Fadendrainage

Eine Fadendrainage (Seton-Einlage) ist ein chirurgischer Faden, der in die Fistel gezogen wird, um diese offen zu halten. Entlang der Fadendrainage kann das Fistelsekret stetig abfließen. Dadurch wird die Fistel entlastet und akute Entzündungen können abklingen. 

Die Fadendrainage zählt zu den häufig verwendeten Maßnahmen bei der Behandlung einer Fistel. Der Faden, auch Seton bezeichnet, besteht zumeist aus nicht resorbierbarem Nylon, Kautschuk oder Silikon. Er wird durch den Fistelgang geführt, nach außen geknotet und fixiert. Durch die Fadendrainage bleibt der Fistelgang offen damit das Fistelsekret abfließt. Akute Entzündungen können nun abklingen, die Fistel wird entlastet und das Risiko einer Abszessbildung sinkt. Üblicherweise stört der Faden den Patienten nicht. Die meisten Personen nehmen ihn gar nicht wahr.

Wie versorgt man eine Fistel mit einer Fadendrainage?

Die Fistel sollte mehrmals täglich mit lauwarmen Wasser gereinigt werden.

Durch die Fadendrainage der Fistel entsteht ein direkter, offener Durchgang von der äußeren Hautöffnung zur inneren Öffnung im After oder Darm. Deshalb ist es wichtig, vermehrt auf die Hygiene zu achten. Idealerweise erfolgt eine Reinigung der Fistel nach jedem Toilettengang bzw. mindestens 2-3 mal täglich. Dafür eignet sich lauwarmes Wasser ohne jegliche Zusätze. Die gereinigte Fistel kann mit einer Kompresse vorsichtig trockengetupft und anschließend ebenfalls mit einer Kompresse abgedeckt werden.
 

Kann die Fadendrainage eine Fistel dauerhaft heilen?

Eine vollständige Heilung von Fisteln durch eine Fadeneinlage ohne weitere operative Eingriffe ist sehr selten. In einigen wenigen Fällen heilt die Fistel spontan und der Faden kann entfernt werden. Meistens handelt es sich bei der Fadendrainage der Fistel allerdings um eine vorübergehende bzw. vorbereitende Maßnahme für eine anschließende chirurgische Behandlung, wie einen Fistelverschluss mit dem Laser. 
 

Wie lange dauert es, bis eine Fadendrainage entfernt wird? 

Die Fadendrainage verbleibt meist über Wochen bis Monate in der Fistel. In Abhängigkeit von dem Therapieziel verbleibt die Fadendrainage zwischen mehreren Wochen und Monaten in der Fistel.


Entstehen bei der Fadendrainage Komplikationen?

Die Fadendrainage ist mit einem gewissen Stuhlinkontinenzrisiko verbunden. Direkt nach dem Setzen einer Fadendrainage, kann die Fistel vorübergehend gereizt sein. Darüber hinaus ist die Fadendrainage einer Fistel mit einem gewissen Risiko der Stuhlinkontinenz verbunden. In der Literatur wird die Häufigkeit von Inkontinenz​ nach einer „offenen“ Fadendrainage von 0 bis 62 % angegeben. Deutlich höher sind die Inkontinenzraten nach Verwendung eines „schneidenden“ Fadens.

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Drainagetechniken

Offener Faden: Ziel eines „offenen“ bzw. „lockeren“ Fadens ist eine Ableitung von Sekret und Eiter aus der Fistel um einen frühzeitigen Verschluss der äußeren Fistelöffnung zu verhindern.

Fibrosierender Faden: Das Ziel ist eine Fibrosierung des Fistelgangs, das heißt der Umbau von Organgewebe in Bindegewebe. Dadurch wird ein dauerhaft stabiler Fistelgang geschaffen. Der „fibrosierende“ Faden findet oft im Rahmen einer plastischen Rekonstruktion Anwendung. Einen wichtigen Stellenwert hat die Langzeitfadendrainage auch bei der Behandlung von Fisteln, die im Zusammenhang mit einem Morbus Crohn auftreten.

Schneidender Faden: Der „schneidende“ Faden wird zur gezielten Durchtrennung des Schließmuskels nach Ausräumung des entzündlichen Fistelareals eingesetzt. Aufgrund des hohen Risikos für Kontinenzstörungen, wird der schneidende Faden heutzutage kaum noch verwendet.

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Literatur

  1. Ommer A, Herold A, Berg E, Farke S, Fürst A, Hetzer F, et al. S3-Leitlinie: Kryptoglanduläre Analfisteln. coloproctology. 2017;39(1):16-66. 
Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.