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Erfahrungsbericht über die Reise mit den German Doctors nach Kalkutta (Indien)

01.02.2021, Avatar of SteffiSteffi - Erfahrungsberichte

Genau vor einem Jahr konnte ich mit einer Kollegin durch die Unterstützung meines Arbeitgebers Dr. Ausbüttel mit den German Doctors nach Kalkutta reisen, um mir dort die wertvolle Arbeit vor Ort anzuschauen. Bilder die man nie vergisst! Diese Erfahrungen möchte ich hier mit Euch teilen.

German Doctors e.V. entsendet deutsche Ärztinnen und Ärzte für Kurzzeiteinsätze in medizinische Notstandsgebiete. In acht Projekten auf den Philippinen, in Indien, Bangladesch, Kenia und Sierra Leone helfen sie auf freiwilliger und unentgeltlicher Basis, Krankenstationen zu betreiben und Patienten zu behandeln, die dringend auf medizinische Hilfe angewiesen sind. Die eingesetzten Mediziner arbeiten in ihrem Jahresurlaub oder im Ruhestand für einen Zeitraum von 6 Wochen und verzichten dabei auf jegliche Vergütung.

Kalkutta liegt wahrscheinlich nicht gerade auf der Standardroute eines Indien-Reisenden, und ich würde auch nicht unbedingt jedem raten Kalkutta zu besuchen. Kalkutta wühlt auf, Kalkutta macht nachdenklich, Kalkutta ist Stress – und doch bin ich sehr froh dort gewesen zu sein. Kalkutta gibt Einblicke in eine fremde, teilweise unverständliche Kultur.

Der erste Eindruck von Kalkutta: Sprachlosigkeit. Auf dem Weg vom Flughafen zur Ärztewohnung der German Doctors zwängen wir uns durch die verstopften Straßen.  Der Straßenlärm ist ohrenbetäubend, die Straßen selbst unfassbar staubig. Hinzu kommen der  ganze Schmutz, die vielen Menschen (14 Mio. im Großraum Kolkata/Kalkutta) sowie unzählige Straßenläden und Garküchen. Überall wird im Freien gekocht, auch mit Lagerfeuer am Straßenrand, neben den rasenden Bussen. Alle Autos hupen immer (!) von morgens um 5 bis  nachts um 12. Alle Menschen laufen quer über die Straßen, ungeordnet wie Hühner, Leute schlafen auf dem Bürgersteig.

Eines hat mich besonders stark irritiert. Kalkutta ist doch tatsächlich die einzige Stadt im ganzen Land, in der es noch Menschenrikschas gibt. Sie werden als Personentaxis, aber auch für den Transport von schweren Lasten eingesetzt. Im restlichen Indien ist der Betrieb dieses Verkehrsmittels mittlerweile verboten. Das ist jetzt sicher kein erstrebenswerter Beruf, denn die Arbeit ist hart und schlecht bezahlt. Aber die Aussichten für Leute aus den unteren gesellschaftlichen Schichten sind so schlecht, dass sie keine andere Einkommensmöglichkeit haben. Aus diesem Gesichtspunkt ist es schwer, den Einsatz dieses Verkehrsmittels zu verurteilen. Ich selbst habe eine Rikscha nicht benutzen. Es schien mir auch viel zu dekadent, mich von einem Menschen auf einem Wagen durch die Stadt ziehen zu lassen.

Neben dem scheinbar alltäglichen Chaos erlebte ich in den Ambulanzen der German Doctors die ganze Vielfalt der Beschwerden und Erkrankungen der Menschen aus den Slums von Kalkutta und Howrah sowie der kleinbäuerlichen Bevölkerung aus dem Umland.

Kinder und Babys mit Infekten, Diabetiker und Hypertoniker, Herzkranke, Tuberkulose in jeder Erscheinungsform, schwer verlaufende Infektionskrankheiten, Rachitis, Augenerkrankungen, eiternde alte Wunden und Geschwüre, Brandverletzungen und vieles mehr. Die German Doctors versorgen die Patientinnen und Patienten hier mit Basismedizin. Das heißt, dass man ohne große Geräte, ohne viele Laborbefunde auskommen muss. Die German Doctors benutzen ihre Augen, Hände und das Gehör, um zu erkennen, ob und wie krank die Betroffenen sind. Oftmals ist auch keine Klinik in der Nähe der Slums.

Neben der Behandlung der Ärzte, gibt es auch noch die Sozialarbeiterinnen. Sie fahren gemeinsam mit den Ärzten zu den Ambulanzen, um dort die Patientinnen zu beraten, aufzuklären und Hilfestellung beim Ausfüllen von Anträgen an Regierungsstellen zu geben. Sie leisten Aufklärungsarbeit zu den Themen Familienplanung, sichere Entbindung, Prävention von Krankheiten, Einbindung in staatliche Programme und Beschaffung von essenziellen Dokumenten, wie zum Beispiel Geburtsurkunden.

Als wir durch die Slums von Kalkutta liefen, fiel mir auf, dass hier ganz einfache Sache fehlen: Elektrizität, ausreichende Trinkwasserversorgung, hygienische Abwasser- und Müllentsorgung. Die Einwohner waschen sich in Gewässern, in denen auch die Notdurft verrichtet wird. Es gibt Pumpen mit Zugang zu sauberem Wasser, diese sind meist aber auch ein paar 100 Meter entfernt. In einer Hütte teilen sich im Schnitt sieben Erwachsene und Kinder knapp zehn Quadratmeter. In den fensterlosen Verschlägen wird auch gekocht, auf einem Feuer aus getrocknetem Kuhdung, Holz oder Kohle. Die Rauchentwicklung ist dabei enorm. Die Tuberkulose ist allgegenwärtig in den dunklen feucht-warmen Behausungen der Menschen.

Des Weiteren begleiteten wir eine Mitarbeiterin der Tuberkulose-Ambulanz und den Langzeitarzt der German Doctors in den Elendsvierteln zu Hausbesuchen. Die Sozialarbeiterinnen beraten regelmäßig die Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen und überwachen den Therapieverlauf. Es ist sehr beeindruckend die beengten Lebensverhältnisse der Familien in den Slumszu sehen und zu erleben. Man wird mit einer wahnsinnigen Gastfreundschaft in einer 9-Quadratmeter-Wohnung ohne Tageslicht empfangen, in der bis zu 6 Personen leben. Unvorstellbare Lebensbedingungen für uns hier in Deutschland!

Fazit:

Die Hilfe der German Doctors ist unglaublich wertvoll und wird hier täglich gebraucht! Mir ist noch einmal sehr klar geworden, wie wichtig es ist, sich Einstellung, Sichtweise und Verhalten der Patientin/des Patienten anzuschauen, um Krankheitsentstehung und Therapie besser zu verstehen. Man muss auf die Betroffenen eingehen, sich mit seinem kulturellen, familiären und sozialen Hintergrund beschäftigen und sich in ihn hineinversetzen. Nur so besteht eine Aussicht auf Besserung und Heilung.

Dr. Ausbüttel unterstützt die German Doctors in vielen Projekten ihrer Arbeit. Hier eine kleine Übersicht dazu: https://www.drausbuettel.de/soziales-engagement/soziale-partner

 

Viele Grüße

Steffi

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