Lugolsche Lösung: Kein Nahrungsergänzungsmittel
Lugolsche Lösung kursiert derzeit als „Jodquelle“ im Netz. Für die Einnahme ist das ehemalige Desinfektionsmittel nicht geeignet.
In sozialen Medien und Online-Shops taucht Lugolsche Lösung zunehmend als angebliches Mittel gegen Jodmangel auf. Die Lösung enthält elementares Jod und Kaliumjodid in hoher Konzentration und diente früher der äußeren Desinfektion von Wunden. Heute wird sie nur noch im Laborbereich verwendet. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) stellt klar, dass diese Lösung nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel (NEM) zugelassen und sogar gefährlich ist. Produkte, die elementares Jod enthalten, erfüllen nicht die rechtlichen Vorgaben für Nahrungsergänzungsmittel.
Tipps für Gespräche mit Patienten und Patientinnen
Für Sie heißt das: Wenn Patientinnen und Patienten nach Lugolscher Lösung fragen, sollten Sie deutlich von einer Einnahme abraten. Schon ein Tropfen enthält mehr als 6.000 Mikrogramm Jod und überschreitet damit die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit festgelegte tolerierbare Obergrenze von 600 Mikrogramm pro Tag um das Zehnfache. Diese Menge kann die Schilddrüse massiv belasten und unerwünschte Effekte auslösen. Verweisen Sie stattdessen auf zugelassene Präparate.
Rechtlich gilt: Sobald eine orale Aufnahme nicht ausgeschlossen ist, stuft man ein Produkt als Lebensmittel ein. Das betrifft auch Lugolsche Lösung, selbst wenn Anbieter sie formal nicht als Nahrungsergänzung ausweisen. Damit ist der Verkauf als einnahmefähiges Produkt unzulässig. In Beratungsgesprächen können Sie auf die vom BVL empfohlenen, als sicher bewerteten Jodverbindungen verweisen: Natriumjodid, Natriumjodat, Kaliumjodid und Kaliumjodat. Diese Verbindungen sind in zugelassenen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln enthalten.
Nutzen Sie Nachfragen zu Lugolscher Lösung, um über sinnvolle Jodzufuhr, zur Verfügung stehende sichere Präparate und die Bedeutung einer kontrollierten Dosierung zu informieren. Denn tatsächlich ist Deutschland ein sogenanntes Jod-Mangelland, die Versorgung reicht also tendenziell nicht aus. Daher empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, beim Kochen jodiertes Speisesalz zu verwenden.
Quellen:
In diesem Online-Seminar möchten wir uns mit den wichtigsten Schilddrüsenerkrankungen beschäftigen, die verschiedenen Diagnoseverfahren betrachten und einige Therapieoptionen vorstellen.
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