Fallbeispiel: Sekundärheilende Wunde nach Angelhakenverletzung

Frau Dr. K. ist 44 Jahre alt, Chemikerin in der Entwicklungsabteilung eines Pharmaunternehmens und in ihrer Freizeit passionierte Anglerin. Auf einer Hochseeangeltour kommt es an Bord bei Wellengang zu einem Sturz – und damit zu einer Verletzung an der linken Wade durch den eigenen Angelhaken. Aus der zunächst harmlos wirkenden Läsion entwickelt sich eine Infektion, die schließlich eine chirurgische Entlastung und ein Débridement erforderlich macht. Die Wunde soll nun sekundär abheilen.

Geschlecht

weiblich

Alter

44 Jahre

Führende Wundursache

Traumatische Angelhakenverletzung mit Infektion

Diabetes mellitus

ja (Typ 2)

Risikofaktoren

Diabetes mellitus Typ 2, pAVK Stadium 1, moderates Inaktivitätsödem

Lokalisation der Wunde

Unterschenkel links, lateral (Wade)

Infizierte Wunde?

ja (im Verlauf; keine Abstrichentnahme dokumentiert)

Wundart

akut/sekundärheilend nach chirurgischer Entlastung und Débridement

Wundgrund

subkutanes Fettgewebe, Granulation, Fibrinbeläge

Wundumgebung

unauffällig

Wundrand

initial leicht gerötet und geschwollen, später intakt

Exsudation

initial wenig, serös-trüb; im Verlauf wenig, serös-klar

Ausgangssituation

Beim Hochseeangeln in Florida stolpert Frau Dr. K. auf dem Schiff bei Wellengang und verletzt sich mit dem eigenen Angelhaken an der linken Wade. Der Wunde wird zunächst wenig Beachtung geschenkt und sie wird lediglich mit einem Pflaster abgedeckt. Im weiteren Verlauf infiziert sich die Verletzung.

Nach der Rückkehr nach Deutschland ist Mitte Juni eine chirurgische Entlastung mit Débridement notwendig. Die Wunde soll anschließend sekundär verheilen. Die Hausärztin empfiehlt die weitere Versorgung durch einen spezialisierten Pflegedienst.

Anamnese

Diagnose

Der Wundverlauf auf einen Blick

Foto 1
Foto 2
Foto 3

Behandlungs- und Heilungsverlauf

Die Wunde zeigt sich bei der Erstvorstellung als sekundärheilende Läsion am linken Unterschenkel (Wade) lateral. Sie ist 20 mm lang, 10 mm breit und bis maximal 14 mm tief (Foto 1). Der Wundgrund besteht aus subkutanem Fettgewebe mit Granulation und Fibrinbelägen. Der Wundrand ist leicht gerötet und geschwollen, die Wundumgebung unauffällig. Es besteht ein moderates Inaktivitätsödem. Die Exsudation ist gering, serös und trüb. Frau Dr. K. verspürt leichte Schmerzen bei der Wundreinigung (NRS 3). Ein Abstrich wird nicht entnommen.

Wundversorgung

  • Es wurde eine PHMB-haltigen Salbe (0.04%) aufgetragen.
  • Die Abdeckung erfolgte mit der sterilen Draco Saugkompresse.
  • Dann wurde alles mit dem DracoFixiermull stretch fixiert.
  • Zum Schluss wurde ein Unterschenkel-Mehrkomponentenkompressionsverband angebracht
  • Verbandwechsel soll alle 3 Tage stattfinden

Verlauf nach 2 Wochen

Nach zwei Wochen misst die Wunde 19 mm in der Länge, 12 mm in der Breite und maximal 10 mm in der Tiefe (Foto 2). Der Wundgrund zeigt blasse Granulation mit Fibrinbelägen sowie Hämatomreste; stellenweise ist eine Epithelisierung vom Rand erkennbar. Der Wundrand ist intakt, die Wundumgebung weiterhin unauffällig. Die Exsudation ist sehr gering, serös und trüb.

Auffällig ist eine Verschlechterung der Schmerzsituation: Frau Dr. K. berichtet über mäßige Schmerzen auch in Ruhe (Numerische Rating-Skala 4–5). Die Fußpulse sind nur schwach tastbar; eine KADI/ABI-Messung wird veranlasst und ergibt 0,8. Parallel bemerkt die Patientin erhöhte Blutzuckerwerte. Es erfolgt die Empfehlung zur zeitnahen Vorstellung bei der Hausärztin zur Überprüfung der Diabeteseinstellung sowie zur angiologischen Abklärung der Durchblutung, um Komplikationen und Wundheilungsverzögerungen zu vermeiden.

Frau Dr. K. ist über den Allgemeinzustand enttäuscht und hofft auf schnelle Genesung, damit sie uneingeschränkt ihren normalen Tätigkeiten nachgehen kann.

Wundversorgung

  • Die bisherige Versorgung wird fortgeführt.
  • Zusätzlich wird das DracoAlgin angefeuchtet und als Wundfüllung locker eingelegt (ohne Epithelgewebe zu bedecken). Dies soll zur besseren Feuchtigkeitserhaltung und Belaglösung dienen.
  • Das Verbandwechselintervall wurde auf alle 4 Tage verlängert.

Weiterer Verlauf (weitere 2 Wochen später)

Weitere zwei Wochen später ist die Wunde 15 mm lang, 9 mm breit und maximal 10 mm tief (Foto 3). Der Wundgrund zeigt subkutanes Fettgewebe, Granulation und noch vorhandene Fibrinbeläge; die Epithelisierung vom Rand schreitet voran. Der Wundrand ist intakt, die Wundumgebung unauffällig. Die Exsudation ist gering, serös und klar. Die Schmerzen sind deutlich reduziert (NRS 1–2), auch in Ruhe.

Die angiologischen Untersuchungen bestätigen eine pAVK Stadium 1 (leichte Durchblutungsstörung). Eine medikamentöse Therapie wird eingeleitet. Die Diabetes-Kontrolle ergibt wieder normnahe Werte, somit wird eine erneute Diabetesberatung geplant, da die vorübergehend erhöhten Werte vermutlich einer Fehlernährung in den letzten Wochen zuzuordnen sind.

Da Frau Dr. K. in den kommenden drei Wochen beruflich in der Türkei sein wird und aufgrund ihrer beruflichen Situation wiederholt Terminschwierigkeiten hat, erfolgt eine strukturierte Anleitung zur Selbstversorgung. Zur sicheren und praktikablen Kompression in Eigenanwendung wird die Versorgung von einem Verband auf ein Klettsystem umgestellt, das die Patientin selbstständig gut anlegen kann. Die lokale Wundversorgung wird beibehalten.

Abschluss

Nach insgesamt acht Wochen berichtet Frau Dr. K. telefonisch, dass die Wunde vollständig abgeheilt ist. Sie bedankt sich für all die Hilfe und verkündet voller Freude, dass die nächste Angeltour schon geplant sei. 

Bitte beachten Sie, dass es sich hier um ein konkretes Fallbeispiel handelt, das nur eine mögliche Behandlungsoption darstellt. Beachten Sie zudem, dass wir nicht gewährleisten können, dass in den von uns dargestellten Fallbeispielen ausschließlich Produkte von DRACO® zur Anwendung gekommen sind.

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