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Akute Wunden

Chemische Verletzungen, Verätzungen

Chemische Verletzungen sind Schädigungen von Haut, Schleimhaut oder Organen durch Kontakt mit chemischen Substanzen.

Inhaltsverzeichnis

Am häufigsten verursachen Säuren oder Laugen chemische Verletzungen. Weitere Bezeichnungen für derartige Verletzungen sind Verätzung oder chemische Verbrennung. Die Exposition mit Säuren oder Laugen löst vergleichbare Gewebsschädigungen wie eine thermische Verletzung, z. B. durch heiße Flüssigkeiten, aus. Deshalb erfolgt die Behandlung chemischer Verletzungen im Rahmen der Verbrennungsmedizin.

Säuren und Laugen lösen unterschiedliche Gewebsreaktionen und -schädigungen aus. Bei chemischen Verletzungen durch Säuren gerinnen (koagulieren) die Proteine im Zellinneren. Es entsteht eine Koagulationsnekrose. Obwohl die Zellen abgestorben sind, hat das Gewebe durch die Koagulation der funktionsuntüchtigen Proteine noch eine Reststabilität über Tage bis Wochen. Laugen hingegen lösen eine Kolliquationsnekrose aus. Hier ist das Gegenteil von einer Koagulation der Fall. Kontakt mit einer Lauge verflüssigt (liquefiziert) die Gewebestrukturen. Dadurch verliert das Gewebe umgehend seine Stabilität.

Chemische Verletzungen

Beurteilung des Schweregrads

Die Schwere einer chemischen Verletzung hängt von der Art und Menge der Säure oder Lauge ab, die Kontakt mit dem Körper hatte.

Die Reststabilität des abgestorbenen Gewebes bei Säureverletzungen schützt meist vor einem weiteren Eindringen der Säure in tiefere Strukturen. Bei einer Laugenverletzung ist diese Reststabilität nicht gegeben. Durch das verflüssigte Gewebe kann die Lauge schnell noch tiefer ins Gewebe gelangen und dort weitere Schäden verursachen.

Die Klassifikation der Tiefe von chemischen Verbrennungen erfolgt analog zu thermischen Verbrennungswunden [1]:

Grad: Betroffene Hautschichten und Klinik

Grad 1: Epidermis

Rötung, starker Schmerz, wie Sonnenbrand

Grad 2a: Oberflächliche Dermis

Blasenbildung, Wundgrund rosig und rekapillarisierend, starker Schmerz, Haare fest verankert

Grad 2b: Tiefe Dermis (mit Hautanhangsgebilden)

Blasenbildung, Wundgrund blasser und nicht oder schwach rekapillarisierend, reduzierter Schmerz, Haare leicht zu entfernen

Grad 3: Komplette Dermis

Trockener, weißer, lederartig harter Wundgrund, keine Schmerzen, keine Haare mehr vorhanden

Grad 4: Unterhautfettgewebe, Muskelfaszie, Muskeln, Knochen

Verkohlung

Chemische Verletzungen

Risikofaktoren

Unfälle mit Reinigungsmitteln im Haushalt führen häufig zu chemischen Verletzungen.

Besonders Kleinkinder sind gefährdet, Verätzungen zu erleiden. Kinder sind sich der Gefahr nicht bewusst und spielen auch mit Putzmitteln oder anderen Chemikalien, wenn sie in Reichweite sind. Dabei können sie sich mit den chemischen Stoffen übergießen oder sie verschlucken.

Erwachsene erleiden chemische Verletzungen meist im Alltag beim Umgang mit Putzmitteln. Schnell können Entkalker, Rohrreiniger und andere flüssige Reinigungsmittel ins Gesicht oder auf andere ungeschützte Körperstellen spritzen. Aber auch pulverförmige Reinigungsmittel können sich auf ungeschützten Hautstellen verteilen oder sogar unabsichtlich eingeatmet werden. Erwachsene in Berufen, in denen mit chemischen Stoffen umgegangen wird, sind einem besonders hohen Risiko für eine chemische Verletzung ausgesetzt.

Chemische Verletzungen

Vorbeugung

Während beim beruflichen Umgang mit Chemikalien vom Arbeitgeber auf die Beachtung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen geachtet wird, geht man im Alltag oft zu sorglos mit diesen Substanzen um.

Maßnahmen zum Schutz gegen eine Verätzung:

  • Vorsichtiger Umgang mit chemischen Stoffen: Informieren Sie sich vor der Verwendung über die korrekte Anwendung, Warnhinweise und Schutzmaßnahmen im Umgang mit dem jeweiligen Stoff. Beachten Sie die Angaben auf dem Etikett.
  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Dazu gehören Schutzbrille, Handschuhe, Mundschutz und Kittel. Die erforderliche Schutzausrüstung ist unter den Anwendungshinweisen ersichtlich.
  • Kennzeichnung von chemischen Substanzen: Alle chemischen Substanzen sind potenziell gefährlich. Deshalb sollten Reinigungsmittel und ähnliches grundsätzlich im Originalbehältnis mit gut lesbarer Beschriftung aufbewahrt werden. Werden chemische Stoffe in andere Behältnisse umgefüllt, sollten sie korrekt beschriftet werden. Dazu gehören die Zusammensetzung, Anwendungs- und Warnhinweise, Schutzmaßnahmen, Haltbarkeit sowie Datum der Abfüllung.
  • Sichere Aufbewahrung: Chemische Stoffe sollen außerhalb der Reichweite von Kindern, Tieren und Personen mit eingeschränktem Urteilsvermögen aufbewahrt werden. Auf diese Weise kann gefährlichen Situationen vorgebeugt werden.

Maßnahmen nach Haut- oder Augenkontakt

Betroffene mit chemischen Verletzungen sollten immer ärztlich vorgestellt werden. Die stationäre Behandlung von chemischen Verletzungen wird in einem Zentrum für Brandverletzte durchgeführt.

Grundsätzlich gilt bei einem Kontakt von Haut oder Augen mit Chemikalien, dass schnell und mindestens 20 Minuten lang mit kaltem Wasser gespült werden soll. Die Kleidung über betroffenen Hautstellen muss zuvor vollständig entfernt werden. Auf diese Weise soll eine zügige, möglichst vollständige Entfernung der Substanz ermöglicht werden. Denn Säuren oder Laugen können sich tiefer in das Gewebe vorarbeiten, wenn sie nicht ausreichend abgespült werden.

Die lange Spülung mit Wasser dient außerdem der Wiederherstellung eines neutralen pH-Werts auf der Haut. Falls durch die Verätzung auch Blasen entstanden sein sollten, sollten diese in der Klinik geöffnet und gespült werden, um auch dort wieder einen neutralen pH-Wert herzustellen. Spalthauttransplantationen sind bei Verätzungen im Gegensatz zu thermischen Verletzungen nach aktuellen Erkenntnissen meist nicht vorteilhaft [1].

Versorgung

Nachdem die zu behandelnde Stelle gründlich mit Wasser gespült wurde, wird diese - egal wie groß - mit keimfreien Verbandtüchern oder sterilen Kompressen (Draco Mullkompressen, Draco Vlieskompressen) locker komplett abgedeckt. Bei der Abdeckung ist darauf zu achten, dass die Kompressen nur mit Fingerspitzen am Rand aus der Verpackung entnommen werden. Im besten Fall werden sterile Einmalhandschuhe oder eine Pinzette aus dem Verbandkasten genutzt.

Fixiert werden die Kompressen evtl. mit dem aus dem Verbandkasten innenliegenden Dreiecktuch, mit Mullbinden (DracoElfi, DracoSumbi) oder mit einem Rollenpflaster (DracoSilk). Alternativ besteht auch die Möglichkeit die Ränder der sterilen Mullkompressen mit einem kleinen Klebevliesstreifen (DracoFixiermull stretch) zu befestigen.

Sollten schwierige Körperstellen zu verbinden sein, wie z.B. Ellenbogen oder Knie, ist es vorteilhaft, die Bindengänge über Kreuz zu wickeln. Das bringt eine bessere Stabilität mit sich. Das in Mitleidenschaft gezogene Körperteil wird dann im weiteren Verlauf so wenig wie möglich bewegt und hochgelagert.

Chemische Verletzungen

Maßnahmen nach Verschlucken oder Einatmen von chemischen Stoffen

Wenn die Substanz bekannt ist, sollten die Anweisungen des Herstellers oder des regionalen Giftnotrufes befolgt werden.

Mundraum, Speiseröhre und der Magen-Darm-Trakt werden durch Verschlucken von chemischen Stoffen verätzt. Grundsätzlich sollten Betroffene die verschluckte Substanz nicht wieder erbrechen. Dadurch könnten weitere Gewebsschäden verursacht werden. Stattdessen sollten die ätzenden Chemikalien durch Trinken von Wasser oder Tee verdünnt werden. Die konkreten Maßnahmen sind abhängig von der verschluckten Substanz.

Beim Einatmen von Dämpfen oder Pulvern können die Atemwege verätzt werden. Als Reaktion können diese stark anschwellen und dadurch die Atmung behindern. Bei einem Verdacht auf eine Verätzung der Atemwege sollte deshalb frühzeitig intubiert werden, um die Sauerstoffversorgung sicherzustellen.

 

Giftnotruf

  • Baden-Württemberg: (0761) 19 240
  • Bayern: (089) 19 240
  • Berlin: (030) 19 240
  • Brandenburg: (030) 19 240
  • Bremen: (0551) 19 240
  • Hamburg: (0551) 19 240
  • Hessen: (06131) 19 240
  • Mecklenburg-Vorpommern: (0361) 730 730
  • Niedersachsen: (0551) 19 240
  • Nordrhein-Westfalen: (0228) 19 240
  • Rheinland-Pfalz: (06131) 19 240
  • Saarland: (06841) 19 240
  • Sachsen: (0361) 730 730
  • Sachsen-Anhalt: (0361) 730 730
  • Schleswig-Holstein: (0551) 19 240
  • Thüringen: (0361) 730 730

Behandlung und Heilung

Heilungsverlauf

Verätzungen heilen oft ähnlich wie Brandwunden ab.

Oberflächliche, kleine Verletzungen heilen narbenfrei ab, während großflächigere oder auch besonders tief gehende Wunden häufig nur langsam über Narbenbildung abheilen. Dabei kann, ähnlich wie bei einer Verbrennungswunde, eine Hauttransplantation nötig sein.

Nach Verschlucken oder Augenkontakt kann ebenfalls eine Operation nötig sein, um das geschädigte Gewebe wiederherzustellen bzw. zu entfernen.

Vorbeugung

Schutz gegen eine Verätzung:

  • vorsichtiger Umgang mit chemischen Mitteln
  • Schutzausrüstung
  • klare Kennzeichnung von gefährlichen Substanzen
  • Kindern den Zugang zu diesen Mitteln verwehren

S2k-Leitlinie „Behandlung thermischer Verletzungen des Erwachsenen“ (Registernummer 044-001), Stand 01.08.2018, gültig bis 01.08.2020, Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin e. V. (DGV)

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Die Autoren

Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.

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