Fallbeispiel: Diabetisches Fußsyndrom nach Amputation

Herr D., ein 58-jähriger alleinlebender Mann, wurde aufgrund eines diabetischen Fußsyndroms mehrfach operativ behandelt, darunter eine Vorfuß- und Mittelfußamputation sowie Nachamputation mit Spalthauttransplantation. Trotz guter Einstellung seines Diabetes mellitus Typ 2 und einer insgesamt stabilen gesundheitlichen Verfassung entwickelte sich ein infiziertes Amputationsulkus, das eine intensive, langfristige Wundversorgung und Anpassung der Therapie erforderlich machte. 

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Geschlecht

männlich

Alter

58 Jahre

Wundursache

Diabetisches Fußsyndrom (DFS)

Risikofaktoren

Starker Raucher, Diabetes mellitus Typ 2, überwiegend sitzende Tätigkeit

Diabetes mellitus

ja

Lokalisation der Wunde

Fuß rechts

Wundart

chronisch

Wundgrund

Fibrin

Wundumgebung

trocken, stellenweise mazeriert, Hyperkeratose

Wundrand

stellenweise mazeriert, Hyperkeratose

Exsudation

mäßig, serös, gelblich/blutig, geruchlos

Ausgangssituation

Der 58-jährige Herr D. lebt eigenständig in einer Mietwohnung mit Garten. Da er in Vollzeit von seinem Zuhause aus arbeitet, verbringt er viel Zeit damit, am Schreibtisch zu sitzen. Einen Ausgleich hierzu schafft er in seiner Freizeit, in der er gerne über Flohmärkte spaziert, wandern geht oder verreist. Allerdings ist Herr D. starker Raucher und raucht am Tag 30 bis 40 Zigaretten.   
Im Juni 2025 erhält er die Erstdiagnose Diabetes mellitus Typ 2: Er hat ein diabetisches Fußsyndrom (DFS) mit Gangrän und beginnender Sepsis entwickelt, weshalb eine Vorfuß- und Mittelfußamputation vorgenommen werden muss. Im August 2025 erfolgt eine Nachamputation des rechten Fußes mit Wunddébridement, Vakuumtherapie-Anlage und Spalthauttransplantation. Bis zum November 2025 wird die Wunde ambulant weiter versorgt.  
Ende Februar 2026 stellt sich Herr D. erneut in der Klinik vor. Es hat sich ein infiziertes Amputationsulkus mit Nekrosen gebildet, das sich als Nahtdehiszenz bei verbliebenen Nahtresten herausstellt. Eine Wundversorgung ist seit November 2025 nicht mehr erfolgt, die verordneten orthopädischen Schuhe sind nicht fertiggestellt. Es erfolgt eine zunächst intravenöse und später orale Behandlung mit Antibiose. Zur Behandlung der Wunde wird ein Wunddébridement durchgeführt, die Wunde mit einem PU-Schaum abgedeckt und für Druckentlastung gesorgt. Hierdurch verbessert sich die Wundsituation und Herr D. kann zwei Wochen später entlassen werden. Der Diabetes ist unter Gabe von Metformin inzwischen gut eingestellt, der aktuelle HbA1C-Wert liegt bei 5,7 %. Abgesehen von seinem rechten Fuß ist Herr D. in einem guten Allgemein- und Ernährungszustand.

Anamnese

Diagnose

Mittwoch, 25. November um 19.30 UhrDas Online-Seminar zu diesem Fallbeispiel

Der Wundverlauf auf einen Blick

Erste Wundvorstellung am 12.03.2026
20.04.2026
26.05.2026
25.06.2026
09.07.2026

Behandlungs- und Heilungsverlauf

Nach der Entlassung aus der Klinik am Vortag stellt sich Herr D. am 12.03.2026 in der Einrichtung vor. Sein Ziel ist es, möglichst bald den Wundverschluss zu erreichen, um sich wieder uneingeschränkt seinen Aktivitäten widmen zu können. 

Bei seiner ersten Vorstellung am 12.03.2026 (Foto 1) hat die Wunde eine Länge von 0,5 cm, ist 2,6 cm breit und hat eine Tiefe von 4 mm. Klassifiziert wird die Wunde als diabetisches Fußsyndrom (DFS) nach Wagner-Armstrong 1 A (oberflächliche Läsion ohne Infektion). Der Wundgrund ist mit Fibrin belegt und weist keine Granulation auf. Der Wundrand ist stellenweise mazeriert und zeigt Hyperkeratosen. Wundumgebung und Umgebungshaut sind trocken, stellenweise mazeriert und ebenfalls hyperkeratotisch. Die Wunde exsudiert mäßig, das Exsudat ist serös, gelblich/blutig und geruchlos. Herr D. gibt auf der visuellen Analogskala Schmerzen von VAS 3, bei der Wundreinigung bis VAS 5 an. 

Therapie

  • Abtragung der Hyperkeratose
  • Wundreinigung: Octenidin
  • Wundfüllung mit Polyurethanschaum (vorsichtig aufgefüllt)
  • Abdeckung: Superabsorber (10 × 10)
  • Fixierung: Elastische Fixierbinde, moderate Kompression mit Polsterwatte und selbsthaftender Binde
  • Hautpflege und Wundrandschutz: Hautcreme mit Urea (10 %)
  • Versorgungsintervall: zweimal wöchentlich 

Herr D. wird zum Thema Druckentlastung beraten. Zurzeit bewegt er sich mit Unterarmgehstützen ohne Belastung des Fußes und kommt damit sehr gut zurecht. Zu Hause soll er den Fuß konsequent hochlagern. Es wird besprochen, wie die hauswirtschaftliche Versorgung in nächster Zeit funktionieren kann. Die Schwester von Herrn D. erledigt in den kommenden Wochen die Einkäufe und es wird eine Reinigungskraft eingestellt, die zweimal in der Woche den restlichen Haushalt erledigt. Zu den Terminen der Wundversorgung kann Herr D. den Fahrdienst der Einrichtung nutzen.

Bei einer Kontrolle in der Klinik Ende März stellt sich heraus, dass in der Wunde Knochen tastbar ist. Eine Osteomyelitis wird radiologisch ausgeschlossen. Es wird eine orale Antibiose angeordnet und der Knochen zusätzlich mit Hydrogel feucht gehalten. Am 12.04.2026 erfolgt erneut eine stationäre Aufnahme zur Wundrevision mit teilweiser Entfernung von Knochenfragmenten und dem Versuch einer Primärnaht. Da intraoperativ weniger Gewebe als geplant erhalten werden konnte, fehlt am Vorfuß derzeit notwendiges Gewebe für eine primäre Wundheilung. Aus diesem Grund wird nun auf eine sekundäre Wundheilung gesetzt. Die Versorgung findet im Krankenhaus mit einem sterilen, gelbildenden Faserverband und einer Saugkompresse statt. Am 19.04.2026 wird Herr D. aus dem Krankenhaus entlassen. 

Am 20.04.2026 (Foto 2) hat die Wunde eine Länge von 0,9 cm, eine Breite von 3,1 cm und eine Tiefe von 10 mm. Auf dem Wundgrund ist Biofilm zu sehen, die Granulation liegt bei über 50 %. Der Wundrand ist mazeriert, zerklüftet und die Nähte sind sichtbar. Die Umgebungshaut ist gepflegt, in der Wundumgebung gibt es jedoch oberflächliche Läsionen und es ist Nahtmaterial zu sehen. Die Wunde exsudiert mäßig, das Exsudat ist schleimig, gelblich/blutig und geruchlos. Schmerzen gibt Herr D. keine an. Das Versorgungsintervall wird auf dreimal pro Woche angepasst.

Therapie

  • Wundreinigung mit sterilem Wasser
  • Wundfüllung mit Polyurethanschaum (vorsichtig aufgefüllt)
  • Abdeckung mit steriler Saugkompresse (10 × 10)
  • Fixierung, Hautpflege und Wundrandschutz wie zuvor 
  • Versorgungsintervall: dreimal wöchentlich

Die vorhandene plantare Haut neigt stark zur Verhornung. Um die Bildung von weichem Gewebe zu fördern, werden die Hyperkeratosen am Wundrand bei jedem Verbandwechsel abgeschliffen. Besonderes Augenmerk liegt auf der konsequenten moderaten Kompression des Fußes. Herr D. wird noch einmal ausführlich über die Notwendigkeit einer strikten Entlastung sowie einer konsequenten Hochlagerung informiert.

Am 26.05.2026 (Foto 3) ist die Wunde 0,6 cm lang, 2,7 cm breit und 2 mm tief. Der Wundgrund zeigt Granulationsgewebe. Der Wundrand ist stellenweise mazeriert und hyperkeratotisch. Wundumgebung und Umgebungshaut sind trocken und rissig, stellenweise mazeriert und auch hier sind Hyperkeratosen zu sehen. Die Wunde exsudiert weiterhin mäßig, serös, gelblich/blutig und geruchlos. Exsudatreste, die sich an den Wundrändern sammeln, bilden eine weiche Kruste. Diese lässt sich nach einer Nassphase jedoch problemlos entfernen. 

Die Versorgung wird weiterhin wie oben beschrieben in einem dreimal wöchentlichen Versorgungsintervall durchgeführt. 
Herr D. ist mit der fortschreitenden Wundheilung zufrieden. Das regelmäßige Abschleifen der Hyperkeratosen und die konsequente Druckentlastung tragen entscheidend zu diesem Erfolg bei.

Bei seiner Vorstellung am 25.06.2026 (Foto 4) hat die Wunde eine Länge von 0,4 cm, eine Breite von 2,7 cm und eine Tiefe von 1 mm. Auf dem Wundgrund ist die Dermis zu sehen, der Wundrand ist hyperkeratotisch. Wundumgebung und Umgebungshaut sind gepflegt und unauffällig. Die Wunde exsudiert wenig, das Exsudat ist serös, gelblich und geruchlos.

Therapie

Die Wundversorgung wird etwas umgestellt. Nach vorsichtiger Entfernung der neu gebildeten Hyperkeratose und der Hautpflege mit Urea-Hautcreme (10 %) kann der Wundrandschutz entfallen. Eine Wundfüllung wird ebenfalls nicht mehr benötigt. Die Abdeckung der Wunde erfolgt weiterhin mit einer sterilen Saugkompresse und der zuvor beschriebenen Fixierung. Das Versorgungsintervall wird auf zweimal wöchentlich reduziert. Da die Wundumgebung trotz nahezu vollständiger Druckentlastung stark zur Hyperkeratosenbildung neigt, wird diese weiterhin regelmäßig entfernt. Die mitbetreuende diabetologische Praxis wird informiert, dass der Wundverschluss in Kürze zu erwarten ist und ein Rezept für einen orthopädischen Maßschuh ausgestellt werden kann. Mit dem Orthopädieschumacher wird ein Termin für das Ausmessen vereinbart.

Die Wunde hat am 09.07.2026 (Foto 5) noch eine Länge von 0,4 cm, ist 0,4 cm breit und 1 mm tief. Auf dem Wundgrund hat sich Granulationsgewebe gebildet, der Wundrand ist intakt. Wundumgebung und Umgebungshaut sind gepflegt, aber trocken und es zeigen sich Hyperkeratosen und oberflächliche Hautläsionen. Die Wunde exsudiert nur noch sehr wenig, serös, gelblich und geruchlos. 

Therapie

Die Wundversorgung wird erneut etwas umgestellt: Da durch das Abschleifen der Hyperkeratosen immer wieder oberflächliche Läsionen entstehen, wird die Wundumgebung nun mit Schrundensalbe (Urea 25‒30 %) versorgt und anschließend die Hautpflege der Umgebungshaut mit Hautcreme (mit Urea 10 %) durchgeführt. Abschließend wird eine sterile Kompresse mit Polsterwatte und selbsthaftender Binde fixiert. Das Versorgungsintervall wird auf einmal wöchentlich reduziert. 

Nach weiteren drei Wochen (ohne Foto) ist die Wunde abgeheilt. Die Maßschuhe sind angepasst und ausgeliefert und Herr D. geht zukünftig zunächst mindestens einmal die Woche zu einer Podologin. Es bleibt abzuwarten, ob die Hyperkeratosenbildung nachlässt bzw. die konsequente Pflege mit der Schrundensalbe die Neubildung verlangsamt. In diesem Fall kann das Versorgungsintervall möglicherweise erneut verlängert werden. 

Bitte beachten Sie, dass es sich hier um ein konkretes Fallbeispiel handelt, das nur eine mögliche Behandlungsoption darstellt. Beachten Sie zudem, dass wir nicht gewährleisten können, dass in den von uns dargestellten Fallbeispielen ausschließlich Produkte von DRACO® zur Anwendung gekommen sind.

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