DEWU 2026: Chronische Wunden mit Blick auf Europa

DEWU 2026: Chronische Wunden mit Blick auf Europa

Beim Deutschen Wundkongress (DEWU) in Bremen wurde klar: In vielen europäischen Ländern ist die Versorgung chronischer Wunden mit Hürden behaftet. Eine gute Datengrundlage fehlt. Trotzdem lohnt ein Blick auf unsere Nachbarn.

In vielen europäischen Ländern bleibt die Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden hinter den Möglichkeiten zurück. Das wurde auf dem DEWU deutlich. Er fand in diesem Jahr in Kooperation mit der European Wound Management Association (EWMA) statt. Ein Blick aufs Ausland gehörte daher zum Programm. 

Wer ist zuständig? 

Beim Thema Wundversorgung gibt es große Defizite in Europa. Es beginnt damit, dass es sich nicht um ein klares Fachgebiet handelt. Die Frage der Zuständigkeit ist daher in vielen Ländern ein Problem. Denn es übernimmt meist niemand klar die führende Rolle. Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte und andere Berufsgruppen behandeln Wunden parallel, aber selten aufeinander abgestimmt. Die Versorgung hängt zudem stark davon ab, in welcher Region die Betroffenen leben und auf welches Netzwerk sie treffen. Standards existieren punktuell, aber viele Teams setzen sie nicht konsequent um. 

Kosten und Erstattungen 

Die verschiedenen Erstattungssysteme verstärken diese Probleme. Sie berücksichtigen häufig vor allem die Anschaffungskosten der Produkte und nicht die erzielten Ergebnisse. Auch die Zeit für eine gründliche Diagnostik, Aufklärung und Koordination wird kaum refinanziert. In vielen Ländern unterscheiden sich zudem Erstattungsregeln von Region zu Region. Die Übernahme ambulanter Leistungen bleibt begrenzt. Moderne Wundversorgungsprodukte erfordern oft zusätzliche Genehmigungen, was den Zugang verzögert oder erschwert. So entsteht ein reaktiver Ansatz: Teams handeln vor allem dann, wenn Komplikationen auftreten. 

Eines haben dabei alle Länder gemeinsam: Das Thema Prävention kommt zu kurz. Dabei könnten Aufwand und Kosten dadurch deutlich reduziert werden. 

Schlechte Datenlage 

Gleichzeitig fehlen auf europäischer Ebene gemeinsame Datensätze. Jedes Land dokumentiert nach eigenen Regeln oder gar nicht. Verantwortliche können Verlauf, Heilungsraten und Kosten oft nur in lokalen Projekten überblicken. Die breiten sozioökonomischen Folgen – etwa Arbeitsausfälle, Pflegebedürftigkeit und Belastungen für Angehörige – sind meist nicht bekannt. 

Positivbeispiele 

In einigen Ländern gibt es Ansätze für strukturierte Behandlungsprogramme, die zu einer Verbesserung der Prognose führen. In Finnland hat beispielsweise eine Studie ergeben, dass eine frühe Diagnose (innerhalb von vier Wochen) die benötigte Heilungsdauer deutlich verkürzt. 

Schwedische Forschende haben nachgewiesen, dass eine registerbasierte Steuerung von schwer heilenden Ulzera sowohl die Heilungsdauer als auch die Behandlungskosten pro Patientin und Patient verbessert. Das Register schafft Transparenz und ermöglicht vergleichbare Outcomes. 

Das Vereinigte Königreich hat mit einem standardisierten Versorgungspfad für Fuß- und Beinulzera eine regionale Strategie eingeführt, die Amputationen an der unteren Extremität deutlich reduziert. Der Ansatz verbindet ambulante und stationäre Versorgung und verringert Verzögerungen beim Übergang. 

Polen hat ein nationales Programm mit Hybridmodell etabliert: Zunächst erfolgen Diagnostik und chirurgische Wundvorbereitung im Krankenhaus, anschließend die strukturierte Weiterbehandlung im ambulanten und häuslichen Bereich. Nach Einführung des Programms stieg der Anteil vollständig geheilter chronischer Wunden deutlich, während der Anteil ohne Besserung stark sank. 

Daraus folgt: Es ist immer sinnvoll, über die Grenzen zu schauen. Das bezieht sich nicht nur aufs Land. Schon ein Blick auf Programme, Modellprojekte und Ideen in der Nachbarstadt kann dazu beitragen, die Wundversorgung in der eigenen Region zu verbessern. 

  DEWU 2026: Chronische Wunden mit Blick auf Europa
DRACO WUNDE+Wundversorgung einer chronischen Wunde mit Kompressionstherapie

Wie man einen Kompressionsverband richtig anlegt, ist ja schon an sich eine ziemlich knifflige Sache, aber noch komplexer wird es, wenn man einen Kompressionsverband über chronischen Wunden anbringen muss.

Schritt für Schritt Erklärung
Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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