Sekundäre Wundheilungsstörung

Werden Wunden in ihrer Heilung gestört, handelt es sich um sekundäre Wundheilungsstörungen.

Es gibt verschiedene Ursachen und Risikofaktoren, die eine Wundheilungsstörung hervorrufen und diese beeinflussen können. Häufig werden sie nach einem chirurgischen Eingriff befürchtet und führen nicht selten zu postoperativen Komplikationen. Durch Komplikationen, z.B. eine Infektion, kann die Wunde nicht verschlossen werden, sondern muss unter Gewebsneubildung zuheilen.

Allerdings existieren verschiedene Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten, um die Heilung einer solchen Wundheilungsstörung zu unterstützen.

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Wundkompendium



Symptome

Die Diagnostik einer Wundheilungsstörung erfolgt über die Anamnese und die Art der Operation. Um Erreger nachzuweisen, sollte ein bakteriologischer Abstrich erfolgen.

Die Wundheilung ist kein auf die Wunde lokal begrenzter Vorgang, sondern der ganze Organismus ist daran beteiligt.

Lokale Faktoren einer Wundheilungsstörung

  • Falsche Wundversorgung

  • Auskühlen der Wunde

  • Druck auf die Wunde

  • Fremdkörper-Einwirkung


Einteilung

Die 6 Störungen der Wundheilung

  1. Wundinfektion:
    Bakterien, die in die Wunde eindringen, können eine Verzögerung der Heilung verursachen und die Wundverhältnisse verschlechtern. Daher sollte im Fall einer Wundinfektion täglich eine Reinigung des Wundbettes erfolgen. Bei einer schlimmeren Infektion muss eine ärztlich verschriebene Einnahme von Antibiotika erfolgen.

  2. Serom-/Hämatombildung:
    Serome bzw. Hämatome bilden sich durch eine Blutansammlung in einem vorbestehendem Hohlraum des Körpers. Um die Flüssigkeit zu entfernen und das heilende Gewebe zu entlasten, erfolgt in einigen Fällen eine Punktion.

  3. Keloid:
    Das Keloid beschreibt eine wulstförmige Gewebswucherung im Bereich einer Narbe. Diese kann sich auch auf das umliegende, gesunde Gewebe ausbreiten. Narbenkontrakturen können dabei eine Komplikation darstellen.

  4. Narbenhypertrophie:
    Hierbei ist im Gegensatz zum Keloid nur das Narbengewebe von einer Überwucherung betroffen.

  5. Narbenhernie:
    Die Überdehnung einer bestehenden Narbe kann zu einer Narbenhernie führen.

  6. Wundruptur:
    Eine Wundruptur entsteht durch den unzureichenden Wundverschluss einer Naht. Diese kann somit Aufplatzen oder sich infizieren.


Ursache und Entstehung

Ursachen für Wundheilungsstörungen sind häufig Infektionen der Wunde, Fremdkörper oder große Wunden. Die Bezeichnung wird bei Wunden verwendet, die unter anderen Umständen normal abheilen würden oder behandelt werden könnten, z.B. durch eine Wundnaht. Durch eine Infektion oder Verschmutzung ist dies aber in dem Fall nicht möglich, so dass die Wundheilung gestört ist.


Risikofaktoren

Systemische Faktoren einer Wundheilungsstörung

  • Immobilität

  • Rauchen

  • Mangelernährung (z.B. Mangel an Proteinen, Kohlenhydraten, Fetten oder Vitaminen)

  • Stress

  • Medikamente, bspw. Cortison, Antibiotika

  • Alter (mangelnde Hautdurchblutung und Schwächung des Immunsystems)

  • Erkrankungen, die zu einer mangelhaften Sauerstoffversorgung des Gewebes führen


Gefährdete Körperstellen

Eine Wundheilungsstörung kann an jeder Stelle auftreten.


Behandlung und Therapie

Kausaltherapie

Die fachgerechte Kausaltherapie einer Sekundären Wundheilungsstörung ergibt sich aus dem klinischen Befund und dem Stadium der Kolonisation bzw. der Infektion der Wunde.

Schmerztherapie

Bei der Behandlung und Versorgung von Wunden können auch immer Schmerzen eine Rolle spielen. Die Ursache der Schmerzen ist dabei individuell verschieden und immer abhängig von der Grunderkrankung, weiteren Erkrankungen, der Wunde selber und ihrer Versorgung sowie der Gesamtverfassung des Patienten.

Es muss unterschieden werden zwischen den Schmerzen einer akuten Behandlung, z.B. der Wundreinigung und grundsätzlich bestehenden Schmerzen.

Nahezu alle Verletzungen, außer starken Brandwunden und Erfrierungen, verursachen mehr oder weniger heftige Schmerzen. Je nach Äußerung des Patienten und Umfang der Verletzung gibt es verschiedene Schmerzmedikationen, die eingesetzt werden können.

Neben lokalen Betäubungsmitteln, die mittels Spritze oder Creme appliziert werden gibt es auch systemisch, d.h. im ganzen Körper, wirkende Medikamente. Die Behandler entscheiden hier anhand der Verletzung, welches Schmerzmedikament das am besten geeignete ist.

Bei akuten Verletzungen ist oft eine Schmerzbehandlung während der Versorgung und einige Tage danach nötig, bis sich das Gewebe so weit stabilisiert hat, dass auch die Schmerzen nachlassen.

Liegt eine chronische Erkrankung zu Grunde, sind auch die Schmerzen oft ein andauernder Begleiter. Je nach Grunderkrankungen haben Patienten mehr oder weniger starke Schmerzen. Bei einer pAVK ist die Messung der schmerzfreien Gehstrecke ein wichtiges Diagnosemerkmal. Bei Diabetikern tritt häufig eine Polyneuropathie, eine Nervenschädigung, auf. Diese Patienten haben oft ein gestörtes, insbesondere vermindertes Schmerzempfinden in Bezug auf die Wunde.

Starke Schmerzen können einen negativen Einfluss auf die Wundversorgung und die allgemeine Genesung haben, da sie mit einem erhöhten Stresslevel einhergehen. Dies kann zu einer schlechteren Durchblutung und damit geringerer Sauerstoffversorgung im Gewebe führen. Diese Faktoren können dann die Wundheilung weiter verzögern. Zudem führen Schmerzen zu Angst vor der Behandlung und reduzieren die Lebensqualität der Betroffenen.

Wichtig ist, dass die Schmerzen des Patienten immer ernst genommen und vom Behandler akzeptiert werden. Im nächsten Schritt sollte ihre Herkunft herausgefunden und dann eine Behandlung zur Schmerzreduktion eingeleitet werden. Bei einer medikamentösen Behandlung ist es wichtig, die Schmerzmittel auf die sonstigen Medikamente abzustimmen, die der Patient einnimmt. Entscheidend ist auch der Einnahmezeitpunkt. Wenn die stärksten Schmerzen während des Verbandwechsels bei chronischen Wunden auftreten, sollte die Medikation rechtzeitig vorher eingenommen werden, damit das Medikament Zeit hat, zu wirken. Viele Schmerzmittel in Tablettenform benötigen mindestens 20 Minuten bis sich eine Wirkung zeigt, da sie über den Magen-Darm-Trakt ins Blut gelangen müssen. Der Patient kann z.B. die Schmerzmittel bereits zu Hause einnehmen, bevor er in die Praxis zur Behandlung kommt. Der Wirkspiegel ist dann zur Behandlung erreicht und es treten weniger Schmerzen beim Verbandwechsel auf.

Ein elementar wichtiger Punkt ist natürlich die Behandlung der Grunderkrankung. Gerade bei chronischen Wunden sollte die Grunderkrankung immer vorrangig behandelt werden, um die Heilungschance zu verbessern. Die schlechte Durchblutung führt bei Patienten mit pAVK zu starken Schmerzen bei Belastung, später auch im Ruhezustand. Die Durchblutung muss, entweder medikamentös oder operativ, wiederhergestellt werden. Bei Patienten mit einer CVI können Schmerzen durch die Schwellung der Beine auftreten. Die Kompressionstherapie wird auch nicht von allen Betroffenen problemlos akzeptiert.

Beim Verbandwechsel gibt es durch den Einsatz von modernen Wundauflagen auch die Möglichkeit, diesen möglichst schmerzarm zu gestalten. Auch bei kleineren Verletzungen verhindern Wunddistanzgitter, dass z.B. Kompressen mit der Wunde verkleben und dann beim Entfernen schmerzhaft abgerissen werden müssen. Besonders bei chronischen Wunden sollten atraumatische Wundauflagen eingesetzt werden, die nicht mit der Wunde verkleben und auch mehrere Tage am Stück auf der Wunde bleiben können. Dadurch wird die Wundruhe und somit die Heilung gefördert.

Wundreinigung

Am Beginn der Therapie steht die Wundreinigung. Sie befreit die Wunde von Nekrosen, Belägen, Fremdkörpern, Abfallstoffen und überschüssigem Wundexsudat (Panfil 2009).

Debridement/ Wundtoilette

Das Entfernen von abgestorbenem Gewebe dient der Verbesserung der Wundbedingungen und der Infektionsprophylaxe. Es gibt verschiedene Möglichkeiten ein Debridement durchzuführen:

  • Autolytisch

  • Mechanisch

  • Chirurgisch

  • Biochirurgisch

Die Art ist abhängig von Gewebetyp, Lokalisation, Wundtiefe und anderen Faktoren.
Weitere Informationen zu den verschiedenen Durchführungsmethoden finden Sie hier.

Die Wundtoilette dient der lokalen Sanierung des Wundbettes durch entfernen nekrotischen und fibrinösen Gewebes bis an intakte Strukturen.

Wundauflagen

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Für nicht-ischämische Wunden werden moderne beziehungsweise idealfeuchte oder hydroaktive Wundauflagen verwendet. Die Auswahl der geeigneten Wundauflage ist abhängig von:

  • Wundstadium

  • Wundheilungsphase

  • Klinischen Infektionszeichen

  • Exsudationsmenge

  • Zustand des Wundrandes

  • Wundumgebung

Weitere Aspekte sind Wirtschaftlichkeit, leichte Handhabung, Patientenbedürfnisse und die Akzeptanz der Wundauflage durch den Patienten.

Unterstützung für die richtige Wundversorgung

Wundversorgungshilfe

Die geeignete Wundauflage kann über die Wundversorgungshilfe ermittelt werden.

Verbandwechsel

Mehr über das richtige Anbringen einer Wundauflage und den korrekten Verbandwechsel erfahren Sie hier.


Unsere Fortbildungen

Grundlagen zur Versorgung chronischer Wunden
Die Fortbildung vermittelt Grundkenntnisse zu den Wundauflagen und deren Anwendung, die praxisnah geübt werden.
Hier können Sie sich für diese Fortbildung anmelden.


Mögliche Komplikationen

Wird die Ursache für die Wundheilungsstörung nicht gefunden und behoben, kann die Wunde auch nicht abheilen. Komplikationen können dann eine zunehmende und übergreifende Infektion sein, bis hin zur Sepsis. Möglicherweise muss auch eine Amputation des betroffenen Körperteils in Betracht gezogen werden, wenn der Gewebeschaden zu groß ist.


Heilungsverlauf

Chronische Wunden entstehen, weil eine gewisse Grunderkrankung vorliegt, die eine Abheilung der Wunde verhindert. Sehr häufig sind Durchblutungsstörungen dafür verantwortlich. Eine Wunde kann nur heilen, wenn sie ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Bei Durchblutungsstörungen ist dies oft nicht der Fall. Deshalb ist die Behandlung der Grunderkrankung essentiell.

Alle Wunden heilen in der gleichen Abfolge, wobei die Dauer der Phasen individuell verschieden sein kann. Am Anfang befinden sich Wunden immer in der Reinigungsphase (Exsudationsphase). In dieser Phase versucht der Körper, durch ein erhöhtes Flüssigkeitsaufkommen, Fremdkörper und Bakterien aus der Wunde zu schwemmen. Chronische Wunden hängen oft in dieser Phase fest und schaffen nicht aus eigener Kraft die Bekämpfung einer möglichen Wundinfektion. Hier kann durch die Verwendung von antiseptischen Spüllösungen und Wundauflagen unterstützt werden (s. Infizierte Wunden).

Ist die Wundreinigung abgeschlossen, bildet sich Granulationsgewebe. In dieser zweiten Phase wird das verloren gegangene Gewebe neu gebildet. Dies geschieht durch die Ausbildung eines Stützgerüstes und der Neubildung von Gefäßen. Fibroblasten wandern aus der Wundumgebung ein und bilden das neue Gewebe. Dieses Gewebe wird später als Narbe sichtbar bleiben. Das Granulationsgewebe füllt die Wunde von unten nach oben und von außen nach innen auf. Dieses kann mehrere Wochen bis Monate dauern, je nach Größe und Tiefe der Wunde. Das Gewebe bildet dann die Grundlage für die sich anschließende Epithelisierungsphase.

In dieser Phase bildet sich die abschließende Haut, die die Wunde endgültig verschließt. Die Zellen wandern von den Wundrändern ein und bedecken die Wunde von außen nach innen. Dieses Narbengewebe wird auch als solches sichtbar bleiben. Das Epithelgewebe verschließt letztlich die Wunde.

Bei der Heilung einer chronischen Wunde, bzw. einer Wunde mit einem größeren Gewebeverlust, entsteht immer eine Abheilung unter Narbenbildung. Der Körper kann das verlorene Gewebe nicht regenerieren, sondern nur ersetzen. Dieses Füll- oder Narbengewebe erreicht aber nicht mehr die Funktionalität oder Stabilität von normaler Haut. Deshalb entstehen an diesen Stellen oft neue Wunden. Eine solche Narbe braucht wenigstens 12 Monate bis sie sich stabilisiert hat und ausgereift ist. Pflege und Schutz der Narbe sind wichtig, damit hier keine neue Wunde entsteht.


Vorbeugung

Wundheilungsstörungen lassen sich nicht richtig vorbeugen. Bei jeder Behandlung sollte eine Reinigung und bestmögliche Versorgung gegeben sein. Trotzdem kann es immer wieder zu einer verzögerten Heilung kommen.