Leitfaden: Wundauflagen gezielt einsetzen
Bei der Wundversorgung helfen klare Kriterien, um passende Auflagen zu wählen. Außerdem sind die Angaben auf den Verordnungen wichtig, um Kosten zu sparen und das Gebot der Wirtschaftlichkeit zu erfüllen.
Die Ärztezeitung hat Infos zum Thema Wundauflagen aus einer hausärztlichen Fortbildung zusammengestellt, die bei der Wahl der Produkte helfen sollen. Demnach ist es nicht zwingend notwendig, alle Details der zahlreichen Wundversorgungsprodukte zu kennen. Es reiche, den Zustand der Wunde sorgfältig zu untersuchen. Im nächsten Schritt könne der sogenannte Wundauflagenleitfaden (WAL) zum Einsatz kommen, der am Universitätsklinikum Halle entwickelt wurde.
So funktioniert der Leitfaden für die Produktauswahl in der Wundversorgung
Fachleute, also Ärzte, Ärztinnen oder Gesundheitspersonal mit einer Zusatzqualifikation in der Wundversorgung, beurteilen nach einer sorgfältigen Reinigung den Zustand der Wunde, vor allem ihre Farbe und ihr Sekretionsverhalten. Diese Merkmale zeigen, welche Auflage in der aktuellen Heilungsphase sinnvoll sein könnte. Für den Wundleitfaden sind chronische Wunden in drei Farben unterteilt: schwarz, gelb und rot.
Schwarze Wunden weisen auf abgestorbenes Gewebe hin. Bleibt die Fläche trocken, reicht eine sterile Kompresse, um sie trocken zu halten. Bei nässenden Nekrosen muss das abgestorbene Material bis ins vitale Gewebe entfernt werden.
Gelbe Wunden enthalten meist Fibrinbeläge. Bei wenig Sekret eignet sich Hydrogel, kombiniert mit einer haftenden Schaumstoffauflage. Nässt die Wunde stärker, kommen Schaumverbände bei flachen Wunden oder Alginate mit Schaumstoff bei tiefen Defekten zum Einsatz.
Rote Wunden weisen auf gut durchblutetes, heilungsfähiges Gewebe hin. Hier sorgen Hydrogele oder Schaumverbände dafür, dass die notwendige Feuchtigkeit bleibt, ohne dass sich überschüssiges Sekret staut.
Ziel ist immer, das Sekret aufzunehmen, abzuführen und gleichzeitig das Wundmilieu feucht zu halten. So verhindert man Mazerationen und Infektionen – Grundvoraussetzungen für eine komplikationsfreie Heilung. Nur völlig trockene Nekrosen werden weiterhin trocken behandelt.
Allgemeine Angaben, statt konkreter Produkte
Ein wichtiger Aspekt ist zudem die Wirtschaftlichkeit der Verordnung. Sämtliche Wundmaterialien zählen zum Arzneimittel-Budget der Praxis. Ärztinnen und Ärzte tragen daher Verantwortung für eine wirtschaftliche Auswahl.
Wichtig zu wissen: Die Beschäftigten in Apotheken dürfen Wundauflagen in der Regel nicht gegen preiswertere Alternativen austauschen – anders als bei klassischen Arzneimitteln. Daher sollten allgemeine Bezeichnungen wie „Schaumstoffwundauflage 10 x 10 cm, steril“ auf der Verordnung hinterlegt sein, um das Gebot der Wirtschaftlichkeit zu erfüllen. Das ermöglicht es dem Apotheken-Team, passende und kostengünstige Produkte auszuwählen. MFA sollten das im Blick behalten. Mehr Hintergrundwissen vermittelt das DRACO Wunde+ Fortbildungsangebot.
Aus dem gleichen Grund sollten Sie bei der Zusammenarbeit mit Wundmanagern Wert darauf legen, dass auch diese Produktwünsche entsprechend formulieren und keine konkreten Hersteller benennen.
Für PTA und PKA macht es Sinn, Preislisten griffbereit zu halten und vor allem günstige Produkte in den Lagerbestand aufzunehmen. Nehmen Sie bei unklaren Rezeptangaben Kontakt mit der Praxis auf, um Regresse zu vermeiden.