief. Die Exsudation ist stark, klar serös und geruchlos, der Wundgrund granuliert und am Wundrand sind noch Biofilm und Fibrinreste zu erkennen. Der Wundrand ist leicht mazeriert, sodass entschieden wird, die Wundabdeckung vorübergehend auf einen Superabsorber umzustellen.

Nach zwei weiteren Verbandwechseln kann so das Versorgungsintervall auf 5 Tage ausgedehnt werden. Der Erfolg dieser Versorgung zeigt sich einen Monat später (Foto 4). Die nun flache Wunde auf Hautniveau hat nun eine Größe von 0,8 cm Länge und 0,6 cm Breite und beginnt abzuheilen.

Etwas klare Exsudation ist erkennbar, der Wundgrund besteht aus Granulationsgewebe und vom Wundrand her ist eine deutliche Epithelisierung zu sehen. Mazeration ist nicht mehr vorhanden, die Umgebungshaut ist geschmeidig und unauffällig. Die Wundabdeckung wird wieder auf einen PU-Schaum umgestellt, der ebenfalls alle 5 Tage gewechselt werden soll.

Weitere 14 Tage später kann der Wundverschluss dokumentiert werden (Foto 5). Mit Frau M. wird im Rahmen der Patientenedukation noch einmal das Thema Hautpflege angesprochen. Da sie aufgrund ihrer Dauermedikation mit einem Cortisonpräparat eine sehr anfällige Haut hat, sollte sie darauf achten, ihre Haut möglichst geschmeidig und elastisch zu halten, vor allem an strapazierten Stellen, wie jetzt auch im Bereich des Narbengewebes. Dazu geeignet sind z.B. Urea haltige Cremes. Zudem soll Frau M. sich im Falle einer erneuten Verletzung zeitnah in der Praxis vorstellen, um eine verzögerte Wundheilung zukünftig zu vermeiden.

Fallbeispiel:Kaltplasmatherapie an der Achillesferse – Ausgangssituation
Bild 1: Ausgangssituation
Fallbeispiel:Kaltplasmatherapie an der Achillesferse – 4 Wochen nach Behandlung
Bild 2: 4 Wochen nach Behandlungsbeginn
Fallbeispiel:Kaltplasmatherapie an der Achillesferse – 6 Wochen nach Behandlung
Bild 3: 6 Wochen nach Behandlungsbeginn
Fallbeispiel: Kaltplasmatherapie an der Achillesferse – 10 Wochen nach Behandlung
Bild 4: 10 Wochen nach Behandlungsbeginn
Fallbeispiel: Kaltplasmatherapie an der Achillesferse – 12 Wochen nach Behandlung
Bild 5: 12 Wochen nach Behandlungsbeginn

Bitte beachten Sie, dass es sich hier um ein konkretes Fallbeispiel handelt und nur eine mögliche Behandlungsoption darstellt.