Ablederungswunde (Décollement)

Ablederungswunden entstehen durch tangential einwirkende Gewalt. Scherkräfte trennen die oberen Hautschichten von den darunter liegenden Muskelfaszien und/oder dem Fettgewebe.

Bei offenen Ablederungen kann die Haut einreißen und stark bluten. Geschlossene Ablederungswunden sind durch ausgedehnte Ablösungen des Hautlappens von der Faszie mit Taschenbildung charakterisiert.

Was sind Ablederungswunden?

Ablederungswunden sind schwerwiegende und oftmals unterschätzte Verletzungen.

Starke tangentiale Quetschungen, Reißungen und Zerrungen trennen Haut und subkutanes Fettgewebe von den darunter liegenden Muskelfaszien. Es droht die Gefahr einer Nekrose des Haut- und Weichteillappens. Hände, Arme, Beine und Füße sind besonders gefährdete Körperteile, weil diese leicht bei Arbeitsunfällen zum Beispiel in Pressen oder Walzen geraten können. Oft passieren Ablederungsverletzungen auch bei empfindlicher Alters- oder Pergamenthaut und bei Cortisonhaut. Bei diesen Patientinnen und Patienten ist die Hautstabilität geringer und die Haut anfälliger für Verletzungen.

In Abhängigkeit von Verletzungsmuster und Lokalisation unterscheidet man zwischen offenen Ablederungen, geschlossenen Ablederungen und Ablederungen spezieller Hautareale (meist Skalpierungsverletzungen oder Aushülsungsverletzungen im Bereich der Hände).

Bei offenen Ablederungen kann die Haut einreißen und stark bluten. Die Wunde zieht sich über das gesamte Areal des abgelederten Hautlappens. Häufig hängt die Haut dann lappenartig herunter bzw. faltet sich auf sich selbst zusammen. Die beschädigte Haut ist oft noch an mehreren Stellen mit der gesunden Haut verbunden. Ein komplettes Abreißen der Haut ist aber ebenfalls möglich.

Bleibt die Haut in ihrer Kontinuität erhalten, so handelt es sich um eine geschlossene Ablederungswunde. Geschlossene Wunden sind durch ausgedehnte Ablösungen des Hautlappens von der Faszie mit Taschenbildung charakterisiert. Zudem bildet sich bei geschlossenen Ablederungen häufig ein Hämatom zwischen Haut und Muskelfaszien. Es liegen keine oder nur sehr kleine offene Wunden vor.

Unter Ablederungen spezieller Hautareale werden Skalpierungs- und Aushülsungsverletzungen zusammengefasst. Skalpierungsverletzungen sind Ablederungen im Bereich der behaarten Kopfhaut. Aushülsungsverletzungen entstehen im Bereich der Finger. Häufig wird wegen eines festsitzenden Fingerrings zirkulär die Haut mitsamt Unterhautgewebe fingerhandschuhartig abgezogen.

Welche besonderen Probleme treten bei Ablederungswunden auf?

Die durch die Verletzung hervorgerufene Durchtrennung der Blutgefäße wird meist von einer starken Blutung begleitet.

In der Folge ist die Blutversorgung über die verbliebene Verbindung des abgeschobenen Hautlappens zur gesunden Haut nicht ausreichend, sodass der Hautlappen oft abstirbt. Bei geschlossenen Ablederungswunden werden häufig Weichteilhämatome gebildet. Die Hämatome verhindern die Blutversorgung der Haut, sodass in Folge Nekrosen entstehen können. Infektionen können Komplikationen und Verzögerungen in der Wundheilung hervorrufen. Nun kann der abgeschobene Hautlappen nicht mehr anwachsen und muss entfernt werden. Bei starken Verletzungen im Bereich der Hände oder des Gesichts können Amputationen und mehrfache Operationen notwendig sein.

Ausgedehnte Ablederungswunden können schwerwiegende Folgen haben und sind, je nach Ausmaß, mit einer hohen Morbidität verbunden.

Wie werden Ablederungswunden behandelt?

Die Behandlung von Ablederungswunden ist abhängig von der Größe der Wundfläche.

Je nach Ausmaß der Ablederung kann der Hautlappen refixiert werden. Voraussetzung hierfür ist, dass der Hautlappen sauber ist. Kleinere Verletzungen können konservativ behandelt werden. Eine Fixierung mit einem leichten, nicht-klebenden Kompressionsverband ist hierbei ausreichend. Großflächige Ablederungswunden werden üblicherweise chirurgisch versorgt. Die nekrotischen Haut- und Fettgewebsanteile werden entfernt und die noch regenerationsfähigen Hautteile an der Unterhaut fixiert. Bei Skalpierungsverletzungen ist oftmals eine Replantation der abgetrennten Kopfscharte angebracht. Aushülsungsverletzungen benötigen häufig eine plastische Weichteildeckung.

Grundsätzlich können bei Ablederungswunden sehr gut Wundprodukte für sensible Haut verwendet werden, zum Beispiel DracoFoam haft sensitiv oder DracoFoam Infekt haft sensitiv bei infizierten Wunden. Alternativ kann eine Schaumstoffauflage (z.B. DracoFoam) in Kombination mit einer passenden Fixierung (z.B. DracoElfi haft color) genutzt werden. Bei kleineren Verletzungen eignen sich DracoHydro oder DracoHydro dünn.

Wie kann man Ablederungen vorbeugen?

Für Patientinnen und Patienten mit Pergamenthaut bietet Draco® sanft haftende Wundauflagen (DracoFoam haft sensitiv), die Ablederungen der Haut bei kleineren Verletzungen verhindern können. Die meisten anderen Ablederungen lassen sich nur durch Vor- und Umsicht verhindern, damit ein Unfall gar nicht erst passiert.

Risikofaktoren

Betroffene Personengruppen:

  • Patienten mit Cortison- bzw. Altershaut sind für diese Art von Verletzung anfälliger, da bei ihnen die Hautstabilität geringer ist
  • Ansonsten kann jeder betroffen sein
     

Gefährdete Körperstellen:

  • Hände, Arme, Beine und Füße sind besonders gefährdete Körperteile, weil sie z.B. leicht in Pressen oder Walzen geraten können
  • Ablederungen am Kopf (Skalpierung) kommen ebenfalls vor
  • Darüberhinaus kann jede Körperstelle betroffen sein, auf die Druck ausgeübt werden kann

Ursachen können Berufs-, Sport- und Autounfälle sein. Je nach Vorerkrankungen reichen aber auch schon leichtere Stöße oder Stürze aus, um die Ablederung passieren zu lassen.

Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.