Lange Wege bis zur Apotheke: Über 4 Millionen Menschen betroffen
Immer mehr Menschen müssen immer längere Wege zur nächsten Apotheke zurücklegen – mit Folgen für Beratung und Versorgung.
Mehr als 4 Millionen Menschen, also knapp fünf Prozent der deutschen Bevölkerung, müssen hierzulande sechs oder mehr Kilometer bis zur nächsten Apotheke zurücklegen und leben damit in einer schwach versorgten Region. Besonders betroffen sind Bayern mit knapp 900.000 Menschen und Mecklenburg-Vorpommern, wo gut ein Fünftel der Bevölkerung weite Wege in Kauf nehmen muss.
Apothekendichte im europäischen Vergleich im unteren Drittel
Im EU-Durchschnitt kommen 31 Apotheken auf je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, während es in Deutschland nur 20 sind. Bundesweit ist die Zahl der Apotheken bis Ende März 2026 auf 16.541 gesunken, während es bis 2010 noch mehr als 21.000 Apotheken gab. In den vergangenen 13 Jahren ist damit rund jede fünfte Apotheke vom Markt verschwunden.
Für Sie als PTA bedeutet das: Immer mehr Patientinnen und Patienten müssen sich immer weniger Apothekenstandorte teilen, Beratung und Arbeitsbelastung nehmen zu. Gleichzeitig bleibt der Auftrag, alle Menschen möglichst wohnortnah mit Arzneimitteln zu versorgen, unverändert bestehen.
Stadt und Land: Schließungen mit unterschiedlichen Folgen
In Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen versorgen häufig „isolierte“ Apotheken die ganze Regionen allein. Fallen sie weg, verlängern sich die Wege deutlich, und die Versorgung vor Ort verschlechtert sich. In Großstädten wie Berlin, Hamburg und Köln nimmt die Apothekendichte hingegen tendenziell ab – die verbleibenden Betriebe müssen mehr Patientinnen und Patienten versorgen.
Für Ihre Apotheke bedeutet das: Schließungen im ländlichen Raum vergrößern die Entfernungen zur nächsten Apotheke, in Städten erhöhen sie die Arbeitsbelastung. Zugleich bleibt die Erwartung an eine verlässliche Versorgung hoch – 96 Prozent der Menschen halten ihre Vor-Ort-Apotheke weiterhin für wichtig.
Was Sie als PTA gemeinsam mit dem Apothekenteam jetzt tun können:
- Weite Wege im Blick behalten: Fragen Sie aktiv nach, wie gut Patientinnen und Patienten Ihre Apotheke erreichen können, und bieten Sie Botendienste offensiv an.
- Strukturiert beraten: Nutzen Sie feste Checklisten, um auch bei hohem Andrang Medikationsfehler, Wechselwirkungen und Doppelverordnungen zuverlässig zu erkennen und zu vermeiden.
- Zusammenarbeit stärken: Verweisen Sie bei komplexen Fällen auf Hausärztinnen und Hausärzte und informieren Sie sich über regionale Angebote der Ärzte- und Apothekerkammern.
- Teamkommunikation pflegen: Besprechen Sie im Team regelmäßig, wie Sie mit steigender Arbeitslast umgehen und welche Abläufe vereinfacht werden können.