Was verbirgt sich hinter Medikamendo?
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Was verbirgt sich hinter Medikamendo?

Aktuell werden MFA und Apothekenteams zunehmend mit Fragen zur Plattform Medikamendo konfrontiert. Das Unternehmen will Patienten und Patientinnen den Erhalt von Folgerezepten und Medikamenten erleichtern.

Die Digitalisierung nimmt stetig zu. Das bezieht sich nicht nur auf Arztpraxen und Apotheken, sondern auch auf übergeordnete Angebote wie die Plattform medikamendo.de. Sie will beim Thema E-Rezept alle Beteiligten miteinander verbinden und auf diese Weise zusätzlichen Service bieten. Das System hat allerdings Tücken. 

So funktioniert das Konzept: Der Prozess startet mit der Anmeldung des Patienten oder der Patientin auf der Medikamendo-Website. Hier legt die betreffende Person ein Konto an und wählt den behandelnden Arzt oder die Ärztin aus einer hinterlegten Liste aus. Zusätzlich wählt der Patient oder die Patientin den Lieferweg des benötigten Medikaments: per Post oder an eine lokale Apotheke.  

Mit wenigen Klicks wird schließlich die Anfrage für ein Folgerezept ausgelöst, die automatisch bei der Arztpraxis landet. Dort ist es Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, die Daten zu prüfen und gegebenenfalls das entsprechende E-Rezept auszustellen. Da die Wahl der Apotheke im Vorfeld erfolgt, sendet das Praxisteam das E-Rezept direkt dorthin. Die Mitarbeitenden in der Apotheke verschicken daraufhin das Präparat oder legen es zur Abholung bereit. Das heißt auch: Ein Kontakt zum Arzt oder zur Ärztin findet nicht statt 

Die Kommunikation zwischen den Beteiligten wickelt Medikamendo also komplett digital ab. Die Plattform bewirbt ihren Service als zeitsparende und unkomplizierte Alternative zum Ausstellen von Folgerezepten in der Sprechstunde. Auf der Website nennt Medikamendo eine Zahl von 80.000 gelisteten Ärzten und 7.000 teilnehmenden Praxen. Als problematisch gilt jedoch, dass viele der aufgeführten Ärzte und Ärztinnen einer Teilnahme gar nicht zugestimmt haben, obwohl das eigentlich Voraussetzung für eine Kooperation ist. Sie erhalten daher Anfragen auf Folgerezepte – und müssen entscheiden, wie sie damit umgehen. Die Patienten und Patientinnen werden nicht darüber informiert, ob die für sie zuständige Arztpraxis aktiver Partner von Medikamendo ist. Zudem geben sie umfangreiche Daten von sich preis. 

Das sollten MFA in Arztpraxen beachten 

Falls bei Ihnen in der Praxis noch keine E-Mails von Medikamendo eingegangen sind, sollten Sie das Thema mit der ärztlichen Leitung besprechen. Fachleute bezeichnen den fehlenden Kontakt zwischen Patienten und Patientinnen und den Arzt oder der Ärztin als problematisch. In Fällen, wo tatsächlich nur routinemäßig Folgerezepte ausgestellt werden, kann Medikamendo jedoch zur Entlastung beitragen, da beispielsweise die Zahl an Anrufen in der Praxis sinkt. Ist eine Zusammenarbeit mit der Plattform nicht gewünscht, kann es sinnvoll sein, bei Anfragen aktiv Kontakt zu den jeweiligen Patienten und Patientinnen aufzunehmen. 

Tipp: Einige Praxen haben auf ihrer Website bereits eine eigene Möglichkeit geschaffen, ein Folgerezept zu beantragen. 

Vorteile für Apothekenteams 

Für Apotheken bringt Medikamendo einen großen Vorteil mit sich: Sie generieren zusätzliche Umsätze. Werden die Medikamente verschickt, können die Apotheken sogar in Konkurrenz zu Online-Apotheken treten.  

Was verbirgt sich hinter Medikamendo?
Die Autorin Dr. Christine von Reibnitz
Dr. Christine von Reibnitz, Referentin Gesundheitspolitik und Krankenkassenmanagement

Dr. von Reibnitz ist promovierte Gesundheitswissenschaftlerin und Hochschuldozentin im Bereich des Gesundheitsmanagement. Seit 2013 ist sie bei Dr. Ausbüttel zuständig für den Bereich Krankenkassenmanagement und Expertin für die Themen Abrechnung und Recht.