Fallbeispiel: Wundheilungsstörung durch Karzinom am Zeh
Die 86-jährige Patientin Frau S. litt an einer rezidivierenden Wunde am linken zweiten Zeh, die sich als adenosquamöses Karzinom herausstellte. Nach Teilamputation und intensiver Wundtherapie konnte eine vollständige Abheilung der Wunde erzielt werden.
Lesedauer: ca. 11 Minuten
Geschlecht
weiblich
Alter
86 Jahre
Wundursache
adenosquamöses Karzinom
Diabetes mellitus
nein
Risikofaktoren
CVI, Bluthochdruck
Lokalisation der Wunde
linker Fuß, D2
Wundinfektion
nein
Wundart
chronisch
Wundgrund
Granulationsgewebe, Fibrin und Biofilm
Wundumgebung
trocken
Exsudation
mazeriert, stellenweise Hyperkeratose
Ausgangssituation
Im Dezember 2025 stellt sich die 86-jährige Frau S. in der pflegerisch geleiteten Wundambulanz vor. Seit zwei Jahren hat sie immer wieder eine Wunde am D2 (dem zweiten Zeh) des linken Fußes. Diese wurde bisher stets mit einem sterilen Pflaster versorgt und heilte kurze Zeit später ab, nun besteht das Rezidiv jedoch schon seit vier Wochen ohne Heilungstendenz.
Anamnese
Diagnose
Der Wundverlauf auf einen Blick
Behandlungs- und Heilungsverlauf
Bei ihrer ersten Vorstellung ist die Wunde von Frau S. 1,1 cm lang, hat eine Breite von 1,3 cm und eine Tiefe von 1 mm (Foto 1). Auf dem Wundgrund ist Granulationsgewebe sichtbar, der Wundrand ist teilweise mazeriert. Die Umgebung der Wunde ist trocken und schuppig. Die Wunde exsudiert wenig, das Exsudat ist gelblich, serös und geruchlos. In der pflegerischen Wundambulanz wird zunächst die Verdachtsdiagnose Dekubitus Kategorie 2 nach EPUAP (European Pressure Ulcer Advisory Panel) gestellt. Auf der VAS (visuellen Analogskala) gibt Frau S. Schmerzen von 1 bis 2 an. Aufgrund der zweijährigen Vorgeschichte mit den vielen Rezidiven wird empfohlen, eine Histologie der Wunde durchzuführen. Hierzu wird ein Termin mit dem kooperierenden Krankenhaus vereinbart.
Wundversorgung
- Wundreinigung mit Octenidin
- Wundgrund: Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 %
- Abdeckung mit einem Superabsorber und Fixierung mit Fixiervlies
- Aufgrund der Fixierung wird auf eine Hautpflege-Creme in der direkten Wundumgebung verzichtet
- Versorgungsintervall: dreimal wöchentlich
- Druckentlastung durch Verbandschuhe
Nach drei Wochen (Foto 2) hat die Wunde eine Länge von 2,1 cm und eine Breite von 1,0 cm. Sie ist 1 mm tief und der Wundgrund ist mit Granulationsgewebe, Fibrin und Biofilm belegt. Es zeigt sich stellenweise Hypergranulation. Der Wundrand ist mazeriert und die Umgebung der Wunde zeigt sich weiterhin trocken mit Hyperkeratosen. Die Wunde exsudiert nun mäßig und das Exsudat ist wie zuvor gelblich, serös und geruchlos. Frau S. gibt nun Schmerzen von VAS 3 bis 8 an.
Im Verlauf der Wundversorgung macht die Wundheilung deutliche Rückschritte. Es wird ein Malignom vermutet und eine Teilamputation des D2 mit der Patientin und dem Chefarzt der Klinik besprochen. Zur Vorbesprechung der OP im Krankenhaus stellt sich Frau S. mit ihren normalen Straßenschuhen vor. Der verantwortliche Arzt empfiehlt daraufhin das Röntgen des Zehs, da er vermutet, dass die Ursache der Wundheilungsstörung möglicherweise von einer fehlenden Druckentlastung herrührt. Über eine mögliche Amputation soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
Wundversorgung
- Wundreinigung mit Octenidin
- Wundgrund: Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 %
- Abdeckung und Fixierung mit Superabsorber und Fixiervlies
- Versorgungsintervall: dreimal wöchentlich
- Wegen der Schmerzen, die zwischendurch bis zu VAS 8 reichen, wurde von der Hausärztin ein Schmerzmittel bei Bedarf bis zu viermal täglich verordnet
Zweieinhalb Wochen später, also nach insgesamt fünfeinhalb Wochen (Foto 3), hat die Wunde eine Länge von 2,12 cm und eine Breite von 1,1 cm. Die Wundtiefe ist zurückgegangen (0 mm), dafür zeigt sich flächig Hypergranulation. Der Wundgrund ist noch immer mit Fibrin und Biofilm belegt und der Wundrand stark mazeriert, ebenso wie die Umgebung der Wunde, die außerdem geschwollen und gerötet ist.
Wundversorgung
- Wundreinigung mit Octenidin
- Wundgrund: Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 %
- Abdeckung und Fixierung mit Superabsorber und Fixiervlies
- Da die zeitliche Belastung für die Patientin zu hoch war, wurde das Versorgungsintervall nach Absprache mit der Ärztin auf zweimal wöchentlich reduziert
Frau S. trägt die Verbandschuhe inzwischen konsequent. Durch die Einnahme des Schmerzmittels zwei- bis dreimal täglich kommt sie mit den Schmerzen gut zurecht (VAS 2-4). Da die Wunde sich jedoch weiter verschlechtert, wird in der darauf folgenden Woche der Termin zur Teilamputation des D2 angesetzt.
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Zwei Tage nach der OP (Foto 4) hat die Wunde eine Länge von 1,3 cm, ist 0,5 cm breit und 2 mm tief. Auf dem Wundgrund fehlt die Granulation, der Wundrand ist ödematös und stellenweise mazeriert. In der Wundumgebung befinden sich die OP-Nähte und es haben sich Hämatome gebildet. Die Umgebungshaut ist trocken und die Wunde exsudiert mäßig, bräunlich, serös und geruchlos. Frau S. trägt weiterhin ihre Verbandschuhe. Das Schmerzmittel hat sie auf einmal täglich reduziert und gibt nun noch Schmerzen von VAS 1 bis 2 an.
Wundversorgung
- Wundreinigung mit sterilem Wasser
- Wundgrund: Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 % und PU-Schaumauflage mit Tensid
- Abdeckung und Fixierung mit Superabsorber und Fixiervlies
- Versorgungsintervall: zweimal wöchentlich
Drei Wochen nach der OP (Foto 5) ist die Wunde 0,7 cm lang, 0,2 cm breit und 1 mm tief. Auf dem Wundgrund hat sich Granulationsgewebe gebildet, der Wundrand ist inzwischen intakt. Die Exsudation ist zurückgegangen und nur noch wenig, wenn auch weiter bräunlich, serös und geruchlos. Die Wundumgebung und die Umgebungshaut sind nur noch leicht trocken. Die Schmerzen ordnet Frau S. als VAS 0 bis 1 ein.
Wundversorgung
- Wundreinigung mit sterilem Wasser
- Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 % nicht mehr notwendig
- Abdeckung mit PU-Schaum mit Tensid und Fixierung mit Fixiervlies
- Versorgungsintervall: zweimal wöchentlich
Frau S. trägt noch immer regelmäßig ihre Verbandschuhe und hat die Schmerzmittel inzwischen abgesetzt. Der histologische Befund des Amputats liegt vor und bestätigt den Verdacht eines ungewöhnlichen Tumors: Es handelt sich um ein adenosquamöses Karzinom (Mischform aus Adenokarzinom und Plattenepithelkarzinom) der Haut sowie des Fett- und Bindegewebes. Der Tumor wurde vollständig entfernt, die Resektionsränder sind tumorfrei. In Absprache mit der Dermatologie des Krankenhauses wird der Wächterlymphknoten der linken Leiste entfernt. Dessen Untersuchung ergibt, dass bisher keine Metastasierung stattgefunden hat.
Weitere vier Wochen später ‒ sieben Wochen nach der OP ‒ ist die Wundheilung abgeschlossen (Foto 6). Es ist noch eine Strahlenbehandlung des Fußes erforderlich, die behandelnden Dermatologinnen und Dermatologen gehen jedoch davon aus, dass anschließend kein neuer Tumor auftreten wird.
Bitte beachten Sie, dass es sich hier um ein konkretes Fallbeispiel handelt, das nur eine mögliche Behandlungsoption darstellt. Beachten Sie zudem, dass wir nicht gewährleisten können, dass in den von uns dargestellten Fallbeispielen ausschließlich Produkte von DRACO® zur Anwendung gekommen sind.
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