Glykopeptid- oder Vancomycin-resistente Enterokokken (GRE/VRE)

Was sind Enterokokken? Enterokokken werden den Milchsäurebakterien zugeordnet und in verschiedene Stämme eingeteilt.

Einige Enterokokken-Stämme kommen im Darm des Menschen als Teil der gesunden Darmflora vor und unterstützen dort die Verdauung. Daneben gibt es aber auch Enterokokken-Stämme, die außerhalb des Darms schwere Infektionen auslösen können. Besonders bei immungeschwächten Patienten können sie Wund- und Harnwegsinfektionen bis hin zu schweren Bakteriämien und Endokarditiden hervorrufen.

Enterokokken

Enterokokken sind gram-positive Bakterien. Die Zellwand dieser Bakterien wird durch die sogenannte Gram-Färbung blau eingefärbt.

Im Gegensatz zu gram-negativen Bakterien mit einer inneren und äußeren Zellmembran haben gram-positive Bakterien nur eine innere Zellmembran aber dafür eine dicke Zellwand.

An sich sind Enterokokken nur schwach virulent. Dennoch verursachen die Enterokokken-Stämme Enterococcus faecalis und E. faecium 70-90% bzw. 5-30% aller im Krankenhaus erworbenen Infektionen (nosokomiale Infektionen). Die klinische Relevanz dieser Erreger entsteht durch die zahlreichen natürlichen Antibiotika-Resistenzen und zusätzliche erworbene Resistenzen. Daher erfolgt die Behandlung von Enterokokken-Infektionen meist durch die Gabe von Glycopeptid-Antibiotika.

Was sind Glykopeptid-Antibiotika und wie wirken sie?

Die Antibiotika Vancomycin, Dalbavancin, Teicoplanin und Telvancin gehören zur Gruppe der Glykopeptid-Antibiotika.

Diese Antibiotika hemmen Enzyme in der bakteriellen Zellwand, die für den Aufbau der Zellwand nötig sind. Durch die unterbundene Quervernetzung von Zellwandbausteinen führt dies zum Platzen der Bakterien. Glykopeptid-Antibiotika sind große Moleküle. Sie wirken ausschließlich bei gram-positiven Bakterien, weil dort die Zellwand nicht durch eine äußere Zellmembran geschützt ist. Aufgrund ihrer Größe können Glykopeptide die äußere Zellmembran gram-negativer Bakterien nicht durchdringen und somit nicht an ihren Wirkungsort gelangen.

Glykopeptid-Antibiotika sind Reserve-Antibiotika und sollten nur zur Behandlung von Infektionen mit resistenten Bakterien eingesetzt werden. Dazu gehören Infektionen mit multiresistenten Staphyloccocus aureus (MRSA) Stämmen und resistenten Enterokokken, wie E. faecalis und E. faecium. Allerdings entwickeln einige Enterokokken-Stämme vermehrt Resistenzen gegen Glykopeptid-Antibiotika. Man spricht dann von Glykopeptid-resistenten Enterokokken (GRE) bzw. Vankomycin-resistenten Enterokokken (VRE). Erschwerend hinzu kommt, dass diese Antibiotika-Resistenz zwischen den Enterokokken übertragbar ist.

Wie kann man sich schützen und was bedeutet das für Wunden?

Die Übertragung von GRE/VRE unterscheidet sich nicht zu Antibiotika-sensitiven Enterokokken und geschieht durch Schmierinfektionen.

Enterokokken überleben auf unbelebten Flächen mehrere Tage bis Wochen und überstehen auch thermische Behandlungen von bis zu 30 Minuten bei 60°C unbeschadet. Besonders die Hände spielen eine Rolle als Übertragungsmedium. Deshalb ist eine gute Handhygiene mit häufigem Händewaschen nach Kontakt zu GRE-Trägern sehr wichtig, um eine Übertragung auf gefährdete Personen zu verhindern.

Gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem sind nicht infektionsgefährdet. Ansteckungsgefahr besteht für Menschen mit offenen Wunden, Stomata, Kathetern oder Verweilkanülen, insbesondere in Krankenhäusern. Träger von GRE/VRE sind häufig ältere und immungeschwächte Menschen sowie Personen, die bereits mehrfach mit Antibiotika behandelt wurden. Im Umgang mit GRE-Trägern sowie gefährdeten Personengruppen sollten Hygieneartikel wie Waschlappen und Handtücher nicht mit anderen Personen geteilt werden. Alle Textilien im direkten Personenkontakt (z.B. Bettwäsche, Handtücher) sollten außerdem täglich bei über 60°C gewaschen werden.

Wunden können sowohl von Antibiotika-sensitiven Enterokokken als auch GRE/VRE besiedelt werden. Im Allgemeinen werden Infektionen mit Antibiotika-resistenten Enterokokken zunächst mit Glykopeptid-Antibiotika behandelt. Stellt sich heraus, dass die Infektion durch GRE verursacht wurde, müssen andere Reserve-Antibiotika, wie Daptomycin oder Linezolid, zur Therapie eingesetzt werden.

Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.