Wundversorgung bei Hitze

Wundversorgung bei Hitze

Sommerliche Hitze erschwert die Wundversorgung immobiler Menschen und das konsequente Tragen von Kompressionskleidung bei chronischen Wundpatienten.

Die Zahl der heißen Tage in Deutschland nimmt zu. Menschen über alle Altersgruppen verteilt erleben die direkten körperlichen Folgen der heißen Sommer: Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen und schlaflose Nächte. Die warmen Temperaturen erschweren auch die Versorgung chronischer Wunden. Zwei Gruppen von Wundpatientinnen und -patienten macht die Hitze dabei besonders zu schaffen:

Menschen, die aufgrund einer Venenerkrankung oder eines Lymphödems eine Kompressionstherapie durchführen sowie bettlägerige Personen.

Kompression im Sommer

Patienten mit chronisch-venöser Insuffizienz (CVI) oder Ulcus cruris berichten im Sommer vermehrt von spürbaren Beschwerden wie müden, schweren und schmerzhaften Beinen. 

Gerade bei Hitze ist das konsequente Tragen von Kompressionsstrümpfen oder -verbänden für viele Menschen mit chronischen Wunden eine lästige Herausforderung. Viele Betroffene verzichten deshalb bei warmen Temperaturen auf das Tragen ihrer Kompressionskleidung. Allerdings verursacht die Sommerhitze eine Gefäßerweiterung, die selbst bei gesunden Menschen zu einer erhöhten Ödembildung in Füßen und Unterschenkeln führen kann. Die Kompression bewirkt, dass Blut zurück zum Herzen gepumpt wird, wodurch Schwellungen und die damit verbundenen Beschwerden wirksam gelindert werden. Um Schmerzen oder eine Verschlechterung des Wundzustands zu vermeiden, ist es für Patienten mit Venenerkrankungen oder Lymphödemen besonders wichtig, sich auch in der heißen Jahreszeit für die Kompressionstherapie zu entscheiden.

Folgende Tipps erleichtern das Tragen der Kompression:

  • Das Abduschen oder Anfeuchten der Strümpfe mit kaltem Wasser sorgt für eine angenehme Verdunstungskälte. 
  • In ein Tuch gewickelte Kühlpads, Eisbeutel bzw. Kühlakkus helfen den Körper herunterzukühlen. Pulsstellen wie Hand- und Fußgelenke oder die betroffene Gliedmaße können bedeckt werden. Es ist wichtig, Eisbeutel und Co. nie direkt auf der Haut zu platzieren, da ansonsten lokale Erfrierungen drohen. 
  • Einige Hersteller von Kompressionsstrümpfen bieten speziell für die warmen Sommermonate extra-dünne Strümpfe aus leichten, kühlenden Materialien an.
  • Spezielles Kühlspray oder Kühlgel mit Menthol erfrischen die Beine und verbessern den Blutfluss. Spray oder Gel werden vor dem Anlegen der Kompression auf die betroffene Hautregion gegeben und können bei Bedarf mehrmals täglich verwendet werden.
  • Kompressionsstrümpfe können auch beim Baden oder Schwimmen getragen werden. Damit keine sich im Wasser befindlichen Keime in eine offene Wunde gelangen, sollten betroffene Hautpartien zuvor mit einer Duschfolie abgedeckt werden. Bei gutem Wundschutz können sich die Patienten und Patienten etwa 30 Minuten im Wasser aufhalten.

Wundversorgung von bettlägerigen Menschen im Sommer

Hitzestau in Pflegebetten und Flüssigkeitsmangel erschweren die Wundversorgung bei immobilen Menschen an heißen Sommertagen.

Eine besondere Gefahr ist die Hitze für ältere, immobile Menschen. Personen, die das Bett selten oder gar nicht mehr verlassen können, überhitzen im Sommer schnell. Neben den heißen Temperaturen fördern warme Bettdecken das Schwitzen. Der Schweiß gelangt in Matratze oder Bettwäsche. Kann er nicht schnell genug trocknen entsteht ein Wärmestau. Das feuchtwarme Bettmilieu stellt einen Nährboden für Keime dar, wodurch das Infektionsrisiko von offenen Wunden steigt. Zusätzlich lösen oder verrutschen Wundauflagen bei feuchtem Bettklima schnell und müssen deshalb häufiger gewechselt werden. Häufige Verbandwechsel können den Wundheilungsverlauf stören. Außerdem lässt das Durstgefühl im Alter nach. Es fällt älteren Menschen schwer, einen durch Hitze verursachten Flüssigkeits- und Elektrolytemangel selbstständig mit einer erhöhten Flüssigkeitszufuhr auszugleichen. Darunter leiden die Gedächtnisleistung und auch die Wundheilung.

Folgende Tipps erleichtern die Wundpflege von immobilen Personen im Sommer:

  • Schaumstoffverbände ohne Haftrand eignen sich im Sommer zur Wundversorgung von bettlägerigen Menschen. Schaumstoffverbände sind atmungsaktiv und besitzen eine hohe Saugfähigkeit. Durch das Fehlen des Haftrandes lassen sich die Auflagen häufiger wechseln, ohne dass ein zusätzliches Verletzungsrisiko besteht. 
  • Leichte, atmungsaktive Bettdecke oder Laken als Zudecke verwenden. Es sollten so wenig Kissen bzw. Lagerungshilfen wie möglich zum Einsatz kommen. Das Kopfkissen kann mit einem saugfähigen, schnell zu wechselnden Handtuch bedeckt werden.
  • Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten: Die empfohlene Trinkmenge liegt bei 1,5 bis Liter; bei heißen Temperaturen sollte sie um mindesten einen halben Liter gesteigert werden. Zu den geeigneten Getränken gehören Wasser, Tee oder Fruchtsaftschorlen, die idealerweise Raumtemperatur besitzen. Die Getränke sollten stets in Reichweite stehen, auch nachts. Auch die Ernährung kann an die hohen Temperaturen angepasst werden: Salat, Wassermelonen, Götterspeise und Suppen enthalten viel Flüssigkeit.
  • Die Patientin oder der Patient sollte in einem möglichst kühlen, abgedunkelten Raum untergebracht sein.

Video: Die Haut im Sommer

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Wie bereitet man sich auf die Sommerhitze vor?

  1. Informiert bleiben: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt vorzeitige Hitze- und UV-Warnungen mit Verhaltensempfehlungen auf Landkreisebene aus. Der DWD unterscheidet zwei Risikowarnstufen: einer starken Hitzebelastung ab einer gefühlten Temperatur von 32 °C und einer extremen Wärmebelastung ab einer gefühlten Temperatur von 38 °C
  2. Wohnung / Räume im Sommer möglichst kühl halten: Türen und Fenster tagsüber möglichst geschlossen halten. Rollläden, Jalousien oder Vorhänge sollten ebenfalls geschlossen bleiben und idealerweise aus hitzereflektierenden Materialien bestehen. Das Aufhängen von feuchten Tüchern vor den Fenstern erzeugt Verdunstungskälte und sorgt für eine Abkühlung der Raumtemperatur. Der Einsatz von Klimaanlagen kann in Erwägung gezogen werden. Allerdings ist der Stromverbrauch dieser Geräte hoch. Außerdem erhöhen große Temperatursprünge zwischen Außen- und Innenräumen das Risiko für Erkältungskrankheiten.
  3. Im Gebäude aufhalten: Die kühleren Morgen- oder Abendstunden eignen sich für einen Aufenthalt oder Bewegung im Freien. Schattige Orte ian Grünanlagen oder Plätzen am Wasser sollten dabei bevorzugt werden. Für die heißen und UV-intensiven Mittags- und Nachmittagsstunden ist ein Aufenthalt in Innenräumen empfohlen.
  4. Richtiges Lüften: Nachts Lüften und tagsüber bei Wärme nur wenige Minuten die Fenster öffnen. Zugluft sollte vermieden werden, wenn sich empfindliche Personen in den Räumen aufhalten.
  5. Viel trinken: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 1,5 Liter Wasser am Tag zu trinken. Bei großer Hitze können ein halber bis ein Liter Wasser pro Stunde zusätzlich nötig sein. Tipp: für unterwegs immer eine Trinkflasche dabei haben.
  6. Sonnenschutz: Cremes, Lotionen und Gele mit einem hohen Lichtschutzfaktor schützen die Haut vor UV-A und UV-B-Strahlen. Außerdem sollte bei einem Aufenthalt im Freien eine Kopfbedeckung getragen werden.
  7. Luftige Kleidung: Weite, luftige Kleidung macht die warmen Temperaturen erträglicher.
  8. Für Abkühlung des Körpers sorgen: Fußbäder, kalte Tücher oder ein kühlendes Bad sorgen für Erfrischung.
  9. Anstrengung vermeiden: Zur Schonung des Kreislaufs sollten körperlich fordernde Tätigkeiten auf die Morgen- und Abendstunden gelegt werden.

Literatur

Hitzesommer und ihre Folgen

Laut Robert-Koch-Institut hat sich die durchschnittliche Sterberate im Hitzesommer 2018 um 8 bis 12% erhöht. Eine Klimastudie ermittelte für dasselbe Jahr in Deutschland rund 20200 Todesfälle älterer Menschen, die im Zusammenhang mit sommerlicher Hitze stehen. Schätzungen zufolge ist etwa ein Drittel der in den letzten Jahrzehnten beobachteten hitzebedingten Todesfälle auf die durch den Klimawandel verursachte erhöhte Wärmebelastung zurückzuführen.

Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.