Multimorbidität ab 50 nimmt zu
Eine neue Zi-Auswertung zeigt, dass Menschen ab 50 Jahren immer häufiger mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig haben. Das führt zu einer erhöhten Belastung der ambulanten Versorgung.
Die Untersuchung gehört zur Reihe des Versorgungsatlas, den das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) erhebt. Grundlage sind kontinuierlich erhobene, vertragsärztliche Abrechnungsdaten aller gesetzlich Versicherten ab 50 Jahren, die zwischen 2015 und 2024 mindestens einmal eine Arztpraxis aufgesucht haben. Die Forschenden legten 19 häufige chronische Erkrankungen zugrunde und berechneten, wie oft zwei, drei oder fünf dieser Diagnosen gleichzeitig auftraten.
Ergebnisse zur Multimorbidität
Die Auswertung zeigt: Bereits in der Altersgruppe von 50 bis 59 Jahren leiden 45 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer mindestens unter zwei chronische Erkrankungen. Mit jedem weiteren Lebensjahrzehnt steigen diese Anteile deutlich an. Besonders stark nehmen im Vergleich zu früheren Untersuchungen Konstellationen zu, in denen fünf chronische Krankheiten zusammenkommen – hier verzeichnen die Forschenden bei Frauen einen Anstieg um 12 Prozent, bei Männern um 14 Prozent über zehn Jahre. Einzelne Diagnosen treten sehr häufig auf: Bluthochdruck betrifft etwa gut die Hälfte der Bevölkerung ab 50, Fettstoffwechselstörungen kommen bei rund einem Drittel vor.
Zwischen den verschiedenen Regionen gibt es große Unterschiede: In Ostdeutschland treten mehrere chronische Erkrankungen deutlich häufiger gemeinsam auf als in Westdeutschland. Kreise mit hoher oder sehr hoher sozialer Deprivation verzeichnen die höchsten Multimorbiditätsraten, und ostdeutsche Kreise liegen fast durchgängig in den oberen Prävalenzbereichen. Anders gesagt: Menschen mit geringen Einkommen, sind tendenziell stärker betroffen.
Bedeutung für den Praxisalltag
Die Daten zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz oder chronischer Nierenerkrankung fast immer mehrere weitere Diagnosen mitbringen. Für Beschäftigte im Gesundheitswesen bedeutet das: Sie begegnen immer häufiger Menschen mit komplexen Krankheitsbildern, müssen die Medikamenteneinnahme und eventuelle Wechselwirkungen gut im Blick behalten.
Auffällig ist dabei, dass Multimorbiditäten häufiger früh auftreten und nicht erst im hohen Lebensalter. Die Forschenden befürchten, dass diese Tendenz zunimmt und die ambulante Versorgung in den kommenden Jahren zusätzlich belasten wird.
Hier finden Sie einen Zi-Trendreport zur ärztlichen Versorgung im Wandel.