Neues Hydrogel zum Patent angemeldet

Neues Hydrogel zum Patent angemeldet

Ein neu entwickeltes Hydrogel in Wundauflagen soll Wunden schützen, Infektionen vermeiden und Verbandswechsel reduzieren – die Patentanmeldung ist bereits erfolgt.

Sowohl bei akuten als auch bei chronischen Wunden können Keimen in den Körper eindringen und zu schweren Infektionen führen. Forschende der Universität Siegen und des Amsterdam University Medical Center haben ein neues Hydrogel für Wundauflagen entwickelt, das genau hier ansetzt. Es soll die Wunde schützen, die Wundheilung unterstützen und Bakterien angreifen – auch solche, die bereits gegen viele Antibiotika resistent sind. Das Hydrogel ist zwar noch nicht erhältlich, die Wirksamkeit ist aber so hoch, dass die Forschenden direkt ein Patent angemeldet haben.

So funktioniert das Hydrogel

Die Arbeitsgruppe um den Chemiker Muhammad Atif hat für die Entwicklung Erkenntnisse aus Chemie, Mikrobiologie und Wundversorgung zusammengebracht.

Im Labor in Siegen hat das Team ein Polymernetzwerk entwickelt, das sich mit Wasser vollsaugt und so ein weiches, wasserreiches Gel bildet. In dieses Gel lagern die Forschenden ein Protein ein, das Bakterien angreift und Wundinfektionen verhindern soll. Dieses Protein bleibt fest im Gel verankert und gelangt nicht in den Körper der Patientinnen und Patienten. Es wirkt direkt an der Oberfläche: Kommen Bakterien damit in Kontakt, werden sie abgetötet. Bisher sind keine Resistenzen gegen dieses Protein bekannt.

Für die Praxis besonders interessant: Das Hydrogel kann in passende Wundverbände integriert werden und dort in der feuchten Wunde quellen, ohne an der Haut festzukleben. Verbandwechsel wären daher besonders schonend und schmerzarm, die Heilung könnte ungestörter ablaufen. 

Das Material lässt Luft an die Wunde, nimmt Wundflüssigkeit auf und kann so ein ausbalanciertes feuchtes Milieu unterstützen. Zusätzlich können die Forschenden einen Farbindikator einbauen, der früh signalisiert, wenn sich problematische Bakterien in der Wunde vermehren.

Nächste Schritte bis zur Anwendung

Bis das Hydrogel im Stationsalltag oder in der Praxis ankommt, sind allerdings weitere Schritte nötig. Das Team sucht aktuell nach technischen Lösungen, um das Gel stabil mit verschiedenen Wundauflagen zu verbinden und es zusammen mit Industriepartnern in größeren Mengen herzustellen. Außerdem müssen Studien zeigen, wie gut Patientinnen und Patienten das Material vertragen und welchen konkreten Nutzen es im Vergleich zu bestehenden Wundauflagen bringt.

Die Forschenden sehen großes Potenzial: Weltweit nimmt die Zahl der Antibiotikaresistenzen zu. Parallel gibt es auch mehr chronische Wunden, etwa bei Diabetes.

Neues Hydrogel zum Patent angemeldet
Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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