Chronische Wunden: Neuer Ansatz für Therapien

Chronische Wunden: Neuer Ansatz für Therapien

Ein Team der Uniklinik Würzburg hat einen bestimmten Keim in Visier. Er hemmt die Heilung chronischer Wunden, könnte aber bald selbst ausgebremst werden.

Die Behandlung chronischer Wunden stellt eine große Herausforderung dar und bindet bereits jetzt immense Kapazitäten in Arztpraxen und in der Pflege. Dabei wird es jedoch nicht bleiben. Denn Fachleute gehen davon aus, dass das Problem wächst – es gibt immer mehr ältere Menschen in Deutschland, bei denen die Wundheilung aufgrund verschiedener Vorerkrankungen verzögert ist. Unter anderem Diabetes mellitus und Durchblutungsstörungen erhöhen das Risiko für chronische Wunden. Zudem verzögern in manchen Fällen bestimmte Bakterien den Heilungsverlauf. 

Ein Beispiel ist der KeimPseudomonas aeruginosa. Er kann einen Biofilm bilden, der wie eine Schutzbarriere funktioniert, sodass weder die Immunzellen des Körpers noch die Wirkstoffe von Antibiotika und Antiseptika die Bakterien in einem ausreichenden Maße erreichen. Doch damit nicht genug: Der Keim setzt im Biofilm entzündungsfördernde Substanzen und Toxine frei. Unterm Strich führt das zu einer chronischen Entzündung. Gleichzeitig werden Zellen beschädigt, die der Körper für die Wundheilung benötigt. 

Schnelle Heilung ohne relevante Nebenwirkungen 

Forschende am Universitätsklinikum Würzburg gehen jetzt einen neuen Weg, um den Keim zu bekämpfen – sie setzen Milchsäurebakterien ein, und zwar über ein Lactobacillus-haltiges Pulver, das sie äußerlich auf die Wunde auftragen. 

Das probiotische Präparat enthält Milchsäurebakterien, die ohnehin im Körper vorkommen und dank ihrer Eigenschaften als „positiv“ bewertet werden. Das medizinische Personal reinigte dafür die Wunde täglich mit einer sterilen Kochsalzlösung und deckte sie anschließend mit einer nicht haftenden Wundauflage (Adaptic) ab. Ebenfalls täglich kam das probiotische Präparat zum Einsatz. 

Die Parameter Geruch und Belag besserten sich bereits nach wenigen Tagen. Neues Gewebe entwickelte sich nach ein bis zwei Wochen. Es kam zu keinen relevanten Nebenwirkungen.

Das bewirken die Milchsäurebakterien 

Kontrollabstriche ergaben, dass die Keime nicht mehr nachweisbar waren. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Milchsäurebakterien den Biofilm der schädlichen Bakterien zerstören und auf diese Weise die Wundheilung ermöglichen. 

Untersuchungen an Modellen mit menschlicher Haut haben diese Vermutung bestätigt. Weitere Effekte wurden beobachtet: Unter anderem stören die Lactobazillen die Kommunikation der Pseudomonas-Bakterien und wirken anregend auf die Wundheilung. 

Jetzt stehen weitere Untersuchungen an, um diesen Ansatz möglichst schnell in die Praxis zu bringen. Denn er wäre nicht nur einfach umsetzbar, gut verträglich und günstig, sondern brächte einen weiteren großen Vorteil mit sich: Er erhöht die Wahrscheinlichkeit von Antibiotikaresistenzen nicht. 

Milchsäurebakterien stehen schon länger im Fokus der Forschung. Entsprechende Verbände haben ebenfalls zu sehr guten Ergebnissen geführt. Das Thema wurde auch auf dem DEWU diskutiert. Das Pulver aus Würzburg könnte zu einer neuen Anwendungsmöglichkeit führen. 

Chronische Wunden: Neuer Ansatz für Therapien
So gehen Sie mit Belegen auf Wunden um
Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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