Fisteln

Fisteln sind röhrenartige Verbindungen zwischen inneren Hohlorganen oder einem Organ und der Hautoberfläche.

Generell unterscheidet man zwischen der inneren und der äußeren Fistel. Die innere Fistel verbindet zwei Hohlräume im Körperinneren, wie zum Beispiel die Harnblasenfistel. Diese erstreckt sich von der Harnblase bis zum Darm und verbindet beide Organe. Die äußere Fistel verläuft zwischen einem Hohlraum im Körper und der Hautoberfläche, wie zum Beispiel die Dünndarmfistel. Sie können an den verschiedensten Körperstellen auftreten und Beschwerden wie Schmerzen oder Juckreiz verursachen. 

Wie werden Fisteln behandelt?

Ein Großteil aller diagnostizierten Fisteln wird durch einen operativen Eingriff entfernt. Für die Behandlung der äußeren Fistel eignen sich modere Wundauflagen.

Fistelassessment und -pflege

Fisteln sondern häufig Sekrete ab, die Bestandteile des Verdauungstrakts enthalten und dadurch sehr aggressiv sind. Die Folgen sind entzündliche Gewebezerstörungen und Mazerationen der Haut, insbesondere am Fistelrand und der Fistelaustrittsstelle. Zur Behandlung von Mazerationen und Wunden eignen sich moderne Wundauflagen, die nach dem Prinzip der feuchten Wundbehandlung die Wundheilung unterstützen. Je nach Fistelart kann es mitunter zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust von mehr als 500 ml pro Tag kommen. Es ist daher wichtig, diesen Flüssigkeits- und Elektrolyteverlust auszugleichen.

Konservative Behandlung

In einigen Fällen profitieren Betroffene von einer Behandlung mit Fibrinkleber, Fistelplug oder Biomembran. Bei Hinweisen für eine Entzündung im Bereich einer Fistel ist gegebenenfalls die Einlage einer Drainage empfehlenswert. Die Öffnung des Abszesses und Ausleitung von Sekret durch einen Kunststoffschlauch dient der Abszessentlastung und verringert das Risiko einer unkontrollierten Abszessöffnung.

Chirurgische Behandlung

Je nach Fistelart stehen verschiedene Operationstechniken zur Verfügung. Zu den häufigsten OP-Techniken zählen:

  • Abszessdrainage: Öffnung des Abszesses und Ausleitung von Sekret durch einen Kunststoffschlauch; dient der Abszessentlastung und verringert das Risiko einer unkontrollierten Abszessöffnung
  • Fistelspaltung: Auftrennung des Fistelkanals und Entfernung der internen Fistelöffnung; meist bei einfachen oberflächlichen Fisteln
  • Fistelentfernung (Fistulektomie): Herausschneiden der Fistel, meist bei einfachen oberflächlichen Fisteln
  • Fisteldeckung: Deckung des Defekts mittels Lappenplastik; häufig bei komplexeren Fisteln
  • Seton-Einlage: Bei Hinweisen auf eine rezidivierende Entzündung im Fistelbereich kann die Einlage eines Fadens (Seton) zur kontinuierlichen Drainage sinnvoll sein; oft als vorbereitende Maßnahme für ein anderes operatives Verfahren
  • Fistelverschluss: Der äußere Fistelanteil wird bis auf den Schließmuskel entfernt. Der innere Fistelanteil wird im Faserverlauf der Muskulatur sparsam herausgeschnitten und die Muskellücke mit einer Naht verschlossen; häufig bei Fisteln, die sich durch beide Schließmuskeln ziehen

Medikamentöse Behandlung

Eine medikamentöse Lösung zur Heilung einer Fistel existiert derzeit nicht. Begleitend können Arzneimittel aus der Klasse der Immunsuppressiva, Biologika und Antibiotika den Krankheitsverlauf mildern. Immunsuppressiva hemmen die Funktion des körpereigenen Immunsystems. Ihre Anwendung dient der Kontrolle des Entzündungsgeschehens. Biologika sind Arzneimittel, die mittels biotechnologischer Verfahren hergestellt werden, wie beispielsweise Antikörper. Diese Medikamente blockieren spezielle Signalwege im Körper, die an chronischen Entzündungen beteiligt sind. Antibiotika können kurzfristig zur Behandlung einer mit der Fistel verbundenen Infektion eingesetzt werden.

Heilen Fisteln von allein ab?

Die meisten Fisteln heilen nicht von allein ab und erfordern eine medizinische Behandlung.

Eine Fistel sollte unbedingt medizinisch versorgt werden. Ohne Behandlung können Entzündungsprozesse fortschreiten und sich neue Fistelgänge ausbilden. Die mögliche Ausbreitung macht die Erkrankung gefährlich. Eine unbehandelte Analfistel kann beispielsweise zu Funktionsverlust des Afters bis hin zur Notwendigkeit zur Anlage eines künstlichen Darmausgangs führen. Betroffene sollten deshalb zeitnah medizinischen Rat einholen. Eine frühe Therapie von Fisteln erzielt gute Behandlungserfolge.

Welche Symptome verursachen Fisteln?

Häufig gehen Fisteln mit Schmerzen und Hautrötungen einher.

Die Symptomatik ist von der Fistel- und ggf. Abszesslokalisation abhängig. Meist steht die unterschiedlich starke Absonderung eines eitrigen Sekrets im Vordergrund. Stuhl- und/oder Flatulenz durch Harnröhre oder Scheide weisen auf eine Verbindung zwischen Darm und Harnblase bzw. Scheide hin. Mazerationen treten häufig bei Pankreas- oder Dünndarmfisteln auf. Weitere Symptome von Fisteln sind Hautrötungen, Juckreiz oder Schmerzen. Akut entzündete Fisteln können Fieber und Blutvergiftungen auslösen.

Wo können Fisteln entstehen?

Prinzipiell können Fisteln überall im Körper entstehen. Darm- und Analfisteln liegen jedoch am häufigsten vor.

Lokalisation und Ausprägung einer Fistel ist von Fall zu Fall verschieden. Zu den häufigsten Fistelarten gehören:

  • Analfistel (perianale Fistel): Analfisteln gehen von kleinen Drüsen am After aus, die sich durch eine Entzündung oder Eiteransammlungen verlängern. Letztlich entwickelt sich ein Fistelkanal, der sich bis zur Haut am After hinzieht.
  • Fistel im Mund: Fisteln in der Mund- oder Kieferhöhle sind meist Folge einer chronisch entzündeten Zahnwurzel.
  • Harnblasenfistel (Enterovesikale Fistel): Unnatürliche Verbindung zwischen Darm und Blase.
  • Sinus pilonidalis („Steißbeinfistel): Der Sinus pilonidalis ist eine akut oder chronisch verlaufende Entzündung im Unterhautfettgewebe und häufig im Bereich der Gesäßfalte lokalisiert.
  • Rektovaginale Fistel: Unnatürliche Verbindung zwischen Vagina und Rektum.

Was sind die Ursachen einer Fistel?

Es gibt krankhafte, angeborene und künstlich angelegte Fisteln.

Krankhafte (pathologische) Fisteln

Eine Fistel ist oft Folge einer Entzündung eines Körperorgans. Verletzungen und bakterielle Infektionen gehören zu den Hauptgründen des entzündlichen Geschehens. Der Körper produziert als natürliche Immunantwort auf eine bakterielle Infektion Eiter. Kann das eitrige Sekret nicht aus dem Körper abfließen, sammelt es sich im Gewebe an und kapselt sich in einem Hohlraum ein. Ein Abszess entsteht. Der Abszess übt Druck auf umliegendes Gewebe aus. Ist der Druck zu groß, bildet sich der röhrenartige Fistelkanal, über den sich das eitrige Sekret zu entleeren versucht.
 

Angeborene Fistel

Angeborene Fisteln entstehen während der vorgeburtlichen (pränatalen) Entwicklung. Dabei handelt es sich um Verbindungen zwischen Hohlorganen oder Hohlräumen, die sich ursprünglich vor der Geburt hätten schließen sollen. Ein Beispiel für eine angeborene Fistel ist die Urachusfistel, eine Verbindung zwischen der Harnblase und dem Nabel.
 

Künstlich angelegte Fistel

Eine Fistel kann aus medizinischen Gründen auch künstlich angelegt werden. Dies geschieht beispielsweise, wenn eine Person künstlich ernährt werden muss. Die Ärztin oder der Arzt legt dazu eine Ernährungsfistel durch die Bauchhaut hindurch in den Magen. Über diesem Zugang kann Nahrungsbrei direkt in den Magen gegeben werden.

Literatur

Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.