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Chemische Verletzungen

Inhaltsverzeichnis

Wundwissen

Chemische Verletzungen

Chemische Verletzungen entstehen durch Kontakt mit Säuren oder Laugen.

Hier kann sowohl Haut- bzw. Augenkontakt als auch ein Verschlucken der Substanzen gemeint sein. Bei Kontakt zu Säuren oder Laugen wird das Gewebe angegriffen und teilweise zerstört.

Ursache und Entstehung

Symptome

Durch den Kontakt mit Säuren kommt es zu einer Koagulationsnekrose, bei Laugen tritt eine Kolliquationsnekrose auf.

Koagulationsnekrose bedeutet, dass eine Gerinnung der Eiweiße in der Haut auftritt. Die Schäden im Gewebe verhindern oft ein tieferes Eindringen der Säure. Kolliquationsnekrose bedeutet, dass das betroffene Gewebe verflüssigt wird. Eine Laugenverätzung ist somit oft tiefer und schwerwiegender als eine Säureverletzung.

Risikofaktoren

Gefährdete Personen

Verätzungen passieren besonders oft bei Kleinkindern durch Unfälle.

Die Kinder gelangen an schlecht gesicherte Putzmittel, trinken die Substanzen oder Verletzen sich damit. Bei Erwachsenen sind häufig Unfälle die Ursache für Verletzungen. Hierbei handelt es sich besonders um Arbeitsunfälle in der chemischen Industrie.

Risikofaktoren

Gefährdete Körperstellen

Häufig betroffen sind die Haut, Augen, Schleimhäute, Speiseröhre, Magen und Atemwege.

Gerade das Verschlucken von Säuren oder Laugen führt zu weitreichenden Verletzungen im umliegenden Gewebe.

Säuren schädigen eher den Magen als die Speiseröhre, bei Laugen ist es umgekehrt. Die Augen können bei einer Verätzung auch schnell und stark geschädigt werden. Diese Verletzungen können bis hin zu einer Erblindung führen.

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Schweregrad

Das Ausmaß der Verletzung ist immer abhängig von der Art der Säure oder Lauge und der Menge, die Kontakt mit dem Körper hatte.

Die Einteilung in Schweregrade erfolgt analog zu Verbrennungswunden:

  • Grad 1: Hautrötung
  • Grad 2: Blasenbildung, Schädigung der obersten Hautschicht
  • Grad 3: Schädigung tiefer gehender Schichten, kein Schmerzempfinden mehr

Behandlung und Heilung

Behandlung von chemischen Verletzungen

Je nach Art der chemischen Verletzung sollte diese entsprechend behandelt werden.

Laugen und Säuren

Bei Kontakt zu Laugen oder Säuren sollten diese immer sofort mit sehr viel Wasser (15-30 min) gespült werden. Wichtig ist, die Substanzen zu verdünnen und aus dem Gewebe zu waschen, um somit einer weiteren Schädigung vorzubeugen. Bei Verletzung eines Auges sollte dies auch sofort und anhaltend gespült werden.

Ungelöschter Kalk

Vorsicht bei ungelöschtem Kalk: Dieser darf nicht mit Wasser in Kontakt kommen, sondern muss trocken entfernt werden, da er sonst zu stärkeren Verletzungen führt.

Verätzung bei Kindern

Bei Kindern sollte generell ein Arzt aufgesucht werden, eventuell auch die Giftnotzentrale kontaktiert werden. Bei Erwachsenen sollte bei größeren Verletzungen, bei Verschlucken oder Augenkontakt mit den Chemikalien auch ein Arzt aufgesucht werden.

Behandlung und Heilung

Mögliche Komplikationen

Die Säuren oder Laugen können sich tiefer in das Gewebe vorarbeiten, wenn sie nicht ausreichend schnell abgespült werden.

Dadurch können die Verletzungen größer werden. Bei Verschlucken kann es zu Verätzungen der Speiseröhre und des Magens kommen, bis hin zu einer Perforation der Gewebe, was den Lösungen Kontakt zu weiteren inneren Organen ermöglicht.

Wenn die Atemwege verätzt werden, können diese stark anschwellen und dadurch die Atmung behindern. Bei einem Verdacht der Beeinträchtigung der Atemwege sollte deshalb frühzeitig intubiert werden, um die Sauerstoffversorgung sicherzustellen.

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Giftnotruf

  • Baden-Württemberg: (0761) 19 240
  • Bayern: (089) 19 240
  • Berlin: (030) 19 240
  • Brandenburg: (030) 19 240
  • Bremen: (0551) 19 240
  • Hamburg: (0551) 19 240
  • Hessen: (06131) 19 240
  • Mecklenburg-Vorpommern: (0361) 730 730
  • Niedersachsen: (0551) 19 240
  • Nordrhein-Westfalen: (0228) 19 240
  • Rheinland-Pfalz: (06131) 19 240
  • Saarland: (06841) 19 240
  • Sachsen: (0361) 730 730
  • Sachsen-Anhalt: (0361) 730 730
  • Schleswig-Holstein: (0551) 19 240
  • Thüringen: (0361) 730 730

Behandlung und Heilung

Heilungsverlauf

Verätzungen heilen oft ähnlich wie Brandwunden ab.

Oberflächliche, kleine Verletzungen heilen narbenfrei ab, während großflächigere oder auch besonders tief gehende Wunden häufig nur langsam über Narbenbildung abheilen. Dabei kann, ähnlich wie bei einer Verbrennungswunde, eine Hauttransplantation nötig sein.

Nach Verschlucken oder Augenkontakt kann ebenfalls eine Operation nötig sein, um das geschädigte Gewebe wiederherzustellen bzw. zu entfernen.

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Vorbeugung

Schutz gegen eine Verätzung:

  • vorsichtiger Umgang mit chemischen Mitteln
  • Schutzausrüstung
  • klare Kennzeichnung von gefährlichen Substanzen
  • Kindern den Zugang zu diesen Mitteln verwehren

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Die Autoren

Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.

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