Fallbeispiel: Ulcus cruris venosum bei Suchtproblematik

Der 53-jährige Herr U. kämpfte seit drei Jahren mit einem Ulcus cruris venosum am linken Unterschenkel. Mit der Zeit verschlechterte sich die Situation. Auf Anraten seiner neuen Hausärztin suchte er Hilfe bei einer pflegerischen Einrichtung. Mit Geduld, fachlicher Unterstützung und einem auf seine Bedürfnisse abgestimmten Therapieplan konnte die Wunde schließlich zur Abheilung gebracht werden. 

Lesedauer: ca. 7 Minuten

Geschlecht

männlich

Alter

53 Jahre

Wundursache

chronisch-venöse Insuffizienz (CVI)

Diabetes mellitus

nein

Risikofaktoren

CVI, Varizen, ehem. Suchterkrankung

Lokalisation der Wunde

linker Unterschenkel lateral

Wundart

chronisch

Exsudation

mäßig, serös, gelb, geruchlos

Mittwoch, 30. September um 19.30 UhrDas Online-Seminar zu diesem Fallbeispiel

Ausgangssituation

Vor etwa drei Jahren entwickelte Herr U. nach einer langen Vorgeschichte mit chronisch-venöser Insuffizienz und Varizen ein Ulcus cruris venosum am linken Unterschenkel. Die Wunde versorgte er nach der Therapieempfehlung des damaligen Hausarztes zunächst selbst mit Saugkompressen und Bandagen. Einen Verbandwechsel nahm er meist zwei- bis dreimal in der Woche direkt nach dem Duschen vor, da die Wunde zur Reinigung ausgespült werden sollte. Herr U. hatte immer wieder Phasen mit Schmerzen, die jedoch von selbst abklangen. In den letzten Monaten nahmen die Schmerzen kontinuierlich zu, der Verband nässte häufiger durch und die Beine wurden dicker. Auf Anraten seiner neuen Hausärztin, welche die Praxis ihres Vorgängers übernommen hatte, stellte sich Herr U. daraufhin in der pflegerischen Einrichtung vor. 

Anamnese

Diagnose

Therapie

Der Wundverlauf auf einen Blick

Foto 1: 18.02.2026
Foto 2: 03.03.2026
Foto 3: 24.03.2026
Foto 4: 14.07.2026
Foto 5: 05.05.2026
Foto 6: 14.07.2026

Behandlungs- und Heilungsverlauf

Erste Wundbeschreibung, 18.02.2026(Foto 1):

Die Wunde hat eine Länge von 3,9 cm, eine Breite von 4,1 cm und ist 1 mm tief. Der Wundgrund ist mit Fibrin und Biofilm belegt und Granulationsgewebe ist zu sehen. Der Wundrand ist intakt, die Wundumgebung ist jedoch verhärtet, rissig, trocken und schuppig. An den Beinen zeigt sich ein ungepflegtes Hautbild. Die Wunde exsudiert mäßig, serös, gelb, geruchlos. Herr U. gibt auf der Schmerzskala nur bei der Wundreinigung Schmerzen bis zu VAS 2 an. Es werden außerdem leichte Unterschenkelödeme festgestellt. Die KADI-Messung ist unauffällig (1,1). 

Wundversorgung:

  • Wundreinigung mit Octenidin
  • Pflege der Umgebungshaut mit patienteneigener Creme mit Urea 10 %
  • Wundfüllung mit Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 % und einem tensidhaltigen Wundfüller
  • Abdeckung mit Superabsorber
  • Fixierung mit Fixiervlies
  • Entstauungstherapie mit Kompressionsbinden
  • Versorgungsintervall: zweimal wöchentlich

Herrn U. wird gezeigt, wie er seine Haut gründlich und angemessen pflegen kann und angeleitet, Venengymnastik mit kleinen Übungen durchzuführen. Da Herr U. in seinem Beruf viel laufen und tragen muss, wird ihm eine Krankschreibung empfohlen, um das Bein zu schonen. Herr U. gibt an, sich dies gut zu überlegen, da er zum einen finanziell auf den Lohn angewiesen ist und zum anderen die Tagesstruktur für ihn sehr wichtig ist.

Bei der Vorstellung am 03.03.2026 (Foto 2) hat die Wunde eine Länge von 4,9 cm, eine Breite von 3,9 cm und befindet sich auf Hautniveau (0 mm Tiefe). Auf dem Wundgrund zeigt sich Granulationsgewebe und noch etwas Biofilm. Der Wundrand ist stellenweise mazeriert, die Umgebungshaut ist noch trocken und schuppig, aber insgesamt ist das Hautbild etwas gepflegter. Die Wunde exsudiert weiterhin (mäßig, serös, gelb, geruchlos). Schmerzen gibt Herr U. keine an, er hat jedoch weiterhin leichte Unterschenkelödeme. 

Die Wundversorgung und das Versorgungsintervall zweimal wöchentlich werden beibehalten, zusätzlich wird ein Wundrandschutz mit Zinkcreme durchgeführt. 

Am 24.03.2026 (Foto 3) ist die Wunde 4,1 cm lang, 4,6 cm breit und weiterhin auf Hautniveau. Auf dem Wundgrund ist weiterhin Granulationsgewebe sichtbar, jedoch auch eine Zunahme des Biofilms. Der Wundrand ist weiterhin stellenweise mazeriert. Die Wundumgebung ist trocken und schuppig, mit Exsudatresten auf der Umgebungshaut. Die Exsudation ist mäßig (gegenüber der letzten Versorgung etwas erhöht), serös, gelb und geruchlos. Bei den Schmerzen gibt Herr U. inzwischen VAS 2 an, bei der Wundreinigung bis VAS 4. Auch die Unterschenkelödeme sind etwas stärker geworden. 

Nach einer gründlichen Hautpflege wird die Versorgung wie oben beschrieben weitergeführt und das Versorgungsintervall von zweimal wöchentlich beibehalten.

Die leichte Erhöhung der Exsudation mit den angetrockneten Resten auf der Umgebungshaut erklärt sich dadurch, dass Herr U. in den letzten Tagen intensiver gearbeitet hat. Er lässt sich darauf ein, sich von seiner Hausärztin für die nächsten zwei Wochen krankschreiben zu lassen. Mit Herrn U. und seiner Lebensgefährtin wird besprochen, wie er die nächsten beiden Wochen strukturieren kann, um eine gute Balance zwischen Ruhephasen und Aktivitäten (z. B. durch krankengymnastische Übungen oder kurze Spaziergänge mit dem Hund) zu finden. 

Siebzehn Tage später, am 07.04.2026 (Foto 4), hat die Wunde eine Länge von 4,8 cm und eine Breite von 4,0 cm. Sie ist überwiegend mit Granulationsgewebe bedeckt, stellenweise sind Fibrin und Biofilm sichtbar. Der Wundrand ist inzwischen wieder intakt und die Umgebungshaut ist zwar noch trocken und schuppig, aber insgesamt wieder gepflegter. Die Wunde exsudiert wenig, serös, gelb und geruchlos. Schmerzen gibt Herr U. nur bei der Wundreinigung mit VAS 1 an. Die Unterschenkelödeme sind zurückgegangen. Die Wundversorgung und das Versorgungsintervall werden beibehalten. 

Herr U. merkt an, dass ihm die Ruhe der letzten beiden Wochen sehr gutgetan hat. Er möchte jedoch wieder arbeiten, da er zu Hause immer unruhiger wird. Er möchte mit seinem Vorgesetzten darüber sprechen, rechtzeitig Feierabend machen zu können und auch während der Arbeit hin und wieder eine kurze Pause zum Hochlegen der Beine machen zu können. 

Ein Monat später (05.05.2026, Foto 5): Die Wunde ist 3,4 cm lang, 4,8 cm breit und weiterhin auf Hautniveau. Neben Granulation, Fibrin und Biofilm zeigt sich auf dem Wundgrund Epithelgewebe. Der Wundrand ist überwiegend intakt, jedoch stellenweise mazeriert. Wundumgebung und Umgebungshaut sind trocken und schuppig, die Exsudation wenig, serös, gelb und geruchlos. Schmerzen hat Herr U. kaum, die Unterschenkelödeme sind unverändert. 

Bei der unveränderten Versorgung muss gut auf den Wundrandschutz mit der Zinkcreme geachtet werden. Das zweimal wöchentliche Versorgungsintervall wird weiterhin beibehalten. 

Herr U. ist sehr zufrieden, dass der Befund sich trotz seiner Berufstätigkeit weiter verbessert hat und berichtet, dass die Kolleginnen und Kollegen ihn sehr gut dabei unterstützen, seine notwendigen Pausen einzuhalten. Er ist erleichtert, dass die nun nicht mehr vorhandenen Schmerzen in den vergangenen Monaten nie so schlimm waren, dass er in Versuchung geraten wäre, sie mit stärkeren Schmerzmitteln zu unterdrücken. Es wird deutlich, dass Herr U. zumindest phasenweise immer wieder Sorge hat, in alte Suchtmuster zurückzufallen. Es tut ihm gut, dies im Rahmen der Versorgung offen ansprechen zu können.

Ungefähr eine Woche später, am 14.07.2026 (Foto 6), hat die Wunde eine Länge von 3,8 cm, eine Breite von 3,3 cm und eine Tiefe von 0 mm. Auf dem Wundgrund sind nun keine Wundbeläge mehr zu sehen, nur noch Granulations- und Epithelgewebe. Der Wundrand ist intakt, die Wundumgebung trocken. Die Wunde exsudiert wenig, gelb und geruchlos. Schmerzen hat Herr U. nicht. Die leichten Unterschenkelödem sind noch da. 

Die Therapie zeigt langsam eine Verbesserung der Wundsituation und wird weiterhin wie beschrieben fortgeführt. Das Octenidin zur Wundreinigung wird durch steriles Wasser ersetzt, das Versorgungsintervall zweimal wöchentlich wird beibehalten. 

Bei der letzten Versorgung in der pflegerischen Einrichtung Anfang August ist die Wunde fast abgeheilt und ein Termin zur Abschlussuntersuchung mit Foto wird für den 05.08.2026 geplant. Am 04.08.2026 teilt die Lebensgefährtin von Herrn U. telefonisch mit, dass die Wunde tatsächlich abgeheilt sei, er aber aktuell wegen Nierensteinen akut ins Krankenhaus musste und dort gerade eine Harnleiterschiene erhalte. Herr U. will sich nach seinem Krankenhausaufenthalt noch einmal zur Abschlussuntersuchung vorstellen. Dann sollen auch Kompressionsstrümpfe zur Dauerversorgung angepasst werden. 

Bitte beachten Sie, dass es sich hier um ein konkretes Fallbeispiel handelt, das nur eine mögliche Behandlungsoption darstellt. Beachten Sie zudem, dass wir nicht gewährleisten können, dass in den von uns dargestellten Fallbeispielen ausschließlich Produkte von DRACO® zur Anwendung gekommen sind.

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