Fischhaut als Lösung bei chronischen Wunden

Fischhaut als Lösung bei chronischen Wunden

Die Transplantation von Fischhaut ist ein innovatives Verfahren, das einige Krankenhäuser in Deutschland bereits einsetzen. Das Helios-Klinikum hat aktuell einen sehr positiven Fallbericht vorgestellt. Was steckt dahinter?

Forschende gehen zum Teil ungewöhnliche Wege – Fischhaut etabliert sich langsam für die Behandlung schwer heilender chronischer Wunden. Bei der Methode verwenden Ärzte und Ärztinnen die Haut des atlantischen Kabeljaus, die technisch so aufbereitet wird, dass vor allem die extrazelluläre Matrix erhalten bleibt. Diese Matrix dient als biologisches Gerüst für den Gewebeaufbau. Die Rohware stammt aus der Lebensmittelverarbeitung und wird gereinigt, entkeimt und sterilisiert, damit sie als medizinisches Produkt dienen kann. 

Sie wird dann als Hautersatz transplantiert und soll auf diese Weise das Einwandern körpereigener Zellen fördern, die Bildung neuer Blutgefäße unterstützen und insgesamt die Regeneration von Gewebe erleichtern. Eingelagertes Fett und Omega-3-Fettsäuren scheinen entzündungsmodulierend und antibakteriell zu wirken, was die lokale Heilungsumgebung verbessern und die Wundheilung beschleunigen kann. 

Fachgesellschaften sehen die Methode als vielversprechend an, fordern parallel aber weitergehende Studiendaten und eine patientenindividuelle Indikationsstellung. Unabhängig davon setzen spezialisierte Wundzentren und einige Gefäßabteilungen in Deutschland Fischhauttransplantate bereits ein, etwa bei Diabetischem Fußsyndrom, Ulcus cruris und in ausgewählten Fällen nach Tumoroperationen. 

Wie kommt man auf Fischhaut als Wundverband?

Wie so oft in der Medizin hat ein Zufall die heilende Wirkung der Fischhaut zutage befördert. Nach den Waldbränden 2017 in Kanada improvisierte eine Tierärztin, um Verbrennungen an den Tatzen von Bären zu behandeln – konventionelle Salbenverbände reichten nicht aus, und die Veterinärin musste etwas finden, was die Tiere akzeptierten. Sie wählte Fischhaut. Tatsächlich rissen die Bären diese „Verbände“ nicht herunter. Einige Tage später zeigte sich: Die Wunden heilten darunter offensichtlich ungewöhnlich schnell. 

Anwendungsbeispiel im Helios-Klinikum 

In der Praxis wird Fischhaut mit anderen Therapieoptionen kombiniert. Die Gefäßchirurgie der Helios St. Marienberg Klinik Helmstedt hat gerade den Fall einer 85-jährigen Patientin vorgestellt, bei der sich aus einer Operationsnarbe in Kombination mit ausgeprägten Krampfadern eine chronische Wunde entwickelt hatte. Die Ärzte und Ärztinnen entfernten zunächst die Krampfadern, reinigten die Wunde chirurgisch und versorgten sie mit einer speziell aufbereiteten Fischhautmatrix aus Kabeljau. Zusätzlich erhielt die Patientin eine Vakuumtherapie. Nach rund drei Monaten war die Wunde vollständig verheilt. 

Die Behandlungsmethode gilt als innovativ und ist noch nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkasse verankert. Bei therapieresistenten Patienten und Patientinnen lohnt sich jedoch ein Antrag bei der jeweiligen Kasse auf Kostenübernahme. 

Fischhaut als Lösung bei chronischen Wunden
Wundversorgung im Überblick
Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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