KI in Apotheken: Entlastung mit Risiken und neuen Verantwortungen
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KI in Apotheken: Entlastung mit Risiken und neuen Verantwortungen

KI-Systeme sparen viel Arbeit und Zeit, brauchen jedoch klare Regeln für Haftung sowie Sicherheit und erfordern den passenden Versicherungsschutz.

Immer mehr Apotheken setzen auf digitale Assistenzsysteme mit künstlicher Intelligenz, um den wachsenden Druck durch fehlendes Personal, regulatorische Vorgaben und wirtschaftliche Herausforderungen abzufangen. KI ersetzt in immer mehr Apotheken Arbeitsstunden, indem sie wiederkehrende Aufgaben wie Rezeptprüfungen, Lagerbestandsanalysen oder die Kommunikation mit Arztpraxen und Großhändlern übernimmt. 

Rechtliche und versicherungstechnische Probleme lösen 

Auch wenn KI-Systeme schon viele Arbeitsschritte durchführen, steuern und vorstrukturieren: Letztlich liegt die Verantwortung – und damit auch die Haftung im Fall von KI-Fehlern – bei den Apothekerinnen und Apothekern. Je stärker die Systeme jedoch mit dem Apothekenalltag verwoben sind, desto schwerer wird es, ihre Beiträge nachzuvollziehen und zu prüfen. Apothekenleitungen gehen hier ins Risiko und stoßen auf rechtliche sowie versicherungstechnische Probleme. 

Dies merken auch die Versicherer: Immer häufiger bekommen sie Anfragen, in denen Apothekerinnen und Apotheker ihre „digitalen Einheiten“ in die Berufshaftpflicht- oder Betriebsausfallversicherung einbinden wollen. Unklar bleibt oft, wer beispielsweise haftet, wenn eine automatisierte Bestellung fehlschlägt, Warenlageranalysen fehlerhaft sind oder KI-generierte Rezeptkorrekturen schlicht nicht bemerkt werden. Ohne eine klare Rollenzuweisung und Abgrenzung zwischen Apothekenteams und KI-Systemen steigt das Risiko für Schäden mit Pflichtverletzungen, die sich schwer nachweisen und zuordnen lassen. 

Dynamischer und unübersichtlicher Markt für KI-Anwendungen im Apothekenbereich 

Hinzu kommt: Der Markt für KI-Anwendungen im Apothekenbereich ist dynamisch und unübersichtlich. Viele Anbieter versprechen Effizienzgewinne, liefern jedoch keine verbindlichen Standards für Dokumentation, Rollenklärung oder Prüfprozesse. In der Praxis lassen sich Mischformen aus menschlicher und technischer Arbeit nicht verhindern. Und Verantwortungsfragen bleiben trotzdem offen. Auch das birgt betriebswirtschaftliche und versicherungstechnische Risiken. 

Für Apothekerinnen und Apotheker empfiehlt es sich, sich bewusst zu machen, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz nicht nur Abläufe verändert, sondern auch die gesamte Art und Weise, wie Verantwortung organisiert wird. Und das in einer Branche, in der Sicherheit und Nachvollziehbarkeit zu den höchsten Gütern zählen. Automatisierte Entscheidungen müssen daher transparent bleiben und sich eindeutig zuordnen lassen. Fehler durch KI sind Teil des Betriebsrisikos und sollten von Apothekerinnen und Apothekern eingeplant werden. 

Tipps für den risikoarmen Einsatz von KI 

Um das Risiko durch den Einsatz von KI zu senken, gilt es für Apothekerinnen und Apotheker drei zentrale Schritte umzusetzen:  

  • Erstens: klären und schriftlich festhalten, wer welche Aufgaben ausführt – Menschen oder KI-Systeme 
  • Zweitens: Risiken analysieren, die durch technische Fehler oder fehlerhafte Automatisierung entstehen könnten, und diese versicherungstechnisch bewerten und absichern 
  • Drittens: alle Mitarbeitenden professionell schulen, so dass alle ihre Verantwortungsbereiche genau kennen 

Wer KI-Assistenzsysteme richtig in den Apothekenalltag integriert, der kann sogar die Qualität verbessern, Fehler reduzieren, die Versorgung stabilisieren und Geld sparen. Die entscheidende Frage lautet weniger, ob die Technik genutzt wird, sondern wie sie sich – rechtlich abgesichert und verantwortungsvoll gesteuert – in den Apothekenbetrieb einfügt. 

KI in Apotheken: Entlastung mit Risiken und neuen Verantwortungen
Die Autorin Dr. Christine von Reibnitz
Dr. Christine von Reibnitz, Referentin Gesundheitspolitik und Krankenkassenmanagement

Dr. von Reibnitz ist promovierte Gesundheitswissenschaftlerin und Hochschuldozentin im Bereich des Gesundheitsmanagement. Seit 2013 ist sie bei Dr. Ausbüttel zuständig für den Bereich Krankenkassenmanagement und Expertin für die Themen Abrechnung und Recht.