Fallbeispiel: Bauchdeckenulzeration bei Abdominalhernie
Herr K., 71 Jahre alt, stellte sich mit Ulzerationen an einem großen abdominalen Bruchsack vor. Nach initialer Behandlung im Krankenhaus erfolgte eine ambulante Wundversorgung, bei der die Ulzerationen schrittweise abheilten. Trotz wiederholter Empfehlungen trug Herr K. den Bauchgurt nur unregelmäßig, was die Heilung verzögerte. Nach viereinhalb Monaten war die Wundheilung abgeschlossen, und ein Termin für eine Hernienoperation wurde geplant.
Lesedauer: ca. 6 Minuten
Geschlecht
männlich
Alter
71 Jahre
Wundursache
Ulzerationen an abdominalem Bruchsack
Diabetes mellitus
nein
Risikofaktoren
Adipositas Grad 1
Lokalisation der Wunde
Bruchsack am Bauch
Wundart
chronisch
Wundgrund
Dermis und Verkrustungen
Wundumgebung
Rötungen, die Haut ist trocken und schuppig
Exsudation
mäßig, serös, bräunlich, geruchlos
Ausgangssituation
Im September 2022 stellt sich Herr K. mit Fieber und Ulzerationen an einem großen abdominalen Bruchsack (sackartige Ausstülpung einer Hernie, bei der Bauchfell oder Eingeweide durch einen Defekt in der Bauchwand hervortreten) im Krankenhaus vor. Die Ulzerationen bestehen nach eigenen Angaben bereits seit drei Monaten, seit wann der Bruchsack besteht, kann Herr K. nicht sagen. Im Krankenhaus erhält er ein Antibiotikum und wird nach einer Woche mit der Empfehlung entlassen, eine spezialisierte Wundversorgung in Anspruch zu nehmen, um nach Abheilung der Ulzerationen eine laparoskopische Hernien-OP (minimalinvasiver chirurgischer Eingriff zur Behebung eines Bauchwandbruchs) zu planen. Zudem solle er ab sofort einen Bauchgurt tragen, um die Haut an Bauch und Bruchsack zu entlasten.
Anamnese
Diagnose
Der Wundverlauf auf einen Blick
Behandlungs- und Heilungsverlauf
Herr K. stellt sich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus mit der oben genannten Empfehlung vor. Am Unterbauch ist ein etwa 30 × 30 cm großer Bruchsack zu erkennen mit drei oberflächlichen Ulzerationen. Die Verdachtsdiagnose lautete: Bauchdeckenulzeration auf der Bauchdecke bei Abdominalhernie (Ursache: Druck, Hautirritationen).
Bei der ersten Wundbetrachtung (Foto 1) hat die größte Wunde eine Länge von 3,8 cm, eine Breite von 6,7 cm und 1 mm Tiefe. Auf dem Wundgrund sind Dermis und Verkrustungen zu sehen, der Wundrand ist gerötet. In der Wundumgebung zeigen sich Rötungen, die Haut ist trocken und schuppig. Die Wunde exsudiert mäßig, das Exsudat ist serös, bräunlich und geruchlos. Schmerzen gibt Herr K. zu diesem Zeitpunkt nur bei der Wundreinigung an (auf der Schmerzskala VAS 2).
Wundversorgung (aller Ulzerationen)
- Wundreinigung mit steriler Kochsalzlösung
- Wundfüllung: steril zugeschnittene antimikrobielle Tamponade auf feuchten Wundstellen
- Abdeckung: Superabsorber
- Fixierung: Fixiervlies
- Versorgungsintervall: dreimal wöchentlich
- Der Bauchgurt (vorkonfektioniert) neigt zum Verrutschen, daher wird die Anpassung eines individuellen Bauchgurtes veranlasst
Diese DRACO Produkte hätten hier zur Anwendung kommen können
Nach dreieinhalb Wochen hat die größte Wunde nur noch eine Länge von 1,9 cm, ist 2,9 cm breit und 1 mm tief (Foto 2). Der Wundgrund ist mit Fibrin belegt und es sind Epithel- und Granulationsgewebe zu sehen. Der Wundrand ist weiterhin gerötet und auch die Umgebungshaut weist weiterhin Rötungen auf, ist trocken und schuppig. Die Wunde exsudiert nur noch wenig, das Exsudat ist wie zuvor serös, bräunlich und geruchlos. Schmerzen gibt Herr K. nicht an.
Wundversorgung (aller Ulzerationen)
- Wundreinigung mit steriler Kochsalzlösung
- Wundfüllung: steril zugeschnittene antimikrobielle Tamponade auf feuchten Wundstellen
- Abdeckung und Fixierung: Superabsorber und Fixiervlies
- Das Versorgungsintervall wird auf zweimal wöchentlich reduziert
Die Ausmessung für den individuell anzupassenden Bauchgurt wurde durchgeführt, der Gurt soll in den nächsten drei Wochen fertig werden. Bisher trägt Herr K. den vorkonfektionierten Gurt nur unregelmäßig, da dieser oft verrutscht.
Nach weiteren zweieinhalb Wochen (Foto 3) ist die Wunde 1,4 cm lang, 1,8 cm breit und hat Hautniveau erreicht (0 mm). Auf dem Wundgrund sind Dermis und Epithelgewebe zu sehen. Der Wundrand ist inzwischen intakt und auch die Wundumgebungshaut ist unauffällig. Die Wunde exsudiert weiterhin wenig, serös, trüb und geruchlos. Die zuvor beschriebene Wundversorgung wird beibehalten. Herr K. wird bezüglich des Bauchgurtes sehr ungeduldig. Die Auslieferung verzögert sich wegen einer Erkrankung der durchführenden Schneiderin. Den alten Bauchgurt trägt Herr K. fast gar nicht mehr.
Acht Wochen später (Foto 4) ist die Wundheilung deutlich fortgeschritten. Sie hat nun noch eine Länge von 0,5 cm, eine Breite von 0,3 cm und ist weiterhin auf Hautniveau (0 mm). Auf dem Wundgrund zeigt sich Schorf, der Wundrand ist intakt. Die Haut in der Wundumgebung ist trocken und es hat sich Narbengewebe gebildet. Das Exsudat ist noch immer wenig, serös, trübe und geruchlos. Die Wundversorgung wird wie zuvor beibehalten, jedoch erfolgt die Versorgung inzwischen teilweise durch die Ehefrau, die entsprechend angeleitet werden konnte, damit Herr K. einige geplante Reisen durchführen kann. Auch der passende Bauchgurt wurde ausgeliefert.
Der Zusammenhang zwischen der langsamen Wundheilung und dem Zug der bestehenden Hernie auf die Haut wird noch einmal deutlich thematisiert. Dennoch trägt Herr K. den Gurt nicht konsequent, da dieser ihm zu unbequem sei. Er ist viel unterwegs und folgt auch der Empfehlung, sich mehr zu schonen nicht, da ihm die Kurzurlaube mit seiner Frau zwischen den Terminen wichtiger sind.
Nachdem die Wunde in der ersten Märzwoche abgeheilt ist, kommt Herr K. eine Woche später mit einem neuen Befund in die Praxis. Es hat sich eine 0,6 cm lange Wunde gebildet, mit einer Breite von 1,7 cm und einer Tiefe von 1 mm (Foto 5). Auf dem Wundgrund ist Dermis zu sehen, der Wundrand ist intakt. In der Wundumgebung sind kleine Einrisse und Verschorfungen sichtbar, die Haut ist trocken. Die neue Wunde exsudiert wenig, serös, trüb und geruchlos. Schmerzen hat Herr K. nach eigener Angabe keine.
Wundversorgung (wie zuvor)
- Wundreinigung mit steriler Kochsalzlösung
- Wundfüllung: Steril zugeschnittene antimikrobielle Tamponade auf feuchten Wundstellen
- Abdeckung und Fixierung: Superabsorber und Fixiervlies
- Verbandswechselintervall: zweimal wöchentlich
Herr K. wird erneut darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, sich zum einen ausreichend zu schonen und zum anderen den Bauchgurt konsequent zu tragen, um das Gewebe der Hernie besser zu schonen und neuen Wunden vorzubeugen. Der behandelnde Arzt stellt in Aussicht, dass nach der Abheilung möglichst zügig eine Operation erfolgen könnte, welche die Problematik beheben würde. Herr K. erklärt, dies für sich noch einmal zu überlegen.
Nach sechs Wochen (Foto 6) befinden sich die Ulzerationen in Abheilung. Der Wundgrund ist z. T. mit Schorf belegt. Der Wundrand ist intakt, die Umgebungshaut trocken. Wie zuvor exsudiert die Wunde wenig, serös, trüb und geruchlos.
Wundversorgung
- Wundreinigung mit sterilem Wasser
- Wundfüllung nicht notwendig
- Abdeckung: PU-Schaum mit Tensid
- Fixierung: Fixiervlies
- Verbandswechselintervall: zweimal wöchentlich
Diese DRACO Produkte hätten hier zur Anwendung kommen können
Nach weiteren sechseinhalb Wochen (12,5 Wochen nach Herrn K.s Rückkehr mit einer neuen Wunde): Ulzerationen in Abheilung, Länge 0,5 cm, Breite 0,8 cm (Foto 7). Der Wundgrund ist mit Granulationsgewebe und Biofilm belegt. Der Wundrand ist weiterhin intakt, die Umgebungshaut trocken. Die Wunde exsudiert kaum noch, das Exsudat ist noch immer serös, trübe und geruchlos.
Wundversorgung
- Gründliche mechanische Wundreinigung mit steriler Kochsalzlösung
- Abdeckung und Fixierung: PU-Schaum mit Tensid und Fixiervlies
- Verbandswechselintervall: zweimal wöchentlich
Noch einmal sechseinhalb Wochen später – viereinhalb Monate seit Herrn K.s Neuvorstellung – ist die Wundheilung abgeschlossen (Foto 8) und Herr K. hat einen Termin für eine laparoskopische Hernien-OP zwei Wochen später.
Bitte beachten Sie, dass es sich hier um ein konkretes Fallbeispiel handelt, das nur eine mögliche Behandlungsoption darstellt. Beachten Sie zudem, dass wir nicht gewährleisten können, dass in den von uns dargestellten Fallbeispielen ausschließlich Produkte von DRACO® zur Anwendung gekommen sind.
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