WUKO 2023: Erhöhtes Wundrisiko bei Adipositas

WUKO 2023: Erhöhtes Wundrisiko bei Adipositas

Bei Menschen mit Adipositas ist das Risiko für chronische Wunden sowie für Wundheilungsstörungen besonders hoch. Das war auch Thema auf dem Nürnberger Wundkongress (WUKO) 2023.

Etwa jede fünfte Person in Deutschland leidet an Fettleibigkeit (Adipositas), hat also einen Body-Mass-Index (BMI) von über 30. Als Ursache können eine familiäre Disposition (genetische Ursachen) oder eine Reihe weiterer Faktoren eine Rolle spielen. Doch in den meisten Fällen ist das deutliche Übergewicht auch mit einem ungesunden Lebenswandel (mangelnde Bewegung, Fehlernährung) verknüpft. Dies und die möglichen, mit der Fettleibigkeit assoziierten Komorbiditäten erhöhen das Risiko adipöser Menschen für Wundheilungsstörungen und die Entstehung chronischer Wunden. In diesem Zusammenhang besonders relevante Komorbiditäten sind der Diabetes mellitus Typ 2 und Durchblutungsstörungen unterschiedlicher Genese.
 

WUKO 2023: Einfluss von Adipositas auf die Wundheilung

Häufige zusätzliche Risikofaktoren und Komorbiditäten bei Adipositas:

  • Diabetes mellitus Typ 2 mit dem Risiko eines Diabetischen Fußsyndroms und Wundheilungsstörungen
  • Behinderung des venösen Rückstroms (chronische venöse Insuffizienz)
  • Gestörter Lymphabfluss
  • Verengung oder Verschluss arterieller Blutgefäße (Arteriosklerose, periphere arterielle Verschlusskrankheit)
  • unzureichende Durchblutung des Fettgewebes
  • eingeschränkter Blutfluss in den kleinsten Blutgefäßen (Mikrozirkulationsstörungen)
  • gesteigertes Infektionsrisiko
  • Niedriggradige chronische Entzündungsprozesse (chronische low-grade inflammation)
     

WUKO 2023: Typische Wunden bei Adipositas

Die körperliche Verfassung der Betroffenen führt außerdem dazu, dass der Druck auf die Haut beim Sitzen und Liegen durch das Gewicht erhöht ist. Hinzu kommen Umschlagfalten der Haut, die durch Feuchtigkeitsansammlung und Reibung vielfach Herde für Entzündungen sind.

Diese Wunden treten bei Fettleibigkeit besonders häufig auf:

  • Druckgeschwüre (Dekubitus)
  • entzündete Hautfalten (Intertrigo)
  • Geschwüre durch chronische Venenschwäche (Ulkus cruris venosum)
  • Diabetisches Fußulkus (Diabetisches Fußsyndrom)
  • Wunden durch Hautinfektionen
  • postoperative Wundheilungsstörungen
  • Ausbildung papillomatöser Hautveränderungen als Folge eines chronischen Lymphödems (papillomatosis cutis lymphostatica)

Für das Fachpersonal ist es daher empfehlenswert, bei Menschen mit Adipositas besonders sorgfältig auf eventuelle Wunden zu achten und beispielsweise Hautfalten regelmäßig zu kontrollieren.

WUKO 2023: Erhöhtes Wundrisiko bei Adipositas
Die Autorin Dr. Roxane Lorenz
Dr. Roxane Lorenz

Nach ihrem Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum promovierte Dr. Lorenz zum Dr. rer. nat. Seit 2012 ist sie in der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung bei Dr. Ausbüttel tätig, seit 2018 auch als Leiterin dieser Abteilung sowie der Forschungsabteilung.