Erfahrungen an Roboter weitergeben
In einem neuen Forschungsprojekt erhalten Pflegeroboter eine völlig neue Rolle: Sie sollen zur Ausbildung des Nachwuchses beitragen – und werden dafür mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet.
Es ist bekannt, dass der Personalbedarf in der Pflege zunimmt. Das hängt nicht nur mit dem demografischen Wandel zusammen – das Durchschnittsalter steigt und damit die Zahl der Menschen, die betreut werden müssen. Gleichzeitig gehen die geburtenstarken Jahrgänge jetzt nach und nach in Rente, was sich auch auf die Pflegekräfte selbst bezieht. Daraus entsteht in doppelter Hinsicht ein Problem: Künftig wird ihre Arbeitsleistung fehlen, gleichzeitig verlässt mit ihnen ein umfassender Schatz an Berufserfahrung die Branche.
Ein Forschungsprojekt, finanziert vom „Ladenburger Kolleg“, das zur Daimler und Benz Stiftung gehört, will das verhindern. Es heißt „Sensorgestützte Erfassung pflegerischen Erfahrungswissens und Vermittlung durch KI-basierte humanoide Robotik“. Der wichtigste Punkt steckt also schon im Namen: Es geht, vereinfacht gesagt, darum, über Sensoren erfahrene Pflegekräfte bei ihrer Arbeit zu „beobachten“. Diese Erkenntnisse sollen auf Roboter übertragen werden, die dieses Erfahrungswissen im nächsten Schritt mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) an Nachwuchskräfte weitergeben.
So funktioniert das Forschungsprojekt
Das klingt kompliziert. Was bedeutet es in der Praxis? Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts stehen die täglichen Pflegeroutinen, Interaktionen und intuitiven Entscheidungsprozesse erfahrener Pflegepersonen. Viele ihrer detaillierten Tätigkeiten, Körperbewegungen oder sogar kleine Tricks finden sich nicht in Lehrbüchern. Den meisten Fachkräften ist gar nicht bewusst, wie genau sie sich in vielen Situationen verhalten, weil sie aufgrund ihrer großen Erfahrung nicht darüber nachdenken müssen. Vergleichbar ist das mit einem Koch, der nicht sagen könnte, wie viel Salz er in die Suppe kippt, weil er das „nach Gefühl“ bemisst.
Hier setzten die Forschenden an, indem sie ausgewählte Pflegekräfte mit Sensoren ausstatten, die alle Bewegungen analysieren. Diese Daten werden auf einen humanoiden Roboter übertragen, der also in seinem Aufbau einem Menschen ähnelt.
Humanoider Roboter als Lehrkraft
In der pflegerischen Ausbildung soll der Roboter später eine Doppelrolle einnehmen. Er spielt entweder eine Pflegekraft und zeigt die vorgesehenen Bewegungsabläufe, die er sich zuvor „abgeguckt“ hat. Oder er stellt eine Patientin oder einen Patienten dar, um deren oder dessen Verhalten zu simulieren. Als Herzstück des Projekts soll ein Datensatz für pflegerische Interaktionen dienen, auf den eine künstliche Intelligenz zugreift und dadurch aus dem Roboter einen intelligenten Lernpartner macht.
Bis Pflegeeinrichtungen in der Ausbildung mit den technischen Lehrkräften arbeiten können, wird es aber noch eine Weile dauern. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt.