Atherom (Grützbeutel): Symptome, Behandlung und Wundversorgung
Ein Atherom ist eine gutartige Zyste der Haut, die meist langsam wächst und häufig im Zusammenhang mit Strukturen des Haarfollikels entsteht. Viele Betroffene bemerken zunächst nur einen elastischen Knoten unter der Haut, der weder schmerzt noch stört.
Klinisch relevant wird ein Atherom vor allem dann, wenn es sich entzündet oder infiziert. In dieser Situation treten häufig Rötung, Überwärmung und Schmerzen auf, und es kann zu eitrigem Sekret kommen. Genau dann spielt neben der ärztlichen Behandlung auch die konsequente Wundversorgung eine zentrale Rolle.
Was ist ein Atherom?
Als Atherom bezeichnet man im Alltag verschiedene Arten von Hautzysten. Meist handelt es sich dabei um eine sogenannte Epidermalzyste oder Trichilemmalzyste, die entstehen, wenn ein Ausführungsgang oder ein Haarfollikel verstopft ist und sich Talg darin ansammelt. Umgangssprachlich wird ein Atherom auch „Grützbeutel“ oder „Grießknoten“ genannt.
Epidermalzyste und Trichilemmalzyste: wichtige Unterschiede
Eine Epidermalzyste zeigt nicht selten eine kleine zentrale Öffnung zur Hautoberfläche, die als Porus sichtbar sein kann. Über diese Verbindung oder durch eine Ruptur kann es leichter zu Reizungen und Infektionen kommen, weshalb entzündliche Verläufe bei dieser Form klinisch häufiger auffallen.
Trichilemmalzysten treten dagegen besonders häufig an der Kopfhaut auf und können dort auch mehrfach vorkommen. Sie weisen typischerweise keine zentrale Öffnung auf und sind oft fester tastbar. Für die Behandlung ist bei beiden Formen entscheidend, dass die Zystenwand vollständig entfernt wird, da zurückbleibende Anteile das Risiko für erneutes Auftreten erhöhen.
Was sind die Symptome eines Atheroms?
Ein nicht entzündetes Atherom präsentiert sich meist als langsam wachsender, prallelastischer, hautfarbener Knoten, der häufig schmerzlos bleibt. Viele Patientinnen und Patienten suchen erst dann ärztliche Hilfe, wenn der Befund kosmetisch stört oder mechanisch belastet wird, etwa durch Reibung an Kleidung oder beim Kämmen an der Kopfhaut.
Bei einer Entzündung verändern sich die Beschwerden typischerweise deutlich: Das Areal wird gerötet, überwärmt und druckschmerzhaft. Die Schwellung kann rasch zunehmen und es kann zu Sekretion kommen, die mitunter unangenehm riecht. In ausgeprägten Fällen verhält sich ein entzündetes Atherom wie ein Abszess.
Diagnostik und Abgrenzung
Die Diagnose erfolgt meist durch Anamnese und klinische Untersuchung. Dabei spielen Lokalisation, Tastbefund, das Vorhandensein eines Porus sowie Entzündungszeichen eine Rolle. Da unter einem „Knoten unter der Haut“ auch andere Befunde wie Lipome, Furunkel oder echte Abszesse in Frage kommen, ist die Abgrenzung wichtig, insbesondere bei untypischem Verlauf, sehr schnellem Wachstum oder wiederkehrenden Beschwerden.
Nach operativer Entfernung wird der Befund häufig histologisch untersucht, um die Diagnose zu sichern und seltene andere Ursachen auszuschließen.
Tabelle 1: Differentialdiagnostik von Atheromen
| Differentialdiagnose | Typische klinische Merkmale | Unterscheidung zum Atherom |
|---|---|---|
| Lipom | Weich, gut verschieblich, schmerzlos, langsam wachsend | Weicher als Atherom, kein zentraler Punkt, kein Talginhalt |
| Abszess | Gerötet, überwärmt, schmerzhaft, oft fluktuierend | Akuter Entzündungscharakter, druckschmerzhaft, systemische Symptome möglich |
| Furunkel/Karbunkel | Entzündlich, oft haarfollikelbezogen, eitrige Spitze | Deutlich entzündlich, akute Schmerzen, typischer Verlauf |
| Vergrößerter Lymphknoten | Meist an typischen Stellen (Hals, Achsel, Leiste), ggf. druckschmerzhaft | Lokalisation & klinischer Kontext unterscheidet |
| Dermoidzyste | Angeboren, häufig in typischen Regionen | Anamnese seit Kindheit, kein Talginhalt |
| Weichteiltumor / Tumorähnliche Läsionen | Variabel, ggf. schnelles Wachstum, untypische Konsistenz | Fehlende typische Zystenmerkmale → ärztliche Abklärung |
Behandlung: wann wird ein Atherom entfernt und wie läuft das ab?
Ein Atherom wird in der Regel durch eine vollständige operative Entfernung der Zyste behandelt, da nur so ein Wiederauftreten sicher verhindert werden kann. Ist das Atherom akut entzündet, erfolgt oft zunächst eine Eröffnung und Drainage zur Entlastung, bevor nach Abklingen der Entzündung die endgültige Entfernung durchgeführt wird.
Die definitive Therapie eines Atheroms ist die vollständige operative Entfernung einschließlich der Zystenwand.
Die Entfernung erfolgt bevorzugt in einer Phase ohne akute Entzündung, weil sich die Zyste dann besser vollständig ausschälen lässt und das Risiko für verbleibende Wandanteile geringer ist. Gründe für eine Entfernung sind wiederkehrende Entzündungen, Schmerzen, funktionelle Beeinträchtigungen durch Reibung oder Druck sowie kosmetischer Leidensdruck.
Entzündetes Atherom: warum oft zweizeitig behandelt wird
Bei einem akut entzündeten oder infizierten Atherom steht zunächst nicht die komplette Entfernung im Vordergrund, sondern die Kontrolle der Infektion und die Entlastung. Wenn eine Eiterhöhle entstanden ist, ist eine Behandlung analog zum Abszess üblich. Dies bedeutet eine Eröffnung und Drainage, damit Sekret abfließen kann und der Druck nachlässt. Antibiotika allein sind in solchen Situationen häufig nicht ausreichend. Erst nach Abklingen der Entzündung folgt dann die definitive Exzision inklusive Zystenwand.
Wundversorgung nach Exzision mit Naht
Nach einer Exzision mit primärem Wundverschluss steht eine unkomplizierte Heilung unter Schutz im Vordergrund. Wichtig ist, die Wunde fachgerecht zu versorgen, den Verband regelgerecht zu wechseln und die Wunde möglichst sauber und trocken zu halten. In der Nachsorge sollten typische Warnzeichen einer Infektion ernst genommen werden, etwa zunehmende Rötung, stärker werdender Schmerz, Überwärmung, eitriges Sekret oder Fieber. Die Fäden werden je nach Lokalisation und Spannung der Haut üblicherweise nach einigen Tagen bis etwa ein bis zwei Wochen entfernt.
Wundversorgung nach Eröffnung und Drainage
Nach einer Eröffnung und Drainage handelt es sich häufig um eine offene Wunde, bei der der kontrollierte Sekretabfluss gesichert werden muss. In dieser Phase sind regelmäßige Verbandwechsel wichtig, um Exsudat zu managen, die Keimlast zu kontrollieren und die Wundumgebung vor Mazeration zu schützen. Die Versorgung richtet sich nach Wundheilungsphase, Exsudatmenge und Lokalisation.