Diagnose dank Doktor Google?

Diagnose dank Doktor Google?

Die Digitalisierung hält nun auch endlich im Gesundheitswesen Einzug. Das gilt auch für die Online-Recherche eigener Symptome durch Patienten. Die Frage dabei ist: zum Vorteil oder doch eher zum Nachteil der Patientinnen und Patienten?

Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt: fast jeder zweite Patient informiert sich über das Internet zu seinen Symptomen, bevor er seinen Hausarzt aufsucht. Schnell ein paar Worte bei Google eingetippt und schon gibt es die erste Selbstdiagnose. Häufiger als vor dem Arztbesuch wird nach dem Arztbesuch recherchiert. Rund 61% der Patientinnen und Patienten holen sich bei „Doktor Google“ eine Zweitmeinung ein.

Tatsächlich hätte ich gedacht, dass es sogar noch mehr sind, die Dr. Google um Rat fragen, wenn sie bei mir in der Praxis sind. Ich denke, dass zwei zentrale Faktoren eine Rolle spielen, ob die Online-Recherche einen positiven Beitrag zum Behandlungserfolg leisten kann:

Gute Quellen! Es gibt gute und weniger gute Quellen, über die man sich im Internet als Laie zu medizinischen Themen informieren kann. Es ist also keine Überraschung, dass Facebook, Twitter oder Instagram keine Quellen sind, denen man in medizinischen Fragen Vertrauen schenken sollte. Hier habe ich meine persönlichen Top-3-Quellen für Patientinnen und Patienten zusammengestellt!

Folgende Seiten bieten neutral, werbefrei und kostenlos Gesundheitsinformationen für Laien an: 

Für Patientinnen und Patienten, die sich noch intensiver zu einem medizinischen Bereich informieren wollen, empfehle ich auf folgender Seite die Patientenleitlinien in verständlicher Sprache:

Informierte Patientinnen und Patienten! Einige Betroffene haben schon ein sehr solides Grundverständnis über medizinische Themen und lassen sich nicht ganz so schnell durch Informationen aus dem Internet verunsichern. Diese Patientinnen und Patienten mit einer sog. hohen Gesundheitskompetenz sind meiner Erfahrung nach gute Partner im Behandlungsprozess. Anders ist es bei Menschen, die bei einer Recherche nach dem Symptom „Kopfschmerz“ rasch zu der Selbstdiagnose „Hirntumor“ gelangen. Diese „Cyberchondrie“, eine von Symptomgoogeln verursachte Hypochondrie, ist sogar in einer Studie belegt worden: Nach fünf Minuten Recherche zu den empfundenen Symptomen wächst die Angst, ernsthaft erkrankt zu sein, signifikant.

Eine Online-Recherche zu den eigenen Wehwehchen kann also tatsächlich dazu führen, dass sich jemand kranker fühlt, als er ist, und es zu einem ungünstigeren Krankheitsverlauf kommt. Ich empfehle meinen Patienten daher gerne die oben aufgeführten Informationsquellen und bekräftige noch einmal, dass Dr. Google in zwei von drei Fällen komplett daneben liegt. Fünf Minuten Suchen im Internet ersetzen eben doch nicht eine mehrjährige Ausbildung oder ein Studium.

Fühlt sich eine Patientin oder ein Patient immer noch außergewöhnlich krank, ohne dass es aus medizinischer Sicht bestätigt werden kann, kann man den Betroffenen folgende Empfehlungen nahelegen:

  • Autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Meditation: Schon durch kleinere Übungen kann man es schaffen, von einem gestressten in einen entspannten Zustand zu gelangen. Das erfordert Ruhe und Übung, ist aber erfahrungsgemäß sehr hilfreich, um kurzzeitig einmal „abzuschalten“.
  • 30 Minuten Bewegung am Tag: Egal ob ein einfacher Spaziergang oder Gewichte-Stemmen im Fitnessstudio. Eine halbe Stunde Bewegung am Tag beugt der Entstehung von Depressionen vor. Und das Symptome-Googeln kann die Entstehung von Depressionen tatsächlich verursachen.
  • Zweitmeinung einholen: Manchmal kann es passieren, dass eine Ärztin oder ein Arzt vielleicht etwas übersieht. Um die Patientinnen und Patienten ernst zu nehmen kann man empfehlen, sicherheitshalber eine Zweitmeinung einzuholen.

Bei einer starken Abhängigkeit von Doktor Google sollte man allerdings überlegen, sich professionelle Hilfe zu suchen. Dann kann eine Psychotherapie helfen, den Fokus neu auszurichten und seine Sorgen und Ängste systematisch und in einem sicheren Rahmen anzugehen.

Wie internetaffin sind Eurer Patientinnen und Patienten? Wie geht Ihr mit Betroffenen um, die Google (zu) viel Vertrauen schenken? Habt Ihr noch weitere Tipps oder gute Internetquellen?

Viele Grüße

Steffi

Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi, MFA mit Leidenschaft

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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