Angepasste COVID-19-Impfempfehlungen: Was heißt das für die Praxis?
Die STIKO hat Aktualisierungen veröffentlicht. MFA sollten das für die Planung der Impfsaison im Blick haben – und idealerweise bereits Termine für August vergeben.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlungen zur SARS-CoV-2-Impfung aktualisiert. Die wesentliche Botschaft für Sie als MFA lautet: Wenn Sie Patientinnen und Patienten gezielt auf das Thema Impfungen ansprechen möchten, sollten Sie sich auf ältere Menschen und besondere Risikogruppen mit chronischen Krankheiten konzentrieren.
Was hat sich geändert?
Grundsätzlich schätzt die STIKO die Lage derzeit entspannter ein, da ein großer Teil der erwachsenen Bevölkerung bereits über eine Basis-Immunisierung verfüge. Schwere Verläufe seien selten.
Weiterhin gibt es jedoch besonders vulnerable Gruppen. Neben Menschen mit chronischen Krankheiten sind das vor allem ältere Personen. Denn ab einem Alter von 75 Jahren treten Komplikationen häufiger auf, was sich an der höheren Zahl der Krankenhausaufenthalte und der Todesfälle nach einer Infektion ablesen lässt. Für diese Risikogruppen gilt weiterhin die Empfehlung, den Schutz jährlich auffrischen zu lassen. Gesunde Erwachsene unter 75 können hingegen darauf verzichten.
Praxisplanung: neuer Zeitpunkt für COVID-19-Impfungen
Prinzipiell ist es zwar möglich, die Grippeschutzimpfung mit dem Termin für die COVID-19-Auffrischung zu kombinieren. Dabei müssen Sie als MFA aber die typischen Erkrankungszeiten im Blick behalten.
In den vergangenen Jahren startete die Infektionswelle in Bezug auf COVID-19 nämlich in der Regel bereits im Spätsommer. Deswegen schlägt die STIKO jetzt die Monate August und September für die Impftermine vor. Für den Influenzaschutz gilt weiterhin der Zeitraum zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember als ausreichend.
Tipps für MFA
In den besonders vulnerablen Gruppen lag die Impfquote in der vergangenen Saison im Durchschnitt nur bei acht Prozent. Hier ist also noch viel Luft nach oben. Besprechen Sie das Thema im Team. Sinnvoll wäre es, Patientinnen und Patienten, die regelmäßig in die Praxis kommen, aktiv auf mögliche Impftermine anzusprechen und zusätzlich über Plakate und Flyer aufzuklären.
Frühe kombinierte Impfungen hätten den Vorteil, dass sie die Impfsaison entzerren. Wenn es sich mit den Praxisabläufen vereinbaren lässt, können Sie beispielsweise spezielle Zeitfenster anbieten, zu denen Sie (fast) ausschließlich Termine für Impfungen vergeben.
Achten Sie darauf, rechtzeitig ausreichende Mengen an COVID-19-Impfstoff zu bestellen.
Überblick der aktuellen Empfehlungen für die COVID-19-Impfung
Personen ab 75 Jahren
alle (ab sechs Monaten) mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf infolge einer Grunderkrankung (zum Beispiel Diabetes mellitus oder andere Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Probleme, Nierenschwäche, Adipositas etc.)
Bewohnende von Pflegeeinrichtungen
Schwangere bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grunderkrankung oder schwangerschaftsassoziierter Komplikationen (z. B. Gestationsdiabetes, Hypertonie) ab dem 2. Trimenon
Personal in Pflegeeinrichtung mit direktem Kontakt zu Bewohnenden
Medizinisches Personal mit einem erhöhten tätigkeitsbezogenen Infektionsrisiko für SARS-CoV-2
Medizinisches Personal, das Risikopatienten betreut
enge Kontaktpersonen von Personen, bei denen nach einer COVID-19-Impfung keine schützende Immunantwort zu erwarten ist