Sepsis früh erkennen und schnell handeln: Was Sie wissen sollten
Sepsis fordert in Deutschland unnötig viele Leben, weil sie oft erst spät erkannt wird. Beschäftigte im Gesundheitswesen können dazu beitragen, das zu ändern.
In Deutschland sterben über 40 Prozent der Patientinnen und Patienten mit schwerer Sepsis. Andere Länder zeigen, dass es besser geht. Dort sind die Überlebenschancen oftmals deutlich höher. Erreicht wird das beispielsweise durch gezielte Schulungen des Personals im Gesundheitswesen sowie durch klare Abläufe. Praxisteams spielen dabei eine zentrale Rolle, denn sie sehen Betroffene oft zuerst. Wer Symptome erkennt und rasch reagiert, kann den Verlauf entscheidend beeinflussen. Auch Pflegekräfte sowie PTA und PKA sind gefragt. Fachleute fordern alle Beschäftigten im Gesundheitswesen zu mehr Aufmerksamkeit auf.
Unspezifische Symptome ernst nehmen
Sepsis zeigt sich selten eindeutig. Betroffene wirken krank, fühlen sich schwach und sind oft verwirrt oder fühlen sich benommen. Häufig treten Atemnot, schnelle Atmung und Herzrasen auf. Typische Hinweise sind zudem ein niedriger Blutdruck, geringe Urinmengen, starker Durst oder kalte, marmorierte Haut. Fieber oder Schüttelfrost können vorkommen, fehlen aber in vielen Fällen. Lesen Sie hier mehr über Sepsis-Anzeichen.
Gerade diese unspezifischen Beschwerden führen dazu, dass Sepsis im ersten Moment oft übersehen wird. Auch die Betroffenen selbst denken selten an eine Blutvergiftung. Umso wichtiger ist es, dass Fachkräfte diese Möglichkeit stets im Hinterkopf haben, besonders bei älteren Menschen oder chronisch Kranken.
Schnelles Handeln in der Klinik
Denn Zeit entscheidet bei einer Sepsis über Leben und Tod. Jede Stunde ohne die richtige Therapie verschlechtert die Prognose. Für Praxen heißt das: Bei einem Sepsis-Verdacht sollte sofort eine Einweisung in eine Klinik erfolgen. Dort können über Blutkulturen schnell die Erreger bestimmt werden. Die Antibiotikatherapie beginnt normalerweise sofort und wird gegebenenfalls angepasst. Das Beispiel USA, wo es verpflichtende Protokolle gibt, zeigt, dass sich durch klare Abläufe die Sterblichkeit erheblich senken lässt.
Aufklärung in der Praxis
Viele Menschen erkennen eine Sepsis nicht. Falsche Vorstellungen halten sich hartnäckig. Ein Beispiel ist der Glaube, bei einer Blutvergiftung sei immer ein dunkler Streifen unter der Haut erkennbar, der sich Richtung Herz bewege. Praxisteams können hier aktiv gegensteuern, indem sie Patientinnen und Patienten über Risiken und Warnzeichen informieren. Gleichzeitig sollten Teams ihr eigenes Wissen regelmäßig auffrischen und klare interne Abläufe festlegen.
Zudem sollten Sie bei Infektionen immer auf Allgemeinzustand und Bewusstseinslage der Betroffenen achten. Besteht der geringste Verdacht, dass es sich um eine Sepsis handeln könnte, informieren Sie umgehend die ärztliche Leitung.
Tipps für Pflegekräfte
Darauf sollten Sie achten: Bei Seniorinnen und Senioren geht einer Sepsis häufig eine Pneumonie, ein Harnwegsinfekt oder eine Infektion im Bauchraum voraus. Auch infizierte Wunden, Haut- und Weichteilinfektionen, Dekubitus oder Infektionen rund um Katheter und Prothesen können der Ausgangspunkt sein. Normalerweise begrenzt das Immunsystem solche Infektionen lokal, bei geschwächter Abwehr gelingt das aber oft nicht mehr. Dann breiten sich Erreger über Blut- und Lymphbahnen aus und lösen eine überschießende Entzündungsreaktion im ganzen Körper aus.
Tipps für PTA und PKA in der Apotheke
Seien Sie aufmerksam, wenn beispielsweise Angehörige Produkte kaufen wollen und von einer schweren Infektion bei einer erkrankten Person berichten. Haken Sie nach, um eventuelle Hinweise auf eine Sepsis zu erhalten. Raten Sie bei einem Verdacht dazu, dass die Angehörigen sicherheitshalber einen Notarzt oder eine Notärztin verständigen sollten.