Epithelgewebe: Aufbau, Arten und Funktion

Epithelgewebe: Aufbau, Arten und Funktion

Epithelgewebe bildet wichtige Grenz- und Austauschflächen des Körpers. Es schützt vor äußeren Einflüssen, reguliert den Stoffaustausch, nimmt Substanzen auf und gibt Sekrete ab.

Was ist Epithelgewebe?

Epithelgewebe ist eine der vier Grundgewebearten des Körpers. 

Epithelgewebe besteht aus dicht aneinanderliegenden Epithelzellen mit nur wenig Zwischenzellsubstanz. Dadurch entstehen geschlossene Zellverbände, die äußere und innere Oberflächen bedecken, Hohlorgane auskleiden und Drüsen bilden.

Epithelien trennen Räume voneinander ab, zum Beispiel die Körperoberfläche von der Außenwelt, ein Organlumen vom umliegenden Gewebe oder Körperhöhlen von Nachbarstrukturen. Im Unterschied zu Bindegewebe, das vor allem stützt, verbindet und versorgt, ist Epithelgewebe auf Begrenzung, Schutz, Austausch und Sekretion spezialisiert.

Welche Rolle spielt Epithelgewebe in der Wundheilung?

In der Wundheilung sorgt Epithelgewebe dafür, dass die verletzte Hautoberfläche durch neu einwandernde Epithelzellen wieder verschlossen wird.

Epithelgewebe spielt auch bei der Wundheilung eine zentrale Rolle. Nach einer Hautverletzung müssen Keratinozyten, also die wichtigsten Zellen der Epidermis, den Defekt wieder bedecken. Dieser Vorgang heißt Epithelisierung oder Re-Epithelisierung. Er gehört zur proliferativen Phase der Wundheilung und ist ein wichtiger Schritt des Wundverschlusses. 

Epithel Isierung Gesaess
Epithelgewebe in einer Wunde am Gesäß
Diabetisches Fußulcus – Epithelisierung schreitet weiter voran
Epithelgewebe um eine sich schließende diabetische Fußwunde
Die vier Grundgewebearten

Der Körper besteht aus vier Grundgewebearten:

  • Epithelgewebe: bedeckt Oberflächen, kleidet Hohlräume aus, bildet Drüsen.
  • Binde- und Stützgewebe: verbindet, stützt und versorgt Gewebe.
  • Muskelgewebe: ermöglicht Bewegung und Kontraktion.
  • Nervengewebe: leitet und verarbeitet Informationen.

Welche klinische Bedeutung hat geschädigtes Epithelgewebe?

Geschädigtes Epithelgewebe kann seine Schutz- und Barrierefunktion verlieren, wodurch Reizstoffe und Keime leichter in das Gewebe eindringen und Entzündungsprozesse bewirken können.

Epithelgewebe erneuert sich häufig schneller als andere Gewebe. Das ist wichtig, weil Epithelien, wie die Haut, ständig mechanischen, chemischen oder mikrobiellen Einflüssen ausgesetzt sind. Ist beispielsweise die epitheliale Barriere der Haut gestört, können Keime, Reizstoffe und Feuchtigkeit leichter einwirken. Das kann Entzündungen begünstigen, die Heilung verzögern und die Haut anfälliger für Mazeration, Infektionen oder chronische Wundverläufe machen.

In der Dermatologie und Onkologie ist Epithelgewebe ebenfalls relevant. Viele Haut- und Schleimhautveränderungen betreffen Epithelien oder gehen von epithelialen Zellen aus. Weiterführende Inhalte bieten die Artikel zum Basalzellkarzinom, onkologische Wunden und Narben.

Wie ist Epithelgewebe aufgebaut?

Epithelgewebe ist aus dicht verbundenen, polar aufgebauten Zellen zusammengesetzt, die auf einer Basalmembran liegen und über spezialisierte Zellkontakte miteinander verbunden sind.

Epithelzellen sind polar aufgebaut. Das bedeutet: Eine Zelle hat funktionell unterschiedliche Seiten. Die apikale Seite zeigt zur freien Oberfläche, also zum Beispiel zum Darmlumen, zur Atemluft oder zur Hautoberfläche. Die basale Seite liegt der Unterlage zugewandt. Seitlich grenzen Epithelzellen über die lateralen Zellflächen an Nachbarzellen. Diese Polarität ist wichtig, weil Aufnahme, Abgabe, Transport und Haftung an verschiedenen Zellseiten stattfinden. 

Die basale Seite liegt auf der Basalmembran. Sie trennt das Epithel vom darunterliegenden Bindegewebe und verankert die Zellschicht. Gleichzeitig dient sie als Grenz- und Austauschstruktur. Epithelgewebe ist in der Regel avaskulär. Das bedeutet: Es enthält keine eigenen Blutgefäße. Nährstoffe und Sauerstoff gelangen deshalb durch Diffusion aus dem darunterliegenden Gewebe oder von der Oberfläche zu den Epithelzellen. 

Zwischen den Epithelzellen befinden sich spezialisierte Zellkontakte. Tight Junctions dichten den Zellzwischenraum ab und regulieren, welche Stoffe zwischen den Zellen hindurch treten können. Desmosomen verbinden Nachbarzellen mechanisch und geben dem Zellverband Stabilität. Hemidesmosomen verankern Epithelzellen an der Basalmembran. Gap Junctions ermöglichen den Austausch von kleinen Molekülen und Signalen zwischen benachbarten Zellen. 

Klassifikation von Epithelgewebe

Epithelgewebe wird vor allem nach drei Kriterien eingeteilt: nach der Zahl der Zellschichten, nach der Zellform und nach besonderen Oberflächenmerkmalen wie Verhornung oder Zilien.

KriteriumFormenBedeutung und Beispiele
Schichtung

einschichtig

mehrschichtig

mehrreihig

Übergangsepithel

  • Einschichtiges Epithel ermöglicht schnellen Austausch. 
  • Mehrschichtiges Epithel schützt stärker.
  • Übergangsepithel passt sich Dehnung an.
Zellform

Plattenepithel

isoprismatisches/kubisches Epithel

hochprismatisches/Zylinderepithel

  • Einschichtiges Plattenepithel erleichtert Diffusion und Filtration
  • Kubische Zellen sind häufig an Sekretion beteiligt
  • Zylinderepithel ist oft auf Resorption oder Sekretion spezialisiert.
Oberfläche

verhornt

unverhornt

mit Mikrovilli

mit Kinozilien

  • Verhornung schützt vor Austrocknung und Reibung. 
  • Mikrovilli vergrößern die Oberfläche. 
  • Kinozilien bewegen Schleim oder Flüssigkeit.

Die Begriffe werden kombiniert. So spricht man zum Beispiel von mehrschichtig verhorntem Plattenepithel in der Epidermis oder von einschichtigem hochprismatischem Epithel im Darm. 

Oberflächenepithel: Deckgewebe des Körpers

Das Oberflächenepithel wird auch Deckgewebe genannt. Es bedeckt äußere und innere Oberflächen. Dazu gehören die Hautoberfläche, Schleimhäute, Atemwege, Harnwege, seröse Häute und Auskleidungen von Hohlorganen.

Plattenepithel

Plattenepithel besteht aus flachen, plattenförmigen Zellen. Es kann einschichtig oder mehrschichtig sein. Einschichtiges Plattenepithel eignet sich gut für Diffusion und Filtration. Mehrschichtiges Plattenepithel schützt vor mechanischer Belastung.

Ein wichtiges Beispiel ist die Epidermis der Haut. Sie besteht aus mehrschichtig verhorntem Plattenepithel. Die Verhornung bildet eine widerstandsfähige Barriere gegen mechanische Reize, Wasserverlust und äußere Einflüsse. 

Zylinderepithel

Zylinderepithel oder hochprismatisches Epithel besteht aus hohen, säulenförmigen Zellen. Es ist häufig an Resorption und Sekretion beteiligt. Im Darm können Zellen Mikrovilli tragen. Mikrovilli sind kleine, fingerförmige Ausstülpungen der Zelloberfläche. Sie vergrößern die Oberfläche und erleichtern die Aufnahme von Stoffen. 

Übergangsepithel oder Urothel

Das Übergangsepithel, auch Urothel, kleidet Teile der ableitenden Harnwege aus. Besonders wichtig ist es in der Harnblase. Dort muss sich das Epithel stark dehnen können, ohne seine Barrierefunktion zu verlieren. Die Zellform verändert sich je nach Füllungszustand des Organs. 

Mesothel und Endothel

Das Mesothel kleidet seröse Körperhöhlen aus, zum Beispiel Pleura, Peritoneum und Perikard. Das Endothel kleidet Blut- und Lymphgefäße aus. Beide bestehen aus spezialisierten epithelialen Zellschichten. Sie sind wichtig für glatte Oberflächen, Austauschprozesse und die Abgrenzung von Räumen. 

Respiratorisches Epithel

Das respiratorische Epithel der Atemwege ist meist mehrreihig und trägt Kinozilien. Kinozilien sind bewegliche Flimmerhärchen. Sie transportieren Schleim mit eingeatmeten Partikeln, Staub und Mikroorganismen in Richtung Rachen. Dadurch unterstützt das Epithel die Reinigung der Atemwege. 

Drüsenepithel: Epithelgewebe mit Sekretionsfunktion

Neben dem Oberflächenepithel gibt es Drüsenepithel, auch Drüsengewebe genannt. Drüsenzellen produzieren und geben Stoffe ab. Dabei unterscheidet man vor allem exokrine und endokrine Drüsen.

  • Exokrine Drüsen geben ihr Sekret über einen Ausführungsgang an eine Oberfläche oder in ein Organlumen ab. Beispiele sind Schweißdrüsen, Speicheldrüsen, Talgdrüsen und Teile der Verdauungsdrüsen.
  • Endokrine Drüsen geben ihre Produkte direkt ins Blut ab. Sie produzieren Hormone. Beispiele sind Schilddrüse, Nebennieren und hormonbildende Zellen der Bauchspeicheldrüse. 

Auch die Art der Sekretabgabe kann unterschieden werden. Bei der merokrinen Sekretion wird das Sekret durch Exozytose abgegeben, ohne dass die Zelle zerstört wird. Bei der apokrinen Sekretion wird ein Teil der Zellspitze mit abgeschnürt. Bei der holokrinen Sekretion geht die ganze Zelle zugrunde und wird Teil des Sekrets. Ein klassisches Beispiel für holokrine Sekretion sind Talgdrüsen.

Funktionen von Epithelgewebe

Epithelgewebe erfüllt je nach Ort verschiedene Aufgaben. Häufig kombiniert ein Epithel mehrere Funktionen.

  • Schutz und Barriere: Epithelien schützen vor mechanischen, chemischen und biologischen Einflüssen. Die Haut schützt vor Austrocknung, Reibung und Mikroorganismen. Schleimhäute bilden eine kontrollierte Grenzfläche zur Außenwelt.
  • Resorption: In Darm und Nierentubuli nehmen Epithelzellen Stoffe auf. Mikrovilli vergrößern dafür die Zelloberfläche.
  • Sekretion: Drüsenepithel produziert Schleim, Enzyme, Schweiß, Talg, Speichel oder Hormone.
  • Transport: Kinozilien bewegen Schleim, Partikel oder Flüssigkeit entlang der Oberfläche. Das ist besonders in den Atemwegen wichtig.
  • Sinneswahrnehmung: Spezialisierte Epithelien sind an Sinnesfunktionen beteiligt, zum Beispiel im Geruchsepithel, Geschmacksepithel oder Innenohr.

Epithelien sind also nicht nur passive Abdeckungen. Sie beteiligen sich aktiv an Barrierefunktion, Stoffaustausch, Immunabwehr und Homöostase, also am inneren Gleichgewicht des Körpers. 

FAQ: Häufige Fragen zu Epithelgewebe

Was ist Epithelgewebe?

Welche Arten von Epithelgewebe gibt es?

Wie ist Epithelgewebe aufgebaut?

Welche Funktionen hat Epithelgewebe?

Wo kommt Epithelgewebe im Körper vor?

Was ist der Unterschied zwischen Oberflächenepithel und Drüsenepithel?

Was ist die Basalmembran und welche Funktion hat sie?

Warum hat Epithelgewebe keine Blutgefäße?

Welche Rolle spielt Epithelgewebe in der Wundheilung?

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Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.