Schlechte Aussichten für viele Kliniken
Der neue Krankenhaus Rating Report legt alarmierende Zahlen offen: Ohne tiefgreifende Veränderungen könnten bis zu 70 Prozent der Krankenhäuser im Jahr 2030 Verluste schreiben.
Den Krankenhaus Rating Report erstellen Fachleute aus der Gesundheitsökonomie. Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung arbeitet dafür mit dem Institute for Healthcare Business zusammen. Die Teams werten jedes Jahr aktuelle Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus und ergänzen diese Daten durch weitere Analysen zum Gesundheitsmarkt. Für die aktuelle Ausgabe haben sie mehrere Hundert Abschlüsse aus den Jahren 2024 und 2025 ausgewertet und insgesamt über 860 Kliniken einbezogen.
Steigende Belastung im Klinikalltag
Unterm Strich verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser weiter. Die Analysten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 70 Prozent der Kliniken Verluste schreiben, wenn es ihnen nicht gelingt, die Betriebsausgaben zu senken. Dann könnten bis zu 400 Kliniken vor dem Aus stehen – so viele Standorte identifizierten die Marktforschenden als „gefährdet“.
Schon heute kämpfen viele Häuser mit knappen Mitteln. Im Jahr 2024 schrieb etwa jede zweite Klinik rote Zahlen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Insolvenzen. Einige Einrichtungen stabilisieren sich aktuell wieder etwas, doch vielerorts reichen die Rücklagen nur für wenige Tage Betrieb. Viele Pflegekräfte spüren das unter anderem durch eine hohe Arbeitsdichte.
Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich das Bild also nicht wesentlich gewandelt.
Strukturwandel und Veränderungsvorschläge
Fachleute fordern daher schon länger, Leistungen gezielter zu verteilen. Komplexe Behandlungen sollen häufiger in spezialisierten Häusern stattfinden, während andere Kliniken mehr Basisversorgung übernehmen. Diese Umverteilung könnte die Auslastungen verbessern.
Allgemein wird die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen zwar steigen, weil die Bevölkerung im Durchschnitt älter wird, aber parallel wächst der Anteil der Behandlungen, die im Schwerpunkt ambulant erbracht werden. Diese Entwicklung entlastet das Personal – und senkt die Einnahmen.
Weitere Vorschläge im Report sind eine größere Gestaltungsfreiheit für die Kliniken sowie die Abschaffung bestimmter Regularien. Dazu zählen die Personaluntergrenzen in der Pflege sowie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Letzteres soll dafür sorgen, dass auch entlang der Lieferkette Menschenrechte und Umweltauflagen berücksichtigt werden.
Tipps für Pflegekräfte
Was heißt das für Sie persönlich? Es kann Sinn machen, die individuelle Arbeitssituation zu analysieren, was die Arbeitsdichte, Karrieremöglichkeiten und alternative Arbeitgeber betrifft. Pflegekräfte sind gefragt, und das wird voraussichtlich auch so bleiben. Doch für die attraktivsten Jobs ist die Konkurrenz trotzdem groß. Beschäftigen Sie sich daher mit Ihren langfristigen Zielen. Im nächsten Schritt können Sie sich gezielt fortbilden, um sich einen Vorsprung gegenüber Ihren Kollegen und Kolleginnen zu verschaffen.