Fallbeispiel: Komplikationen nach Stentanlage im Leistenbereich
Nach einer Notfall-OP kommt es bei Herrn A. zu einer Komplikation in Form einer schweren Leisteneinblutung, die operativ ausgeräumt werden muss. Danach entsteht im weiteren Heilungsverlauf ein Serom, die Wunde wird erneut eröffnet. Zur Abheilung der Restwunde wird Herr A. zur Versorgung in eine spezialisierte pflegerische Einrichtung übergeleitet. Dank der gezielten Versorgung heilt die Wunde innerhalb von rund drei Monaten vollständig ab.
Lesedauer: ca. 7 Minuten
Geschlecht
männlich
Alter
80 Jahre
Wundursache
Komplikation nach Operation
Risikofaktoren
KHK, chronische Niereninsuffizienz, arterielle Hypertonie
Diabetes mellitus
nein
Lokalisation der Wunde
rechte Leiste
Infizierte Wunde
nein
Wundart
chronisch
Wundgrund
Granulationsgewebe, Fibrin, Biofilm
Wundumgebung
unauffällig
Wundrand
ödematös
Exsudation
stark
Abstrichentnahme
nein
Ausgangssituation
Anfang Mai erleidet Herr A. einen Infarkt, woraufhin eine Angiographie (Darstellung von Blutgefäßen) mit Stentanlage (Gefäßstütze zur Erhaltung des Durchflusses von Gefäßen oder Organen) durchgeführt wird. Dabei ergibt sich als Komplikation eine massive Einblutung im Bereich der Leiste, erkennbar an einer starken Schwellung und einem Abfall des Hämoglobinwerts. Noch am selben Tag erfolgt eine OP, in der eine Gefäßnaht gesetzt und das entstandene Hämatom ausgeräumt wird. Nach einem zunächst unauffälligen postoperativen Verlauf kommt es eine Woche nach dem Eingriff erneut zu einer Schwellung im Bereich der Leiste. Das festgestellte Serom wird zunächst punktiert, nach weiteren fünf Tagen mit zunehmender Schwellung wird eine Wundrevision vorgenommen. Die entstandene Wundhöhle wird mit Unterdrucktherapie versorgt und nach zwei Wochen wird die Wunde teilweise verschlossen. Die Restwunde soll sekundär verheilen und Herr A. wird zur Versorgung in eine spezialisierte pflegerische Einrichtung übergeleitet.
Nach der Entlassung am Vortag stellt sich Herr A. erstmals in der Einrichtung vor. Sein Ziel ist es, möglichst bald den Wundverschluss zu erreichen, um sich wieder uneingeschränkt seinen Aktivitäten widmen zu können. Die verbliebenen Fäden sollen dem Entlassbrief zufolge ab dem zehnten Post-OP-Tag nach und nach entfernt werden.
Anamnese
Diagnose
Bei der koronaren Herzkrankheit führen arteriosklerotische Verengungen der Herzkranzgefäße zu einer chronischen Mangeldurchblutung des Herzmuskelgewebes (vgl. Robert Koch-Institut (19.05.2026). Koronare Herzkrankheit: DALY. RKI).
Der Wundverlauf auf einen Blick
Behandlungs- und Heilungsverlauf
Bei der ersten Vorstellung am 03.06.2026 (Foto 1) hat die Wunde eine Länge von 6,5 cm, eine Breite von 1,3 cm und eine Tiefe von 5 mm. Der Wundgrund ist mit Granulationsgewebe, Fibrin und Biofilm belegt. Der Wundrand ist ödematös, Wundumgebung und Umgebungshaut sind unauffällig. Die Wunde exsudiert viel und das Exsudat ist serös, gelb-grün und geruchlos. Schmerzen hat Herr A. laut eigener Angabe nicht.
Therapie
- Wundreinigung mit Octenidin
- Keine besondere Hautpflege, regelmäßige Rasur der Umgebungshaut mit Einmalrasierer abhängig vom Haarwuchs
- Wundgrund: Polihexanid-Macrogolsalbe 0,04 % und als Wundfüller Hydrofaser
- Abdeckung: Superabsorber (10 x 10)
- Fixierung: Folienverband (aufgrund der Lokalisation)
- Versorgungsintervall: viermal wöchentlich
Um die Wundheilung zu unterstützen, wird Herrn A. empfohlen, sich nur moderat zu bewegen und viel zu liegen. Dabei soll er Druck auf die Wunde ausüben.
In den ersten Tagen der Versorgung nimmt die Exsudation zu, sodass vorübergehend ein größerer Superabsorber (10 x 20) eingesetzt wird. Am 17.06.2026 kann der letzte Faden entfernt werden, die Exsudation hat inzwischen deutlich nachgelassen und die Versorgung erfolgt wieder mit einem Superabsorber (10 x 10).
Am 01.07.2026 (Foto 2) hat die Wunde eine Länge von 4,6 cm, ist 0,9 cm breit und auf Hautniveau (0 mm). Auf dem Wundgrund zeigen sich ein Granulationsödem und Hypergranulation. Der Wundrand ist intakt und die Wundumgebung sowie die Umgebungshaut sind gepflegt und unauffällig. Die Wunde exsudiert mäßig, serös, gelb und geruchlos.
Therapie
- Mechanische Entfernung der Hypergranulation durch Einsatz einer Pinzette
- Wundreinigung mit steriler Kochsalzlösung
- Abdeckung mit einem Superabsorber (10 x 10) und Fixierung mit Folienverband
- Versorgungsintervall: dreimal wöchentlich
Die Hypergranulation muss bei nahezu jeder Versorgung erneut entfernt werden. Herrn A. wird dringend empfohlen, sich mehr zu schonen und die meiste Zeit des Tages Druck auf die Wunde auszuüben. Seine Einkäufe erledigt inzwischen seine Tochter einmal die Woche und er erhält gelegentlich Unterstützung durch seinen Nachbarn. Sein Essen lässt er sich derzeit liefern, damit er nicht in der Küche stehen muss.
Die Maßnahmen greifen und etwa zwei Wochen später ist intaktes Granulationsgewebe ohne Ödem oder überschießendes Wachstum erkennbar. Das Versorgungsintervall wird auf zweimal wöchentlich verlängert. Herr A. soll sich weiterhin viel Ruhe gönnen, muss jedoch nicht länger Druck auf die Wunde ausüben.
Bei Herrn A.s nächster Vorstellung am 22.07.2026 (Foto 3) ist die Wunde 0,1 cm lang, 0,2 cm breit und weiterhin auf Hautniveau. Auf dem Wundgrund ist Granulationsgewebe zu sehen. Der Wundrand ist intakt und die Wundumgebung gepflegt und unauffällig. Die Wunde exsudiert nur noch wenig, das Exsudat ist serös, gelb und geruchlos. Die Wundversorgung wird wie zuvor beschrieben zweimal wöchentlich durchgeführt.
Herr A. ist sehr zufrieden mit dem Verlauf und hält sich strikt an die Empfehlungen, um den Erfolg nicht zu gefährden. Er lässt sich sein Essen weiterhin liefern, obwohl es ihm schwerfällt, nicht selbst zu kochen. Die Versorgung mit den Einkäufen durch seine Tochter funktioniert gut.
Einen Tag später, am 23.07.2026 (ohne Foto) muss eine linsengroße Blutblase im Bereich des letzten entfernten Fadens ausgestrichen werden.
Am 13.08.2026 (Foto 4) ist die Wunde abgeheilt. Herr A. freut sich sehr darauf, seine regelmäßigen Aktivitäten wieder aufnehmen zu können. Er hat sich allerdings vorgenommen, mehr Pausen in sein Leben einzubauen. Die Belieferung mit größeren Einkäufen hat er inzwischen über einen Lieferdienst organisiert, sodass die Besuche seiner Tochter nun wieder vor allem dem gegenseitigen Austausch dienen.
Bitte beachten Sie, dass es sich hier um ein konkretes Fallbeispiel handelt, das nur eine mögliche Behandlungsoption darstellt. Beachten Sie zudem, dass wir nicht gewährleisten können, dass in den von uns dargestellten Fallbeispielen ausschließlich Produkte von DRACO® zur Anwendung gekommen sind.
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