Fallbeispiel: Ulcus hypertonicum Martorell
Eine 89-jährige Patientin mit der Diagnose Ulcus hypertonicum Martorell litt mehrere Monate unter chronischen Wunden am rechten Unterschenkel, bedingt durch einen langjährig unzureichend eingestellten Bluthochdruck. Trotz der anfänglich langsamen Heilung und wiederkehrender Herausforderungen gelang es durch eine konsequente Wundversorgung, angepasste Medikation und gezielte Patientengespräche, die Wunden vollständig zur Abheilung zu bringen.
Lesedauer: ca. 8 Minuten
Geschlecht
weiblich
Alter
89 Jahre
Wundursache
Ulcus hypertonicum Martorell
Diabetes mellitus
nein
Risikofaktoren
arterielle Hypertonie, chronische Niereninsuffizienz (Stadium II), leichte bis mittelgradige Mitralklappeninsuffizienz, hochgradige Trikuspidalklappeninsuffizienz
Lokalisation der Wunde
Unterschenkel rechts
Wundart
chronisch
Wundgrund
Biofilm, Fibrin
Wundumgebung
rissig, trocken, schuppig
Wundrand
leicht gerötet
Exsudation
wenig, serös, trüb, geruchlos
Ausgangssituation
Die 89-jährige Frau S. hat seit etwa einem Monat zwei Wunden am rechten Unterschenkel. Aufgrund zunehmender Schmerzen und bekannter Vorerkrankungen stellt sie sich auf Anraten ihrer Hausärztin in einer spezialisierten pflegerischen Einrichtung vor. Dort werden die Wunden mit sterilen Kompressen und einer elastischen Fixierbinde versorgt, die Verdachtsdiagnose lautet Ulcus cruris venosum oder venös-arterielles Ulcus. Es ist Frau S. sehr wichtig, dass ihre Wunden abheilen, da sie ihre Mobilität am Rollator behalten möchte.
Anamnese
Diagnose
Das Herz besitzt zwei unterschiedliche Typen von Herzklappen – Segel- und Taschenklappen. Die Segelklappe der linken Herzkammer wird als Mitralklappe bezeichnet und besitzt zwei Segel. Die Segelklappe der rechten Herzkammer heißt Trikuspidalklappe und besteht aus drei Segeln. Bei einer Insuffizienz der Segelklappen schließen diese zwischen dem Vorhof und der Herzkammer nicht mehr dicht.
Der Wundverlauf auf einen Blick
Behandlungs- und Heilungsverlauf
Erste Wundbeschreibung, 08.04.2025(Foto 1): Die untere Wunde (distal) hat eine Länge von 0,8 cm, eine Breite von 0,5 cm und eine Tiefe von 3 mm. Die obere Wunde (proximal) ist 0,8 cm lang, 1,1 cm breit und ebenfalls 3 mm tief. Der Wundgrund beider Wunden ist mit Biofilm und Fibrin belegt, der Wundrand bei beiden stellenweise leicht gerötet. Die Umgebungshaut ist rissig, trocken und schuppig. Beide Wunden exsudieren wenig, serös, trüb und geruchlos. Darüber hinaus zeigen sich leichte Unterschenkelödeme nach KADI (Knöchel-Arm-Index): 1 (Arteria tibialis), also normwertig bzw. 0,92 (Arteria dorsalis pedis), leichte Durchblutungsstörung. Frau S. gibt auf der visuellen Analogskala (VAS) einen Schmerz von 4 an, bei der Wundreinigung bis zu VAS 7.
Wundversorgung beider Wunden (08.04.2025)
- Kein Abstrich erfolgt
- Wundantiseptik mit Octenidindihydrochlorid
- Pflege der Umgebungshaut mit patienteneigener Creme mit Urea 3 %
- Wundrandschutz mit Zinkcreme
- Wundgrund: mit Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 %
- 5 × 5 PU-Schaum mit Tensid als Wundfüller und um Beläge aufzubrechen
- Gemeinsame Abdeckung: Superabsorber 10 × 20
- Fixierung mit einer elastischen Fixierbinde
- Moderate Kompression
- Versorgungsintervall: zweimal wöchentlich
Trotz angeordneter Medikamente hat Frau S. immer wieder starke Schmerzen. Die Wundsituation verschlechtert sich, es zeigen sich stärkere Wundbeläge, die ambulant schlecht entfernt werden können und es kommt zur Entwicklung massiver Ödeme. Frau S. wird daraufhin zur Diagnostik und Wundsanierung stationär im Krankenhaus aufgenommen. Zur Untersuchung des Verdachts auf ein Pyoderma gangraenosum wird eine Stanzbiopsie durchgeführt, die diesen Verdacht jedoch nicht bestätigt.
Am 30.05.2025 stellt sich Frau S. nach dem Krankenhausaufenthalt mit der nunmehr festgelegten Diagnose Ulcus hypertonicum Martorell (entstanden durch einen langzeitig schlecht eingestellten Hypertonus) wieder vor (Foto 2).
Die untere Wunde (distal) ist 8,5 cm lang und 7 cm breit. Die obere Wunde (proximal) ist 4,5 cm lang, 2,4 cm breit. Beide haben eine Tiefe von 5 mm und ihr Wundgrund ist mit Granulationsgewebe, Fibrin, Biofilm und Nekrosen belegt. Der Wundrand beider Wunden ist gerötet und stellenweise nekrotisch, die Umgebungshaut der Wunden ist ebenfalls gerötet, rissig, trocken und schuppig. Die Wunden exsudieren wenig, serös, trüb-bräunlich und geruchlos. Es zeigen sich noch leichte Unterschenkelödeme. Bei der Wundreinigung gibt Frau S. Schmerzen bis VAS 5 an.
Wundversorgung beider Wunden (30.05.2025)
- Wundantispetik mit Octenidindihydrochlorid
- Pflege der Umgebungshaut mit patienteneigener Creme mit Urea 3 %
- Wundrandschutz mit Zinkcreme
- Wundgrund: Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 %
- Wundfüller: 10 x 10 PU-Schaum mit Tensid
- Gemeinsame Abdeckung und Fixierung mit einem Superabsorber (25 x 40) und einer elastischen Fixierbinde
- Moderate Kompression
- Versorgungsintervall: zweimal wöchentlich
Die Blutdruckeinstellung erfolgt weiter nach den Empfehlungen des Krankenhauses, aktuell sind die Werte stabil im oberen Normbereich. Die Schmerzsituation stabilisiert sich seit der Entstauung der Beine im Krankenhaus ebenfalls. Frau S. erhält Diuretika.
25.06.2025: Die beiden Wunden haben sich zu einer großen Wunde entwickelt. Sie hat eine Länge von 14,6 cm, eine Breite von 8,0 cm und eine Tiefe von 4 mm (Foto 3). Auf dem Wundgrund sind Fibrin, Biofilm und Granulationsgewebe zu sehen, der Wundrand ist stellenweise gerötet, ansonsten jedoch intakt. Wundumgebung und Umgebungshaut sind trocken und schuppig, die Unterschenkelödeme sind unverändert und die Wunde exsudiert weiterhin wenig, serös, trüb-bräunlich und geruchlos. Frau S. gibt bei der Wundreinigung Schmerzen bis VAS 3 an. Die Wundversorgung findet statt wie zuvor.
Es werden wiederholt Gespräche mit Frau S. geführt, um ihr die Wirkweise der Therapien zu erklären, was es ihr erleichtert, die Maßnahmen zu akzeptieren. Regelmäßig werden Blutdruckkontrollen durchgeführt; dank der neuen Medikamente ist der Blutdruck bisher im mittleren Normbereich stabil.
Am 30.07.2025 hat die Wunde eine Größe von 7,5 cm Länge, 7,0 cm Breite und 1 mm Tiefe (Foto 4). Der Wundgrund zeigt Granulation, stellenweise Granulationsödeme und Biofilm. Der Wundrand ist stellenweise gerötet, Wundumgebung und Umgebungshaut sind trocken und schuppig und es haben sich Lymphbläschen gebildet. Die Exsudation und auch die Unterschenkelödeme sind unverändert. Schmerzen gibt Frau S. bei der Wundreinigung bis VAS 2 an. Die Wundversorgung wird wie zuvor durchgeführt.
Frau S. ist frustriert, dass die Wundheilung so langsam voranschreitet. Durch die gemeinsame Betrachtung der Bilder des Wundverlaufs fasst sie wieder Zuversicht und zeigt sich motiviert, die Maßnahmen umzusetzen. Der Blutdruck ist weiterhin im Normbereich.
27.11.2025: Die Wundheilung schreitet voran. Die Wunde ist nun noch 3,1 cm lang, 6,2 cm breit und 1 mm tief (Foto 5). Auf dem Wundgrund sind Granulations- und Epithelgewebe zu sehen, der Wundrand ist intakt. Die Wunde exsudiert wenig, serös, trübe und geruchlos, die Umgebungshaut ist trocken und schuppig. Schmerzen gibt Frau S. als nur noch gering an und sie hat keine Unterschenkelödeme mehr.
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Wundversorgung (27.11.2025)
- Wundreinigung mit sterilem Wasser
- Pflege der Umgebungshaut mit patienteneigener Creme mit Urea 3 %
- Wundrandschutz mit Zinkcreme
- Wundgrund: Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 % und 10 × 10 PU-Schaum mit Tensid
- Abdeckung der Wunden mit Superabsorber (10 × 20), Fixierung mit elastischer Fixierbinde
- Moderate Kompression
- Versorgungsintervall: zweimal wöchentlich
Frau S. freut sich, dass sie inzwischen keine Ödeme mehr hat. Am linken Bein trägt sie nun einen Kompressionsstrumpf (Klasse 1), das betroffene Bein wird weiter gewickelt. Schmerzmedikamente benötigt Frau S. inzwischen nicht mehr. Die weitere Einnahme der Diuretika diskutiert sie gelegentlich, nimmt diese aber wie verordnet ein.
Wegen massiver Hautausschläge und Juckreiz an den Armen wurde Frau S. zwischenzeitlich stationär in die Dermatologie aufgenommen. Zur Untersuchung der Ursache wurden Biopsien entnommen, die Ergebnisse der Praxis sind nicht bekannt. Der Hautzustand hat sich unter einer Cortisontherapie, lokal und i.v., deutlich stabilisiert. In Zusammenarbeit mit der Hausärztin soll das orale Cortison ausgeschlichen werden. Die letzte Langzeitblutdruckmessung zeigte stabile Werte.
Am 19.01.2026 zeigt sich erneut eine Verbesserung der Wundsituation. Die Länge der Wunde beträgt nun noch 2,7 cm. Sie ist 2,0 cm breit und weiterhin 1 mm tief (Foto 6). Auf dem Wundgrund sind noch immer Granulations- und Epithelgewebe zu sehen, der Wundrand ist intakt, die Umgebungshaut trocken. Die Wunde exsudiert weiterhin wenig, serös, trüb und geruchlos. Die Schmerzen gibt Frau S. weiterhin als gering an, allerdings haben sich erneut leichte Unterschenkelödeme gebildet.
Wundversorgung (19.01.2026)
- Wundreinigung mit sterilem Wasser
- Pflege der Umgebungshaut mit patienteneigener Creme mit Urea 3 %
- Wundrandschutz mit Zinkcreme
- Wundgrund: Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 % und 5 × 5 PU-Schaum mit Tensid
- Abdeckung und Fixierung: Superabsorber (10 × 10), elastische Fixierbinde
- Moderate Kompression
- Versorgungsintervall: zweimal wöchentlich
Frau S. muss immer wieder motiviert werden, ihr Ziel im Auge zu behalten und die verordneten Medikamente regelmäßig einzunehmen.
Am 12.02.2026 hat die Wunde eine Länge von 1,9 cm, eine Breite von 1,8 cm und ist auf Hautniveau (Foto 7). Auf dem Wundgrund sind Granulationsödeme zu sehen. Wundrand und Wundumgebung sind wie zuvor intakt und trocken, die Exsudation hat sich nicht verändert und auch die leichten Unterschenkelödeme sind noch vorhanden. Die Schmerzen werden weiterhin als gering angegeben und die Wundversorgung wird durchgeführt wie zuvor.
Frau S. wird gebeten, sich mehr zu schonen und öfter die Beine hochzulegen. Sie hatte in den letzten Tagen einiges im Haushalt erledigt und ist zudem häufig zum Einkaufen in der Stadt unterwegs gewesen. Es wird erneut ein Gespräch geführt, um ihr die Bedeutung moderater Bewegung, aber auch der Schonung des Körpers nahezubringen.
21.05.2026: Die Wunde hat eine Größe von 1,1 cm Länge, 0,6 cm Breite, ist jedoch wieder 0,2 mm tief (Foto 8). Ansonsten hat sich der Wundzustand nicht verändert (Wundrand: intakt; Wundumgebung und Umgebungshaut: trocken; Exsudation: wenig, serös, trübe, geruchlos; kaum Schmerzen; leichte Unterschenkelödeme).
Wundversorgung (21.05.2026)
- Wundreinigung mit sterilem Wasser
- Pflege der Umgebungshaut mit patienteneigener Creme mit Urea 3 %
- Wundrandschutz nicht mehr notwendig
- Wundgrund: 5 × 5 PU-Schaum mit Tensid
- Abdeckung: Superabsorber (10 × 10)
- Fixierung mit elastischer Fixierbinde
- Moderate Kompression
- Versorgungsintervall: zweimal wöchentlich
Die inzwischen 90-jährige Frau S. ist hocherfreut, dass sie mit Geduld und guter Versorgung endlich ihrem Ziel näherzukommen scheint und die Wunde so klein geworden ist. Die Blutdruckwerte haben sich gut stabilisiert, das Cortison ist abgesetzt und sie fühlt sich wieder recht wohl in ihrer Haut.
Am 22.06.2026 wird ein Foto zur Dokumentation des Wundverschlusses gemacht (Foto 9). Nachdem sie am 27.11.2025 bereits einen Kompressionsstrumpf der Klasse 1 für das linke Bein erhalten hatte, bekommt Frau S. nun auch für das rechte Bein einen Kompressionsstrumpf (Klasse 1) und wird mit der Empfehlung entlassen, die ärztlich angeordneten Therapien auf jeden Fall beizubehalten, sich mäßig zu bewegen, sich zwischendurch zu schonen und ansonsten ihr Leben zu genießen. Ihr ist bewusst, dass sie ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren (lassen) muss, bei Abweichungen zeitnah die Hausärztin aufsuchen sollte und sie weiß, dass sie sich jederzeit wieder melden kann, falls erneut Probleme mit Wunden an den Beinen auftreten sollten.
Bitte beachten Sie, dass es sich hier um ein konkretes Fallbeispiel handelt, das nur eine mögliche Behandlungsoption darstellt. Beachten Sie zudem, dass wir nicht gewährleisten können, dass in den von uns dargestellten Fallbeispielen ausschließlich Produkte von DRACO® zur Anwendung gekommen sind.
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