Kaltplasma-Behandlung

Die Kaltplasma-Behandlung ist ein innovatives und wirksames Verfahren bei chronischen Wunden. Sie fördert den Wundheilungsprozess und kann den Wundverschluss von langwierigen chronischen Wunden herbeiführen.

Wie läuft eine Kaltplasma-Behandlung ab?

Kaltplasma wird flächig oder punktuell auf das betroffene Hautareal aufgetragen. Die Behandlung erfolgt 2-3-mal wöchentlich.

Die Kaltplasma-Behandlung ist eine sanfte, leicht durchführbare Therapie. Sie erfolgt ohne Schmerzen und ohne bzw. mit leichtem Hautkontakt. Zwei Formen der Kaltplasma Behandlung finden bislang Anwendung:

  • Flächige Behandlung: Kaltplasma-Geräte mit verschieden großen Aufsätzen ermöglichen eine flächige Verteilung des Plasmas. Dabei wird der Aufsatz leicht auf das betroffene Hautareal aufgelegt.
  • Jetverfahren mit Plasma-Pen: Mit Hilfe eines, nach einem Stift aussehenden Gerätes, dem sogenannten Plasma-Pen wird das Kaltplasma gleichmäßig, gezielt und dicht über das betroffene Areal aufgetragen. Dabei findet kein Hautkontakt statt.

Die Art und Dauer der Plasmatherapie ist abhängig von den jeweiligen Wundverhältnissen. Bei stark nekrotischen oder entzündeten Wunden ist die Plasmatherapie anfänglich begleitend zum Wunddebridement und einer möglichen lokalen oder systemischen medikamentösen Therapie anzuwenden. Die Intensität der Plasmabehandlung wird über die Dauer der Sitzung gesteuert und zwei bis drei Mal wöchentlich wiederholt.

Für welche Wundtypen ist die Kaltplasmatherapie geeignet?

Kaltplasma eignet sich besonders für die Behandlung chronischer Wunden, bei denen eine konventionelle Therapie versagt hat. 

Nachgewiesene positive Effekte erzielt die Kaltplasmatherapie in der Behandlung von infizierten Ulzera bei Patientinnen und Patienten mit diabetischem Fuß und chronisch venösem Ulcus cruris. In ersten Studien setzte die Wundheilung durch die Plasma-Behandlung in Kombination mit einem konventionellen Wundmanagement früher ein. Zudem war die Wundoberfläche nach der Plasma-Therapie deutlich minimiert.

Chronische Wunden, wie sie etwa beim Ulcus cruris oder dem diabetischen Fuß auftreten, können von einer Kaltplasmatherapie profitieren.

Was ist Plasma?

Plasma ist der vierte Aggregatzustand, neben fest, flüssig und gasförmig.

Durch die Zufuhr von Energie kann ein Feststoff in eine Flüssigkeit und weiter in einen gasförmigen Zustand überführt werden. Wenn einem Gas zusätzlich Energie zugeführt wird, geht dieses in den „vierten“ Aggregatszustand, dem Plasmazustand, über. In diesem Zustand lösen sich die negativ geladenen Teilchen, die sogenannten Elektronen, von den Gasatomen oder -molekülen. In einem Plasma schwirren Atome oder Moleküle, Ionen (elektrisch geladene Atome und Moleküle) sowie Elektronen diffus umher und interagieren miteinander. In der Natur findet man Plasmen unter anderem in der Sonne und anderen Sternen.

Plasma ist elektrisch geladenes Gas.

Wieso wirkt die Plasma-Therapie bei Wunden?

Kaltplasma vernichtet Keime, verbessert die Sauerstoffversorgung in der Haut, regt das Zellwachstum an und fördert die Wundheilung.

Der wichtigste Wirkmechanismus von Plasma in der Wundbehandlung ist wohl seine stark antimikrobielle und antiinflammatorische (entzündungshemmende) Wirkung. Medizinisches Kaltplasma ist lediglich 30°C warm. Dennoch tötet es innerhalb weniger Minuten Viren, Bakterien, Pilze oder Sporen ab. 

Zusätzlich regt das Kaltplasma die Zellteilung (Zellproliferation) sowie die Zellwanderung (Zellmigration) an. Diese Prozesse steigern die Kollagensynthese und unterstützen die physiologische Wundheilung. Selbst bei langjährigen chronischen Wunden erzielt die Kaltplasmabehandlung gute Behandlungserfolge. Eventuelle Nebenwirkungen oder Schmerzen während der Behandlung traten bislang nicht auf.

Werden die Kosten einer Kaltplasmabehandlung durch die Krankenkasse erstattet?

Bislang wird die Kaltplasmatherapie nicht von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet und lediglich als privatärztliche Behandlung angeboten. 

Bevor die Kaltplasmatherapie in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden kann, muss ihr medizinischer Nutzen belegt sein. Aktuell liegen Studiendaten vor, die auf das große Potenzial der Kaltplasmatherapie in der Wundbehandlung hinweisen. Weitere klinische Studien sind geplant. Fallen die Studienergebnisse ebenfalls positiv aus, stehen die Aussichten gut, dass die Wundbehandlung mit Kaltplasma innerhalb der nächsten Jahre eine Kassenleistung wird. Im Frühjahr 2022 wird bereits die Veröffentlichung der ersten Behandlungsleitlinie zum „rationalen Einsatz von kaltem physikalischem Plasma“ erwartet.

Literatur