Kommunikationsmodell REMAP
Das Kommunikationsmodell “REMAP” ist eine übergeordnete Strategie für Gespräche mit Familien, die vor einer Neuorientierung angesichts der gegebenen gesundheitlichen Situation des Kindes stehen. Die Neuorientierung soll entlang der verfügbaren Möglichkeiten, Präferenzen und Werthaltungen der Familien erfolgen.
Die fünf Bausteine von REMAP unterstützen dabei,
- Werte und Ziele der Patient:innen und ihren Angehörigen zu erfahren
- an Werten orientierte Behandlungs- und Versorgungsoptionen anzubieten
- medizinische Empfehlungen während des Gesprächs flexibel anzupassen
- sich gemeinsam für einen zukünftigen Weg in der Versorgung zu entscheiden.
Dadurch werden Patient:innen und ihre Familien im Gespräch ganzheitlich mit ihren Bedürfnissen anerkannt und respektiert, während Ärzt:innen die medizinische Expertise bereitstellen.
R = Reframe
Der geplante Gesprächsinhalt wird zu Beginn „gerahmt“, indem die aktuelle gesundheitliche Situation im Gesamtzusammenhang mit dem bisherigen Krankheits- und Therapieverlauf betrachtet wird. Familien werden so sensibel zur eigentlichen Intention des Gesprächs (z.B. Therapieversagen, Mitteilung einer weiteren schlechten Diagnose) hingeführt.
Wichtig, um die erforderliche Neuorientierung für Familien nachvollziehbar zu machen.
Ablauf:
- Erfragen Sie das Wissen der Familien zum aktuellen gesundheitlichen Zustand des Kindes
- Wenn das Verständnis mit der realen Situation übereinstimmt: Bringen Sie dieses in einen Gesamtzusammenhang und verknüpfen Sie damit die zentrale Information, die Sie vermitteln möchten, z.B. die Prognose.
- Rückversichern Sie sich, dass die Familien die zentrale Botschaft des Gesprächs verstanden haben.
Wie gehe ich um mit…?
- Ablehnung des Gesamtzusammenhangs:
Erfragen Sie die Sichtweise der Familien. - Konträrem Krankheitsverständnis:
Erläutern Sie den realen Gesundheitsstatus. - Unrealistischen Hoffnungen, Erwartungen, Wünschen:
Reagieren Sie empathisch, gehen Sie auf die Hoffnungen ein. Parallel bereiten Sie die Familie auf mögliche Verschlechterungen vor.
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- Emotionale Reaktion der Eltern
- Das Gespräch mit dem Kind
- Ungeplante Gespräche
Kommunikationsmodelle
E = Expect emotion
Warten Sie anschließend die aufkommenden Emotionen der Betroffenen ab und reagieren empathisch und wertschätzend.
Gut zu wissen:
- Emotionale Reaktionen können sich auf verbaler und nonverbaler Ebene zeigen.
- Die Thematisierung von Emotionen vermittelt Wertschätzung und kann ihre Intensität verringern.
- Äußern Eltern/ Patient:innen wiederholt emotionale Reaktionen, deutet dies auf eine längere Verarbeitungszeit hin. Das Gespräch sollte dann zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden.
M = Map out patient’s values
Um Behandlungspläne an die individuellen Werte und Vorstellungen der Eltern/ Patient:innen auszurichten, ist ein ganzheitliches Bild von ihren Perspektiven, Erwartungen, Werten, Fragen und Sorgen notwendig.
- Stellen Sie offene oder konkrete Fragen – dadurch unterstützen Sie Familien darin, ihre eigenen Werte und Ziele zu reflektieren und zu benennen.
Wichtig:
Nennen Familien mehrere/ gegensätzliche Werte:
- Reflektieren Sie den Familien die genannten Werte (ermöglicht Priorisierung).
- Vermeiden Sie einen vorzeitigen Abbruch dieses Gesprächsteils, um ein vollständiges Bild ihrer Werte zu erhalten.
A = Align with values
- Fassen Sie die herausgearbeiteten Werte zusammen.
- Setzen Sie sie in Bezug zur aktuellen gesundheitlichen Situation.
- Stimmen Familien dem zu, kann die zukünftige Versorgung gemeinsam geplant werden.
- Andernfalls ist es erforderlich, weitere Werte herauszuarbeiten.
P = Propose a plan
Final entwickeln Sie einen individuellen Versorgungs- und Behandlungsplan, der sich an der Perspektive und den Werten der Familie orientiert. Prioritäten der Familie werden so mit der medizinischen Realität verknüpft (z.B. keine weitere Chemotherapie).
Ablauf zur Erstellung eines Versorgungsplans:
- Greifen Sie Ziele und Wünsche der Familie auf.
- Bewerten Sie diese aus medizinischer Sicht: Welches Ziel ist erreichbar, welches eher nicht?
- Definieren Sie, mit welcher Versorgung umsetzbare Ziele erreicht werden können.
- Rückversichern Sie sich, dass Patient:innen/ Eltern einverstanden sind, besprechen Sie Unklarheiten und Fragen.