DEWU 2026: Bei einer Acne inversa zählt die frühe Diagnose

DEWU 2026: Bei einer Acne inversa zählt die frühe Diagnose

In Bremen fand 2026 der Deutsche Wundkongress (DEWU) statt. Acne inversa war wieder ein wichtiges Thema, denn viele Patientinnen und Patienten warten noch immer Jahre auf die richtige Diagnose.

Dieses Jahr traf sich die Fachwelt auf einem neu konzipierten Deutschen Wundkongress, der in Kooperation mit der European Wound Management Association (EWMA) organisiert worden war. Mitgewirkt hatten auch die Vereinigung der deutschsprachigen Landesverbände (WundD.A.CH), die Initiative Chronische Wunden e. V. (ICW) und der Deutschen Wundrat e. V.

Ein Thema stand erneut im Fokus: Acne inversa – ein Thema, das bereits 2024 auf dem DEWU für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Ärztinnen und Ärzte erkennen die Erkrankung nach wie vor häufig zu spät oder übersehen sie ganz. Neue Versorgungsziele und aktualisierte Leitlinien sollen die Therapien verbessern.

Was ist Acne inversa?

Acne inversa trägt auch die Bezeichnung Hidradenitis suppurativa (HS). Die nationale S2k-Leitlinie von 2024 definiert sie als chronisch rezidivierende, entzündliche Hauterkrankung des Haartalgdrüsenapparats. Schmerzhafte Entzündungen treten vor allem in den Achseln, der Leisten- und Anogenitalregion auf. Die Erkrankung belastet die Betroffenen in der Regel stark und schränkt ihre Lebensqualität ein.

Fachleute unterscheiden zwei Formen: die aktive, entzündliche und die inaktive, nicht entzündliche Form. Akute Entzündungen verursachen meist starke Schmerzen und nässen häufig. Zu Beginn bilden sich die Läsionen manchmal zurück. Im weiteren Verlauf chronifizieren sie jedoch und es entstehen großflächige, knotige Areale mit Abszessen und Tunnelgängen. Fibrose und Vernarbungen begleiten diese Veränderungen. Die Patientinnen und Patienten leiden unter Schmerzen, Juckreiz und chronischem Ausfluss. Narbenkontrakturen können die Mobilität einschränken. Viele Betroffene empfinden starke Schamgefühle, die den Leidensdruck zusätzlich erhöhen.

Diagnose und Versorgung

Nur drei von sieben Patientinnen und Patienten erhalten die richtige Diagnose. Im Durchschnitt vergehen jedoch sieben Jahre ärztlicher Behandlung, bis die Acne inversa erkannt wird. Ein großes Ziel lautet daher, für die Erkrankung zu sensibilisieren, um einen früheren Therapiebeginn zu erreichen. Denn der verbessert nachweislich den Verlauf. Multimodale Interventionen gelten dabei als der richtige Weg.

Wichtig: Auch Pflegekräfte und MFA sind gefragt. Sie sollten die Erkrankung im Hinterkopf behalten, weil sie es häufig sind, die im Alltag Symptome bemerken. Für PTA und PKA in der Apotheke heißt das: Raten Sie Betroffenen, die wiederkehrende Abszesse oder Entzündungen  in der Achselhöhle, Leiste oder anogenital schildern, zu einer ärztlichen Abklärung. 

Acne inversa: Das ist neu

Auf dem DEWU 2026 wurden die Fortschritte deutlich: Es gibt inzwischen nationale Versorgungsziele, die dazu dienen sollen, die Diagnostik zu verbessern und in der Folge die Versorgung der Betroffenen zu verbessern sowie die Lebensqualität zu erhöhen. Die nationale Leitlinie ist 2024 in aktualisierter Fassung erschienen. 2025 folgten die europäischen Leitlinien. Sie bieten ebenfalls praxisorientierte Anleitungen zur Behandlung. Eine Arzneimitteltherapie verbessert Verläufe inzwischen erheblich.

Für spezialisierte Praxen ist es außerdem sinnvoll, zum deutschen Register HSBest beizutragen. Die Plattform dient als Langzeit-Beobachtungsregister. Hier werden Real-World-Daten gesammelt, um die HS-Therapie zu verbessern.

DEWU 2026: Bei einer Acne inversa zählt die frühe Diagnose
DRACO Wunde+Acne Inversa: Der Feind in meinem Körper

Videoreihe zur Acne inversa: Wie kann sie chirurgisch und medikamentös gemäß der neuen Leitlinie behandelt werden? Wie versorge ich die Wunden? 

Videoreihe: Acne Inversa
Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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