MRGN (Multiresistente gramnegative Bakterien), Risiken, Hygiene

Die Bezeichnung multiresistente gramnegative Bakterien (MRGN) fasst alle multiresistenten Bakterienstämme zusammen, die sich in der Gram-Färbung negativ darstellen.

Zu den häufigsten MRGN gehören Escherichia coli, Klebsiella spp., Enterobacter spp. und andere Bakterien aus der Familie der Enterobakterien. Außerdem treten MRGN unter den Pseudomonas aeruginosa und den Acinetobacter baumannii häufig auf.

Was sind multiresistente gramnegative Bakterien?

MRGN-Bakterien kommen, ebenso wie ihre Antibiotika-sensitiven Verwandten, vor allem im Darm von Menschen und Tieren vor. Daneben besiedeln MRGN-Bakterien aber auch die Haut, den Nasen-Rachen-Raum oder rohe Lebensmittel. Die Antibiotika-sensitiven Vertreter der MRGN sind natürlich vorkommende Bakterien mit teils wichtigen Funktionen im menschlichen Magen-Darm-Trakt. Durch Kontakt mit MRGN können die Resistenzgene über horizontalen Gentransfer von einem Bakterium zum anderen übertragen werden. Die MRGN vermehren sich eigenständig und geben die Resistenzgene durch vertikaler Gentransfer an die Tochterzellen weiter.

Der Einsatz von Antibiotika hat die Entstehung multiresistenter Erreger stark gefördert, z.B. auch Methycillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA). Daher kommen MRGN-Bakterien insbesondere in Krankenhäusern vor. MRGN-Bakterien treten ebenfalls in lebensmittelproduzierenden Betrieben, Tierarztpraxen sowie auf Lebensmitteln und Haustieren auf.

Welche Antibiotika sind betroffen?

Unter den MRGN-Bakterien wird weiter unterschieden zwischen 3MRGN und 4MRGN.

Sind Bakterien resistent gegen drei 3 der 4 Antibiotikagruppen, werden sie als 3MRGN bezeichnet. Bakterien mit Resistenzen gegen alle vier Antibiotikagruppen fallen unter den Begriff 4MRGN.

MRGN unterscheidet sich von anderen Definitionen, die auf konkreten Resistenzmechanismen basieren, wie es z. B. bei Extended-spectrum Beta-Laktamase (ESBL) der Fall ist. Unabhängig vom Mechanismus schließt MRGN Resistenzen gegenüber Antibiotika in den vier folgenden Gruppen ein:

  • Acylureidopenicilline, z. B. Piperacillin
  • Cephalosporine der 3. und 4. Generation, z. B. Cefotaxim/Ceftazidim
  • Carbapeneme, z. B. Imipenem/Meropenem
  • Fluorchinolone, B. Ciprofloxacin

Resistenzen gegen Vertreter dieser Antibiotikagruppen sind als klinisch relevant eingestuft, weil sie für die primäre Behandlung schwerer bakterieller Infektionen eingesetzt werden. Die Behandlung erfolgt im allgemeinen als Monotherapie. Außerdem gehören die oben genannten Antibiotika nicht zu den Reserveantibiotika.

Etwa 5 % der gesunden Menschen in der Allgemeinbevölkerung sind MRGN-Träger, ohne es zu wissen. Die Wahrscheinlichkeit MRNG-Träger zu werden steigt mit dem Alter und der Anzahl bereits durchgeführter Antibiotikabehandlungen. Die Aufnahme MRGN-kontaminierter Lebensmittel führt häufig zu Besiedlungen des Magen-Darm-Trakts. Bei intaktem Immunsystem und einer intakten Hautbarriere verursachen MRGN keine Beschwerden.

MRGN

Wie kann man sich schützen und was bedeutet das für Wunden?

Problematisch sind MRGN in Gesundheits-/Pflege- und Betreuungseinrichtungen sowie in Krankenhäusern. Bereiche, in denen sich die Bakterien selbständig vermehren und mehrere Jahre überleben können, heißen Infektionsreservoire. Zu den wichtigen Infektionsreservoiren in Krankenhäusern und den genannten Einrichtungen gehört vor allem der Darm von Patientinnen und Patienten. Außerdem sind die Sanitärbereiche wesentliche Infektionsreservoire. Die Bakterien besiedeln dort beispielsweise Waschbeckenabläufe, Siphons, Toiletten oder Duschabläufe.

MRGN werden durch Schmierinfektionen übertragen. Die Hände von MRGN-Trägern sowie des betreuenden Personals ist der Hauptübertragungsweg. Eine gute Handhygiene, die eine Händedesinfektion und das Tragen von Schutzhandschuhen einschließt, unterbricht diesen Infektionsweg. MRGN können ebenfalls durch Kontakt mit kontaminierten Flüssigkeiten, Oberflächen und Gegenständen übertragen werden. Zu wirksamen Maßnahmen gehören die Isolierung betroffener Patientinnen und Patienten, Pflege durch speziell zugeordnetes Personal sowie die tägliche Desinfektion von Flächen und Fußböden.

Immunsupprimierte Patientinnen und Patienten sind einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Offene Wunden, Stomata, Katheter, Verweilkanülen u. ä. sind Eintrittspforten für MRGN. Das führt zu schwer behandelbaren Wundinfektionen bis hin zu systemischen MRGN-Infektionen. Die Behandlung erfolgt durch Kombination von lokalen und systemischen Antibiotika-Therapien. Diese sind häufig langwierig und schließen die Gabe mehrerer, unterschiedlicher Antibiotika ein.

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Die Autoren

Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.

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