Pflaster fürs Weltall: Das hilft nicht nur Astronauten
Eine Rakete bringt ein besonderes Wundpflaster in die Stratosphäre. Forschende testen, ob lebende Zellen, Gel und Spezialfasern einen Raketenstart überstehen – für Einsätze im All und auf der Erde.
Stellen Sie sich vor, Sie schneiden sich bei einem Einsatz auf der Raumstation – und statt Mullbinde kommt ein Hightech-Pflaster mit lebenden Zellen zum Einsatz. Genau daran arbeiten Forschenden im Projekt StellarHeal, das jetzt mit einem Testpaket an Bord einer Forschungsrakete in die Stratosphäre gestartet ist.
Darum sind Astronauten-Pflaster wichtig
Im All heilen Verletzungen schlechter: Vereinfacht gesagt, verwirrt die fehlende Schwerkraft die Zellen, dauerhafte Strahlung schwächt die Abwehr, Wunden schließen sich langsamer, entzünden sich leichter und vernarben stärker. Die Wundheilung ist also gestört. Gleichzeitig sollen Astronautinnen und Astronauten sich möglichst selbst versorgen und schnell weiterarbeiten können.
StellarHeal setzt dafür auf eine Art saugfähiges Faserpflaster, das der Körper nach und nach abbaut. Durch einen speziellen Mechanismus dichtet es Blutungen ab: Eine Beschichtung hilft, dass das Blut rasch stockt, ohne dass jemand ständig den Verband wechseln muss. Sie fördert also die erste Phase der Wundheilung. In das Fasergewebe des Pflasters packen die Teams lebende Hautzellen und Immunzellen.
Zu den Immunzellen gehören sogenannte Makrophagen, also „Fresszellen“, die Keime und Zellreste aufnehmen und an Entzündungs- und Reparaturprozessen beteiligt sind. Zusammen mit speziellen Hautzellen sollen sie die Wunde schneller schließen, Keime in Schach halten und dazu beitragen, auffällige Narben zu vermeiden.
Echte Teamarbeit für die Wundversorgung
Drei Einrichtungen haben dafür ihr Wissen eingebracht: In Würzburg entstehen künstliche Mini-Hautstücke, aus denen passende Zellen gewonnen werden. In Hannover erzeugt ein Team aus umprogrammierten Körperzellen gezielt Makrophagen und Knochenmarksmodelle, die laufend frische Abwehrzellen liefern. In Dresden entwickelt ein Institut ein Gel, das diese Zellen tiefgekühlt schützt und nach dem Auftauen wieder leben, wachsen und sich teilen lässt – entscheidend, damit sie später wirklich Gewebe aufbauen können.
Mit dem THRIVE-Experiment testen die Forschenden nun in einem gekühlten Transportmodul, ob all diese Bausteine einen Raketenstart aushalten. Ein Teil der Proben fliegt mit, ein zweiter bleibt am Boden und dient als Vergleich. Aus den Unterschieden wollen die Teams ableiten, ob StellarHeal dazu geeignet ist, die Wundheilung im All zu fördern.
Klar ist: Wenn das Faserpflaster funktioniert, werden davon nicht nur Astronauten profitieren. Denn dann ließe sich die neue Technik auch auf der Erde bei chronischen Wunden einsetzen.
Quellen:
Die innovative Weiterbildungsplattform für die Wundversorgung
DRACO Wunde+